Anschiss abgebügelt

Vor vielen Jahren, war ich mal kleiner Rekrut-Nik bei der Bundeswehr. Aus dieser Zeit stammt diese Anekdote:

Natürlich gab es bei der Bundeswehr auch die Möglichkeit, die Dienstkleidung waschen zu lassen. Alles, was man Montag abgab, war bis Freitag gewaschen. Dumm nur, dass man die Klamotten von Montag bis Freitag gebraucht hätte. Also war die Möglichkeit, seine Dienstklamotten kostenfrei waschen zu lassen, eher eine theoretische Möglichkeit.

Wohl dem, der seine Klamotten dann bei Mama oder zuhause selbst waschen konnte. Das hatte mehrere Vorteile: Man hatte die Sachen dann wieder, wenn man sie brauchte; es wurde nicht irgendein Waschmittel benutzt sondern das, was man selbst (oder eben Wäscherei Mama) verwenden wollte. Nach der Waschmaschine kamen meine Sachen in den Wäschetrockner, von da aus in den großen Seesack, dann in die Kaserne und wurden angezogen, so wie sie aus dem Seesack kamen. Und das war manchmal etwas „ungebügelt“. Und auch manchmal sehr ungebügelt und entsprechend knittrig. Bei mir traf dann eher letzteres zu.

Eines Morgens kassierte ich beim Antreten einen Anschiss vom Zugführer. Er trug sein Olivzeug — damals trug man bei der Bundeswehr noch kein Flecktarn — mit (rasier-)messerscharfer Bügelfalte. Was mir denn einfiele, mit solcher Uniform beim Antreten zu erscheinen. Sowas ginge ja überhaupt nicht und und und…

Nun, in der Sache hatte er absolut recht, meine Sachen waren knittrig, das stand fest. Aber egal, wie gebügelt meine Hose gewesen wäre, spätestens nach einem Vormittag wäre auch die schönste Bügelfalte wieder dahin gewesen, warum also bügeln?

Da die Natur keine geraden Linien wie Bügelfalten kennt, stattdessen unregelmäßige Formen bevorzugt, wollte ich so die Tarnwirkung meiner Kleidung erhöhen…

Sofort setzte ein Lachen bei allen meiner Kameraden und auch bei manchen Vorgesetzten ein, das von einem laut gebrüllten „RUHE!!!“ beendet wurde.

Ich wurde übrigens nie wieder auf meine ungebügelten Hosen angesprochen. Na also, geht doch!

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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