Beschäftigungen während (langweiliger) Telefonkonferenzen

Telefonkonferenzen sind toll. Nein. Telefonkonferenzen können toll sein. Man hört Stimmen von Kollegen, von denen man nur die Namen kennt. Und man kann auch so erfahren, wie woanders gedacht wird und wir man Dinge, die man hier immer so machte, woanders machte. Kurzum: Telefonkonferenzen können einen echt bereichern. Doch damit das wirklich so ist, müssen viele Bedingungen erfüllt sein:

Jeder, der nicht gerade redet, schaltet sein Mikrofon stumm. Sonst hört man viele Menschen atmen, husten, schiefen, auf der Tastatur tippen und und und .

Es sollte einen aktiven Moderator geben, der einzelnen Teilnehmern das Wort erteilen (oder auch entziehen) kann. Wer eine Frage oder ein sonstiges Anliegen zum gerade besprochenen Punkt hat, schreibt den Moderator per Messenger an und teilt seine Wünsche mit. Der Moderator entscheidet dann oder fasst Fragen zusammen. Dabei hat sich das QIDT-System bewährt:
Q – Question, ich möchte eine Frage stellen.
I – Information, ich möchte eine (ergänzende) Information dazu geben.
D – Discussion, ich möchte diesen Punkt diskutieren.
T – ToDo, daraus ergeben sich Aufgaben (die ich jemandem zuweisen möchte).

Es gibt eine Tagesordnung, wer wann worüber sprechen wird.

Und es gibt ein Protokoll, in dem die wichtigsten Punkte zum späteren Nachlesen festgehalten werden.

Leider ist die Welt nicht perfekt und viele Telefonkonferenzen ziehen und ziehen sich, manchmal über Stunden und es kommt nur wenig dabei heraus, trotzdem muss man daran teilnehmen, auch wenn einen das besprochene Thema überhaupt nicht betrifft. Ich habe Menschen gefragt, wie sie sich die Zeit in (langweiligen) Telefonkonferenzen vertreiben. Hier eine Liste der ungewöhnlichsten Antworten:

A, weiblich, einzelnes Büro
Ich hab ein Maniküre-Set in der Schreibtischschublade. Ich kann dann meine Nägel bearbeiten, die alte Farbe entfernen, feilen, und dann in wirklich alles Seelenruhe neuen Nagellack auftragen und trocknen lassen. So werden 2 bis 3 Stunden Telefonkonferenz halbwegs erträglich.

B, männlich, einzelnes Büro
Wenn ich weiß, dass der Ober-Chef mal wieder zu seinen Telefon-Monologen einlädt, dann habe ich meistens ein paar Schuhe mehr im Büro. Die kann ich dann in aller Gründlichkeit putzen. Zu Hause habe ich Frau und Kinder, da hätte ich nie die Ruhe, außer beim sonnabendlichen Krimi, aber meine Frau würde mich umbringen, käme ich auf die Idee, beim gemeinsamen Fernsehabend meine Schuhe zu putzen.

C, männlich, Gruppenbüro
Ich bekomme ja so viele E-Mails, von denen ich die meistens nicht ansehe. Im Laber-Meeting habe ich dann die Zeit, die ungelesenen Mails mal zu überfliegen und dann zu entscheiden, ob ich die Mails weiterverfolgen muss, ob sie einfach nur irgendwo abgelegt werden oder ob ich sie löschen kann. Ohne TelCo würde ich den Überblick über meine Mails komplett verlieren.

D, weiblich, Einzelbüro
Zu meinen Jobs gehört das Wegsortieren vieler Papiere in entsprechende Ordner. Unter der Woche komme ich nicht dazu, da sind dann die Zeiten der Telefonkonferenz echt immer gut geeignet. Ich weiß sowieso nicht, warum ich daran teilnehmen muss, aber mein Chef will das so, also höre ich zu und schaffe da ein paar hundert Blatt Ablage. Ich habe da schnurloses Headset, verteile die ganzen Papiere durch mein Büro, mache Häufchen, die ich dann sortieren und dann in die Ordner ablege.

E und F, männlich, gemeinsames Büro
Wir beide spielen dann immer Online-Spiele auf unseren Handys. Haben uns in den TelCos ganz schön weit nach vorne gespielt 🙂

G, weiblich, Einzelbüro
Ich nutze die Telefonkonferenzen dann oft für Sport, ich mache Dehnübungen, lege auch mal ein Bein auf den Tisch oder mach Spagat auf dem Fußboden. Einmal kam ein Kollege trotz des Schildes „Bitte nicht stören, Telefonkonferenz“ rein und staunte nicht schlecht, als er mich dann da so turnen sah.

1 Kommentar zu „Beschäftigungen während (langweiliger) Telefonkonferenzen“

  • Der Kommentar mit der Maniküre kommt mir bekannt vor. Ist auch wirklich eine super Beschäftigung mal wieder im persönlichen Nagelstudio günstig zu arbeiten, wenn es langweilig wird. Außerdem sind wir Frauen ja dafür bekannt, multitaskingfähig zu sein.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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