Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Geniales Gender-Gaga

Als Mensch, der in der Schule (in Latein) den Unterschied zwischen Genus und Sexus gelernt hat, halte ich wenig von gegenderter Sprache. Ich habe gelernt, dass ein generisches Maskulinum auch Frauen (und andere Menschen) beinhaltet. Ich muss (und möchte) auch nicht jeder meiner Wörter:innen mit sprachlichen Verhunzungen_innen verschlimmbessern.

Wenn ich „Der Mensch“ sage, dann meine ich alle Menschen. Ob nun Männlein, Weiblein, die Menschen dazwischen, die sich nicht so ganz in diesen Schubladen festlegen können oder wollen. Soweit, so klar. Nur leider nicht allen Menschen:innen.

Das erinnert mich an eine Geschichte, die lange genug her ist, um verjährt zu sein: Irgendwann ruft mich jemand an, die Verzweiflung ist deutlich in der Stimme zu hören. Da soll eine Arbeit für die Uni abgegeben werden. Abgabeschluss ist Montag 12:00 Uhr. Also der Folgetag.

Du kennst Dich doch auch mit der Materie aus, kannst Du da etwas beisteuern? Ich komme einfach nicht auf die geforderte Seitenzahl. Ich habe schon mit der maximal erlaubten Schriftgröße und Formatierung getrickst, aber…

Ich las mir die Arbeit durch. Er hatte alle relevanten Punkte behandelt. Nur eben maximal knapp und oberflächlich. Mit genügend Aufwand und hätte man da viel mehr erreichen können. Aber manchmal hat der Student einfach keinen Bock mehr, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Kennt jeder, der mal eine Arbeit zu einem ungeliebten Thema schreiben musste.

Gib mir eine Stunde, dann kommst Du auf die geforderte Seitenzahl…

Am Telefon war zu hören, wie jemand ein Stein vom Herzen fiel. Da ich in der Materie nicht genug drin war, um in der Sache etwas zu schreiben, musste eben getrickst werden. Da an der Formatierung nichts mehr zu machen war, mussten eben andere schmutzige Tricks her.

Immer wenn ein generisches Maskulinum verwendet wurde, wurde es durch beide Geschlechter ersetzt. Damals waren weder Gender-Sternchen noch Gender-Doppelpunkt noch Binnen-I bekannt. Stattdessen gab es die volle Nennung, liebe Leserinnen und Leser. Also wurde aus „Der Benutzer“ dann „Der Benutzer oder die Benutzerin“. Und das konsequent durch die ganze Arbeit. Globales Suchen und ersetzen blähte die Arbeit im Handumdrehen auf. Inhaltlich blieb es beim Status Quo, aber die geforderte Seitenzahl wurde nicht nur erreicht, sie wurde auch noch übertroffen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Genossen und Genossinnen, liebe Freunde und Freundinnen.

Irgendwann später bekam ich eine Rückmeldung, dass die Arbeit nicht nur bestanden wurde, es hab auch eine lobende Erwähnung der Sprache. Sic Transit Gloria Mundi…

Tierisches Understatement

Wieder mal kam ich in ihr Büro. Ich war sicher, dass sie mich diesmal nicht auf den Arm nehmen könnte. Und es auch nicht versuchen wollte. Ich stand an ihrem Schreibtisch, als mich etwas sanft anstubste. Ich sah an meinem Bein herunter. Die Kollegin bemerkte es und an sah von ihrem Bildschirm auf und sah zur mir. Als sie erkannte, dass mir die Situation nicht unangenehm war, schenkte sie mir ein Lächeln und klärte mich auf:

Ich musste heute mal meine Hündin mitnehmen, ich wollte eh nicht lange im Büro bleiben, sie stört ja nicht und so haben wir wenigstens eine intelligente Blondine hier im Büro…

Ich schenkte der Golden Retriever-Hündin dann ein Lächeln…

Die Kollegin hat Abitur, eine Ausbildung gemacht, dann erfolgreich studiert, wurde dann promoviert… Und sie beherrscht die Kunst des tierischen Understatements…

Ungeahnte Talente

Eine Bekannte meldete sich bei mir. Sie komme demnächst dienstlich nach Hamburg und suche jemanden, der sich mit ihr treffen möchte und ihr etwas von Hamburg zeigen wolle.

Bekanntlich hat Hamburg als eine der beiden Deutschen Weltstädte viel zu bieten. Je nach Dem, wonach einem so der Sinn steht, von Kunst und Kultur, Geschichte und und und, egal, was es sein soll, man findet es in Hamburg. Also fragte ich, welche Richtung es denn so sein sollte.

Und — natürlich — stand auf ein Besuch auf dem Kiez, der Reeperbahn und des angrenzenden Vergnügungsviertels auf der Wunschliste. Bekanntlich gibt es auf dem Kiez allerlei interessante Angebote, je nach eigenen Vorlieben. Entsprechend waren meine Rückfragen, welche Blume aus dem bunten Strauß denn interessant sei und welche eher nicht. Manche Frauen wollen zum Beispiel in einen Table-Dance-Laden, manche eher nicht, also fragt man besser vorher.

Und schnell entwickelte sich folgende Unterhaltung:

Ich: „Möchtest Du Dir auch einen Table-Dance-Laden ansehen?“

Sie: „Da sehe ich nichts, was ich nicht schon kenne… Wenn ich einer Frau beim Ausziehen zusehen möchte, kann ich mich auch zu hause vor dem Spiegel stellen…“

Ich: „Aber die kann das besser und erotischer…“

Sie: „Hast Du eine Ahnung… Vielleicht habe ich ein paar Talente, von denen Du nur noch nichts weißt…“

Mir fehlten dir Worte…

Nachtrag zu Smartmetern / Intelligenten Stromzählern

Ich wurde gebeten, das mit den Stromzählern genauer auszuführen und warum ich nicht so begeistert davon bin, etwas. Dieser Bitte komme ich gerne nach. Hier ist der Link zum alten Artikel.

Eine kurze Zusammenfassung: Herkömmliche Stromzähler, oft als Ferraris-Zähler ausgeführt, zählen den Stromverbrauch. Und am Ende einer Abrechnungsperiode kommt ein Ableser und liest den Zählerstand ab. Manchmal lesen wir den Zählerstand auch selbst ab und übermitteln ihn an den Stromanbieter.

So weit, so gut, so idioten- und missbrauchssicher.

Mit intelligenten Zählern ist viel mehr denk- und auch machbar: Denkbar ist, dass der Zähler nicht nur (den aufsummierten) Stromverbrauch aufzeichnet, es ist auch möglich, den aktuellen Verbrauch zu übermitteln. Dieses kann in festgelegten Intervallen, zum Beispiel alle Viertelstunde, passieren. Oder auch immer dann, wenn sich der Verbrauch ändert.

Und wo ist da nun das Problem?

Der Stromanbieter versichert uns doch, uns nicht zu überwachen und die Daten zu schützen nicht zu missbrauchen. Ganz genau. Und genau wie wir uns darauf verlassen konnten, dass der Automobilhersteller keine illegale Abschalteinrichtung in die Abgasreinigung unseres Autos einbaute, können wir uns auch darauf verlassen, dass…

Wer garantiert uns, dass unsere Daten nicht im Sekundentakt ausgelesen werden? Wer garantiert uns, dass die Daten nicht an Dritte gelangen? Also nicht nur als fluffiges Werbeversprechen? So richtig als harte Garantie, bei der es richtig wehtut. Es muss ja nicht gleich um Leib und Leben des Geschäftsführers gehen. Eine deutliche(!) Geldbuße reicht ja durchaus.

Niemand! Das wird uns niemand garantieren.

Und was wäre daran so schlimm? Hier möchte ich etwas ausholen. Unser Stromverbrauch sagt sehr viel über uns und unser Leben aus. Sehen wir uns an, was für Verbraucher wir haben und wie und wann sie Strom verbrauchen.

Wir haben Verbraucher, die immer(!) Strom verbrauchen. Das sind „Kästchen“ wie Radiowecker, DSL-Router, TV-Box und andere Geräte, die wir nie ausschalten. Die Uhr im Herd, die Steuerung der Heizung und und und. Nennen wir sie Verbraucher der Kategorie 1. Der Stromanbieter weiß, dass wir einen gewissen Grundverbrauch haben.

Dann haben wir Verbraucher, die immer wieder anspringen, für eine gewisse kurze Zeit laufen, wieder Pause machen, dann wieder laufen. Typische Vertreter sind (Tief-) Kühlschrank und Heizung. Es ist wenig Aufwand, diese Geräte recht schnell aus den gemessenen Daten herausfinden. Je nach Jahreszeit und Temperatur springt ein Kühlschrank nachts alle x Minuten an. Als lokaler Stromanbieter weiß ich, wie warm es in meinem Versorgungsgebiet ist und kann so den Kühlschrank an seinem periodischem Verhalten erkennen. Ähnliches gilt auch für die Heizung. Und andere periodisch anspringende Geräte. Nennen wir diese Geräte Verbraucher der Kategorie 2.Hier erfährt der Stromanbieter, dass wir solche Geräte haben und nicht so sehr viel mehr.

Dann haben wir Geräte, die sehr präzise verraten, was wir gerade machen. Wenn morgens der Wecker klingelt, stehen wir auf. Machen Licht an, kochen Kaffee, duschen uns, putzen Zähne, benutzen den Toaster. Der Stromanbieter erfährt also, wann wir aufstehen. Und mit etwas Magie und viel Big Data kann man auch herauslesen, wie viele Personen geduscht und Zähne geputzt haben. Und auch wie viel Kaffee gekocht wurde.

Wird dann kein Strom mehr verbraucht bzw. nur noch der Strom aus den Kategorien 1 und 2, dann kann der Stromanbieter erkennen, dass niemand mehr im Haus ist.
Was geht den Stromanbieter das an?

Ebenso kann der Stromanbieter auch erkennen, wann wir wieder nach Hause kommen. Jeder Bewohner der Wohnung, de nach Hause kommt, wird den Stromverbrauch etwas erhöhen, weil Fernseher, Computer, Spielekonsole oder Licht eingeschaltet sind.
Was geht den Stromanbieter das an?

Gehen wir schlafen, schalten wir PC, Fernseher, Licht und sonstige Geräte aus, das kann der Stromanbieter das auch erkennen. Was geht den Stromanbieter das an?

Übrigens: Ist die Messung des Stromverbrauchs nur genau genug, dann kann der Stromanbieter auch herausfinden, welches Programm wir im TV sehen, der Stromverbrauch hängt von der Helligkeit des Bildes ab, dementsprechend schwankt der Stromverbrauch unseres Fernsehers. Etwas mehr Magie und Big Data und die Kenntnis ein paar TV-Programme als Vergleich und unser Stromanbieter kennt unseren TV-Konsum.
Was geht den Stromanbieter das an?

Angeblich sind unsere Daten sicher.
Angeblich wird mit den Daten kein Missbrauch getrieben.
Angeblich waren aber auch unsere Diesel sauber.

Kann man alles glauben.

Warum also nun eine Infrastruktur schaffen, die erst (unnötige) Daten erhebt, die dann missbraucht werden können?

Die Regel(n) nicht verstanden…

Es war einmal … So fangen oft Märchen an. Und nicht jedes Märchen geht so gut aus, wie zunächst gedacht. Vor einiger Zeit ist einigen Frauen aufgefallen, dass sie für Tampons und Binden den vollen Mehrwertsteuersatz von 19% bezahlen. Das fanden sie ungerecht. Schließlich menstruieren sie nicht freiwillig. Und die Kosten für Tampons und Binden kosten pro Monat schon den einen oder anderen Euro.

Kann man da nicht was machen? Klar, kann man, also eher „frau“. Flugs wurde eine Kampagne ins Leben gerufen, griffige Slogans, die sich mit einem Hashtag gut in sozialen Medien machten, entworfen. So kam es dann zu #NoTamponTax oder #KeineTamponSteuer.

Kann man gut finden. Und sofort unterstützen, ohne mal kurz darüber nachzudenken. Welche Regeln?

  • Der ermäßigte Steuersatz gilt für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs. Die Menstruation wird gerne auch als „Tage“ bezeichnet, aber solange Frauen nicht jeden Tag menstruieren, stellt sich die Frage, ob Tampons wirklich steuerlich begünstigt werden sollen.
  • Andere Dinge, die täglich gebraucht werden, denken wir mal an Arzneimittel, die täglich genommen werden (müssen), unterliegen dem vollen Mehrwertsteuersatz. Warum?

Nun kann man argumentieren, dass Frauen ja nicht freiwillig menstruieren. Aber das gilt auch für Männer, denen der Bart nicht freiwillig wächst und sich jeden Tag rasieren müssen. Sich einen Bart stehen zu lassen ist in vielen Berufen nicht akzeptabel.

Kurzum, mit genügend sozialem Druck auf die Politik erreichte man eine Einstufung von Tampons in die Gruppe für den ermäßigten Steuersatz. Und der Jubel war groß.

Leider haben die Befürworter einer ermäßigten Steuer ein paar grundsätzliche Regeln nicht verstanden. Nicht der Staat gibt den Preis vor. Hersteller und Handel stehen als Anbieter den Verbraucherinnen als Nachfragern auf dem Markt gegenüber. Und nun greifen die bekannten Prozesse: Der Preis eines Produktes bildet sich aus den Preisvorstellungen von Anbietern und Nachfragern, wobei jede Seite den eigenen Nutzen mehren möchte.

Nun wird also der Steuersatz gesenkt, Hersteller und Handel denken sich, dann die Anbieter bisher bereit waren, einen bestimmten Preis für die Produkte zu bezahlen. Warum sollten sie das nun nicht mehr sein?

Also wird der Preis erhöht, bis das Produkt im Laden wieder den ursprünglichen Preis hat. Nur machen Hersteller und Handel mehr Profit und freuen sich entsprechend. Und der Staat hat weniger Steuereinnahmen.

Die Mechanismen von Angebot und Nachfrage sind seit langer Zeit bekannt, auch die Folge einer Mehrwertsteuersenkung.

Aber wenn man die Regel(n) nicht versteht, dann bietet man Herstellern und Handel eben eine Steilvorlage. Wenn uns das nur vorher jemand gesagt hätte…

Sie weiß, was mich scharf macht…

Ein lieber Mensch, Leserin meines Blog, daher Kennerin gewisser Vorlieben, wollte mir eine kleine Freude machen. Sagte ich eine Freude? Ich meinte natürlich drei Freuden. Aber seht selbst:

Drei kleine Freuden auf einem Streich…

Und da sie weiß, was mich scharf macht, wählte sie die passende Sorte Senf aus:

Mutprobe
Der Text auf dem Deckel beschreibt es recht passend

Und wer wissen will, woher man diese und andere (bestimmt ebenfalls so leckere) Köstlichkeiten aus Senf bekommen kann:

https://www.senfpauli.de/

Amt, Verstand und Würde (des Amtes)

Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand
(dieses Amt auszuführen)

so sagt es zumindest der (gottes- und obrigkeitstreue) Volksmund. Und oft steckt in dem, was der Volksmund sagt oder dem Volk in den Mund gelegt wird, ein Körnchen Wahrheit.

Kommen wir nun zu einem Fall, bei dem ein Mensch einer Partei zum Vorsitzen eines Ausschusses gewählt wird. Da seine Partei, auch wenn sie die größte Oppositionspartei ist, eine eher kleine Partei ist, wurde er mit den Stimmen der anderen Parteien gewählt. Soweit, so gut.

Nun ist ein knappes Jahr vergangen. An der eigentlichen Arbeit als Ausschussvorsitzender gab es wenig Kritik. Viel Kritik gab es aber an Äußerungen in sozialen Medien. Diese lagen oft zwischen unangemessen, voll daneben, einfach nur peinlich und unwürdig.

Irgendwann wurde man sich im Ausschuss klar, dass dieser Vorsitzende sich wegen seiner Verhaltens(!) disqualifiziert habe. Und auch, dass man einen anderen Menschen als Vorsitzenden wählen wollte.

Der Noch-Vorsitzende, der mit einem Amt aber offenbar nicht mit Verstand und schon erst recht nicht mit Würde ausgestattet wurde, witterte Verrat und eine Intrige der „Altparteien“. Denn die hätten schon immer etwas gegen ihn und seine Partei.

Moment mal. Also jene Altparteien, die angeblich „schon immer“ etwas gegen ihn und seine politischen Mitstreiter gehabet haben sollen, wählen erst ihn in ein Amt und geben ihm die Chance, sich zu beweisen und zu zeigen, dass es in seiner Partei eben nicht nur Rechtspopulisten und (mehr oder weniger offene) Neonazis gibt. Dann vergeigt der Menschen das durch seine eigenen Sprüche in sozialen Medien und im Parlament und zeigt so, dass es weder den Verstand noch die Würde für die Ausübung von Ämtern hat. Aber die Anderen sind schuld?

Man muss den „Altparteien“ dankbar dafür sein, dass sie dem Mann die Chance gaben, sich selbst als Vollhonk zu präsentieren.

Teuer bezahlte Fehler

Wir alle kennen den berühmten Ausspruch aus dem Film Forrest Gump:

Dumm ist, wer Dummes tut!

Manchmal treffen aber auch intelligente Menschen dumme und verhängnisvolle Fehlentscheidungen. In der letzten Zeit sind mir Berichte über zwei Fälle untergekommen, die mich zum Denken angeregt haben.

Da ist ein Mensch als Chef der Treuhandanstalt ganz weit oben auf der „Wunschliste“ der Terroristen. Das BKA hat davon erfahren und gibt diese Information an den Betroffenen weiter. Und dann beraten die Personenschützer mit der Zielperson, wie der Schutz aussehen kann und welche Maßnahmen getroffen werden können, um den Schutz zu erhöhen.

Dann fährt man nicht mehr selbst mit dem Auto zur Arbeit, des Fahrer holt einem mit einem gepanzerten Fahrzeug ab und fährt einen zur Arbeit. Dort endet die Fahrt nicht vor dem Dienstsitz sondern in der geschützten und bewachten Tiefgarage (oder Innenhof). Natürlich fährt man nicht jeden Tag die gleiche Strecke und die örtliche Polizei hat die Strecke vorher abgefahren und nach verdächtigen Dingen Ausschau gehalten. Da sind so die Basics, die in jedem Handbuch für Personenschutz stehen. Das haben übrigens auch die Terroristen gelesen. Zumindest sollte man davon ausgehen.

Das eigene Haus oder Wohnung sollte auch abgesichert werden, denn schließlich kann die Zielperson auch dort angegriffen werden. Fenster sollten mit Panzerglas ausgestattet sein. Und zwar alle Fenster. Es reicht nicht, nur die Fenster im Erdgeschoss damit auszurüsten. Geht man dann ins Arbeitszimmer im Obergeschoss, macht das Licht an, gibt man ein vorzügliches Ziel für einen Heckenschützen, der keine hundert Meter entfernt in einem Schrebergarten auf der Lauer lag.

Es hätte nicht unbedingt Panzerglas im Obergeschoss sein müssen, fernbediente Rollläden, die dem Attentäter die Sicht nehmen, hätten es auch getan, denn wenn man ein Ziel nicht mehr ausmachen kann, ist die präzise Bekämpfung schwierig bis unmöglich.

Warum Detlev Rohwedder im Obergeschoss seines Hauses kein Panzerglas hatte, werden wir nie erfahren. Bedauerlich, dass dieses Versäumnis einen so hohen Preis forderte.

Ein anderes Beispiel soll Alfred Herrhausen betreffen. Vor ein paar Tagen ging durch die Medien, dass der gepanzerte Dienstwagen auf Herrhausens eigenen und ausdrücklichen Wunsch eine versenkbare Seitenscheibe gehabt haben soll, was die Panzerwirkung geschwächt haben soll. Und als die Sprengfalle auslöste und das Projektil das Fahrzeug traf, soll ein Teil des Kurbelmechanismus Herrhausen getroffen und tödlich verletzt haben.

War Alfred Herrhausen nicht klar, dass versenkbare Scheiben die Schutzwirkung (erheblich) schwächen können? Glaubte er nicht an eine konkrete Bedrohung?

Es geht mir ausdrücklich nicht um die Andeutung einer möglichen Mitschuld der Opfer. Als ich unlängst von beiden Fällen erfuhr, versuchte ich mir vorzustellen, ob den Menschen klar sein konnte, in welcher Gefahr sie sich befanden (wahrscheinlich nicht) und dass unmenschliche Angreifer jede noch so kleine Schwäche ausnutzen würden.

Ich frage mich, ob Menschen, die in ähnlich exponierten und gefährdeten Position aus diesen (und anderen) tragischen Fehlern lernen können oder wollen.

Wer hat an der Uhr gedreht…?

So sicher wie das Amen in der Kirche erfolgt zweimal im Jahr das große Gejammer über die Zeitumstellung: Trotz einfacher Merkregeln

Zeitumstellung ist wie Sommermöbel:
Im Frühjahr VOR das Haus stellen
Im Herbst ZURÜCK in den Schuppen

wissen Menschen nicht, ob die Uhr nun vor oder zurückgestellt werden soll. Für solche Menschen wurden offenbar auch Schuhe mit Klettverschluss erfunden.

Besonders interessant finde ich es, dass auch die Menschen über die Zeitumstellung jammern, die sonst überhaupt kein Problem damit haben: Ich kenne Menschen. die mal eben ein Wochenende nach Dublin („Tolle Stadt, musst Du gesehen haben…“) fliegen oder eine Woche Urlaub in der Türkei („So ein tolles Land, so freundliche Menschen…“) machen und dabei merkwürdigerweise überhaupt keine Probleme haben, dass sich Irland eine Zeitzone weiter westlich (später) und die Türkei zwei Zeitzonen weiter östlich (früher) befindet. Da macht die Umstellung der Zeit auf einmal überhaupt nichts aus. Aber wenn hierzulande die Uhren umgestellt werden, dann brauchen die Menschen angeblich Tage, Wochen, Monate, um sich an die „neue“ Zeit zu gewöhnen?

Und wie schaffen es diese Menschen, am Wochenende mal länger zu schlafen und auch später ins Bett zu gehen? Ob die dann auch Wochen brauchen, um sich vom Wochenende und dem anderen Tagesrhythmus zu erholen?

Ich bin froh und dankbar, dass es von Ende März bis Ende Oktober eine Stunde mehr Tageslicht hatte und hoffe und wünsche mir, dass wir auch zukünftig bei der Sommerzeit bleiben.

Und seien wir mal ehrlich, fast alle unsere Uhren stellen sich automagisch um, in meinem Haushalt waren es nur wenige Geräte, die ich per Hand umstellen musste. Und das waren Geräte, deren eingebaute Uhr eh alle paar Monate gestellt werden muss, weil sie relativ ungenau geht.

Also wozu die Aufregung? In diesem Sinne… Bis Ende März.

Physik am Freitag

Da lese ich irgend wo, dass die Bundesregierung (praktisch) keine Elektroautos betreibt und dass das kein gutes Beispiel für die Bevölkerung sei.

Das stimmt und stimmt zugleich doch nicht. Wie kann das sein? Dröseln wir das Ganze mal ein wenig auf. Dazu braucht es aber ein wenig (mehr) Physik. Wer freitags den Physikunterricht in der Schule schwänzt, der kann sich wunderbar empören, wird aber nicht ernsthaft diskutieren können

Bei einem Kraftfahrzeug gibt ein wesentliche Parameter, die wir uns genauer ansehen wollen. Und auch die Zusammenhänge zwischen diesen Parametern:

  • Fahrzeugmasse (umgangssprachlich „Gewicht“)
  • Leistung, wobei es erstmal keine Rolle spielt, on diese Leistung von einem Elektro- oder Verbrennungsmotor erzeugt wird
  • Beschleunigung (und vielleicht auch Höchstgeschwindigkeit)
  • Mitgeführte Energie, um die Leistung zu erzeugen
  • Schutz der Insassen

Erinnern wir uns an den Physikunterricht, genauer an das 2. Newtonsche Gesetz, das einen Zusammenhang zwischen Kraft, Masse und Beschleunigung herstellt:

Kraft = Masse mal Beschleunigung

Je mehr Masse ein Fahrzeug hat, desto träger ist es und desto größer muss die Kraft (Motorleistung) sein, um es zu beschleunigen.
Und je weniger Masse ein Fahrzeug hat, desto geringer kann die Kraft (Motorleistung) sein, die für Beschleunigung ausreicht.

Allerdings gibt es noch einen weiteren Zusammenhang, den es zu berücksichtigen gilt:

Schutz kostet Gewicht
(Schutz erhöht die Masse)

Und mit Schutz meine ich hier nicht nur den Schutz gegen Regen (wir brauchen ein Dach) oder bei Verkehrsunfällen…
Kleine Nebenbemerkung: Dass die Anzahl der Verkehrstoten in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen ist, liegt auch daran, dass Autos heute immer sicherer (und damit schwerer) geworden sind. Passive Sicherheit (Knautschzone) bringt eben erheblich Kilogramm auf die Waage.
Regierungen bestehen auch aus Menschen, die auf der „Wunschliste“ von Attentätern ganz oben stehen. Also braucht man gepanzerte Fahrzeuge. Und auch hier gilt: Je höher der Schutz, desto mehr Gewicht. Bei einem Fahrzeug einer hohen Schutzklasse kommt schnell eine Tonne (oder manchmal auch mehr) hinzu.

Dass man so eine Panzerung nicht in einem Kleinwagen einbauen kann, versteht sich von selbst. Manches Sonderschutzfahrzeug hat eine Masse von über 3,5 Tonnen. Um so einen „Panzer“ zu bewegen, braucht es schon ein wenig mehr Leistung, siehe oben.

Und nun kommen wir zur Energie, die an Bord des Fahrzeugs mitgeführt werden muss, um die Leistung zu erzeugen. Genauer, kommen wir zur Leistungsdichte: Wieviel Leistung bekommen wir pro Volumen oder pro Masse. Und da schneiden elektrische Batterien sehr schlecht ab, jedenfalls im Vergleich zu Benzin oder Diesel als Energieträger.

Wird ein Sonderschutzfahrzeug — eher die Insassen — angegriffen, dann hilft nur der alte Grundsatz: ABHAUEN! Und dann braucht es Leistung. VIEL LEISTUNG. Um schnell zu beschleunigen und schnell aus der Gefahrensituation zu fliehen. Und da hat der Verbrennungsmotor erhebliche Vorteile.

Und wenn wir berücksichtigen, wie viele Bundespräsidenten, Bundeskanzler oder Personen in ähnlich exponierten Position wir haben, auf wie viele Sonderschutzfahrzeuge wir kommen, dann kann die Wirkung auf die Umwelt vernachlässigt werden. Jedenfalls im Vergleich zu Millionen Pendlern, die mit ihren Autos täglich im Stau stehen.

Darüber könnte man ja mal in ruhe diskutieren. An einem Freitag in einer Schule…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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