AWACS – Simulation von Sicherheit?

„Außergewöhnliche Zeiten erfordern manchmal auch außergewöhnliche Maßnahmen“, so lautet eine alte Weisheit. Was ist so außergewöhnlich an unseren Zeiten? „Der Terror“, werden einige nicht müde zu sagen. Um ihn zu bekämpfen, müsse alles erlaubt sein, dürfe es keine Gesetzeslücken geben, keine Schwäche und erst recht kein Pardon. Ah, ja.

In diesem Jahr ist die Bundesrepublik Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft. Das ist fast so was wie Olympia. Huch, wie erinnern uns: 1972 fand die Sommerolympiade in München statt. „Heitere Spiele“ sollten es werden. Bis zu einem Terroranschlag. Da war dann Schluß mit lustig.

Wieder schaut die Welt nach Deutschland, das Land, in dem alles nicht nur geregelt ist sondern auch perfekt durchorganisiert erscheint. Jedenfalls aus dem Blickwinkel vieler anderer Staaten. Verständlich, daß sich so etwas nicht wieder wiederholen soll. Weder der Terroranschlag, noch die vielen Toten, von denen ein Teil beim Befreiungsversuch der Polizei gestorben ist. Also machen wir diesmal alles richtig. Und zwar mit deutscher Gründlichkeit. Jawoll!

Die einen fordern schon den Einsatz der Bundeswehr. Also einer Armee, deren Kasernen teilweise von zivilen Wachfirmen bewacht werden müssen, weil die Soldaten das nicht selbst wollen oder können oder Wachfirmen besser oder billiger sind.

Mit dem, was die bewaffnete Landesverteidigung so alles zu bieten hat, kann man in Friedenszeiten eher wenig anfangen: Panzer sind gut, wenn es darum geht, eine angreifende Panzerarmee abzuwehren. Okay, dann wird der Kampfpanzer Leopard eben nicht den Verkehr auf der Kreuzung regeln. Na, vielleicht kann dann der Spürpanzer Fuchs chemische Kampfstoffe erschnüffeln. Klar kann er. Und dann? Bei einem Chemiewaffenangriff ist es nett zu wissen, welche Substanzen eingesetzt wurden. Im Gegensatz zum Soldaten verfügt der gemeine Fan der Fußball-WM über keinerlei Ausbildung oder Ausrüstung zur Abwehr solcher Substanzen.

Nun soll’s die Luftwaffe rausreißen. Jagdflugzeuge von Typ „Phantom“ sollen verdächtige Flugzeuge abdrängen oder gar abschießen. Ach, wenn das nur einfach wäre. Natürlich kann ein Jagdflugzeug andere Flugzeuge abschießen. Unten bestimmten Bedingungen jedenfalls. Wenn ausreichend Zeit da ist. Schließlich patrouillieren nicht ständig Jagdflugzeuge über Deutschland. Auf jede Flugstunde der „Phantom“ kommen runde 40 Stunden Wartung. So kostet jede Flugstunde ein kleines Vermögen. Ob für den Dauereinsatz ausreichend Maschinen bereitstehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Also starten die Maschinen erst, wenn es soweit sein sollte. Dann ist die Alarmrotte binnen 20 Minuten in der Luft an am Ziel. Wenn es dann noch ein Ziel gibt.

Auch das AWACS, fliegendes Radar-Auge und Befehlsstand zugleich, braucht eine gewisse Zeit, um sehr tief oder langsam fliegende Objekte zu erkennen. Ein Ultraleichtflugzeug oder Motordrachen ist zerlegbar und kann bequem per Kleinlaster oder Anhänger transportiert werden. Binnen weniger Minuten ist es dann zusammengebaut und kann ein paar hundert Kilogramm „Nutzlast“ auf dem Luftweg in das Stadion befördern. Für den Start reicht ein kurzes Stück gerade Straße in der Umgebung. Und nach ein oder zwei Flugminuten ist man am Ziel. Der Aufklärer wird das wahrscheinlich mitbekommen, aber ob die Zeit reichen wird, wirksame Maßnahmen zu ergreifen?

Machen wir uns also nichts vor. Gefühlte Sicherheit ist keine reale Sicherheit. Da hilft es auch nicht viel, wenn der Verfassungsschutz nun jeden Cola- oder Würstchenverkäufer durchleuchten wird. Oder besteht die größte Gefahr für die WM in verdorbenen Lebensmitteln?

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About Nik

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