Brexit. Brexit? Brexit!

Wer sich entscheidet, sollte vorher wissen, wofür oder wogegen er sich entscheidet. Und was die Entscheidung bedeutet. Und dann einen Plan für die Zeit danach haben. Sollte.

Meistens ist der Mensch freiwillig in Vereinen oder Organisationen, nur wenige Berufe setzen eine Mitgliedschaft in einer Berufs- oder Standesvertretung voraus. Lassen wir diese einmal außen vor.

Wer in einem Verein ist oder sein will, der macht das, weil er Freude an der gemeinsamen Sache hat oder sich Vorteile verspricht. Wer gerne segelt, seine Freizeit gerne mit anderen Segelbegeisterten verbringt, der ist in einem Segelverein gut aufgehoben. Man genießt als Vereinsmitglied viele Vorteile: Man kann die vereinseigenen Boote segeln, wird zum Sommerfest und zur Weihnachtsfeier eingeladen und vieles mehr. Wie immer im Leben gibt es keinen Vorteil ohne Nachteile: Man zahlt seinen Mitgliedsbeitrag. Und leistet die (vielleicht auch unbeliebten) Arbeitsstunden ab, in denen dann die Boote geschliffen und neu lackiert werden müssen und vieles andere mehr. Nun kann es sein, dass man meint, man wäre ohne den Segelverein besser dran, man könne den Mitgliedsbeitrag besser ausgeben. Wer dieser Meinung ist, kündigt seine Mitgliedschaft und verlässt den Verein. Mit der Mitgliedschaft enden dann die gegenseitigen Rechte und Pflichten. Eigentlich ganz logisch.

Wer glaubt, einen Verein zu verlassen, keine Beiträge mehr zu bezahlen, keine Arbeitsstunden mehr abzuleisten, aber noch von einigen (oder allen) Vorteilen der Vereinsmitgliedschaft profitieren zu können, hat eine etwas eigenwillige Auffassung der Realität und wird mit seinem Ansinnen eventuell Schiffbruch erleiden.

Wenn also die Briten einen Brexit wollen — danach sieht es derzeit aus — dann bitte einen konsequenten Brexit. Klar kann man danach noch Freunde bleiben. Aber man genießt nicht mehr die Rechte der EU-Mitgliedschaft. Wie das in einem vereinten Europa und einer sehr verzahnten Europäischen Wirtschaft funktionieren könnte, werden sich die Antragsteller schon vorher überlegt haben. Oder auch nicht.

Wenn die Briten erstmal aus der die EU raus sind, merken sie vielleicht irgendwann, dass man gemeinsam doch stärker ist. Und  und wollen möglicherweise nach ein paar Jahren wieder in die EU zurück. Die Aufnahmekriterien sehen allerdings vor, dass dann alle Mitglieder einer erneuten Aufnahme zustimmen müssen. Und da werden noch die einen oder die anderen alte Rechnungen mit den Briten zu begleichen haben. Die Spanier könnten sich an den alten Streit um Gibraltar erinnern…

Möglicherweise könnte eine Rückkehr in die EU viel unangenehmer werden, als es sich die Briten derzeit vorstellen können. Vielleicht ist ein Austritt aus der EU dann auch eine Einbahnstraße. „It’s a long way to Tipperary“ heißt es in einem Lied. Der Weg nach Canossa wird nicht kürzer.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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