Auf der Straße nach Süden: Mit Hanni & Nanni

Gelegentlich nehme ich ja auch Anhalter mit, so auch bei meiner letzten Fahrt auf der Straße nach Süden. Die beiden — sie hatten mir ihre Namen zwar gesagt, aber nennen wie sie einfach „Hanni & Nanni“ — waren zu Besuch in unserer beschaulichen hanseatischen Puppenstube und mein Weg führte zufälligerweise an ihrem Ziel vorbei.

Die beiden waren noch recht jung, gerade alt genug zum Trampen, und ich ahnte noch nichts Böses. Auf langweiligen Autofahrten lasse ich mich gerne von wortreichen Radioprogrammen wie „NDR Info“ oder dem „Deutschlandfunk“ informieren, bilden und unterhalten zugleich. Gut, diese Programme sind nicht für jeden Geschmack etwas, also fragte eine von den beiden, ob die mal im Radio einen anderen Sender suchen dürfte. Mir war das recht, auch ich springe zwischen einzelnen Programmen, falls mir Thema oder Musikstück nicht gefallen.

Ich ahnte immer noch nochts Böses, als das Radio einem Sender nach dem anderen spielte und sofort wieder auf Sendersuchlauf gedrückt wurde. Bei einem Oldie-Sender, der die Hits aus meiner Jugend (und einigen Jahren davor) spielte, wartete ich auf den nächsten Senderwechsel. Pustekuchen. Kaum begann das nächste Musikstück, begannen die beiden leise mitzusingen. Mir schwante Böses. Schon nach Kurzer Zeit — ich hatte keinen offenkundigen Protest erkennen lassen — steigerten sich die beiden Anhalterinnen zu wahren Schlager-Fans, die jeden Hit kannten und natürlich textsicher mitsingen konnten.

Ich hätte den beiden nun wirklich jede Schandtat und Musikgeschmack zugetraut, aber nicht Schlager. So durfte ich mich dann an „Mendocino“ und anderen Schlagern erfreuen. Die Fahrt verlief trotz der Dauerbaustelle kurzweilig und wurde durch die Abwandlung eines bekannten Schlagers gekrönt: „Im Wagen von mir sitzen junge Mädchen…“

Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen: Es gibt ein Leben nach dem Schlageranfall. Und ich weiß nun, wie sich „Pünternell“ anhört.

1 Kommentar zu „Auf der Straße nach Süden: Mit Hanni & Nanni“

  • layla schrieb:

    Und da sag mal, altes Liedgut würde in Vergessenheit geraten. Aber dank der Technoremixes, die man immer wieder in den Discotheken zu Gehör bekommt, kann die Jugend doch noch überraschen. Und immerhin wurde die Fahrt ohne Ohrenstöpsel überstanden.

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About Nik

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