Brandgefährlich … oder wie man Kunden „verbrennt“

Die kö-nik-liche Karosse wurde einst nach eher rationalen Gesichtspunkten ausgesucht. Erschwinglich sollte sie sein, funktional ausgestattet, praktisch, sparsam. Und das ist sie. Wie sparsam, das wird bei (fast) jedem Tanken ausgerchnet. Zum einen, weil ich wissen will, ob ich vorausschauend-vernünftig fahre oder mich zu unsinnigen Überholmanövern vor roten Ampeln hinreißen lasse.

Neulich bekam ich einen Schreck, weil sich die Tanknadel in beängstigen Geschwindigkeit von „voll“ in Richtung „leer“ bewegte. im Unterricht in Systemtheorie haben wir gelernt, daß so ein Verhalten eine Ursache haben muß.

  1. Das Anzeigeinstrument kann fansch anzeigen.
  2. Der Meßfühler kann eine Störung haben und einen falschen Benzinstand melden.
  3. Irgendwo ist eine undichte Stelle und das Auto verliert Benzin.

Möglichkeit eins kam mir sehr unwahrscheinlich vor, da ich das Auto zwischendurch abgestellt hatte und die Benzinanzeige dann wieder auf Null geht.

Möglich zwei könnte auch sein.

Möglichkeit drei jedoch erzeugte ein erhebliches Unbehagen, denn austretendes Benzin kann dazu führen, daß ein Auto während der Fahrt in Brand gerät, keine Erlebnis, daß ich selbst erleben möchte, mir reichen da Erinnerungen an ein brennendes Auto, das ich mal auf der Autobahn sah.

Was tut man in so einer Situation? Man sieht unter seinem Auto nach, ob da Pfützen sind, aber da waren keine. Es roch auch nichts nach Benzin, auch unter der Motorhaube nicht. Das ist gut, dann verliert das Auto nichts im Stand. Aber vielleicht im Betrieb? Also ruft man beim Autohaus an, bei dem das gute Stück einst gekauft war. Dort sitzen die Experten für Autos.

Ich rufe an, schildere meine Beobachtung und auch meine Sorge. Ich freue mich, als ich höre, daß die Werkstatt zwar nur bis halb vier arbeitet (solche Arbeitszeiten möchte ich auch mal haben … ), aber ein Meister bis fünf Uhr da wäre, und das Auto annehmen könne, um dann einen Reparaturtermin auszumachen. Freudig lasse ich auf der Arbeit alles stehen und liegen mache ich zeitig Feierabend und kämpfe mich durch Stau und Baustellen gen Werkstatt.

Dort angekommen muß ich dann erfahren, daß man sich weder um mich noch um das Auto kümmern werde. Ich könne morgen früh wiederkommen, so gegen 10:30 Uhr. Ich würde ja sehen, daß grad alles drunter und drüber ginge, weil die Firma grad übernommen werden mußte. Äh, ich rufe extra an, man bittet mich, im sprichwörtlichen Galopp herzukommen, um mir dann zu sagen, dam man wegen einer Unorganisiertheit leider keine Zeit hätte? Und ihr wundert Euch, daß der Laden den Inso machen mußte?

Also ab zu einem anderen Autohaus. Dort wird das Auto zwar auch nicht angenommen, aber Fehlermöglichkeit eins wurd als sehr unwahrscheinlich eingestuft und mir geraten, Möglichkeit zwei durch Volltanken und beobachten der Benzinanzeige auszuschließen. Und um Möglichkeit drei auszuschließen, soll ich einen Tag später am frühen Nachmittag vorbeikommen und etwas Wartezeit mitbringen.

Ich mache also mal wieder früh Feierabend und fahre wieder in die Werkstatt. Nach kurzer Wartezeit kommt mein Auto auf die Hebebühne und ich kann mich persönlich davon überzeugen, daß keine Undichtigkeit vorhanden ist. Aber was verursachte dann den Fehler?

Der Meister klärt mich auf und zeigt mir den Weg des Benzins vom Tankeinlauf in den tiefsitzenden Tank. Manchmal — sehr selten — könne es vorkommen, daß sich beim Tanken Luftblasen im Tank bilden und nicht nach oben aufsteigen können. Man denkt, man habe vollgetankt, aber neben viel Benzin ist dann auch noch Luft im Tank. Fährt man dann eine Weile, lösen sich die Luftblasen auf und mit dem Benzinspiegel sinkt auch die Anzeige. Und das eben viel schneller, als man es nach den gefahrenen Kilometern vermutet hätte.

Ob ich meinen Verbrauch bei jedem Tanken ausrechne, werde ich gefragt. Wenn ich einmal einen deutlich zu niedrigen Verbrauch gehabt hätte, danach einen viel zu hohen, dann wären Luftblasen beim Tanken eine sehr wahrscheinliche Erklärung. Ich rechne nach und habe tatsächlich, bei einem Tanken viel zu wenig für die gefahrene Strecke getankt.

Ich bin beruhigt, mein Auto verliert kein Benin und wird nicht während der Fahrt verbrennen. Aber ich kenne nun eine Werkstatt, die eben einen Kunden „verbrannt“ hat. Dafür hat eine andere Werkstatt einen neuen Kunden gewonnen…

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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