Auf der Straße nach Süden – Highway To Hell

Es ist heiß, die Sonne brennt fast senkrecht von oben. Ich fahre mit geöffneten Seitenscheiben. Der zähfließende Verkehr sorgt dafür, daß der kühlende Fahrtwind nur ein laues und lauwarmes Lüftchen ist. Der Verkehr wird dichter, kriecht nur noch mit Schneckentempo über die Autobahn.

Ein paar Autofahrer betreiben nun Spurwechsel als ob es eine neue Trendsportart sei. Das bringt den Fahrern wenige Meter Vorsprung, dazu ein paar Beinahe-Unfällen und so manch unfreundlich ausgestreckten Mittelfinger. Ich werde mich daran nicht beteiligen, beschließe, mich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Doch das soll mir nicht gelingen: Ein Fahrzeug geht mir besonders auf den Geist, sein Fahrer fährt dermaßen dicht auf, daß ich mich frage, ob er mich anschieben könnte, will das aber besser nicht ausprobieren. In der Nebenspur tut sich eine minimale Lücke auf, sofort zieht der Wagen rüber, und nötigt einen anderen Fahrer zum Bremsen. Ein paar Augenblicke später wiederholt sich das Spiel und ich habe ihn nun vor mir. Daß er beim Spurwechsel nicht blinkte wundert mich nicht.

Ich habe meinen Panama-Hut auf, die Kühltasche auf dem Beifahrersitz bietet ausreichend viele kühle Getränke und ich habe es nicht eilig. Wer langsam fährt, der kommt auch an, nur eben etwas später.

Dann stockt der Verkehr ganz, dann geht es wieder weiter, um nach einer kleinen Weile wieder zu stocken. Und auf einmal bin ich neben dem Auto, das vorhin durch seine gewagten Spurwechsel auffiel. Jetzt sind auch die Seitenscheiben des anderen Autos offen, so daß ich mitbekomme, was sich darin abspielt.

Der Fahrer wird von seiner Beifahrerin angekeift, auf der Rückbank quengeln drei Kinder. Ich lege eine Kassette in mein Radio, spule ein wenig, bis ich das gewünschte Musikstück finde. Dann drehe ich mein Radio laut, aus den Boxen ertönt plötzlich ein lautes „Highway To Hell“ von AC/DC.

Der Fahrer guckt sich um, sieht mich, hört die Musik, sieht mich an. Ich grinse. Im Stau sind wir alle gleich. Aber manchmal ist es schön, ein wenig gleicher zu sein und nicht auf der Autobahn zur Hölle zu fahren.

Kommentieren

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2018 (31)
  • 2017 (38)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien