Abschied von Auto und Leben als Autofahrer

Nein, ich wurde nicht zum Fußgänger degradiert…

Heute hieß es Abschied nehmen. Der rote Renner, der mich ein paar Jahre (meistens) sehr gut durch die Gegend gefahren hat, macht sich auf den Weg. Auf den Weg in ein neues Leben, so hoffe ich zumindest. Er war nie mein Eigentum, doch jahrelang in meinem Besitz und fuhr mich zur Arbeit, zum Sport, in den Urlaub, auf Ausflüge und und und.

Mach’s gut, roter Renner!

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, wurde von mir kaum noch gefahren, hätte sich fast die Füße eckig gestanden. Doch wenn er fuhr, wie zuletzt, als ich in den Mai tanzte, dann fuhr er gut. Und sehr entspannt. Das Gefühl, seine 200 PS ausfahren können, gab mir stets das gute Gefühl der Gelassenheit, die vielen PS nicht ausfahren zu wollen. Meistens war ich mit entspannten 120 (manchmal auch weniger) auf der Autobahn unterwegs, das brauchte weniger von meinen Nerven und auch erfreulich wenig Kraftstoff. Einmal hätte ich die 1.100 km mit einer Tankfüllung erreicht, entschied mich dann aber, nach 927 km dann doch zu tanken, um mein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren und unterwegs ohne Sprit liegenzubleiben.

 

Geschätzte 1100km mit einer Tankfüllung

Der rote Renner war ein tolles Auto für die Langstrecke, aber die kommt bei mir kaum vor. Und derjenige, der den roten Renner einst gekauft hatte, hat eingesehen, dass es besser ist, nicht mehr selbst hinter dem Steuer zu sitzen. So fiel die Entscheidung, den roten Renner abzugeben nicht ganz leicht, aber sie fiel dann doch letztendlich. So gab es heute einen doppelten Abschied: Der rote Renner macht sich auf den Weg in ein neues Leben und jemand hat heute eingesehen, dass er nun kein Autofahrer mehr ist. Ein Abschied, der den allermeisten von uns auch (irgendwann) bevorstehen wird.

Was mich daran tröstet ist der Gedanke, dass es dann, wenn es bei mir soweit sein wird, ganz anders zugehen wird. Zum Beispiel so:

Ich bin irgendwo und möchte an einen anderen Ort. Ich betätige meinen Kommunikator, spreche ein „Harry, hol schon mal den Wagen vor…“ in das Gerät. Mein aktueller Standort wird ermittelt, das nächste verfügbare Auto fährt autonom zu mir. Natürlich berücksichtigt es dabei die aktuelle Verkehrssituation und wählt den jeweils besten Weg. Das System kennt meine Gewohnheiten, Heizung oder Klimaanlage werden entsprechend meinen Wünschen eingestellt. Dann ist das Auto da, angenehm temperiert, ich nenne mein Ziel und werde gefahren. Völlig autonom. Am Ziel angekommen, steige ich aus, das Auto fährt zum nächsten Einsatz. Oder zur Ladestation. Oder zur automatischen Reinigung.

Ich bekomme das, was ich eigentlich wünsche: Mobilität. Das eigene Auto, so wie wir es heute kennen, wird dazu nicht mehr nötig sein.

Wer dann noch selbst hinter dem Steuer sitzt, tut es aus dem selben Grund, warum ich reite. Es ist eine Freude, keine Notwendigkeit mehr.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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