„Ajatollah Chamenei droht USA mit Öl-Boykotten“ — Was für ein Quatsch

Spiegel Online schreibt heute über einen möglichen Öl-Boykott des Irans gegen die USA. Das ist natürlich völliger Blödsinn.

Mit den Worten „Wenn Sie in Bezug auf Iran einen falschen Zug machen, wird definitiv der Energiefluß in dieser Region ernsthaft gefährdet“ droht Ajatollah Chamenei den USA, sie nicht mehr mit Öl zu beliefern, also einem klassischen Embargo.

Ein Boykott ist die andere Seite, nämlich die Abnahmeverweigerung. Vielleicht hat man beim Spiegel die beiden Begriffe verwechselt?

Aber auch inhaltlich ist so eine Drohung so eine Sache. Schon bei Clausewitz kann man nachlesen, daß Drohungen, die man nicht wahrmachen kann oder die für den Bedrohten recht folgenlos bleiben werden, ziemlich wirkungslos sind. Das gilt erst recht, wenn der Bedrohte das auch weiß.

Auf Märkten stehen sich Anbieter und Nachfrager gegenüber. Je nach Marktform sind es unterschiedliche viele Anbieter und Nachfrager. Allen gemeinsam ist, daß sie nach gewissen Spielregeln spielen müssen, die die jeweilige Marktform vorgibt. Ein Abweichen von diesen Spielregeln führt zu spürbaren Nachteilen. Das gilt auch für den Weltmarkt für Rohöl. Hier stehen sich auf der einen Seite die Erdöl-Produzenten als Anbieter (A), auf der anderen Seite die ölimportierenden Staaten als Nachfrager (N). Nennen wir sie A1 bis An und N1 bis Nm.

Tun wir weiterhin so, als sei Rohöl ein austauschbares Gut, daß es also egal sei, ob ich bei Anbieter A1 oder A2 kaufe. Das stimmt nicht, weil es bei der Qualität und Zusammensetzung Unterschiede gib. Der Transportaufwand und die damit verbundenen Kosten hängen auch ab, wo und bei wem ich kaufe. Aber tun wir mal so, als ob es keinen Unterschied mache, bei welchem Anbieter aus der Golfregion ein Nachfrager kauft.

Wenn A1 nun ein Embargo gegen N1 verhängt, was dann? Es ist denkbar, daß A1 seine Produktion entsprechend der Nachfrage von N1 drosselt. Dadurch ergeben sich aber auch entsprechende Einnahmeverluste. Geld, mit dessen Einnahme fest gerechnet wurde. Auf diese Einnahme zu verzichten, dürfte A1 sehr schwer fallen. Also kann und wird A1 seine Ware nun anderen Nachfragern anbieten. Werden diese Nachfrager nun deswegen insgesamt mehr kaufen oder werden sie nur mehr bei A1 kaufen und entsprechend weniger bei A2 bis An?

Und was machen die Anbieter A2 bis An? N1 hat ja noch einen offenen Bedarf und könnte bei ihnen einkaufen. A1 und N1 wechseln also nur ihre Handelspartner, mehr ändert sich nicht, jedenfalls in der (stark vereinfachten) Theorie. Das sollten auch die Mullahs einsehen können.

Ganz anders wäre die Situation, gelänge des dem Kartell der ölproduzierenden Länder (OPEC), einen einzelnen Nachfrager komplett abzuschneiden. Aber die Macht der OPEC hat Grenzen, ihre Mitglieder fördern nur ungefähr 40 Prozent der Gesamtmenge und außerdem sind sich die Mitglieder untereinander nicht so grün, wie es den Anschein hat. Geht’s ums eigene Geld, denkt jeder zuerst an sich, das gilt auch für Petro-Dollars.

Was soll also solche Drohung von Chamenei? Außer der Welt zeigen, wie unberechenbar und gefährlich die politisch-religiöse Führung des Irans ist?

Lösungen, die allen dienen, sehen anders aus.

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