Auf der Straße nach Süden – Kalt erwischt

Wieder einmal führte mich mein Weg nach Süden. Soweit so gut. Doch diesmal hat’s mich kalt erwischt, gleich mehrfach.

Das erste mal wurde ich kalt erwischt, als mein Auto seinen Geist aufgab. Noch bei der Durchsicht entdeckte mein technisches Universalgenie, daß demnächst einige Sachen fällig seien und machte auch gleich mit mir einen Termin für Anfang Januar aus.

Arglos machte ich mich auf den Weg nach Süden. Nach etlichen Kilometern, ziemlich genau auf der Hälfte meiner Strecke, wollte ich eine Pause machen und steuerte eine Raststätte an. Vor mir wurde gerade ein Parkplatz frei, ich warte im Leerlauf, als plötzlich der Motor ausging. Abgewürgt, dachte ich zu mir und wollte den Motor erneut anlassen, doch er sprang einfach nicht an. Ratlos öffnete ich die Motorhaube, um sie noch ratloser wieder zu schließen. Als Laie konnte ich nichts erkennen. Also zücke ich das Bedienungshandbuch meines Autos und suche, welche Sicherung kaputt sein könnte. Das war’s also auch nicht. Was nun?

Für derlei Unwägbarkeiten ist man in einem Automobilclub. Also dort angerufen und nach Hilfe gefragt. Kurze Zeit später sucht ein gelber Abschlepper mein Auto. Der Experte wirft einen Blick unter die Haube und eröffnet mir, daß der Zahnriemen gerissen sei und das möglicherweise einen kapitalen Motorschaden bedeute, mehr könne er erst sagen, wenn er in den Motor reingesehen habe. Ich bin bedient.

Da mein Auto aus eigener Kraft so schnell keinen Meter mehr fahren wird, organisiert mir die Werkstatt einen Mietwagen, damit ich mein Ziel noch erreichen kann. Mit gemischten Gefühlen begebe ich mich zurück auf die Straße nach Süden.

Das zweite mal wurde ich kalt erwischt als ich den Mietwagen zurückbringen wollte. Das Auto stand nachts draußen und der Schnee hatte es hübsch zugeschneit. Kein Problem, mit einem Handfeger grabe ich den Mietwagen aus und mache mich auf den Weg, mein repariertes Auto abzuholen. Nach ein paar Kilometern ist die Scheibe dreckig, der Scheibenwischer alleine kann keine Abhilfe schaffen, dazu braucht es Scheibenreiniger. Ich betätige den Hebel und höre die entsprechende Pumpe gequält aufjaulen, doch es kommt nichts. Genervt halte ich an der nächsten Tankstelle an und werfe einen Blick unter die Haube. Was ich sehe, erfreut mich nicht. Der Behälter für Scheibenreiniger ist bis oben hin voll – mit Eis. Na, dann kann das auch nicht funktionieren. Genervt mache ich die Haube wieder zu und putze die Scheibe auf klassische Art, mit Schwamm und Abzieher. Noch habe ich die Hoffnung, daß die Motorwärme den Behälter samt seiner Leitungen auftauen wird. Ein paar Tankstellen und Handwäschen später muß ich diese Hoffnung aufgeben. Zwar ist der Motor durchgewärmt und die Innentemperaturberaterin durchaus mit der Leistung der Heizung zufrieden, aber der Behälter ist an einer Stelle eingebaut, an der er keine Motorwärme abbekommt und auch nicht auftauen wird.

Ich bin mehr als nur verärgert. Wie kann man ein Auto für teuer Geld vermieten, wenn es wegen so eines Mangels nicht fahrtüchtig ist? Ich versuche zu improvisieren und organisiere an der Tankstelle einen Eimer warmes Wasser, welches ich langsam und vorsichtig über den Behälter und seine Leitungen gieße. Für einen Moment kann ich die Scheibenreinigungsanlage benutzen und fahre an ein paar Tankstellen vorbei statt an ihnen anhalten zu müssen. Doch schon nach einer halben Stunde ist wieder alles eingefroren und Dreck, Salz und der Matsch anderer Verkehrsteilnehmer bilden eine nahezu blickdichte Schutzschicht auf meiner Scheibe, so daß ich mich weiterhin von einer Tankstelle zur nächsten hangeln mußte. Was auf einer Bundesstraße nur nervig und zeitraubend ist, wurde auf der Autobahn dann zur fast vollendeten Katastrophe, weil es nicht in jedem Dorf eine Tankstelle gibt. Mit Mineralwasser aus der Bordverpflegung mußte ich die Scheibe dann auf den Rastplätzen naßmachen und so den gröbsten Dreck entfernen.

Selten habe ich mich so gefreut, am Ziel angekommen zu sein. Im Mietwagen ist auch ein Formular, in welches Kunden bei der Rückgabe des Fahrzeugs ihre Kommentare eintragen können, schließlich ist Kundenfeedback wichtig. Dort schildere ich meine Erfahrung in Stichworten. Ausführliche mache ich das im Webformular für Beschwerden und Reklamationen. Heute, fast eine Kalenderwoche später, habe ich immer noch keine Rückmeldung des Autovermieters bekommen. Werden Kundenbeschwerden dort immer so gehandhabt?

Lieber Autovermieter Avis, vielleicht wird euer „We try harder“ eines Tages dazu führen, daß man auch bei Euch „First Class fahren“ kann, so wie bei Sixt.

6 Kommentare zu „Auf der Straße nach Süden – Kalt erwischt“

  • Kai Bojens schrieb:

    Zahnriemen kaputt? Ich wette auf Motorschaden…

    BTW: Den _muss_ man in regelmäßigen Abständen (z.B. nach 100.000 Kilometern – je nach Hersteller) wechseln lassen. Sonst passiert genau das.

  • Nik schrieb:

    Glück im Unglück: Es war nur der Zahnriemen, keine sonstigen Schäden…

  • Pat Bateman schrieb:

    Wärense mal in HH aufgeschlagen, Sie hätten die große Chance gehabt, meinen grandiosen Glückszustand und dessen furiosen Niedergang zu erleben – und das alles an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Ich bin sicher, das hätte Ihnen gefallen.

    Meine Scheibenreinigungsanlage funktioniert übrigens auch seit einigen Tagen nicht mehr, einfach weil der Wassertank leer ist, und ich bisher nicht die geringste Lust verspürt habe, das zu ändern. Ja, die Scheibe ist dadurch sehr schmutzig. Merkwürdigerweise ist mir das momentan aber völlig egal… 😉

  • Nik schrieb:

    Werter Herr Bateman, mein Kleinwagen hielt sich nicht an ihr Drehbuch. Am Glückszustand hätte ich gerne teilgehabt, am Niedergang desselben weniger.

    SIE haben wenigstens die Möglichkeit, jederzeit Scheibenreiniger nachzufüllen, ich hatte es nicht. Und ich war bei Schneematsch und sonstigem Schmuddelwetter überland unterwegs. Da brauchts schon sowas. In der Stadt und auf Kurzstrecken geht es ohne.

  • Mr. X schrieb:

    Wieso sind Sie nicht auf die Idee gekommen bei Ihren 2037 Tankstellenbesuchen einmal Ihr kleines Geld in eine Flasche Frostschutzmittel zu Investieren ? Nachdem das Wasser von Ihnen mit warmen Wasser aufgetaut wurde, Sie mehrfach die Pumpe betätigten und das kühle Nass sich über die Schmutzige Scheibe ergoss, war doch genügend Volumen vorhanden um eine gefrierhemdende Flüssigkeit hinein zumischen. Was hat Sie daran gehindert ? Ich denke es lag daran, dass diese Idee einfach zu "praktisch" gewesen ist und Sie es bevorzugen Probleme "theoretisch" besser zu lösen.

  • Nik schrieb:

    Lieber X., wenn es doch nur so einfach gewesen wäre…

    Nur zu gerne hätte ich mit eigem ordentlichen Schuß Frostschutz den Behälter samt Leitungen aufgetaut, doch dazu hat es leider nicht gereicht, zu voll und zu eingefroren war der Behälter, auch nach den kurzen Betätigungen.

    Auch wenn nichts praktischer ist als eine gute Theorie, manchmal bin ich doch durchaus praktisch veranlagt… 🙂

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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