Nachlese 2017: Warum 30 Jahre später?

Ein paar Gedanken aus dem letzten Jahr schwirren wir noch durch den Kopf.

Darunter auch der Gedanke, warum es manchen Menschen erst 30 Jahre später einfällt, dass die sexuell belästigt, genötigt oder gar zum Sex gezwungen wurden.

Warum fällt das Menschen erst jetzt wieder ein? Hatten sie die Erinnerung an die Tat solange — wie soll man das nennen? — verdrängt oder vergessen? Oder war die Tat, sofern es die denn gab, oder die Erinnerung an die Tat so schmerzlich, dass man 30 Jahre Abstand brauchte, um nun endlich darüber reden zu können?

Ganz klar: Ich möchte keinen Missbrauch gutheißen, egal wer den missbraucht. Ob der Filmproduzent die junge Schauspielerin oder den jungen Schauspieler; ob der Ausbilder beim Bund seine Rekruten; ob die Lehrerin oder der Lehrer junge Schüler oder Schülerinnen. Oft geht es bei solchen Taten weniger um Sex und mehr um Macht bzw. deren Ausübung. „Weil ich es (ungestraft) kann“ ist wohl eine Formulierung, die es gut beschreibt.

Ich frage mich nur, warum manche Menschen so lange geschwiegen haben? Warum nicht schneller reden? Gehen wir mal davon aus, jemand nutzt seine Stellung und die damit verbundene Macht aus, um andere Menschen zu drangsalieren (und das ist noch eine sehr untertreibende Formulierung), und zwingt jede Schauspielerin auf die Besetzungscouch, damit sie dort zeigen kann, dass sie für die Rolle alles tun würde, warum hält sie dann den Mund? 30 Jahre lang? Warum berichten nun viele Menschen, dass ihnen ähnliche Dinge auch widerfahren seien?

Warum machte niemand solche Machenschaften öffentlich? Hatten alle Angst, dann als Nestbeschmutzer(in) keine Rollen mehr zu bekommen und haben deswegen geschwiegen und das (allseits bekannte) Spiel mitgemacht? Macht man sich dann nicht mitschuldig, wenn man einem Schwein (oder einer Sau) nicht das Handwerk legt?

Formulieren wir es einmal sehr drastisch: Jeder, der der die Täterin oder den Täter gedeckt hat, hat ermöglicht, dass das Spiel weitergehen konnte.

Es ist sehr einfach, 30 Jahre später irgendwelche Dinge aus dem Hut zu zaubern. Wenn ich lange genug nachdenke, dann lassen sich bestimmt Dinge finden oder erfinden, die mir damals in der Schule, im Sportverein oder bei der Bundeswehr passiert sind. Oder passiert sein könnten. Wer weiß es schon so genau? Beweise, dass es damals überhaupt eine Tat gab, sind lange weg, Aussage eines möglichen Opfers steht gegen die Aussage eines möglichen Täters.

Wo es keine zeitnahe Aussage und Anzeige gab, reicht 30 Jahre später eine Aussage und ein #MeeToo-Hashtag. Beweise? Fehlanzeige! Anschuldigen reichen aus, um eine Hexenjagd zu eröffnen. Unschuldsvermutung? Unnötig. Mit einem Vorwurf kann man wunderbar Karrieren zerstören. Glaubt ihr nicht? Erinnert Euch an Andreas Türck und Jörg Kachelmann.

Also, wenn es Fehlverhalten gibt, dann bitte zeitnah anzeigen. 30 Jahre später ein „Lehrer X, Feldwebel Y oder Vorgesetzter X hat mir aber mal an den Po gefasst“ ist billig, löst keine Probleme, dient nur dem eigenen Ego.

Es sollte jedoch um viel mehr als das eigene Ego gehen. Es gilt, die faulen Äpfel zeitnah aus dem Korb zu nehmen.

Heilige Drei Senfkönige

Natürlich brachten die Drei Heiligen Könige keinen Senf. Schade eigentlich. Denn wer braucht schon Gold, Weihrauch und Myrrhe, wenn er drei Sorgen leckeren Senf haben kann?

Besser als Gold, Weihrauch und Myrrhe: Dreifaltige Senfonie

Die Sorten waren im großen familiären Supermarkt um die Ecke zu bekommen. Nicht gerade günstig, aber auf alle Fälle ihr Geld wert.

Jahresrückblick 2017

Und auch dieses Jahr verdient (m)einen sehr persönlichen Jahresrückblick:

Das Jahr 2017 in wenigen Worten:
Ein gelungenes Jahr. Keine Katastrophen, viele glückliche Momente.

Glücklichster Moment 2017?
Reiturlaub. wieder auf Norikern durch den Bayerischen Wald. Wun-der-schön. Wird wiederholt, aber das sagte ich letztes Jahr auch schon.

Aufregendster Moment 2017?
Menschen, die ich jahrelang virtuell kannte, endlich mal im echten Leben zu erleben. Einerseits waren sie ziemlich genau so, wie ich sie kannte, denn wir hatten uns per Skype gesehen und auch immer wieder telefoniert, „Bild und Ton“ waren also bekannt, aber einen Menschen dann live zu erleben, ist doch etwas ganz anderes.

Traurigster Moment 2017?
Glücklicherweise blieben mir dieses Jahr traurige Momente erspart.

Berufliches?
Da gab es Veränderungen. Oder auch noch nicht. Das klärt sich gerade…

Zu- oder abgenommen?
Ungefähr gleichgeblieben. Ist okay.

Haare kürzer oder länger?
Meine neue Friseurin und ich habe uns gut aneinander gewöhnt und ich freue mich immer, wenn ich bei ihr zu Gast bin. Die Veränderungen meiner Frisur, die sie anregt, gefallen mir gut. Nun ist es auf der einen Seite wieder etwas länger.
Auch an dieser Stelle Grüße an meine Friseurin und an ihre frechen netten Kolleginnen, ich bin immer gerne bei Euch und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

Buch des Jahres 2017?
Ich habe wenig gelesen. Hauptsache Krimis. Einen sehr spannenden Krimi hatte ich um Urlaub ausgelesen und einer Reitbekanntschaft als Lektüre für die Rückreise mitgegeben. Ich hoffe, sie hat an „Schwarzes Herz“ , einem Krimi aus der Reihe von „D.I. Grace“ des Autoren M.J. Arlidge genauso einen mörderischen Spaß wie ich.

2017 zu selten gemacht?
Am Strand gewesen, obwohl er ja nun wirklich hier um die Ecke ist. Offenbar ist es mir kein Bedürfnis, öfter dort zu sein.
Freunde besucht. Seit die Kinder haben, sind die meistens ziemlich ausgelastet und kaum noch für spontane Dinge zu haben.
Grillen mit Freunden in deren Garten.

2017 zu oft gemacht?
Fällt mir gerade nichts ein.

2017 genau oft genug gemacht?
Beim Pferd gewesen. War klasse. Wobei… eigentlich könnte es noch ein wenig öfter sein.

2017 leider nicht gemacht?
Einige Freunde getroffen.
Auf dem Congress des CCC gewesen, okay, dieses Jahr musste ich arbeiten.

2017 endlich gemacht?
Menschen getroffen, die ich >10 Jahre nur virtuell kannte, siehe oben.

2017 neu kennengelernt?
Ein paar neue Kollegen kennengelernt. Und viele sehr nette Menschen im Ausbildungsstall. Und zwei junge Damen, die ich im Reiturlaub kennenlernen durfte. Ihr wart eine tolle Urlaubsbegleitung.

Menschliches 2017?
Keine großen Höhen oder Tiefen. Es war angenehm langweilig.

Erkenntnis des Jahres 2017?
Wenn Du erkennst, auf dem richtigen Weg zu sein, dann versuch, Deinem Weg treu zu bleiben.

2018 wird … ?
Hoffentlich wieder einen schönen Urlaub bringen, diesmal haben sich auch schon Reitbegleiterinnen angemeldet. Mal sehen, ob aus dem Interesse dann auch eine Teilnahme wird. Beruflich lasse ich mich mal überraschen, ob es so weitergehen wird, wie es gerade läuft. Und sollte 2018 aufregend werden, dann bitte positiv aufregend 😉

Vorsätze für 2018?
Weiterhin viel Reiten. Reiturlaub machen. Diesmal gerne etwas länger.
Vielleicht ein paar Kilogramm abnehmen.

In diesem Sinne, ich wünsche Euch allen ein frohes, gesundes, friedliches und erfolgreiches 2018.

Polnische Senfonie in zwei Sätzen

Der große familiäre Supermarkt in meiner Nachbarschaft hat neuerdings ein Regal voller polnischer und russischer Lebensmittel. Darunter auch Senf, in den Sorten lecker und sehr lecker 🙂

Links: Normaler Senf
Rechts: Senf mit Meerrettichgeschmack

Die „Logik“ des Krieges

Israel, so entnehme ich Medienberichten, möchte bei terroristischen Straftaten die Todesstrafe einführen.

Der letzte (und einzige) Mensch, der in Israel hingerichtet wurde, war 1962 Adolf Eichmann. Seit jeher gibt es Diskussionen um die juristische Zuständigkeit, das Strafmaß und die Vollstreckung.

Nun möchte Israel die Todesstrafe wieder einführen, um Terroristen abzuschrecken. Äh, wie? Ja, genau, es geht angeblich um Abschreckung. Nun stellt sich (nicht nur mir) die Frage, wie man Menschen, die bereit sind, für ihre „heilige“ Sache zu kämpfen und als Märtyrer zu sterben, um dann im Paradies mit 72 Jungfrauen entlohnt zu werden, mit der Todesstrafe abschrecken könnte?

Aus meinem Verständnis kann das nicht funktionieren. Wer als Terrorist bei Begehung seiner Tat stirbt, kommt (nach eigenem Glauben) ins Paradies, wo 72 Jungfrauen warten. Wer vor, bei oder nach Begehung der Tat verhaftet, verurteilt und hingerichtet wird, stirbt als Märtyrer und kommt (nach eigenem Glauben) auch ins Paradies, wo 72 Jungfrauen warten.

Worin nun die Abschreckungswirkung des Todesstrafe liegen soll, erschließt sich mir nicht. Zumal in anderen Staaten, die die Todesstrafe kennen und anwenden, darunter viele US-Bundesstaaten, eine Verhinderung von Straftaten durch die abschreckende Wirkung des Todesstrafe nicht erkennbar ist. Einzig die Gefahr erneuter Straffälligkeit ist durch die Todesstrafe final gebannt.

Wie könnte man Abschreckung erreichen? Die Familie des Täters bestrafen. Müsste eine Familie fürchten, mit „Stumpf und Stiel“ ausgerottet zu werden, wenn einer der Söhne in den „heiligen“ Krieg zieht und Terrorist wird, hätte das vielleicht eine Abschreckungswirkung. Nun ist solches Vorgehen weder menschlich noch juristisch akzeptabel. Schon heute ist die Zerstörung des Häuser der Familie des Täters umstritten. Das Argument, Familien von (Selbstmord-)Attentätern bekämen Geld, Häuser oder andere „Reichtümer“, die man ihnen so nehmen will, damit sich Terror finanziell nicht lohnt, ist sehr fragwürdig.

Eine Lösung? Puh, schwierig. Tom Clancy beschrieb in seinem Roman „Das Echo aller Furcht“ einen Plan, wie es zu einem Frieden in Nahost kommen könnte. Die Zusammenfassung kann im englischsprachigen Artikel des Romans „The Sum of All Fears“ besser nachgelesen werden. Aber wie das nun mal so bei Romanen ist… Die wenigsten Dinge, die sich der Autor ausdenkt, lassen sich in die Praxis umsetzen.

Reiseimpressionen — Juristischer Hinweis

Was macht ein gutes Hotel aus? Die Anzahl der Sterne? Die Ausstattung des Hotels, samt Schwimmbad, Sauna und Wellness-Oase? Die Lage? Die Ausstattung der Zimmer? Alles richtig und irgendwie doch nicht. Viele Menschen, die viel häufiger als ich in Hotels übernachten, stimmen jedoch mit mir überein: Es ist das Personal, das einem das Gefühl gibt, zuhause zu sein, kein Gast sondern ein Freund zu sein.

Irgendwann komme ich in ein Hotel, bekomme meinen Zimmerschlüssel, bringe mein Gepäck auf mein Zimmer. Der Tag war lang, ich möchte meine Klamotten auspacken, eine Dusche nehmen, frische Sachen anziehen und dann meine Abendverabredung wahrnehmen. Auf dem Gang sind laute Gespräche zu hören, durch die geschlossene Zimmertür. Ich sehe auf den Gang, einige ausländische Gäste reden zu laut, alle durcheinander und auf eine Hotelbedienstete ein, fordern ein neues Zimmer. Das anzubieten war leider nicht möglich, das Hotel war komplett ausgebucht, so erklärte die Hotelbedienstet.

Ich verzog mich wieder in mein Zimmer, duschte mich, verließ dann mein Zimmer, auf dem Flur noch immer das laute Palaver…

Später am Abend sitze ich an der Bar, die dem Empfang angeschlossen ist. Ein weiterer Gast, auch er hatte das laute Streitgespräch mitbekommen, hofft, dass es nicht die ganze Nacht Lärm gäbe. Sonst hätte er eine pragmatische Lösung anzubieten:

Also wenn die Typen die ganze Nacht Krach machen sollten… Ich habe Müllsäcke, Kabelbinder, Klebeband und einen Klappspaten im Kofferraum.

Der Barmann hatte von dem Vorfall gehört, spielte den Ball zurück:

Ich muss Sie allerdings darauf hinweisen, dass Mord in Österreich strafbar ist…

Die junge Hotelbedienstete setzte ein zauberhaftes Lächeln aus und fiel ihrem Kollegen ins Wort:

Es ist aber nicht weit bis zur Grenze, ich zeig Ihnen gerne den Weg…

Genau mein Humor und sie hatte die Lacher aller Anwesenden auf ihrer Seite. Später stellte sich dann heraus, dass die Gäste, sie so einen Aufstand machten, Angehörige einer ausländischen Großfamilie waren, die sich immer einmal im Monat in diesem Hotel trifft. Man kennt also das Hotel und auch die Zimmer. Warum man für einen Abend dann mit fünf Koffern Gepäck anreisen muss, hat sich keinem von uns erschlossen.

Aber die Lösung hatte einen gewissen Reiz. Wie der Abend ausging und ob da doch noch mal jemand an die Grenze gefahren war, entzog sich meiner Kenntnis.

Anschiss abgebügelt

Vor vielen Jahren, war ich mal kleiner Rekrut-Nik bei der Bundeswehr. Aus dieser Zeit stammt diese Anekdote:

Natürlich gab es bei der Bundeswehr auch die Möglichkeit, die Dienstkleidung waschen zu lassen. Alles, was man Montag abgab, war bis Freitag gewaschen. Dumm nur, dass man die Klamotten von Montag bis Freitag gebraucht hätte. Also war die Möglichkeit, seine Dienstklamotten kostenfrei waschen zu lassen, eher eine theoretische Möglichkeit.

Wohl dem, der seine Klamotten dann bei Mama oder zuhause selbst waschen konnte. Das hatte mehrere Vorteile: Man hatte die Sachen dann wieder, wenn man sie brauchte; es wurde nicht irgendein Waschmittel benutzt sondern das, was man selbst (oder eben Wäscherei Mama) verwenden wollte. Nach der Waschmaschine kamen meine Sachen in den Wäschetrockner, von da aus in den großen Seesack, dann in die Kaserne und wurden angezogen, so wie sie aus dem Seesack kamen. Und das war manchmal etwas „ungebügelt“. Und auch manchmal sehr ungebügelt und entsprechend knittrig. Bei mir traf dann eher letzteres zu.

Eines Morgens kassierte ich beim Antreten einen Anschiss vom Zugführer. Er trug sein Olivzeug — damals trug man bei der Bundeswehr noch kein Flecktarn — mit (rasier-)messerscharfer Bügelfalte. Was mir denn einfiele, mit solcher Uniform beim Antreten zu erscheinen. Sowas ginge ja überhaupt nicht und und und…

Nun, in der Sache hatte er absolut recht, meine Sachen waren knittrig, das stand fest. Aber egal, wie gebügelt meine Hose gewesen wäre, spätestens nach einem Vormittag wäre auch die schönste Bügelfalte wieder dahin gewesen, warum also bügeln?

Da die Natur keine geraden Linien wie Bügelfalten kennt, stattdessen unregelmäßige Formen bevorzugt, wollte ich so die Tarnwirkung meiner Kleidung erhöhen…

Sofort setzte ein Lachen bei allen meiner Kameraden und auch bei manchen Vorgesetzten ein, das von einem laut gebrüllten „RUHE!!!“ beendet wurde.

Ich wurde übrigens nie wieder auf meine ungebügelten Hosen angesprochen. Na also, geht doch!

Hoch auf dem Gelben Wagen

Hoch auf dem Gelben Wagen
Sitz ich beim Schwager vorn

so kennt man es als Volkslied. Ich habe nicht gesungen. Und ich saß auch nicht beim Schwager sondern beim Kutscher vorn.

Auf dem Betriebsausflug stand auch eine Kutschfahrt auf dem Programm. Und pferdeverrückt äh pferdebegeistert, wie ich nun mal bin, nutze ich die Gelegenheit, vorne beim Kutscher auf dem Bock zu sitzen und Kutscher und Pferde bei der Arbeit genau zu beobachten. Nichts gegen meine Kollegen, aber die sehe ich oft genug bei der Arbeit, da ist Kutschefahren dann schon spannender.

Und damit die Kutschfahrt etwas beschwingter war, gab es auch einen „Kutscherschluck“. Also nur für die Mitfahrer. Der Kutscher blieb nüchtern.

Schmeckt nicht nur dem Kutscher…

Extreme Dosen-Recycling

Vor vielen Jahren erlebte ich mal diese Geschichte:

Ein (damaliger) Freund trank gerne Wodka-RedBull, damals ein Modegetränk. Und auf seinen (legendären) Partys gab es viel Wodka und entsprechend viel RedBull. Er kaufte den Wodka kistenweise und RedBull palettenweise. Die leeren Dosen wurden nicht ordentlich in die leeren Paletten gestapelt, stattdessen wurden sie locker in Müllsäcke geworfen. Der Müllsack kam dann auf den Balkon. Irgendwie wurde dann vergessen, die Säcke, genauer deren Inhalt, mal abzugeben. War ja auch noch Platz auf dem Balkon. Und irgendwann kam es, wie es kommen musste: Die Balkontür ließ sich kaum noch schließen, der Balkon schon lange nicht mehr betreten.

Der Freund war von der Situation selbst genervt, es mangelte ihm aber an Motivation, die Sache aber mal durchzuziehen und die Dosen abzugeben. Also überredete ich ihm und drängte meine Hilfe auf, um den Begriff „Nötigen“ elegant zu umgeben…

Sack um Sack luden wir in sein Auto, Kofferraum und Rückbank waren vollgestopft, die letzten beiden Säcke hatte ich zwischen meinen Beinen bzw. auf dem Schoß. So fuhren wir dann zu einem Supermarkt, der zwei Automaten hatte. Nach wenigen Dosen hatten wir die perfekte Technik drauf und wussten, wie schnell wir die nächste Dose einlegen konnten, ohne Zeit zu verschwenden oder den Automaten zu überfordern.

Kamen andere Kunden, die auch Leergut zurückgeben wollten, gaben wir einen oder auch beide Automaten frei, schließlich wollten wir nicht dumm auffallen. Nach und nach leerten sich die Säcke, nach und nach bekamen wir immer mehr Pfandbons. Und nach und nach fielen wie beim Personal auf. Da wir aber keine anderen Kunden störten, ließ man uns gewähren.

Irgendwann waren wir fertig und kamen mit vielen Bons an der Kasse an. Die Kassiererin musste ihren Chef erklären, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war, immerhin hatten sie und ihre Kolleginnen und viele Hundert Dosen in die Automaten stecken sehen, der hohe Betrag wurde dann anstandslos ausgezahlt. Das Geld reichte für eine Stange Zigaretten, eine Tankfüllung seines Autos und für ein ausgiebiges Essen beim legendären Burger-Restaurant auf der anderen Straßenseite. Und es blieb immer noch Geld übrig.

Manchmal muss man sich einfach überwinden, die Dinge anzugehen. Oder sich eben überwinden lassen…

Reiseimpressionen — Mach‘ die Dose platt!

Hierzulande haben wir ja einen Pfand auf Einwegverpackungen. Nicht auf alle Einwegverpackungen. Auf eine Dose mit 250ml Energy-Drink ist Pfand. Ist in der Dose aber Kakao (oder ist der Hauptbestandteil des Energy-Drinks nicht Wasser sondern Molke), dann aber nicht. Das mag verstehen, wer will.

Jedenfalls haben wir deutschen Verbraucher uns angewöhnt, die leeren Dosen in den entsprechenden Rücknahmeautomaten zu stecken, einen Pfandbon zu bekommen und beim Einkauf an der Kasse verrechnen zu lassen. So kommt manchmal ein ordentliches Sümmchen heraus. In anderen Ländern, zum Beispiel Österreich, gehen die Dosen auch ins Recycling. (Bei meinem dortigen Besuch hatte ich vergessen, wie genau die Rücknahme funktioniert.)

In der Bar des Hangar-7, also des RedBull-Tempels, gibt es für die Gäste eine besondere Form der Bespaßung, sie dürfen ihre eigenen Dosen in einer speziellen Presse plattmachen. Natürlich musste ich das ausprobieren und auch dokumentieren:

Die schicke Dosenpresse

 

Dose einstellen

 

Abdeckung schließen und Kurbel betätigen

 

Die Dose ist platt

 

Knopf auf der Rückseite drücken und die platte Dose wird ausgeschoben

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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