Boots On The Ground

Ich hatte es im Eintrag nebenan schon geschrieben: Manchmal hilft einem ein „Helferlein“ in Far-Far-Away nicht viel, überhaupt nicht oder nicht (schnell) genug. Manchmal braucht man Augen, Ohren, Hände und — gaaaaanz wichtig — Sachverstand vor Ort, um Dinge zu entscheiden, zu reparieren oder zu schnell zu reagieren. Der Service aus Far-Far-Away, der denn nach Ende des Monsuns versucht, die Dinge zu verstehen und — im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten, denn man ist ja kein deutscher Muttersprachler — zu erledigen, bringt oftmals nicht die Lösung, die es braucht.

Denken wir uns wieder das große Unternehmen, und denken wir uns wieder Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen, der dringend ein paar Sachen ausdrucken möchte, nein, es eilt, der ausdrucken muss. Und nun druckt sein Drucker nicht. Ja, es gibt mittlerweile Follow-Me-Drucklösungen, bei denen man seinen Druckauftrag an einer zentralen Stelle abliefert, sich dann (quer durch ein größeres Firmengelände) auf den Weg macht, um seine Ausdrucke woanders abholt…

Aber bezahlen wir Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen wirklich dafür, dass er minutenlang ’spazieren‘ geht weil sein Abteilungsdrucker nicht druckt und er seine Ausdrucke irgendwo abholen muss? Und bezahlen wir Dr. Dingenskirchen auch dafür, dass er beim Anruf der Hotline in Far-Far-Away ein paar Minuten in der Warteschleife hängt? Vor allem, wenn es eine lokale IT gibt, bei der er nur mal ‚pfeiffen‘ müsste, damit die Jungs antraben? Kalkulieren wir mal mit einem Stundensatz von 240€, die Herr Doktor kostet, dann wissen wir, dass jede Minute 4 Euro kostet. 10 Minuten Wartezeit kosten dann lockere 40 Euro. Und dann muss Dr. Dingenskirchen doch noch zum anderen Drucker. Der Weg ist weit, führt ihn mehrere hundert Meter durch Treppenhäuser und Flure, durch einige Brandabschnittstüren (gehen nur auf, wenn man seinen Zugangschip davorhält, dann eine Sekunde wartet und dann die Tür aufdrückt), dann zum Drucker. Dort reiht sich Dr. Dingenskirchen geduldig in die Schlange der Druckerbenutzer ein und wartet, bis er seine Chipkarte vor den Drucker halten kann und dann, bis sein Ausdruck erstellt wird. Dann geht er wieder zurück. Das hat dann eine Viertelstunde gedauert. Also weitere 60 Euro.

Und nun betrachten wir die Kostenersparnis, die sich durch den Service from Far-Far-Away ergeben sollte. Genau: „sollte“: Schnell wurde aus billig eingekauften Service ein schlechter Service.

Denken wir uns einen Produktionsbetrieb, bei dem viele Anlagen PC-gesteuert sind. Und nun denken wir uns einen Ausfall eines solchen Steuerungs-PCs. Eine Zeit lang kann man sich vielleicht mit manueller Steuerung behelfen. Aber das bindet auch Personal und nicht alles kann der Mensch so gut wie der PC. Es droht Stillstand der Produktion. Was kostet eine Stunde Produktionsausfall? Und zahlt das Unternehmen vielleicht Vertragsstrafen, weil Liefertermine nicht eingehalten werden konnten? Natürlich kann man sich auch in diesem Fall auf den Service aus Far-Far-Away verlassen, aber…

Wie formulierte es ein Admin (und Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr) einst so schön:

Natürlich kann ein Unternehmen auf kompetente IT vor Ort verzichten und alles von irgendwo aus administrieren und reparieren lassen. Das ist dann so, als ob Kleinposemuckelsdorf auf die örtliche Feuerwehr verzichtet und im Zweifel dann einen Feuerwehr-Dienstleister aus Großposemuckelsdorf anfordert. Okay, der hat keine (oder keine genaue) Ortskenntnis, kennt nicht die örtlichen Begebenheiten, weiß nicht, in welchen Straßen der Altstadt man nur mit kleinen Fahrzeugen zurechtkommt… Aber man kann viel sparen. Zumindest, solange nichts passiert.

Denn wenn man die Feuerwehr man braucht, dann braucht man sie schnell. Und man braucht Feuerwehrleute, die sich auch in den verwinkelten Gassen der Altstadt auskennen und die Hydranten auch ohne langes Suchen finden.

Man kann es auch etwas anders sehen:

Ohne „Boots On The Ground“ oder „Hands-On“ geht im Zweifel nichts…

 

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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