Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Wer hat an der Uhr gedreht…?

So sicher wie das Amen in der Kirche erfolgt zweimal im Jahr das große Gejammer über die Zeitumstellung: Trotz einfacher Merkregeln

Zeitumstellung ist wie Sommermöbel:
Im Frühjahr VOR das Haus stellen
Im Herbst ZURÜCK in den Schuppen

wissen Menschen nicht, ob die Uhr nun vor oder zurückgestellt werden soll. Für solche Menschen wurden offenbar auch Schuhe mit Klettverschluss erfunden.

Besonders interessant finde ich es, dass auch die Menschen über die Zeitumstellung jammern, die sonst überhaupt kein Problem damit haben: Ich kenne Menschen. die mal eben ein Wochenende nach Dublin („Tolle Stadt, musst Du gesehen haben…“) fliegen oder eine Woche Urlaub in der Türkei („So ein tolles Land, so freundliche Menschen…“) machen und dabei merkwürdigerweise überhaupt keine Probleme haben, dass sich Irland eine Zeitzone weiter westlich (später) und die Türkei zwei Zeitzonen weiter östlich (früher) befindet. Da macht die Umstellung der Zeit auf einmal überhaupt nichts aus. Aber wenn hierzulande die Uhren umgestellt werden, dann brauchen die Menschen angeblich Tage, Wochen, Monate, um sich an die „neue“ Zeit zu gewöhnen?

Und wie schaffen es diese Menschen, am Wochenende mal länger zu schlafen und auch später ins Bett zu gehen? Ob die dann auch Wochen brauchen, um sich vom Wochenende und dem anderen Tagesrhythmus zu erholen?

Ich bin froh und dankbar, dass es von Ende März bis Ende Oktober eine Stunde mehr Tageslicht hatte und hoffe und wünsche mir, dass wir auch zukünftig bei der Sommerzeit bleiben.

Und seien wir mal ehrlich, fast alle unsere Uhren stellen sich automagisch um, in meinem Haushalt waren es nur wenige Geräte, die ich per Hand umstellen musste. Und das waren Geräte, deren eingebaute Uhr eh alle paar Monate gestellt werden muss, weil sie relativ ungenau geht.

Also wozu die Aufregung? In diesem Sinne… Bis Ende März.

Physik am Freitag

Da lese ich irgend wo, dass die Bundesregierung (praktisch) keine Elektroautos betreibt und dass das kein gutes Beispiel für die Bevölkerung sei.

Das stimmt und stimmt zugleich doch nicht. Wie kann das sein? Dröseln wir das Ganze mal ein wenig auf. Dazu braucht es aber ein wenig (mehr) Physik. Wer freitags den Physikunterricht in der Schule schwänzt, der kann sich wunderbar empören, wird aber nicht ernsthaft diskutieren können

Bei einem Kraftfahrzeug gibt ein wesentliche Parameter, die wir uns genauer ansehen wollen. Und auch die Zusammenhänge zwischen diesen Parametern:

  • Fahrzeugmasse (umgangssprachlich „Gewicht“)
  • Leistung, wobei es erstmal keine Rolle spielt, on diese Leistung von einem Elektro- oder Verbrennungsmotor erzeugt wird
  • Beschleunigung (und vielleicht auch Höchstgeschwindigkeit)
  • Mitgeführte Energie, um die Leistung zu erzeugen
  • Schutz der Insassen

Erinnern wir uns an den Physikunterricht, genauer an das 2. Newtonsche Gesetz, das einen Zusammenhang zwischen Kraft, Masse und Beschleunigung herstellt:

Kraft = Masse mal Beschleunigung

Je mehr Masse ein Fahrzeug hat, desto träger ist es und desto größer muss die Kraft (Motorleistung) sein, um es zu beschleunigen.
Und je weniger Masse ein Fahrzeug hat, desto geringer kann die Kraft (Motorleistung) sein, die für Beschleunigung ausreicht.

Allerdings gibt es noch einen weiteren Zusammenhang, den es zu berücksichtigen gilt:

Schutz kostet Gewicht
(Schutz erhöht die Masse)

Und mit Schutz meine ich hier nicht nur den Schutz gegen Regen (wir brauchen ein Dach) oder bei Verkehrsunfällen…
Kleine Nebenbemerkung: Dass die Anzahl der Verkehrstoten in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen ist, liegt auch daran, dass Autos heute immer sicherer (und damit schwerer) geworden sind. Passive Sicherheit (Knautschzone) bringt eben erheblich Kilogramm auf die Waage.
Regierungen bestehen auch aus Menschen, die auf der „Wunschliste“ von Attentätern ganz oben stehen. Also braucht man gepanzerte Fahrzeuge. Und auch hier gilt: Je höher der Schutz, desto mehr Gewicht. Bei einem Fahrzeug einer hohen Schutzklasse kommt schnell eine Tonne (oder manchmal auch mehr) hinzu.

Dass man so eine Panzerung nicht in einem Kleinwagen einbauen kann, versteht sich von selbst. Manches Sonderschutzfahrzeug hat eine Masse von über 3,5 Tonnen. Um so einen „Panzer“ zu bewegen, braucht es schon ein wenig mehr Leistung, siehe oben.

Und nun kommen wir zur Energie, die an Bord des Fahrzeugs mitgeführt werden muss, um die Leistung zu erzeugen. Genauer, kommen wir zur Leistungsdichte: Wieviel Leistung bekommen wir pro Volumen oder pro Masse. Und da schneiden elektrische Batterien sehr schlecht ab, jedenfalls im Vergleich zu Benzin oder Diesel als Energieträger.

Wird ein Sonderschutzfahrzeug — eher die Insassen — angegriffen, dann hilft nur der alte Grundsatz: ABHAUEN! Und dann braucht es Leistung. VIEL LEISTUNG. Um schnell zu beschleunigen und schnell aus der Gefahrensituation zu fliehen. Und da hat der Verbrennungsmotor erhebliche Vorteile.

Und wenn wir berücksichtigen, wie viele Bundespräsidenten, Bundeskanzler oder Personen in ähnlich exponierten Position wir haben, auf wie viele Sonderschutzfahrzeuge wir kommen, dann kann die Wirkung auf die Umwelt vernachlässigt werden. Jedenfalls im Vergleich zu Millionen Pendlern, die mit ihren Autos täglich im Stau stehen.

Darüber könnte man ja mal in ruhe diskutieren. An einem Freitag in einer Schule…

Spaß auf der Arbyte

Ich habe das Glück, viel Spaß bei meiner Arbeit zu haben. Nicht immer, aber sehr oft. Und manchmal sind es die kleinen Dinge, die für große Freude sorgen. Ich möchte ein Beispiel nennen:

Ich bekomme einen Anruf, dass bei jemandem E-Mails nicht eingehen. In solchen Fällen schreibe ich dann eine Test-E-Mail. Und ich nehme mir die Freiheit, nicht nur „Test“ (oder das auch nicht viel bessere „Lorem Ipsum“) in den eigentlichen Nachrichtenkörper zu schreiben, meistens ist es ein Text, der ein wenig — sagen wir mal — individueller ist.

Warum mache ich das? Menschen wollen, während jemand sich ihrer technischen Probleme annimmt, auch ein wenig unterhalten — nennen wir es vornehmer „abgelenkt“ — werden, damit die Wartezeit nicht so lange dauert oder als lang empfunden wird. Und zum anderen… Ich will Spaß auf der Arbeit haben.

So schrieb ich also ein „Romanes Eunt Domus“ in Mail, sendete sie ab und fragte am Telefon, ob die Nachricht angekommen wäre. Der Gesprächspartner bat um etwas Geduld, dann hörte ich ihn etwas tippen und dann kam eine Antwort-Mail. Dort stand dann

Romani Ite Domum!

Und das einhundertmal. Mein Gesprächspartner bewies viel Humor.

Und wem das alles hier nichts sagt, dem sei eine kleine kulturelle Auffrischung empfohlen…

Schönheit im Grau

Manchmal erscheint einem die Welt grau. So grau, wie es nur der norddeutsche Himmel sein kann. Manchmal erscheint einem die Welt auch betongrau. Zum Beispiel, wenn man Brücken oder ähnliche Bauwerke betrachtet. Um so erfreulicher, wenn sich dann ein natürlicher Farbtupfer in das „Grauen“ eingeschlichen hat und seine Betrachter für wenige Wochen erfreut:

Ein schöner Kontrast zum Grau. Gefunden bei der Eric-Warburg-Brücke in Lübeck.

Es muss nicht immer … sein

Bei Soja-Saucen denken wir fast immer an einen bestimmten Hersteller, dessen Name mir gerade entfallen ist 🙂 Schlechtes Gedächtnis? Nein, ich erinnere mich, dass seine Sauce, trotz relativ viel Salz (16,9g/100ml) angeblich nicht lange haltbar sein soll und trotz Lagerung im Kühlschrank binnen eines Monats aufgebraucht werden sollte.

Nun begegnete mir neulich eine Soja-Sauce eines anderen Herstellers, den ich zuerst mit Ketchup in Verbindung gebracht hatte. Sie schmeckt anders, war sehr lecker und beim nächsten mal, wenn ich den großen Einkaufstempel am anderen Ende der Stadt aufsuchen werde, werde ich mich wieder damit eindecken.

Erleuchtung kann man auch an ungewöhnlichen Orten finden

Der gute Autofahrer kennt sein Auto so genau, dass er jeden Schalter ohne hinzusehen findet. Jedenfalls sollte es so sein.

Kleiner Einschub am Rande: Ich kenne/kannte da einen alten Ingenieur, der sich bei jedem seiner Autos mit der Gebrauchsanweisung vertraut gemacht hat. Zur Belustigung der eigenen Gattin saß er bei jedem neuen Auto stundenlang mit dem Handbuch im Auto, las aufmerksam Seite um Seite, probierte jeden Schalter aus. Und das nicht nur einmal. Er probierte jeden Schalter so oft, bis er ihn blind fand. Und auch genau wusste, wie sich der Schalter anfühlte und welche Art von „Klick“ er bei der Betätigung macht.

Aber bei seiner Ingenieursehre war es ihm wichtig, Dinge nicht nur oberflächlich zu wissen. Er wollte es immer genau wissen. Ganz genau. Ingenieursehre eben.

Bei selten gebrauchten Schaltern erst (lange) suchen müssen, wäre für ihn undenkbar gewesen. Das überließ er lieber seiner Frau. Die fuhr auch bei Nebel ohne Nebelscheinwerfer. Das Suchen nach dem Schalter war ihr zu umständlich. Und bei viel Nebel fuhr sie eben nicht und ließ lieber den Gatten fahren.

So ist das auch bei mir, ich finde die Schalter in meinem Auto auch ohne hinzusehen, so wie das sein sollte. Nun passierte es aber, dass die Schalterbeleuchtung der Heizung/Lüftung nicht funktionierte. Zunächst trat diese Störung nur sporadisch auf. Später reichte es, einmal mit dem Fingerknöchel leicht an den Schalter zu klopfen und die fehlende Beleuchtung funktionierte wieder.

Irgendwann half das nichts mehr. Ein Schönheitsfehler, nicht mehr. Aber es gibt Menschen, die sich daran stören. Ich gehöre zu diesen Menschen. Also habe ich mal in die Gebrauchsanweisung des Autos gesehen. Der Wechsel der Schalterbeleuchtung wird dort nicht erwähnt. Eine kurze Google-Suche später hatte ich in einem Reparaturforum gefunden, wonach ich suchte. Eine didaktisch gutgemachte Anleitung. Nun brauchte ich nur noch die entsprechenden Birnchen.

Der kluge Autofahrer hat ein Kästchen mit Ersatzbirnchen im Auto. Leider sind dort nur die typischen Birnchen enthalten. Also führte mich mein Weg zum Autoteilehändler. Dort kannte man den Typ Birnchen. Und hatte ihn auch. Und verkaufte mir den Zweierpack davon für kleines Geld.

Mit der Reparaturanleitung bewaffnet dauerte es keine Minute, um das Birnchen zu wechseln. Und ich war wieder glücklich. Jedenfalls war mein kleines „Unglück“ — sofern man es als solches bezeichnen mag — wieder etwas kleiner geworden.

Tage später führt mich mein Weg in den „familiären“ Supermarkt der Nachbarschaft. Mehr aus Langeweile suche ich im Gang mit Autoersatzteilen auch nach Autobirnchen. Mich trifft fast der Schlag, dass es dort auch Glassockelbirnchen 12V in der Stärke 1,2W und der richtigen mechanischen Bauform gibt. Und das zu einem interessanten Preis.

Manchmal findet man „Erleuchtung“ eben auch dort, wo man sie niemals gesucht und auch nicht vermutet hätte.

Gehört der Islam zu Deutschland? Versuch einer Antwort.

Vor einiger Zeit wurde ich in eine Diskussion verwickelt. Es ging um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre. Oder eben nicht. Ein Bekannter stellte mir damals Fragen. Ich will sie hier einfließen lassen.

Bevor Du aus dem Bauch antwortest, möchte ich Dir Fragen stellen. Und auch ein paar Anmerkungen machen. Ich will Dir keine Antwort vorgeben. Du sollst sie selbst finden…

Ich fand den Ansatz interessant und ließ mich gerne auf das Gespräch ein.

Gibt es den Islam?

Ich überlegte. Ich bin kein Moslem und kenne mich im Islam kaum aus. Ich bin getauft, konfirmiert, kenne das Christentum auch gerade gut genug, um mich ansatzweise auf religiöse Diskussionen einzulassen. Aber ich weiß, dass es auch im Christentum eine Reite von Gruppierungen gibt. Katholiken, Protestanten, Calvinisten, Mormonen, um nur einige zu nennen. Und ich weiß, dass sich die Untergruppen teilweise alles andere als grün sind. Die Frontlinie des Bürgerkriegs in Nordirland führte nicht zufällig entlang der Grenzen zwischen Katholiken und Protestanten. Und immer, wenn die einen durch das Wohngebiet der anderen marschieren, fliegen Steine. Bis heute…

Jemand merkte an:

Ich komme ursprünglich aus einer katholisch-protestantischen Mischgegend. Einige Dörfer waren da ganz strikt getrennt und hatten zwei Fußballvereine, je nach Glaubenszugehörigkeit trat man in den einen oder in den anderen ein. Und bei Spielen der beiden Vereine gegeneinander war sich auf beiden Seiten fast schon sicher, dass „Du sollst nicht töten“ nicht unbedingt für Angehörige der jeweils anderen Mannschaft galt. Es gab zwar schon Freundschaften untereinander, aber Verlobungen oder Heirat gab’s praktisch nur innerhalb der eigenen Konfession. Und das im Deutschland der 1960er Jahre.

Ich bin in einer protestantischen Gegend aufgewachsen und in meinem Elternhaus war Religion auch nie eine große Sache. Aber ich dachte nach. Und mir fiel ein, dass auch im Islam unterschiedliche Gruppierungen gibt: Sunniten, Schiiten, Wahabiten, Charidschiten, Sufismus und bestimmt noch ein paar andere mehr. Und auch diese Gruppen sind sich untereinander nicht unbedingt grün. Und auch hier reicht es, dass man sich wegen unterschiedlicher religiöser Ansichten bekriegt. Teilweise militärisch. Wenn ich den Krieg Iran-Irak denke, dann ging es auch dort darum, wer den wahren Islam bewahren wolle und wer ein Fein des wahren Islam sei. Der Iran und Saudi-Arabien führen derzeit in Syrien Stellvertreterkriege. Beide Seiten sind der Auffassung, den einzig wahren Islam zu vertreten.

Wenn also der Islam zu Deutschland gehört (oder auch nicht, das lassen wir mal offen), welchen Islam meinen wir dann? Und welche mit ihm verknüpften Wertvorstellungen?

Puh, nun wird es schwierig. Es gibt muslimische Strömungen / Gesellschaften / Staaten, die sehr liberal sind. Es gibt keine offizielle Staatreligion, es gibt Religionsfreiheit, keinen Zwang für Mädchen und Frauen, sich zu verschleiern. Keine arrangierten Kinderehen und auch keine Mädchen, die gegen ihren Willen verheiratet werden.

Und dann gibt es muslimische Strömungen / Gesellschaften / Staaten, die eben alles andere als liberal sind. Da müssen sich Mädchen und Frauen verhüllen, da gibt es eine strikte Trennung der Geschlechter, da dürfen Frauen nur in Begleitung von Ehemann / Bruder / Vater / Cousin aus dem Haus und dann auch nur verschleiert. Treffen sich Männer und Frauen privat, dann ist das schnell „Ehebruch“ und wird mit Steinigung geahndet. Und in einigen arabisch-muslimischen Staaten dürfen Frauen nicht mal Auto fahren, oder durften es bis vor kurzer Zeit. Und Religionsfreiheit gibt es auch nicht. Wer einer anderen Religion als dem Islam anhängt, der begeht „Ketzerei“ oder „Gotteslästerung“ und wird bestraft, gerne auch mit dem Tode.

Wenn also von dem Islam die Rede ist, der zu Deutschland gehört (oder nicht gehört), welchen Islam meinen wir dann? Wieviel „Islam“ welcher Ausprägung wollen wir? Oder andersherum gefragt? Welche Dosis verträgt unsere Gesellschaft? Ab welchem Maß ist unsere Toleranz (über)-strapaziert?

Was finden wir „normal“? Was ist uns zuviel? Gibt es da eine Grenze? Wo könnte sie liegen? Und wieso genau dort und nicht woanders?

Die Freiheit der Religion und ihrer Ausübung wird von unserer Verfassung garantiert. Und niemand — von ein paar braunen Dumpfbacken — möchte die Zeiten von Judenverfolgung wie im Dritten Reich zurück. Geht es aber um den Islam — ja um welchen denn nun? — tun wir uns schwer. Wir finden Mädchen mit Kopftüchern als problematisch, Frauen mit Nikab befremden uns. Und die Anwendung der Scharia mit ihren teilweise drakonischen Strafen widerspricht auch unserer Rechtsauffassung und dem staatlichen Gewaltmonopol.

Ebenso verbieten hiesige Gesetze Kinderehen oder Vielehen. Diesen Teil des Islams (oder genauer: eines Islams) wollen wir nicht, weil er gegen geltendes Recht verstößt. Und andere Aspekte? Widerspricht ein getragenes Kopftuch als Zeichen des Islam einem staatlichen Neutralitätsgebot bei Polizisten, Richtern oder anderen Beamten? Trägt jemand eine Kette mit einem kleinen Kreuz, dann haben wir damit in der Regel kein Problem. Also dann mit dem Kopftuch? Stört uns eine getragene jüdische Kippa mehr (oder weniger) als ein Kopftuch? Wieviel oder wie wenig sichtbare Religion wollen wir?

Ab wann wird oder ist eine Religion politisch? Und wie weit verträgt sich diese Politik mit unserem Staat, unserem, Grundgesetzt, unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung? Und unserem Strafgesetzt?

Wieder schwierige Fragen. Klar, der Islam, genauer, so manche Form des Islam, ist nicht unpolitisch zu sehen. Wie auch andere Heilige Schriften, ist der Koran ein „Gemischtwarenladen“, im dem alle Inhalte zu finden ist, die gerade opportun erscheinen. „Liebe Deine Nächsten“, „Sei barmherzig zu Deinen Gegnern“ aber auch „Töte die Andersdenkenden“. Auch in der Bibel finden sich solche Aussagen. Gerade das Alte Testament ist voller Grausamkeiten, was gerne vergessen wird.

Das Christentum hat hierzulande ungefähr tausend Jahre Tradition und Einfluss… Und der Islam?

Ich hielt kurz inne. Sicherlich gibt es in Europa christliche Wurzeln, die sogar noch älter sind, aber nehmen wir mal ungefähr tausend Jahre als groben Richtwert. In dieser Zeit gab es einen erheblichen christlichen Einfluss, um guten wie im bösen, von Klöstern als Hort des Wissens und der Bildung bis hin zu Inquisition und Hexenverbrennung. Ich erinnerte mich an unsere gesetzlichen Feiertage. Neujahr, 1. Mai und der Nationalfeiertag am 3. Oktober sind säkulare Feiertage, alle andern gesetzlichen Feiertage sind christlichen Ursprungs.

Bist Du (D)einer Antwort ein wenig nähergekommen?

Ich könnte es mir einfach machen: Da es den (einen) Islam nicht gibt, kann der (eine) Islam auch nicht zu Deutschland gehören. Aber diese Antwort wäre zu einfach, wenn auch formal schwierig angreifbar. Es gibt viele Menschen muslemischen Glaubens in Deutschland. Und mit jedem Menschen wohl auch seine eigene Ausprägung des Islams. Insofern gehört ein Teil des Islams ganz sicher zu Deutschland. Andere Teile des Islams gehören ganz klar nicht zu Deutschland.

Gehört der Islam nun zu Deutschland oder nicht? Ich weiß es nicht. Aber die Diskussion darüber hat mich zum Nachdenken gebracht. Und das ist oftmals viel wichtiger als eine Antwort auf die eigentliche Frage zu finden.

Das Netz weiß alles … oder nichts?

Das Internet, so heißt es, weiß alles über Dich. Die Großen wissen dank ausgeklügelter Technik, wonach Du suchst, welche Videos Du gesehen hast (und welche davon bis zum Schluss), nach welchen Reisezielen Du gesucht hast, welche Reise Du dann gebucht hast. Wo Deine Selfies aufgenommen sind, was Du im Netz bestellst und und und.

Und alle diese Daten werden dann aufbereitet zu wertvollen Informationen. Und entscheiden, welche Werbung Dir beim Besuch von anderen Seiten eingeblendet werden. Wer sich also gewundert hat, warum er ausgerechnet die Werbung sieht, die er sieht… sollte sich also nicht wundern.

Ich wundere mich. Nicht über Werbung im allgemeinen. Ich wundere mich über die Inhalte der Werbung. Denn ein Großteil, um nicht zu sagen fast alles an Werbung, ist kompletter Blödsinn. Jedenfalls für mich. Ich nenne ein paar Beispiele.

Ich buche ein Hotel in einer Stadt. Da wäre dann Werbung für Sehenswürdigkeiten in der Stadt eine gute Idee. Idealerweise für genau die Dinge, die mich interessieren. Was bekomme ich? Werbung für ähnliche Hotels in der Stadt.

Ich kaufe im Netz ein Produkt. Und schon bekomme ich Werbung für genau das Produkt. Nicht etwa für ähnliche Produkte. Oder für Zubehör für das gekaufte Produkt. Nein, für das Produkt. Nicht sehr schlau. Jedenfalls in meinen Augen.

Und oftmals denke ich, das Netz weiß sehr wenig über mich. Eine Zeit lang bekam ich sehr viel Werbung für Frauenklamotten (in Übergrößen). Und auch für Hidschābs. Wer mich kennt, weiß, dass ich keine (sehr) dicke moslemische Frau bin. Und ich interessiere mich auch nicht für religiöse Mode für übergewichtige Frauen. Und ich habe solche Kleidungsstücke auch für Freundinnen bestellt.

Was weiß also das Netz über mich? Alles? Oder doch eher nichts? Oder sind das nur raffinierte Versuche, mich von der Allwissenheit abzulenken?

Fridays for (No) Future

Es fing irgendwann letztes Jahr an, dass junge Menschen freitags demonstrierten, um auf den Klimawandel und seine Auswirkung für die menschliche Zukunft aufmerksam zu machen. Eine gute Idee, wie ich finde. Allerdings ist nicht jede gute Idee auch gut umgesetzt. Schnell gibt es Kritik. Manche Kritik ist dumm und unsachlich, manche Kritik durchaus berechtigt und nicht so einfach zu entkräften. Sehen wir uns ein paar Kritikpunkte mal an.

Ihr demonstriert doch nur, damit Ihr die Schule schwänzen könnt…

Nun, dieser Punkt ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Bereitschaft von Schülern, innerhalb der Unterrichtszeit zu demonstrieren und nicht außerhalb war schon höher, als man noch gegen Notstandsgesetze auf die Straße ging. Natürlich könnten sich die Schüler auch nach Unterrichtsschluss zur Demo versammeln und so diesen Kritikpunkt aushebeln, aber wäre ihr Anliegen dann noch mit soviel medialer Aufmerksamkeit gesegnet? Wohl kaum.

Eure Kritik ist verlogen, denn auch Euer Verhalten zerstört die Umwelt mehr als nötig… Ihr wollt auf Klassenfahrt nach Malle fliegen, Ihr wollt jedes Jahr ein neues Smartphone, immer die neuesten stylischen Klamotten…

Auch dieser Punkt ist nicht unberechtigt. Wer sich für etwas einsetzt und von anderen Menschen fordert, das jeweils eigene Verhalten zu ändern und sich unter Umständen erheblich einzuschränken, der wird auch daran gemessen, wie sich eigenes Verhalten und eigene Ansprüche verhalten. Die Klassenfahrt kann auch mit dem Fahrrad von Zeltplatz zu Zeltplatz führen. Kunst und Kultur gibt es auch hierzulande. Na klar, wer sich Pompeji ansehen will, kann das eben nur in Pompeji machen. Und die Nachmittage zur „Selbsterkundung lokaler Kultur“ werden dann meistens irgendwo am Strand oder mit Party verbracht…
Und natürlich ist ein Smartphone ein tolles Gerät, um sich mal eben und auch von unterwegs aus zu informieren. Muss es aber unbedingt immer das neueste und schickste Gerät sein? Bei guter Behandlung hält ein Gerät deutlich länger als die Zeit, bis der Provider zum Vertrag ein neues Gerät rausrückt. Wie wäre es da mit Verzicht? Immerhin wird eben jener Verzicht von den „Erwachsenen“ eingefordert.
Muss man immer den besten, schnellsten und geilsten Laptop haben? Reichte nicht auch ein PC der nur in der mittleren Leistungsklasse spielt und der gebraucht erworben wurde?
Und auch was die eigene Kleidung angeht, wird oft lieber auf Konsum statt auf Nachhaltigkeit gesetzt. Dass wir in einer Gesellschaft leben, die einen Menschen abwertend ansieht (und behandelt), wenn die Jacke offenbar beschädigt und wieder instandgesetzt ist, ist nicht die Schuld junger Menschen. Große Ausnahme sind die Klamotten, die (für einen erheblichen Aufpreis) schon mit „Schäden“ wie aufgerissenen Knien geliefert werden.

Ihr habt doch (noch) keine Ahnung davon, wie die Welt, die Wirtschaft, die Wissenschaft funktionieren.

Natürlich haben die jungen Menschen das nicht. Aber dieser Punkt ist billig. Woher sollen Menschen, die noch keinen Schulabschluss haben, keine Berufsausbildung, keine Lehre, kein Studium, keine jahrelange Erfahrung in (großen) Firmen, denn wissen, wie die Dinge laufen? Sie sehen nur, dass die Dinge eben nicht gut laufen. Und weisen darauf hin, dass die Dinge nicht gut laufen. In der Sprache, die sie sprechen. Und das ist eben nicht die Sprache eines Nobelpreisträgers.
Auch Nobelpreisträger weisen auf Dinge wie Klimaveränderung hin. Hört man denen zu?

Euer Schulschwänzen wird noch Konsequenzen haben…

Dieser Kritikpunkt ist nicht unberechtigt. Wer die Schule schwänzt, um an einer Demonstration teilzunehmen, der bekommt Fehlstunden angerechnet. Und ab einer gewissen Anzahl Fehlstunden gilt ein Kurs dann eben als nicht bestanden. Das kann zu einer „Ehrenrunde“ (also Sitzenbleiben) führen. Oder dazu, dass es den gewünschten Schulabschluss eben nicht geben wird.

Ihr verbaut Euch Eure eigene Zukunft…

Diesem Kritikpunkt kann man entgegnen, dass dieses die Generation der jetzigen Politiker und Unternehmensbosse tun. Touché!

Bier auf Hawaii? Senf aus Bornholm!

Als mir ein lieber Kollege erzählte, dass ihn sein Urlaub in die Dänische Südsee führen werde, kam ich nicht umhin, ihn um ein kleines Reisemitbringsel zu bitten.

Heute ist er aus dem Urlaub zurück, fing mich schon vor dem Betreten meines Büros ab und drückte mir die Beute in die Hand. Noch während der Dienst-PC hochfuhr, musste ich den Senf probieren.

Typisch skandinavisch, leicht süße Note, etwas körnig und sehr lecker.


Sehr lecker: Der ächte Bornholmer Senf.

Vielen Dank, lieber Kollege!

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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