Abschied von Auto und Leben als Autofahrer

Nein, ich wurde nicht zum Fußgänger degradiert…

Heute hieß es Abschied nehmen. Der rote Renner, der mich ein paar Jahre (meistens) sehr gut durch die Gegend gefahren hat, macht sich auf den Weg. Auf den Weg in ein neues Leben, so hoffe ich zumindest. Er war nie mein Eigentum, doch jahrelang in meinem Besitz und fuhr mich zur Arbeit, zum Sport, in den Urlaub, auf Ausflüge und und und.

Mach’s gut, roter Renner!

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, wurde von mir kaum noch gefahren, hätte sich fast die Füße eckig gestanden. Doch wenn er fuhr, wie zuletzt, als ich in den Mai tanzte, dann fuhr er gut. Und sehr entspannt. Das Gefühl, seine 200 PS ausfahren können, gab mir stets das gute Gefühl der Gelassenheit, die vielen PS nicht ausfahren zu wollen. Meistens war ich mit entspannten 120 (manchmal auch weniger) auf der Autobahn unterwegs, das brauchte weniger von meinen Nerven und auch erfreulich wenig Kraftstoff. Einmal hätte ich die 1.100 km mit einer Tankfüllung erreicht, entschied mich dann aber, nach 927 km dann doch zu tanken, um mein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren und unterwegs ohne Sprit liegenzubleiben.

 

Geschätzte 1100km mit einer Tankfüllung

Der rote Renner war ein tolles Auto für die Langstrecke, aber die kommt bei mir kaum vor. Und derjenige, der den roten Renner einst gekauft hatte, hat eingesehen, dass es besser ist, nicht mehr selbst hinter dem Steuer zu sitzen. So fiel die Entscheidung, den roten Renner abzugeben nicht ganz leicht, aber sie fiel dann doch letztendlich. So gab es heute einen doppelten Abschied: Der rote Renner macht sich auf den Weg in ein neues Leben und jemand hat heute eingesehen, dass er nun kein Autofahrer mehr ist. Ein Abschied, der den allermeisten von uns auch (irgendwann) bevorstehen wird.

Was mich daran tröstet ist der Gedanke, dass es dann, wenn es bei mir soweit sein wird, ganz anders zugehen wird. Zum Beispiel so:

Ich bin irgendwo und möchte an einen anderen Ort. Ich betätige meinen Kommunikator, spreche ein „Harry, hol schon mal den Wagen vor…“ in das Gerät. Mein aktueller Standort wird ermittelt, das nächste verfügbare Auto fährt autonom zu mir. Natürlich berücksichtigt es dabei die aktuelle Verkehrssituation und wählt den jeweils besten Weg. Das System kennt meine Gewohnheiten, Heizung oder Klimaanlage werden entsprechend meinen Wünschen eingestellt. Dann ist das Auto da, angenehm temperiert, ich nenne mein Ziel und werde gefahren. Völlig autonom. Am Ziel angekommen, steige ich aus, das Auto fährt zum nächsten Einsatz. Oder zur Ladestation. Oder zur automatischen Reinigung.

Ich bekomme das, was ich eigentlich wünsche: Mobilität. Das eigene Auto, so wie wir es heute kennen, wird dazu nicht mehr nötig sein.

Wer dann noch selbst hinter dem Steuer sitzt, tut es aus dem selben Grund, warum ich reite. Es ist eine Freude, keine Notwendigkeit mehr.

„Cannabis“ im Büro

Manche Kollegen kokettieren mit ihrem seltsamen originellen Verhalten und erklären es damit, dass sie im Büro Cannabis anbauen und den Eigenanbau auch kräftig konsumieren. Bei genauerer Betrachtung klärt sich dann, warum die Kollegen nicht so drauf sind, wie man es von dauer-breiten Gewohnheitskiffern erwartet:

Wenn die Kollegen mal wieder das falsche Kraut rauchen…

Beschäftigungen während (langweiliger) Telefonkonferenzen

Telefonkonferenzen sind toll. Nein. Telefonkonferenzen können toll sein. Man hört Stimmen von Kollegen, von denen man nur die Namen kennt. Und man kann auch so erfahren, wie woanders gedacht wird und wir man Dinge, die man hier immer so machte, woanders machte. Kurzum: Telefonkonferenzen können einen echt bereichern. Doch damit das wirklich so ist, müssen viele Bedingungen erfüllt sein:

Jeder, der nicht gerade redet, schaltet sein Mikrofon stumm. Sonst hört man viele Menschen atmen, husten, schiefen, auf der Tastatur tippen und und und .

Es sollte einen aktiven Moderator geben, der einzelnen Teilnehmern das Wort erteilen (oder auch entziehen) kann. Wer eine Frage oder ein sonstiges Anliegen zum gerade besprochenen Punkt hat, schreibt den Moderator per Messenger an und teilt seine Wünsche mit. Der Moderator entscheidet dann oder fasst Fragen zusammen. Dabei hat sich das QIDT-System bewährt:
Q – Question, ich möchte eine Frage stellen.
I – Information, ich möchte eine (ergänzende) Information dazu geben.
D – Discussion, ich möchte diesen Punkt diskutieren.
T – ToDo, daraus ergeben sich Aufgaben (die ich jemandem zuweisen möchte).

Es gibt eine Tagesordnung, wer wann worüber sprechen wird.

Und es gibt ein Protokoll, in dem die wichtigsten Punkte zum späteren Nachlesen festgehalten werden.

Leider ist die Welt nicht perfekt und viele Telefonkonferenzen ziehen und ziehen sich, manchmal über Stunden und es kommt nur wenig dabei heraus, trotzdem muss man daran teilnehmen, auch wenn einen das besprochene Thema überhaupt nicht betrifft. Ich habe Menschen gefragt, wie sie sich die Zeit in (langweiligen) Telefonkonferenzen vertreiben. Hier eine Liste der ungewöhnlichsten Antworten:

A, weiblich, einzelnes Büro
Ich hab ein Maniküre-Set in der Schreibtischschublade. Ich kann dann meine Nägel bearbeiten, die alte Farbe entfernen, feilen, und dann in wirklich alles Seelenruhe neuen Nagellack auftragen und trocknen lassen. So werden 2 bis 3 Stunden Telefonkonferenz halbwegs erträglich.

B, männlich, einzelnes Büro
Wenn ich weiß, dass der Ober-Chef mal wieder zu seinen Telefon-Monologen einlädt, dann habe ich meistens ein paar Schuhe mehr im Büro. Die kann ich dann in aller Gründlichkeit putzen. Zu Hause habe ich Frau und Kinder, da hätte ich nie die Ruhe, außer beim sonnabendlichen Krimi, aber meine Frau würde mich umbringen, käme ich auf die Idee, beim gemeinsamen Fernsehabend meine Schuhe zu putzen.

C, männlich, Gruppenbüro
Ich bekomme ja so viele E-Mails, von denen ich die meistens nicht ansehe. Im Laber-Meeting habe ich dann die Zeit, die ungelesenen Mails mal zu überfliegen und dann zu entscheiden, ob ich die Mails weiterverfolgen muss, ob sie einfach nur irgendwo abgelegt werden oder ob ich sie löschen kann. Ohne TelCo würde ich den Überblick über meine Mails komplett verlieren.

D, weiblich, Einzelbüro
Zu meinen Jobs gehört das Wegsortieren vieler Papiere in entsprechende Ordner. Unter der Woche komme ich nicht dazu, da sind dann die Zeiten der Telefonkonferenz echt immer gut geeignet. Ich weiß sowieso nicht, warum ich daran teilnehmen muss, aber mein Chef will das so, also höre ich zu und schaffe da ein paar hundert Blatt Ablage. Ich habe da schnurloses Headset, verteile die ganzen Papiere durch mein Büro, mache Häufchen, die ich dann sortieren und dann in die Ordner ablege.

E und F, männlich, gemeinsames Büro
Wir beide spielen dann immer Online-Spiele auf unseren Handys. Haben uns in den TelCos ganz schön weit nach vorne gespielt 🙂

G, weiblich, Einzelbüro
Ich nutze die Telefonkonferenzen dann oft für Sport, ich mache Dehnübungen, lege auch mal ein Bein auf den Tisch oder mach Spagat auf dem Fußboden. Einmal kam ein Kollege trotz des Schildes „Bitte nicht stören, Telefonkonferenz“ rein und staunte nicht schlecht, als er mich dann da so turnen sah.

Was Klamottenhersteller von Flugzeugherstellern lernen könnten

Ich wasche gerne Wäsche. Ich mag meine Waschmaschine, verwandelt sie doch getragene — und seien wir ehrlich — manchmal auch recht schmutzige Wäsche wieder in saubere Klamotten. Und während ich meine Hosen zum Waschen mal auf links ziehe, betrachte ich die Hose mal genauer. Und auch die Stellen, an denen der Stoff etwas angegriffener aussieht: Es sind die Stellen, an denen die Gesäßtaschen oben abgeschlossen sind.

Die Taschen sind nicht einfach nur aufgenäht, der Stoff ist umgeklappt und dann mit einer Doppelnaht auf der Hose angenäht. Am oberen Rand ist der Stoff nicht nur vertikal umgeklappt, die Tasche hat auch noch eine weitere Verstärkung, der Stoff ist auch noch horizontal umgeklappt, dadurch bestehen die oberen Ecken der Tasche aus vier Lagen, die dann auf das Gesäß der Hose aufgenäht sind.

Und genau hier ergibt sich das Problem: Vier Lagen Stoff, vernäht mit einer stabilen (und unflexiblen) Doppelnaht, ergeben ein große Kräfte, die dann auf die eine Lage Stoff der Hose wirken. Und dort gibt der Stoff dann eben schnell auf als er eigentlich müsste. Und genau hier kommt die Erfahrung der Flugzeughersteller ins Spiel. Früher[tm] baute man Flugzeuge mit eckigen Fenstern. Warum auch nicht? Dann flogen Flugzeuge höher und höher und die Passagiere wollten dabei keine Sauerstoffmasken tragen, also musste der Kabineninnendruck deutlich über dem Luftdruck außen liegen. Dieses Überdruck erzeugt mechanische Spannungen, die sich an den rechtwinkligen Ecken der Fenster besonders auswirkten und zu Materialermüdung führten. Der Rumpf wurde dann im Flug schlagartig beschädigt, was dann zum Absturz führte.

Nun ist das Ausreißen des Stoffs an einer Jeans nicht so tragisch wie ein Flugzeugabsturz, aber vielleicht kann auch hier eine kleine Änderung dafür sorgen, dass ein ansonsten einwandfreies Produkt deutlich länger hält. Irgendwann, das ist sicher, sorgt die Abnutzung durch das Tragen und das viele Waschen dafür, dass der Stoff so verschlissen ist, dass die Hose ihren letzten Gang antreten wird: Zum Altkleider-Container.

IPv6 — Größere IP-Pakete

Die Umstellung des Interprotokolls Version 4 auf die Version 6 — eine Version 5 gab es nie — bringt auch die Möglichkeit größerer IP-Pakete bzw. größerer Nutzlasten mit sich. Das veranlasste einen Admin, sich einen Aprilscherz auszudenken.

Pünktlich am 1. April reichte er bei seinem Chef einen Antrag auf eine Weiterbildung für einen Staplerschein ein. Er begründete dies damit, dass die Umstellung von IPv4 auf IPv6 dann auch größere und schwerere IP-Pakete mit sich brächte und diese unmöglich per Hand abzuholen seien, also bräuchte er dafür einen Staplerschein.

Der IT-Chef, konnte darüber nur müde lächeln, wollte den Admin aber nicht so einfach mit diesem Scherz davonkommen lassen. Daher leitete er den Antrag an den Ober-Chef weiter. Dieser stutze kurz, roch den Braten und beschloss, dem Admin die Suppe zu versalzen. Mit dem IT-Chef wurde dann eine kleine Retourkutsche beschlossen.

Der IT-Chef reagierte scheinbar nicht, als der Admin mal ganz unschuldig nachfragte, was denn aus dem Antrag geworden sei, versprach der IT-Chef, mal nachzufragen, denn er habe das kaum gelesen und gleich weitergeleitet. Ein paar Tage später kam der IT-Chef zum Admin, hielt ihm einen Zettel hin und meinte „unterschreib das mal, geht irgendwie um einen Antrag, den Du gestellt hattest…“

Der Admin staunte nicht schlecht, dass sein Aprilscherz nicht als solcher erkannt wurde und dass er nun tatsächlich einen Staplerkurs besuchen sollte. Und er unterschrieb. In dem Moment kam auch wie zufällig der Ober-Chef vorbei und fragte den Admin, ob er gelesen habe, was er unterschrieben hatte. Hatte der Admin nicht so genau. Der Ober-Chef klärte den Admin dann auf, dass er nun auf den Staplerkurs fahren werde, man ihm aber dafür ein paar Urlaubstage abziehen werde. Das war dann Ober-Chefs Rache am Admin.

Der Ober-Chef hatte dem Admin allerdings die Möglichkeit gelassen, den Antrag zurückzuziehen, dann hätte es keinen Staplerschein gegeben und auch keine abgezogenen Urlaubstage. Der Admin wollte das nun aber durchziehen. Er besuchte dann den Kurs, machte den Schein. Und immer, wenn große Hardwarelieferungen ankommen, braucht die IT-Abteilung niemanden mehr zu fragen und kann das Material direkt von der Warenannahme in die entsprechenden Lager- oder Serverräume transportieren.

IP-Pakete, sei es nun IPv4 oder IPv6, hat der Admin allerdings bis heute nicht mit dem Stapler transportiert 🙂

Einst und jetzt

Viele von uns kennen das vielleicht: Man sieht sich etwas bei Youtube an, folgt danach einem Verweis auf einen anderen interessanten Clip, sieht den an und dann immer so weiter. So landete ich neulich bei „Love Parade 1998 – One World, One Future“ von Dr. Motte und Westbam. Mit diesem Song verbinde ich ein ganz besonderes Erlebnis:

Wir schreiben das Jahr 1998, es ist Sommer, genauer, es ist der 11. Juli 1998. Ich besuche meinen Opa in seinem Seniorenheim. Wie es bei vielen älteren Leuten nicht unüblich ist, steht sein Fernsehapparat nicht einfach auf einem Regal, er hatte einen kleinen Schrank, in dem das Gerät „versteckt“ wurde. Wollte man es benutzen, musste man die Türen öffnen. Je nach dem, wie weit man sie öffnete, bildeten sie eine Art von „Scheuklappen“, so dass man schon direkt vor dem Gerät sitzen musste, um auf den Bildschirm sehen zu können.

So auch diesen Samstagnachmittag. Opa sitzt vor dem Fernsehapparat und sieht gebannt auf den Bildschirm. Er trug dabei einen speziellen Kopfhörer, damit er trotz seiner Schwerhörigkeit den Ton hören konnte, der normale Ton war dann aus. Wie üblich, wenn ich ihn besuchte und er fernsah, fragte ich ihn, was er gerade ansah. Opa verstand mich nicht, er war ganz in sein Fernsehprogrammm vertieft. Ich wurde lauter, fragte erneut. „Ich verfolge den Aufmarsch.“ Ich verstand nur Bahnhof. „Welchen Aufmarsch?“ wollte ich wissen. „Den Aufmarsch in Berlin“ sagte er, ohne aufzublicken. Immer war ich noch nicht schlauer und trat zu ihm, damit ich endlich erkennen konnte, was ihn so fasziniert.

Ich war schockiert. Mein Opa sah sich die Übertragung der Love Parade an. Er musste sich verschaltet haben… „Was siehst Du denn da?“ fragte ich ihn wieder. „Na, die Übertragung von dem Aufmarsch in Berlin. Kenne ich ja noch von früher.“ Mein Opa war fast 100 Jahre alt und hatte bestimmt noch gute Erinnerungen an Aufmärsche mit Marschmusik und Fackelschein, damals im Berlin der 30er Jahre. „Damals war die Musik besser, dafür ist es heute hübscher anzusehen…“ und er deutete auf den Bildschirm, auf dem junge Frauen im sehr knappen Outfits durchs Bild tanzten.

Ich hatte keine weiteren Fragen mehr…

Und ich schwöre, es ist genau so passiert, wie ich es aufschreibe.

Kauf teuer, sonst wird es noch viel teurer!

Der Titel dieses Artikels mag zunächst paradox erscheinen, aber wird sich erklären, wenn man diesen Artikel liest.

BWLer, so sagt man, sind wirklich gut darin, bestimmte Mosaiksteinchen zu Tode zu optimieren. Wenn sie dabei allerdings nicht das gesamte Bild im Auge haben, dann kommt es schnell mal vor, dass die hier zwar einen Euro optimieren können, dadurch aber woanders zusätzliche Kosten von vielen Euro entstehen. Gut, das war dann nicht Aufgabe der Optimierung, kommt vielleicht auch später heraus, wenn der Clownsultant Berater lange woanders sein Unwesen treibt im nächsten Projekt weitere Erfahrungen sammelt.

Danken wir uns wieder einen großen Konzern, den wir uns schon ein paar Artikel weiter vorne gedacht hatten. Und weil wir ja ein großes Unternehmen sind, haben wir Standards. Also kaufen wir möglichst alles an Hardware aus einer Hand. Es gibt ja ein paar Global Player, die einen so ziemlich überall auf der Welt beliefern können, was Laptops, PCs und Server angeht. Und natürlich Monitore…

Weil wir ja ein großes Unternehmen sind, haben wir eine Stelle, die Boot-Images für alle erstellt. Also das Betriebssystem, dann die Hardware-Treiber, die Sprachpakete der jeweiligen Region und dann die Anwendungspakete. Und damit wir nicht für jeden Hardware-Anbieter einzelne Pakete bauen müssen, haben wir eben nur einen Hardware-Lieferanten. Dadurch erreichen wir auch größere Stückzahlen und bessere Preise.

Und weil wir schlau sind, kaufen wir Qualität. Also nicht die Baureihe $Billiger_Plunder sondern die Baureihe $Anständige_Qualität. Ja, es gibt auch bei namhaften Herstellern unterschiedliche Serien, gerade bei Laptops. Hier hat man Metallgehäuse, dort hat man Plastik. Hier sind die Geräte für den Einsatz „Ständig unterwegs“, dort sind die Geräte für dein Einsatz „Wird nur zuhause genutzt und mal Nichtgebraucht zugeklappt“. Und warum bauen die Hersteller mehrere Serien? Der Markt verlangt beides. Ein Teil des Marktes möchte seine Außendienstler (Mitarbeiter lebt aus dem Koffer) bedienen und braucht Geräte, die das den Lebenszyklus des Gerätes aushalten. Ein anderer Teil des Marktes möchte keinen (klobigen) PC, stattdessen lieber einen Laptop, den man bei bedarf aus der Schublade zieht, aufklappt, ihn nutzt, dann wieder zuklappt und in der Schublade verstaut.

Soweit, so … banal.

Was passiert nun, wenn irgendjemand im Unternehmen der Meinung ist, dass die IT-Kosten zu hoch sind? Man holt eine Beratungsfirma, die dann einen Berater ansetzt. Gut, der versteht nur einen kleinen Teil des ganzen Geschäfts, aber er findet dann eine Lösung, mit der man 20% sparen kann.

Wow! 20% Ersparnis. Da bekommen die Projektverantwortlichen dann nicht nur feuchte Augen. Die alten IT-Hasen ahnen jedoch Schlimmes. Womit? Mit Recht! Schnell stellt sich heraus, dass es ein anderer Anbieter werden wird. Und dann dessen Modelle. Und bei genauerer Betrachtung kommt dann raus, dass der Berater Äpfel mit Birnen vergleicht: Hier die Profi-Serie, dort die Amateur-Serie. Weniger Ausstattung, weniger Qualität.

Und nun kommt der ganze Rattenschwanz: Das Team, dass Images gebaut hat, hat erheblichen Mehraufwand, denn der neue Hersteller will seine Treiber in den Images haben, das kostet. Wo man früher bequem 2 Monitore anschließen konnte, braucht es nun Adapter, die kosten. Und die neuen Geräte, besonders die Laptops, nicht zu standfest wie die alten Geräte sind, kommt es vermehrt zu Ausfällen.

Und nun kommt der entscheidende Ansatz, den offenbar viele Berater aus der BWLer-Fraktion nie gelernt oder nie verstanden haben. Man muss immer die Kosten über die gesamte Lebensdauer rechnen und vergleichen. Nehmen wir eine Lebensdauer von 3 Jahren, dann haben wir einmal den Kaufpreis. Naja, eher die Leasingkosten, da wir die Geräte leasen. Der Kaufpreis wirkt sich in den Leasingkosten aus. Aber auch nur recht gering. Denn … dann kommen Kosten für die Grundeinrichtung der Geräte, also Inventarisierung, Grundbetankung mit Betriebssystem und Standard-Software. Und dann kommt die Migration von Programmen und Daten vom Altgerät auf dieses Gerät. Und dann lassen wir Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen damit arbeiten. Am Ende der geplanten Lebensdauer kommen dann noch ein paar Arbeiten hinzu: Umzug der Lizenzen auf das Nachfolgegereät, De-Inventarisierung, Löschen der Festplatten, dann die eigentliche Rückgabe / Abholung durch den Leasinggeber.

Fällt ein Gerät aus, dann haben wir zusätzliche Arbeit: Ein neues Gerät muss vom Hersteller angefordert werden, es muss nicht nur inventarisiert werden, es müssen auch Altgerät und Ersatzgerät in den Datenbanken der Leasinggeber „glattgezogen“ werden. Und dann muss Dr. Dingenskirchen solange ohne Laptop auskommen. Oder auf die Schnelle ein Ersatzgerät bekommen. Alles Aufwand, alles Kosten. Jede Stunde, die Herr Doktor nicht (richtig) arbeiten kann, kosten die Firma richtig Geld. Jede Stunde, in der die IT (vermeidbaren) Aufwand hat, kostet auch.

Schnell stellt sich heraus, dass man auf dem Papier vielleicht 20% sparen konnte, wenn man aber das gesamte Bild sieht, nicht nur ein Mosaiksteinchen, dass es deutlich teurer wurde. Dass Dr. Dingenskirchen auf die IT nicht mehr gut zu sprechen ist, weil er mit einer Billig-Gurke von Laptop arbeiten muss, ganz zu schweigen.

Ein Kollege formulierte es so:

Vielleicht sollten wir bei den Dienstwagen der Vorstände auch mal 20% sparen. Also keine Sitzheizung mehr, keine Klimaanlage mehr, kleinere Motorierung… dann werden die merken, dann billig eben oftmals viel schlechter ist.

 

Sex sells — Wie „flat“ sind Flatrates?

Ich stehe an einer roten Ampel, mein Blick fällt auf eine Plakatwand. Dort räkelt sich „Alice“ leicht seitlich auf dem Bauch liegend und ist nur mit etwas rotem Schleifenband verhüllt. Sie wirbt für irgendwas mit Telefon und Internet und mit Flatrate und so.

Die Ampel ist noch so rot wie das Band, mit dem ihre Blöße (vor mir) verborgen wird und meine Gedanken schweifen ab. Wieso muß man bei Telefon und Internet mit kaum verhüllten Frauenkörpern werben? Na klar, Sex sells. Viele Produkte lassen sich mit Sex eben besser an den Mann bringen.

Aber wenn schon Werbung mit Sex, dann bitte anständig unanständig. Bei Werbung für eine Flatrate dann bitte entsprechend sehr kurvige Frauen, vielleicht mit dem Spruch: „Das Einzige, was bei mir flach ist, ist meine Flatrate“.

Aber mal im ernst, sind wir schon soweit, daß man selbst Telefon und Internet mit mehr oder weniger nackter Haut verkaufen muß? Bei Werbung für Körperpflegeprodukte oder Unterwäsche kommt man an mehr oder weniger bekleideten Körpern nicht vorbei. Aber bei Telekommunikation?

Nein, ich bin kein religiöser Fundamentalist, der beim Anblick einer unverschleierten Frau gleich Angst vor der Sünde hat, aber muß man wirklich alles mit Sex bewerben? Werde ich meine Bank wechseln, weil die XYZ-Bank mit Sex wirbt? Kaufe ich die Milch der Marke ABC, weil statt glücklichen Kühen auf der Verpackung nun vollbusige Frauen abgebildet sind? Natürlich nicht.

Vielleicht sollte ich deswegen auch nicht zu Alice wechseln. Und wenn das nächste mal die Zeugen Jehovas Vertreter von Alice bei mir an der Tür stehen, dann werde ich betreten gucken und ihnen erklären, daß ich nicht Kunde bei Firmen werde, deren Werbung ich für sexistisch und frauenverachtend halte und mir dabei jedes Grinsen verkneifen.

Und ich werde über deren Reaktion berichten, versprochen.

Hinweis: Dieser Artikel war im alten Blog und hat den Umzug verpasst. Deswegen erscheint er jetzt erneut. Der Originalartikel war aus dem Jahre 2006

Boots On The Ground

Ich hatte es im Eintrag nebenan schon geschrieben: Manchmal hilft einem ein „Helferlein“ in Far-Far-Away nicht viel, überhaupt nicht oder nicht (schnell) genug. Manchmal braucht man Augen, Ohren, Hände und — gaaaaanz wichtig — Sachverstand vor Ort, um Dinge zu entscheiden, zu reparieren oder zu schnell zu reagieren. Der Service aus Far-Far-Away, der denn nach Ende des Monsuns versucht, die Dinge zu verstehen und — im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten, denn man ist ja kein deutscher Muttersprachler — zu erledigen, bringt oftmals nicht die Lösung, die es braucht.

Denken wir uns wieder das große Unternehmen, und denken wir uns wieder Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen, der dringend ein paar Sachen ausdrucken möchte, nein, es eilt, der ausdrucken muss. Und nun druckt sein Drucker nicht. Ja, es gibt mittlerweile Follow-Me-Drucklösungen, bei denen man seinen Druckauftrag an einer zentralen Stelle abliefert, sich dann (quer durch ein größeres Firmengelände) auf den Weg macht, um seine Ausdrucke woanders abholt…

Aber bezahlen wir Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen wirklich dafür, dass er minutenlang ’spazieren‘ geht weil sein Abteilungsdrucker nicht druckt und er seine Ausdrucke irgendwo abholen muss? Und bezahlen wir Dr. Dingenskirchen auch dafür, dass er beim Anruf der Hotline in Far-Far-Away ein paar Minuten in der Warteschleife hängt? Vor allem, wenn es eine lokale IT gibt, bei der er nur mal ‚pfeiffen‘ müsste, damit die Jungs antraben? Kalkulieren wir mal mit einem Stundensatz von 240€, die Herr Doktor kostet, dann wissen wir, dass jede Minute 4 Euro kostet. 10 Minuten Wartezeit kosten dann lockere 40 Euro. Und dann muss Dr. Dingenskirchen doch noch zum anderen Drucker. Der Weg ist weit, führt ihn mehrere hundert Meter durch Treppenhäuser und Flure, durch einige Brandabschnittstüren (gehen nur auf, wenn man seinen Zugangschip davorhält, dann eine Sekunde wartet und dann die Tür aufdrückt), dann zum Drucker. Dort reiht sich Dr. Dingenskirchen geduldig in die Schlange der Druckerbenutzer ein und wartet, bis er seine Chipkarte vor den Drucker halten kann und dann, bis sein Ausdruck erstellt wird. Dann geht er wieder zurück. Das hat dann eine Viertelstunde gedauert. Also weitere 60 Euro.

Und nun betrachten wir die Kostenersparnis, die sich durch den Service from Far-Far-Away ergeben sollte. Genau: „sollte“: Schnell wurde aus billig eingekauften Service ein schlechter Service.

Denken wir uns einen Produktionsbetrieb, bei dem viele Anlagen PC-gesteuert sind. Und nun denken wir uns einen Ausfall eines solchen Steuerungs-PCs. Eine Zeit lang kann man sich vielleicht mit manueller Steuerung behelfen. Aber das bindet auch Personal und nicht alles kann der Mensch so gut wie der PC. Es droht Stillstand der Produktion. Was kostet eine Stunde Produktionsausfall? Und zahlt das Unternehmen vielleicht Vertragsstrafen, weil Liefertermine nicht eingehalten werden konnten? Natürlich kann man sich auch in diesem Fall auf den Service aus Far-Far-Away verlassen, aber…

Wie formulierte es ein Admin (und Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr) einst so schön:

Natürlich kann ein Unternehmen auf kompetente IT vor Ort verzichten und alles von irgendwo aus administrieren und reparieren lassen. Das ist dann so, als ob Kleinposemuckelsdorf auf die örtliche Feuerwehr verzichtet und im Zweifel dann einen Feuerwehr-Dienstleister aus Großposemuckelsdorf anfordert. Okay, der hat keine (oder keine genaue) Ortskenntnis, kennt nicht die örtlichen Begebenheiten, weiß nicht, in welchen Straßen der Altstadt man nur mit kleinen Fahrzeugen zurechtkommt… Aber man kann viel sparen. Zumindest, solange nichts passiert.

Denn wenn man die Feuerwehr man braucht, dann braucht man sie schnell. Und man braucht Feuerwehrleute, die sich auch in den verwinkelten Gassen der Altstadt auskennen und die Hydranten auch ohne langes Suchen finden.

Man kann es auch etwas anders sehen:

Ohne „Boots On The Ground“ oder „Hands-On“ geht im Zweifel nichts…

 

Spionage als Service

Kleiner Hinweis, dieser Artikel ist etwas… theoretisch. Ich rede hier von Dingen, die gut sein können, es kann aber auch alles ganz anders sein.

Denken wir uns einmal ein großes Unternehmen. So in der Größe eines multinationalen Konzerns. Also viele Länder und in jedem Land dann einen oder mehrere Standorte. Vieles an IT kann man zentralisieren. Sollte man auch. Warum soll an jedem Standort der Admin beim Aufsetzen neuer PCs den Schlüsselbund voller USB-Sticks rausholen und von denen betanken? Man bootet die Maschine und der Rest kommt vom Betankungsserver, davon steht eine lokale Instanz an jedem Standort und betankt dann die Maschinen, so schnell es technisch geht. Die Images werden an zentraler Stelle für eine ganze Region, zum Beispiel Europa, vorbereitet und dann auf den Europa-Server eingespielt, der repliziert wieder an die Standorte. So weit, so gut.

Andere Dinge lassen sich nicht so ohne weiteres zentralisieren. Man braucht in vielen Büros Drucker. Natürlich Netzwerkdrucker. Also auch einen Druck-Server dafür. Und wie alle Server, kann auch dieser Server einmal „stolpern“. Ein altes Admin-Sprichwort formuliert es so:

Im Netzwerk gibt es nur zwei Ursachen von Problemen: Benutzer und Drucker…

Und wenn der Drucker, der drucken sollte, nicht mehr druckt, dann ist … oftmals Holland in Not. Manchmal geht ein Lkw voller Ware erst dann vom Hof, wenn die Papiere ausgedruckt sind. Auch das Stück Terminfracht geht erst dann durch die Zollabfertigung, wenn die Papiere ausgedruckt sind. Manchmal kann es also schon sehr dringend sein, dass eine Störung behoben ist.

Da ist es dann gut, wenn jemand auf den Druck-Server sieht. Das macht der normale Admin so nebenbei. Auf einem seiner vielen Bildschirme zeigt ein Fenster an, welche Drucker oder Druck-Server eine Störung haben. Und dann sieht man sich das an und handelt. Die Tickets, mit denen eine Störung gemeldet, erfasst, behandelt wird und was ITIL noch so alles verlangt, macht man dann eben später.

Manche Firmen kommen nun auf die absonderliche Idee, diese Dinge auszulagern. Vielleicht noch an einen Dienstleister in Far-Far-Away. Gut, dort spricht und versteht man die deutsche Sprache und Mentalität auf seine eigene Art und Weise, was dann manchmal zu gewissen Reibungsverlusten führt. Und auch zu gewissen zeitlichen Verzögerungen. Natürlich kann man sich gewisse SLAs garantieren lassen. Aber solche Garantien sind im Zweifel einen Scheiß wert. Natürlich werden sich die Service-Kräfte um die Sache kümmern, gleich nach Ende des Monsuns.

Aber, worum es mir in diesem Artikel eigentlich geht: Jeder Admin, der auf den Druck-Server sieht, kann sehen, welche Dokumente gedruckt werden. Nicht den Inhalt des Dokuments, nur die Meta-Daten Druckauftrags (Eigentümer, Drucknamen, Datum- und Urzeit). Wer denkt, dass seien keine verwertbaren Informationen, der irrt. Druckt Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen zu später Stunde ein Dokument „Angebot über neues Produk QKX“, dann kann man daraus sehr wohl Schlüsse ziehen. Auch kann man auswerten, wie viele SAP-Druckjobs laufen. Laufen sonst pro Tag immer nur X Jobs, seit einiger Zeit aber Y Jobs, kann das ein Zeichen sein, dass die Firma mehr produziert. Auch sehr interessant.

Wenn wir das Monitoring, die Wartung und die Störungsbeseitigung unserer Druck-Server also an Dritte vergeben, dann geben wir wichtige Informationen über unsere Firma aus der Hand. Natürlich können wir glauben, dass niemand diese Informationen jemals sammeln und auswerten werde, erst recht nicht, dass diese Informationen jemals gegen unser Unternehmen verwendet würden. Wir können aber auch an den Weihnachtsmann glauben.

Aus meiner Sicht sprechen zwei Dinge dafür, die Druck-Server vom eigenen Unternehmen, möglichst Personal vom Standort, betreuen zu lassen: Die Meta-Daten gelangen nicht in Feindeshand und im Zweifel haben die Admins vor Ort ein erhebliches Interesse (durch Horden von Benutzern, die mit Fackeln und Mistgabeln vor der Tür stehen) daran, dass die Benutzer wieder drucken können.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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