Der ungewöhnlichste Nebenjob

Auf Partys trifft man ja manchmal viele Leute, die man noch nicht kennt. Und je nach eigenem Geschick (oder dem der anderen Menschen) finden sich Themen, über die man sich unterhalten könnte. Klar, die Themen Wetter, Politik, Fernsehprogramm oder Fußball gehen immer, sind aber nicht immer ganz einfach, gilt es doch, hier gewisse Fettnäpfchen zu vermeiden.

Auf irgendeiner Party unterhielt ich mich in einem kleineren Kreis über die Nebenjobs, die wir einst als Schüler, Azubi oder Student hatten. Schnell wurde daraus eine Art Wettbewerb, wer denn den ungewöhnlichen Nebenjob hatte. Kellnern war so häufig vertreten, da war klar, damit ist kein Pokal zu gewinnen. Irgendwann war ich an der Reihe zu erzählen. Ich war „Diplom-Silologe“. Diese Bezeichnung verdankte ich dem damaligen Silomeister des Getreidesilos, in dem ich ein paar Sommer arbeitete. Wer als Student mehr als einen Sommer arbeitete, dem bezeichnete er als „Diplom-Silologen“, mit dieser Anrede verband er, dass man sich noch an vieles aus dem Vorjahr zu erinnern hatte, die Einarbeitung also entsprechend kurz ausfallen konnte. Und je mehr man konnte, desto besser und anspruchsvoller waren auch die Aufgaben, die man übernehmen konnte. Ich verwog dann Fahrzeuge, nahm mit einem Roboter-Kran Stichproben des Ladung, bestimmte diese in unseren Labor. Mit den Ergebnissen schickte ich dann den anliefernden Lkw-Fahrer zum Silomeister, der dann entschied, in welche Silozelle die Ware eingelagert wurde.

Ich wähnte mich schon als sicherer Sieger unseres kleinen Wettbewerbs als eine Frau zu erzählen begann:

Ich war Schönschreiberin. Ich arbeitete für eine Firma, deren Chef ein paar Eigenheiten hatte. Die Firma stellte Rechnungen, die wenig Rechnungspositionen enthielten, dafür waren die Beträge umso höher. Zum Beispiel „5 Beratertage (a 1.000DM) im Monat Juli 5.000DM“ und so weiter. Die Rechnungen kamen ganz normal aus dem System und dann kam ich ins Spiel. Der Chef hatte die Marotte, dass er gerne handgeschriebene Rechnungen auf feinem Papier verschicken wollte. Und natürlich auch in einem Umschlag aus feinem Papier, beschriftet in schöner Schrift. Und so gab er eine Anzeige auf, die mir einst in die Hände fiel. Ich schickte ein — er wünschte es ausdrücklich — handschriftliches Bewerbungsschreiben, wurde zum Gespräch eingeladen und bekam den Job. Ich durfte mir einen edlen Füllfederhalter kaufen und bekam dann einmal die Woche einen Stapel Ausdrucke, deren Inhalt ich dann in meiner Handschrift zu Papier brachte. Am Anfang machte ich das in der Firma, später arbeitete ich dann am eigenen Schreibtisch.

Den Job hab ich jahrelang gemacht und mir damit ein gutes Zubrot verdient. Irgendwann war ich mit dem Studium fertig, arbeitete noch ein paar Monate übergangsweise in der Firma und fing dann einen richtigen Job an. Den Füllfederhalter, den mir der Chef einst kaufte, durfte ich behalten. Ich habe ihn heute noch und schreibe sogar damit.

Wir alle waren uns einig, dass ihr Nebenjob alles übertraf, was wir an dem Abend gehört hatten.

Fußball, (k)ein schwuler Sport?

Der Kollege, der gerne mal mit seiner Homophobie kokettiert, entdeckt eine Dose eines Energy-Drinks. Sofort fällt ihm das Design auf, die Regenbogenflagge ist ja auch nicht zu übersehen:

Fan-Dose im Regenbogen-Look

Dann entdeckt er das Logo eines Fußballclubs:

FC St. Pauli

Er lästert ein wenig:

Ich weiß ja nicht, wieso es im Profifußball Probleme mit Homosexualität geben soll? Der Schiedsrichter gilt doch eh als schwule Sau. Die gegnerischen Spieler sind alles Schwuchteln. Und die Fans der gegnerischen Mannschaft? Alles Homos.

In der eigenen Mannschaft ist natürlich nie einer schwul…

Hmmm, da hat er nicht ganz unrecht. Aber wieso zerbrechen wir uns überhaupt den Kopf darüber, ob Bundesliga-Profis schwul sind oder sein könnten? Statistisch gesehen müsste es den einen oder anderen Schwulen geben. Wenn sich jedoch ein Profi dazu bekennt, dann erst nach Ende seiner aktiven Karriere, so wie zum Beispiel Thomas Hitzlsperger.

Ein bekannter Fußballer, ich habe grad nicht parat, wer es war, machte sich neulich sinngemäß darüber lustig:

Da duscht man jahrelang nach dem Training zusammen mit jungen gutaussehenden Männern, aber niemand ist schwul. Das kommt erst vor, wenn man nicht mehr gemeinsam unter der Dusche steht. Liegt vielleicht daran, dass man vom Trainer nicht mehr jeden Tag die Anti-Schwul-Pille verpasst bekommt…

Es könnte (und sollte sogar) völlig egal sein, in wen sich ein Spieler verliebt. Hat das irgendeinen Einfluss auf seine spielerischen Leistungen? Nein! Macht ihn das zu einem weniger glaubwürdigeren Werbeträger, wenn es darum geht, Sportklamotten, Lebensmittel, Autos etc. zu bewerben? Auch Schwule ziehen sich an, essen und trinken, fahren und kaufen Autos. Also wo ist die Aufregung?

Die weiblichen Fußballprofis machen es uns vor. Man sagt, dass die halbe Fußball-Nationalmannschaft der Frauen entweder bisexuell oder lesbisch ist. Sieht man das deren Spiel an? Nein! Macht sie das zu schlechteren Spielerinnen? Nein. Sehen die Sportlerinnen wie fiese Mannweiber aus, so wie sich manch einer eine lesbische Frau vorstellt? Auch nicht.

Ich unterhielt mich neulich mit einer gutaussehenden Frau über das Thema Sport. Ich hätte sie eher als Turnerin vermutet, denn als Fußballerin. Sie sagte:

Klar gibt’s auch bei uns Frauen, die auf Frauen stehen, warum nicht? Und es sind nicht immer die, denen man(n) es anzusehen glaubt. Und es ist auch egal, ob eine lesbisch ist oder nicht. Wenn eine gut spielt dann gibt’s auch mal ’nen High-Five, eine Umarmung oder ’nen Klatscher auf den Po. Na und? Wir interessieren uns nicht dafür, wer in wen verliebt oder mit wem zusammen ist. Uns geht’s um Spiel. Und wenn eine lesbisch ist, na und? Dann ist das eben so.

Eine Haltung, von der sich viele männliche Fußballer oder Fußballfans eine Scheibe abschneiden könnten. Und sollten. Und nicht nur eine Scheibe.

Warum Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können

Ingenieure können nicht richtig rechnen? Eine wahrlich steile These, denn wenn jemand im Studium tief in den Werkzeugkasten der Mathematik greift, dann Ingenieure. Okay, Physiker und Informatiker auch.

Wie komme ich nun darauf, dass Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können, immerhin hatte ich doch mal über Rechentricks alter Ingenieure berichtet. Ganz einfach, ich wurde Zeuge folgender Unterhaltung:

Ein Ingenieur berichtet von den Planungen seiner Renovierung: Die ‚Hütte‘ ist alt, hie‘ und da gibt es dann Sanierungsbedarf. Also lässt er sich Angebote für neue Fenster und auch eine neue Heizung kommen. Schließlich möchte niemand (teure) Heizenergie durch zugige Fenster verlieren oder ungenutzt durch den Schornstein jagen. Unser Ingenieur staunte nicht schlecht, als er die Angebote auswertete, denn die neuen Heizungen warben mit Wirkungsgraden von über 100%. Und wie jeder, insbesondere jeder Ingenieur, weiß, gibt es keinen Wirkungsgrad über 100%. Entsprechend groß — wahrscheinlich auch über 100% — waren Verwunderung und Ärger über dieses Angebot.

Unser Ingenieur hat recht — und zugleich Unrecht.

Wie kann das nun sein? Nun, irgendwann in der Vergangenheit wurde eine Referenzanlage genommen und deren Wirkungsgrad gemessen. Und alle später entwickelten Heizungsanlagen wurden gegen eben jene Anlage gemessen. Und dann der Wirkungsgrad des aktuell getesteten Geräts mit dem Referenzgerät verglichen. Eine neue Heizungsanlage kann also so effizient sein, dass der Wirkungsgrad der alten Referenzanlage bei über 100% liegen müsste, um im Wirkungsgrad gleichziehen zu können.

Diese Erklärung überzeugte ihn noch nicht ganz. Es bedurfte dann noch ein paar weiterer Erklärungen, um den Ingenieur zu überzeugen:

Vergaserkraftstoffe[1], genauer deren Klopffestigkeit, wird in ROZ angegeben. Dabei wird ein Vergleichsmotor hinzugezogen, in dem der Kraftstoff verbrannt wird. Und dann wird das Klopfen (also die ungewünschte Frühzündung) mit einem Referenzkraftstoff verglichen. Dieser besteht zu einem Prozentsatz X aus Oktan, der Rest ist Heptan. Reines Heptan entspricht 0 ROZ, reines Oktan entspricht dann 100 ROZ. Deswegen wird die Qualität von Kraftstoffen auch umgangssprachlich in „Oktan“ angegeben. Nun gibt es aber Kraftstoffe, die so gut sind, dass ihre Klopffestigkeit über 100 ROZ liegt. Das kann nicht mehr gemessen werden, dieser Wert kann nur noch geschätzt — drücken wir es vornehmer und wissenschaftlicher aus — interpoliert werden.

Diese Erklärung konnte er als alter Autobastler mit Benzin im Blut sofort verstehen.

Es gibt Heizungen, die Wärme durch Umwandlung von anderen Energieformen (Kohle, Öl, Gas) erzeugen. Und dann gibt es Systeme, die Wärme dadurch erzeugen, dass sie woanders Wärme ‚klauen‘, im Sinne von woanders, außerhalb der (thermodynamischen System-) Grenzen herholen. Ein Beispiel dafür sind Wärmepumpen, die Erdwärme oder Temperatur der Außenluft dafür nutzen, um innen Wärme bereitzustellen. Und bei solchen Systemen vergleicht man die eingesetzte Energie (für die Wärmepumpe) mit der Wärme, die die Wärmepumpe dann bereitstellt. Und da kann man auch erstaunliche Wirkungsgrade im Bereich von mehrere hundert Prozent kommen.

Auch diese Erklärung konnte er verstehen. Und so langsam zeigte er sich mit dem im Angebot genannten Wirkungsgrad versöhnt.

1.) Auch denn der Vergaser in vielen Motoren durch Einspritzsysteme ersetzt wurde, wird er häufig noch „Vergaserkraftstoff“ genannt.

Standards und warum man an ihnen festhalten und doch von ihnen abweichen sollte…

Wie? Gleichzeitig an einem Standard festhalten und davon abweichen? Ja, wie nun? Ist das nicht so etwas wie: Wasch mich, aber mach mich nicht nass? Jein!

Standards sind gut und wichtig und meistens aus sehr guten Gründen gesetzt worden. (Hoffentlich) Kluge Köpfe haben sich Gedanken gemacht, was so alles auf uns als Firma oder Organisation zukommen könnte, und wie man das dann nach einem Regelwerk abwickeln kann. Und dann werden Verfahrensvorschriften erlassen und Standards gesetzt. Was wollen wir machen? Wie sollen wir es machen? Welche Grenzwerte müssen dabei eingehalten werden? Und so weiter…

Auf seinem persönlichen Laufwerk P: bekommt jeder Benutzer eine gewisse Menge an Speicherplatz. Oder im Mail-Programm für die Größe des persönlichen Postfachs. Punkt. Alles schön einheitlich zu halten, erleichtert die Verwaltung. Alles schön einheitlich zu halten, erleichtert auch die Vorhersage, welche Ressourcen man benötigen wird: Die Anzahl der Benutzer multipliziert mit der Menge des Speichers pro Benutzer ergibt den Gesamtspeicher, den wir maximal bereithalten müssen.

Und genauso wenig, wie uns eine Einheitsgröße Klamotten passt, passt auch die Faustregel — oder der Standard — auf jeden Einzelfall. Manchmal gibt es gute Gründe, warum Person X oder Abteilung Y mehr Speicherplatz auf dem persönlichen oder Abteilungslaufwerk braucht. Oder eben ein größeres Postfach. Wichtig dabei ist, dann man die Gründe sauber dokumentiert, also warum man von welchem Standard abweicht.

Und da kommen wir schon zum nächsten Punkt: Dokumentation. Es sollte ein Orga-Handbuch geben, neudeutsch SOP („Standard Operating Procedure„), in dem festgelegt wird, was wann bzw. in welcher Situation getan wird/werden soll/muss, um Ziele zu erreichen. Und entweder macht man das Orga-Handbuch so umfassend, dass wirklich alle Fälle darin beschrieben werden (Wie realistisch ist das? Wie umfangreich soll das Handbuch dann werden?) oder aber man schreibt dann rein, wo und in welche Richtung vom Standard abgewichen wurde. Und wer das veranlasst hat und er es verantwortet, also den Kopf dafür hinhält. Und auch, wie mal wieder zum Standard zurückkehren könnte, sollte es denn notwendig werden.

Wie erklärte es einmal ein erfahrene Admin seinem Chef, der auf die Einhaltung von Standards bestehen wollte:

Mit den Standards ist das so: Ich darf als Autofahrer nicht über eine rote Ampel fahren. Dafür gibt es gute Gründe.

Aber wenn hinter mir der Rettungswagen angefahren kommt und ich seinen Weg versperre, dann gibt es einen noch viel besseren Grund, es ausnahmsweise und unter Wahrung der gebotenen Vorsicht doch zu tun.

Das konnte dann auch der Chef verstehen…

Abschied von Auto und Leben als Autofahrer

Nein, ich wurde nicht zum Fußgänger degradiert…

Heute hieß es Abschied nehmen. Der rote Renner, der mich ein paar Jahre (meistens) sehr gut durch die Gegend gefahren hat, macht sich auf den Weg. Auf den Weg in ein neues Leben, so hoffe ich zumindest. Er war nie mein Eigentum, doch jahrelang in meinem Besitz und fuhr mich zur Arbeit, zum Sport, in den Urlaub, auf Ausflüge und und und.

Mach’s gut, roter Renner!

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, wurde von mir kaum noch gefahren, hätte sich fast die Füße eckig gestanden. Doch wenn er fuhr, wie zuletzt, als ich in den Mai tanzte, dann fuhr er gut. Und sehr entspannt. Das Gefühl, seine 200 PS ausfahren können, gab mir stets das gute Gefühl der Gelassenheit, die vielen PS nicht ausfahren zu wollen. Meistens war ich mit entspannten 120 (manchmal auch weniger) auf der Autobahn unterwegs, das brauchte weniger von meinen Nerven und auch erfreulich wenig Kraftstoff. Einmal hätte ich die 1.100 km mit einer Tankfüllung erreicht, entschied mich dann aber, nach 927 km dann doch zu tanken, um mein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren und unterwegs ohne Sprit liegenzubleiben.

 

Geschätzte 1100km mit einer Tankfüllung

Der rote Renner war ein tolles Auto für die Langstrecke, aber die kommt bei mir kaum vor. Und derjenige, der den roten Renner einst gekauft hatte, hat eingesehen, dass es besser ist, nicht mehr selbst hinter dem Steuer zu sitzen. So fiel die Entscheidung, den roten Renner abzugeben nicht ganz leicht, aber sie fiel dann doch letztendlich. So gab es heute einen doppelten Abschied: Der rote Renner macht sich auf den Weg in ein neues Leben und jemand hat heute eingesehen, dass er nun kein Autofahrer mehr ist. Ein Abschied, der den allermeisten von uns auch (irgendwann) bevorstehen wird.

Was mich daran tröstet ist der Gedanke, dass es dann, wenn es bei mir soweit sein wird, ganz anders zugehen wird. Zum Beispiel so:

Ich bin irgendwo und möchte an einen anderen Ort. Ich betätige meinen Kommunikator, spreche ein „Harry, hol schon mal den Wagen vor…“ in das Gerät. Mein aktueller Standort wird ermittelt, das nächste verfügbare Auto fährt autonom zu mir. Natürlich berücksichtigt es dabei die aktuelle Verkehrssituation und wählt den jeweils besten Weg. Das System kennt meine Gewohnheiten, Heizung oder Klimaanlage werden entsprechend meinen Wünschen eingestellt. Dann ist das Auto da, angenehm temperiert, ich nenne mein Ziel und werde gefahren. Völlig autonom. Am Ziel angekommen, steige ich aus, das Auto fährt zum nächsten Einsatz. Oder zur Ladestation. Oder zur automatischen Reinigung.

Ich bekomme das, was ich eigentlich wünsche: Mobilität. Das eigene Auto, so wie wir es heute kennen, wird dazu nicht mehr nötig sein.

Wer dann noch selbst hinter dem Steuer sitzt, tut es aus dem selben Grund, warum ich reite. Es ist eine Freude, keine Notwendigkeit mehr.

„Cannabis“ im Büro

Manche Kollegen kokettieren mit ihrem seltsamen originellen Verhalten und erklären es damit, dass sie im Büro Cannabis anbauen und den Eigenanbau auch kräftig konsumieren. Bei genauerer Betrachtung klärt sich dann, warum die Kollegen nicht so drauf sind, wie man es von dauer-breiten Gewohnheitskiffern erwartet:

Wenn die Kollegen mal wieder das falsche Kraut rauchen…

Beschäftigungen während (langweiliger) Telefonkonferenzen

Telefonkonferenzen sind toll. Nein. Telefonkonferenzen können toll sein. Man hört Stimmen von Kollegen, von denen man nur die Namen kennt. Und man kann auch so erfahren, wie woanders gedacht wird und wir man Dinge, die man hier immer so machte, woanders machte. Kurzum: Telefonkonferenzen können einen echt bereichern. Doch damit das wirklich so ist, müssen viele Bedingungen erfüllt sein:

Jeder, der nicht gerade redet, schaltet sein Mikrofon stumm. Sonst hört man viele Menschen atmen, husten, schiefen, auf der Tastatur tippen und und und .

Es sollte einen aktiven Moderator geben, der einzelnen Teilnehmern das Wort erteilen (oder auch entziehen) kann. Wer eine Frage oder ein sonstiges Anliegen zum gerade besprochenen Punkt hat, schreibt den Moderator per Messenger an und teilt seine Wünsche mit. Der Moderator entscheidet dann oder fasst Fragen zusammen. Dabei hat sich das QIDT-System bewährt:
Q – Question, ich möchte eine Frage stellen.
I – Information, ich möchte eine (ergänzende) Information dazu geben.
D – Discussion, ich möchte diesen Punkt diskutieren.
T – ToDo, daraus ergeben sich Aufgaben (die ich jemandem zuweisen möchte).

Es gibt eine Tagesordnung, wer wann worüber sprechen wird.

Und es gibt ein Protokoll, in dem die wichtigsten Punkte zum späteren Nachlesen festgehalten werden.

Leider ist die Welt nicht perfekt und viele Telefonkonferenzen ziehen und ziehen sich, manchmal über Stunden und es kommt nur wenig dabei heraus, trotzdem muss man daran teilnehmen, auch wenn einen das besprochene Thema überhaupt nicht betrifft. Ich habe Menschen gefragt, wie sie sich die Zeit in (langweiligen) Telefonkonferenzen vertreiben. Hier eine Liste der ungewöhnlichsten Antworten:

A, weiblich, einzelnes Büro
Ich hab ein Maniküre-Set in der Schreibtischschublade. Ich kann dann meine Nägel bearbeiten, die alte Farbe entfernen, feilen, und dann in wirklich alles Seelenruhe neuen Nagellack auftragen und trocknen lassen. So werden 2 bis 3 Stunden Telefonkonferenz halbwegs erträglich.

B, männlich, einzelnes Büro
Wenn ich weiß, dass der Ober-Chef mal wieder zu seinen Telefon-Monologen einlädt, dann habe ich meistens ein paar Schuhe mehr im Büro. Die kann ich dann in aller Gründlichkeit putzen. Zu Hause habe ich Frau und Kinder, da hätte ich nie die Ruhe, außer beim sonnabendlichen Krimi, aber meine Frau würde mich umbringen, käme ich auf die Idee, beim gemeinsamen Fernsehabend meine Schuhe zu putzen.

C, männlich, Gruppenbüro
Ich bekomme ja so viele E-Mails, von denen ich die meistens nicht ansehe. Im Laber-Meeting habe ich dann die Zeit, die ungelesenen Mails mal zu überfliegen und dann zu entscheiden, ob ich die Mails weiterverfolgen muss, ob sie einfach nur irgendwo abgelegt werden oder ob ich sie löschen kann. Ohne TelCo würde ich den Überblick über meine Mails komplett verlieren.

D, weiblich, Einzelbüro
Zu meinen Jobs gehört das Wegsortieren vieler Papiere in entsprechende Ordner. Unter der Woche komme ich nicht dazu, da sind dann die Zeiten der Telefonkonferenz echt immer gut geeignet. Ich weiß sowieso nicht, warum ich daran teilnehmen muss, aber mein Chef will das so, also höre ich zu und schaffe da ein paar hundert Blatt Ablage. Ich habe da schnurloses Headset, verteile die ganzen Papiere durch mein Büro, mache Häufchen, die ich dann sortieren und dann in die Ordner ablege.

E und F, männlich, gemeinsames Büro
Wir beide spielen dann immer Online-Spiele auf unseren Handys. Haben uns in den TelCos ganz schön weit nach vorne gespielt 🙂

G, weiblich, Einzelbüro
Ich nutze die Telefonkonferenzen dann oft für Sport, ich mache Dehnübungen, lege auch mal ein Bein auf den Tisch oder mach Spagat auf dem Fußboden. Einmal kam ein Kollege trotz des Schildes „Bitte nicht stören, Telefonkonferenz“ rein und staunte nicht schlecht, als er mich dann da so turnen sah.

Was Klamottenhersteller von Flugzeugherstellern lernen könnten

Ich wasche gerne Wäsche. Ich mag meine Waschmaschine, verwandelt sie doch getragene — und seien wir ehrlich — manchmal auch recht schmutzige Wäsche wieder in saubere Klamotten. Und während ich meine Hosen zum Waschen mal auf links ziehe, betrachte ich die Hose mal genauer. Und auch die Stellen, an denen der Stoff etwas angegriffener aussieht: Es sind die Stellen, an denen die Gesäßtaschen oben abgeschlossen sind.

Die Taschen sind nicht einfach nur aufgenäht, der Stoff ist umgeklappt und dann mit einer Doppelnaht auf der Hose angenäht. Am oberen Rand ist der Stoff nicht nur vertikal umgeklappt, die Tasche hat auch noch eine weitere Verstärkung, der Stoff ist auch noch horizontal umgeklappt, dadurch bestehen die oberen Ecken der Tasche aus vier Lagen, die dann auf das Gesäß der Hose aufgenäht sind.

Und genau hier ergibt sich das Problem: Vier Lagen Stoff, vernäht mit einer stabilen (und unflexiblen) Doppelnaht, ergeben ein große Kräfte, die dann auf die eine Lage Stoff der Hose wirken. Und dort gibt der Stoff dann eben schnell auf als er eigentlich müsste. Und genau hier kommt die Erfahrung der Flugzeughersteller ins Spiel. Früher[tm] baute man Flugzeuge mit eckigen Fenstern. Warum auch nicht? Dann flogen Flugzeuge höher und höher und die Passagiere wollten dabei keine Sauerstoffmasken tragen, also musste der Kabineninnendruck deutlich über dem Luftdruck außen liegen. Dieses Überdruck erzeugt mechanische Spannungen, die sich an den rechtwinkligen Ecken der Fenster besonders auswirkten und zu Materialermüdung führten. Der Rumpf wurde dann im Flug schlagartig beschädigt, was dann zum Absturz führte.

Nun ist das Ausreißen des Stoffs an einer Jeans nicht so tragisch wie ein Flugzeugabsturz, aber vielleicht kann auch hier eine kleine Änderung dafür sorgen, dass ein ansonsten einwandfreies Produkt deutlich länger hält. Irgendwann, das ist sicher, sorgt die Abnutzung durch das Tragen und das viele Waschen dafür, dass der Stoff so verschlissen ist, dass die Hose ihren letzten Gang antreten wird: Zum Altkleider-Container.

IPv6 — Größere IP-Pakete

Die Umstellung des Interprotokolls Version 4 auf die Version 6 — eine Version 5 gab es nie — bringt auch die Möglichkeit größerer IP-Pakete bzw. größerer Nutzlasten mit sich. Das veranlasste einen Admin, sich einen Aprilscherz auszudenken.

Pünktlich am 1. April reichte er bei seinem Chef einen Antrag auf eine Weiterbildung für einen Staplerschein ein. Er begründete dies damit, dass die Umstellung von IPv4 auf IPv6 dann auch größere und schwerere IP-Pakete mit sich brächte und diese unmöglich per Hand abzuholen seien, also bräuchte er dafür einen Staplerschein.

Der IT-Chef, konnte darüber nur müde lächeln, wollte den Admin aber nicht so einfach mit diesem Scherz davonkommen lassen. Daher leitete er den Antrag an den Ober-Chef weiter. Dieser stutze kurz, roch den Braten und beschloss, dem Admin die Suppe zu versalzen. Mit dem IT-Chef wurde dann eine kleine Retourkutsche beschlossen.

Der IT-Chef reagierte scheinbar nicht, als der Admin mal ganz unschuldig nachfragte, was denn aus dem Antrag geworden sei, versprach der IT-Chef, mal nachzufragen, denn er habe das kaum gelesen und gleich weitergeleitet. Ein paar Tage später kam der IT-Chef zum Admin, hielt ihm einen Zettel hin und meinte „unterschreib das mal, geht irgendwie um einen Antrag, den Du gestellt hattest…“

Der Admin staunte nicht schlecht, dass sein Aprilscherz nicht als solcher erkannt wurde und dass er nun tatsächlich einen Staplerkurs besuchen sollte. Und er unterschrieb. In dem Moment kam auch wie zufällig der Ober-Chef vorbei und fragte den Admin, ob er gelesen habe, was er unterschrieben hatte. Hatte der Admin nicht so genau. Der Ober-Chef klärte den Admin dann auf, dass er nun auf den Staplerkurs fahren werde, man ihm aber dafür ein paar Urlaubstage abziehen werde. Das war dann Ober-Chefs Rache am Admin.

Der Ober-Chef hatte dem Admin allerdings die Möglichkeit gelassen, den Antrag zurückzuziehen, dann hätte es keinen Staplerschein gegeben und auch keine abgezogenen Urlaubstage. Der Admin wollte das nun aber durchziehen. Er besuchte dann den Kurs, machte den Schein. Und immer, wenn große Hardwarelieferungen ankommen, braucht die IT-Abteilung niemanden mehr zu fragen und kann das Material direkt von der Warenannahme in die entsprechenden Lager- oder Serverräume transportieren.

IP-Pakete, sei es nun IPv4 oder IPv6, hat der Admin allerdings bis heute nicht mit dem Stapler transportiert 🙂

Einst und jetzt

Viele von uns kennen das vielleicht: Man sieht sich etwas bei Youtube an, folgt danach einem Verweis auf einen anderen interessanten Clip, sieht den an und dann immer so weiter. So landete ich neulich bei „Love Parade 1998 – One World, One Future“ von Dr. Motte und Westbam. Mit diesem Song verbinde ich ein ganz besonderes Erlebnis:

Wir schreiben das Jahr 1998, es ist Sommer, genauer, es ist der 11. Juli 1998. Ich besuche meinen Opa in seinem Seniorenheim. Wie es bei vielen älteren Leuten nicht unüblich ist, steht sein Fernsehapparat nicht einfach auf einem Regal, er hatte einen kleinen Schrank, in dem das Gerät „versteckt“ wurde. Wollte man es benutzen, musste man die Türen öffnen. Je nach dem, wie weit man sie öffnete, bildeten sie eine Art von „Scheuklappen“, so dass man schon direkt vor dem Gerät sitzen musste, um auf den Bildschirm sehen zu können.

So auch diesen Samstagnachmittag. Opa sitzt vor dem Fernsehapparat und sieht gebannt auf den Bildschirm. Er trug dabei einen speziellen Kopfhörer, damit er trotz seiner Schwerhörigkeit den Ton hören konnte, der normale Ton war dann aus. Wie üblich, wenn ich ihn besuchte und er fernsah, fragte ich ihn, was er gerade ansah. Opa verstand mich nicht, er war ganz in sein Fernsehprogrammm vertieft. Ich wurde lauter, fragte erneut. „Ich verfolge den Aufmarsch.“ Ich verstand nur Bahnhof. „Welchen Aufmarsch?“ wollte ich wissen. „Den Aufmarsch in Berlin“ sagte er, ohne aufzublicken. Immer war ich noch nicht schlauer und trat zu ihm, damit ich endlich erkennen konnte, was ihn so fasziniert.

Ich war schockiert. Mein Opa sah sich die Übertragung der Love Parade an. Er musste sich verschaltet haben… „Was siehst Du denn da?“ fragte ich ihn wieder. „Na, die Übertragung von dem Aufmarsch in Berlin. Kenne ich ja noch von früher.“ Mein Opa war fast 100 Jahre alt und hatte bestimmt noch gute Erinnerungen an Aufmärsche mit Marschmusik und Fackelschein, damals im Berlin der 30er Jahre. „Damals war die Musik besser, dafür ist es heute hübscher anzusehen…“ und er deutete auf den Bildschirm, auf dem junge Frauen im sehr knappen Outfits durchs Bild tanzten.

Ich hatte keine weiteren Fragen mehr…

Und ich schwöre, es ist genau so passiert, wie ich es aufschreibe.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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