Archiv für die Kategorie „Geschichten“

Abenteuer Einkauf mit Freu(n)den

Dass Einkaufen manchmal ein echtes Abenteuer sein kann, hatte ich schon mal hier geschrieben. Manchmal kann Einkaufen aber auch ein Abenteuer mit Freu(n)den sein. So erging es mir neulich, als ich mit einem befreundeten Paar unterwegs war.

Wir waren im Supermarkt, kauften ein paar Lebensmittel ein. Und damit es an der Kasse schneller ging, nahm er die Einkäufe in die Hand, während sie bezahlte. Nach dem Bezahlen öffnete er ihren Rucksack und stopfte die Einkäufe rein. Während sie den Rucksack noch trug. Und er hatte sie nicht gefragt, ob ihr das so genehm wäre. Sie brachte ihren Unmut darüber mit einem:

Ja, mach nur, ich bin’s ja gewohnt, Dinge von hinten reingesteckt zu bekommen…

zum Ausdruck. Das sorgte für Erheiterung meinerseits und ein gewisses Bedürfnis, das nicht auf sich sitzen zu lassen seinerseits. Die Gelegenheit für die Revanche sollte schon bald kommen.

Einkaufen kann anstrengend sein, besonders an heißen Tagen. Und besonders, wenn der Supermarkt in einer großen U-Bahn-Station liegt und entsprechend belüftet ist. Es war also warm und stickig. Nun, an solchen Tagen ist es besonders wichtig und auch wünschenswert, ausreichend zu trinken. Dazu bietet der Supermarkt Wasser an. Nicht aus so einem neumodischen Gerät mit Wasserflasche und Plastikbechern, nein, es gibt es einen klassischen Wasserspender, der einen Strahl in einem Bogen spendet. Dort kann man seine Wasserflasche auffüllen oder direkt mit dem Mund trinken. Dieser Wasserspender war in einer Nische einer Wand eingebaut. Sie grummelte etwas darüber, dass sie sich vorbeugen müsse. Das war dann seine Chance:

Vorbeugen, Mund auf, es in den Mund bekommen und dann schlucken, das bekommst Du doch auch sonst hin…

Nicht nur ich verschluckte mich vor Lachen.

Heiraten an besonderen Daten

Manchen Männern sagt man nach, sie bevorzugen leicht zu merkende Hochzeitstermine, weil sie sich dann das Datum besser merken könnten. Gerade war wieder so ein Datum, es war der 1.8.18. Das erinnert mich an ein Geschichte. Sie ist lange her und begann vor etwas über 20 Jahren.

Es war irgendwann 1997, als ich eine junge Dame kennenlernte. Nennen wir sie M. Sie war von ihrem Freund verlassen worden, ging dann eine Zeit lang in „Sack und Asche“, wie das viele Frauen machen. Und dann fing sie an, wieder auszugehen. Um zu sehen, ob sie als Frau denn noch auf Männer wirkt. Natürlich verliert ein Mensch nicht so schnell seine Ausstrahlung. Aber es dauert eine Weile, bis das Thema Ausgehen wieder eines war. So lernte ich sie in einer Disco kennen. Und wir freundeten uns an. Schnell war uns beiden klar, dass aus uns kein Paar werden würde. Muss ja auch nicht. Eine gute Freundschaft ist viel wert. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, dann etwas weniger und dann… Dann kam der Tag, an dem sie wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen war.

Die beiden wohnten nicht zusammen, ihre Wohnung war wirklich klein. Keine Chance für ihn, mit seinen Sachen bei ihr einzuziehen. Auch er wohnte klein. Aber er wollte ein Haus renovieren und dann da einziehen. Wenn es denn fertig sein sollte. Irgendwann. Im Laufe der Zeit wurde das Verhältnis zwischen den beiden dann so, dass von Heiraten gesprochen wurde. Und es sollte der 9.9.99 sein. Dann sollte das gemeinsame Haus fertig sein…

Die Zeit verstrich, es ging an die Vorbereitungen, sie kaufte ein Brautkleid, plante die Hochzeit, buchte (und bezahlte, das wird noch eine Rolle spielen) eine Hochzeitsreise. Er steckte sein Geld in das neue gemeinsame Haus. Im Frühling, wurde er dann ein wenig — es fällt mir schwer, einen passenden Ausdruck zu finden — „komisch“. Er war sich nicht mehr so ganz sicher, ob er wirklich am 9.9.99 heiraten wolle.

Nun, dass einer von zwei Ehepartnern sprichwörtliches Muffensausen bekommt, das kommt schon mal vor. Eine Ehe einzugehen ist ja nun auch eine Entscheidung fürs Leben. Eigentlich. Jedenfalls sprach er ihr gegenüber dann erstmal davon, eine Pause einzulegen und nicht am 9.9.99 zu heiraten. Das traf M. schon sehr. Immerhin hatte sie viel Liebe, Zeit und auch Geld in die Vorbereitungen gesteckt. Also wurde die Hochzeitsfeier abgesagt. Das ging noch ohne großen finanziellen Verlust; Lokale, in denen man eine Hochzeit feiert, kennen solche Vorfälle offenbar schon und wollen zum privaten Stress dann nicht noch finanziellen Stress machen, zumal solche Termine ja wirklich sehr begehrt waren.

Dann kam aber der eigentliche Hammer. Kurz vor dem 9.9.99 steckte ihr dann eine Freundin ein Geheimnis, dass diese eigentlich nicht verraten durfte und bat sie inständig, am 9.9.99 nicht in der Nähe eines bestimmten Standesamtes und einer bestimmten Kirche zu sein. Aus Gründen.

Und da brach für M. eine Welt zusammen. Schnell fand sie heraus, dass er zwar seit einiger Zeit wieder mit ihr zusammen war, aber nicht nur mit ihr. Oft, wenn er vorgeblich im Haus werkelte, war er woanders unterwegs. Und übernachtete auch nicht auf der Baustelle. Nun war ihr auch unmissverständlich klar, dass es kurz nach dem 9.9.99 keine Flitterwochen geben würde, die hätte man ja auch ohne vollzogene Trauung machen können.

Aber was sollte sie nun mit der Reise machen? Sie war gebucht, sie war bezahlt. Und die Möglichkeiten, eine Reise kurzfristig im Internet anzubieten, waren noch nicht erfunden. Sie fragte in ihrem Freundeskreis herum, wer denn Lust auf zwei Wochen Malediven hätte. Sie fragte auch mich. Und für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach. Aber…

Wollte ich neben einer kreuzunglücklichen Frau 14 Tage lang in einem Doppelbett liegen? Zumal wir noch nie gemeinsam in einem Bett lagen? Nein!
Was, außer allen Arten an Wassersport, kann man auf den Malediven machen? Sich in die Sonne legen. Und ans Buffet gehen. Langweilig!
Wäre ich in der Lage, ihr in ihrem Unglück den nötigen Halt zu geben und Trost zu spenden? Nein!

Also war mir klar, dass ich raus war. Da auch sonst niemand aus ihrem sozialen Umfeld Zeit hatte oder sonstwie abkömmlich war, gelang es ihr, über Krankschreibung und Reiserücktrittsversicherung mit einem blauen Auge davonzukommen.

Im Laufe der Zeit haben wir uns aus den Augen verloren, ich weiß nicht, was aus ihr wurde, wünsche ihr aber alles Gute. Und ich kann damit leben, nie auf die Malediven gekommen zu sein.

People Are People

„People Are People“ so sangen es die Synthie-Popper von Depeche Mode schon in den 80er Jahren. Menschen sind Menschen. Irgendwie sind wir alle Menschen. Und irgendwie sind wir alle gleich. Und zugleich so unterschiedlich. Das durfte ich ganz deutlich als kleiner Rekrut sehen.

Damals, 1988 war ich beim Bund, genauer, bei den Panzeraufklärern. Und alle zwei Jahre veranstaltete ein Panzeraufklärungsbataillon einen Wettbewerb der Aufklärungstruppen, den Boeselager-Wettkampf. Er sollte in dem Jahr vom Team der 1st Cavalry Division der US-Streitkräfte gewonnen werden. Ich gehört zum Orga-Team und durfte mir auch einige Disziplinen ansehen. So kam es, dass ich im Bereich des Zieleinlaufes stand, als die Mannschaft der US-Streitkräfte antrat.

Als erster kam der stellvertretende Team-Chef, ein Leutnant, ins Ziel. Er war der Massai: sehr groß, sehr schlank, sehr dunkelhäutig. Hätte mir jemand gesagt, dass sein Großvater jeden morgen 30km durch die afrikanische Savanna zur Schule gelaufen war, natürlich barfuß, ich hätte es so sofort geglaubt. Dieser Mensch lief nicht über den Acker, er schwebte förmlich, als berührten seine Füße den Boden nur alle fünf Meter. Mit unglaublicher Leichtigkeit lief er auf das Ziel zu, lief durch das Ziel und blieb stehen. Seine Stirn war von wenigen Schweißtropfen bedeckt. Er holte zwei oder dreimal tief Luft, danach schien er sich erholt zu haben.

Eine Weile später kam der Team-Chef, ein Hauptmann, ins Ziel. Er war der Typ Ire: klein, breit, sehr blasse Haut mit Sommerssprossen, rotblonde Haare, sein Körper war schweißbedeckt, seine Uniform war „durch“. Er lief nicht über den Acker, erst recht schwebte er nicht. Er pflügte durch den Acker. Jeden Meter, den er zurücklegte, kämpfte er. Als er durchs Ziel war, fiel er um. Ich dachte für einen Moment, er stürbe vor unseren Augen, seine heftig pumpende Atmung normalisierte sich langsam, nach einer Weile konnte er dann auch wieder aufstehen — vielleicht sollte ihn der Rest der Mannschaft nicht am Boden liegen sehen? Dann begab er sich zum Stellvertreter und die beiden warteten das Eintreffen der restlichen Mannschaftteilnehmer ab.

Es ist 30 Jahre her, dass ich dieses Schauspiel ansehen durfte, aber die Unterschiedlichkeit menschlicher Laufstile ist mir in Erinnerung geblieben. Ja, Menschen sind alle sehr ähnlich, aber irgendwie doch so ganz anders.

Stallkatzen

Stallkatzen sagt man viele Eigenschaften und Fähigkeiten nach. Sie fangen Mäuse (und manchmal auch Ratten) im Stall. Dann becircen sie durch ihre Niedlichkeitsstrahlen die Menschen, ihnen das eine oder andere Leckerlie mitzubringen. Oder wie einfach nur zu streicheln. Manchmal interagieren die Stallkatzen auch mit den Pferden und kuscheln mit ihnen. Manche Stallkatzen sind eher scheu, manche sind auch einfach „coole Socken“ und lassen sich durch nichts und niemanden aus ihrer Ruhe bringen.

So auch diese Katze:

Irgendwas los hier? Nein?

Sie sah sich kurz um und dann…

Nichts los hier? Dann leg ich mich wieder entspann hin.

Aber den Vogel schoss diese Stallkatze ab, die ich in der Spanischen Hofreitschule in Wien entdeckte:

Die coolste Katze von allen. Spanische Hofreitschule, Wien, Österreich

Sie blieb einfach liegen, obwohl die Besuchergruppe nur wenige Schritte an ihr vorbeiging. Offenbar kennt die Katze die Wege der Besucher ganz genau und weiß, wo wie liegenbleiben kann.

Die „Nordsee“ von Wien aus gesehen

Bei meinem Besuch in Wien war ich auch auf dem Kahlenberg. Von dort aus sieht man über ganz Wien und in die nähere Umgebung, was das nahe Ausland (Slowakei) einschließt. Etwas vorwitzig habe ich meiner Wiener Begleitung gesagt, dann man von dort auch die Nordsee sehen könne. Wollte sie mir nicht glauben.

Tage später konnte ich sie dann überzeugen, dass die Nordsee auch in Wien zu sehen ist:

Doch vom Wiener Kahlenberg aus zu sehen: Die Nordsee

Ich wollte ihr dann noch ein Stück Land hinter dem Deich bei Ebbe verkaufen, aber darauf fiel sie dann nicht mehr herein 🙂

Wasser in Wien

Wien und München, so wurde es mir erzählt, beziehen ihr Trinkwasser aus den jeweils nahen Bergen. Und das Wasser hat dann so eine hohe Qualität, dass praktisch keine Maßnahmen mehr getroffen werden müssen, um das Wasser für den menschlichen Genuss als Trinkwasser aufzubereiten. So steht es auch im Badezimmer des Hotels in Wien. Das ist erfreulich, denn gutes Trinkwasser ist ein Luxus, den nicht jeder Mensch auf diesem Planeten genießt. Manchmal muss man Wasser teuer und umständlich aufbereiten, von Schadstoffen reinigen, unerwünschte Mineralien entfernen und und und. Da freut man sich, wenn Wasser schon sauber genug aus dem Berg fließt.

Wenn dann das Hotel am Frühstücksbüffet mit energetisch aufbereitetem bzw. belebten Wasser wirbt und einen extra Zapfhahn für solches Wasser bereitstellt, dann schlägt bei mir der Esoterik-Alarm an. Ja, ich weiß, dass es „Informationsübertragung“ geben kann. Ich weiß aber auch, dass dafür immer (viel) Energie im Spiel sein muss. Übertrage ich Informationen in Form von eingeschlagenen Zahlen in ein Stück Blech (Hundemarke), dann braucht es dazu schon kräftige Hammerschläge. Möchte ich Informationen per Kabel oder Funk übertragen, dann braucht es dazu ebenfalls Energie. Immer wenn mir jemand erzählen möchte, seine Informationsübertragung ginge komplett ohne Energie, weiß ich, dass mich ein Scharlatan verarschen will.

Entsprechend belustigt habe ich dann auch auf diesen Hinweis im Hotel reagiert:

Wenn man dran glauben mag…

Solange Physiker, Chemiker, Biologen nichts nachweisen oder messen können… Aber lest Euch doch selbst durch, was der Hersteller so alles verspricht. Vielleicht glaubt Ihr ja daran? Woanders glaubt man ja auch daran, dass mal jemand Wasser in Wein verwandeln konnte.

Kauf regional, kauf national…

Der Urlaub führte mich auch nach Österreich. Die kundige Reiseberaterin vor Ort lotst mich auch in einen „Merkur“-Supermarkt. Dort kaufen wir dann alles mögliche für sie und mich. Irgendwann, viel später, sehe ich mir den Kassenbon genauer an:

Einheimische Produkte werden durch ein „Ö“ in der letzten Spalte des Kassenbons markiert.

Meine Begleiterin klärt mich auf:

In vielen Supermärkte werden inländische Produkte besonders gekennzeichnet, damit Kunden erkennen können, dass sie einheimische Produkte kaufen.

Ich sehe mir den Kassenbon weiter an:

Hinweis aus österreichische Produkte (Hinweise auf Zahlungsdaten habe ich aus dem Scan entfernt!)

Vieles, was wir kaufen, ließe sich auch aus der Region kaufen. Ich habe nie verstanden, warum ein stilles Wasser (per Lkw) aus der Mitte von Frankreich kommen muss, wenn es auch hierzulande Brunnen gibt, denen man Wasser entnehmen kann. Ähnlich ist das auch in einem kleinen Land wie Österreich. Der Kunde soll klar erkennen können, was er aus der Region kauft, soll klar erkennen können, was er aus dem eigenen Land kauft. Und dann selbst entscheiden. Das finde ich gut. Wer mitmachen kann und möchte, wird deutlich aber unaufdringlich informiert. Alle anderen kaufen eben Wasser  von Far-Far-Away. Aber beschweren sich dann bitte nicht, wenn die Lkw, die das Wasser bringen, die Autobahnen verstopfen.

 

Wenn es im Auto nicht kalt wird…

Moderne Autos haben Klimaanlagen. Die Zeiten, in denen derlei Annehmlichkeiten nur der automobilen Ober- oder Luxusklasse vorbehalten blieben, sind lange vorbei. Heute kommt (praktisch) kein Auto mehr ohne Klimaanlage. Warum auch nicht? Im Sommer hilft sie, die Innenraumtemperatur abzusenken und damit die hitzebedinge Ermüdung der Innensassen zu vermeiden. Im Herbst und Winter trocknet die Klimaanlage die Luft und verhindert so beschlagene Scheiben.

Neulich war es wieder mal warm, ich hatte die Klimaanlage eingeschaltet, wundere mich aber, warum es nicht kalt wird. Ich hatte die Klimaanlage doch eingeschaltet, oder? Ein Blick sagt mir, dass das Lämpchen leuchtet. Ist die Klimaanlage etwa kaputt?

Dann wurde mir klar, warum es nicht kalt wurde… Wer entdeckt den Fehler?

Warum wurde es im Auto nicht kalt?

Des Rätsels Lösung: Die letzte Fahrt fand bei nächtlich kühlen Temperaturen statt und der Fahrer hatte wohl vergessen, den Temperaturregler wieder auf sommerliche Einstellung zurückzustellen…

Mikroprozessortechnik macht’s möglich

Menschen neigen dazu, die bestehenden Dinge (mehr oder weniger) linear fortzuschreiben und so die Gegenwart in eine mögliche Zukunft zu prognostizieren. Dass sich mit der Einführung nicht nur bestehende Dinge schneller, besser, preiswerter erledigen lassen, dass eben auch manchmal Dinge möglich werden, die vorher nicht möglich waren, sei es überhaupt nicht möglich oder theoretisch möglich, dann aber zu Preis und Aufwand, der die Anwendung verbot, das wird gerne übersehen. Hier ein paar Beispiele aus meinem Leben.

Beispiel 1:
Wir hatten in der Firma einen großen Drucker. Früher wurde so etwas als Plotter bezeichnet, aber die Zeiten, in denen ein Gerät in der Größe eines Billardtisches Papier auf einer Fläche fixierte, dann mit einem Stift Linien aufs Papier zog, sind lange vorbei. Heute hat man Tintenstrahldruckköpfe. Und das Gerät ist auch deutlich kleiner geworden. Es konnte Papier im Format DIN A1 bedrucken. Dabei musste man das Papier aber per Hand einlegen. Und da ging das Problem schon los. Egal, wie genau man es einlegte, das Papier war nie so ganz gerade, so dass der Ausdruck immer etwas schief auf den Papier ankam.

Das alte Gerät war in die Jahre gekommen, der Zahnriemen, der den Schlitten mit den Druckköpfen bewegte, war nun schon zum zweiten mal verschlissen, der IT-Chef erinnerte sich, dass die Reparatur damals ein gefühltes Vermögen gekostet hatte und entschied, dass das Gerät, wenn auch nicht an Ende der technischen, dann aber am Ende der wirtschaftlichen Lebensdauer angelangt sei. Und weil gerade etwas Geld im Budget vorhanden war und es aus anderen Gründen wünschenswert par, Plakate auch im Format DIN A0 (also doppelt so großes Format wie DIN A1) bedrucken zu können, durfte es ein Großgerät werden.

Und genau hier kam ich ins Spiel: Ich durfte dann mal recherchieren, welches Gerät es sein sollte und den IT-Chef dann entsprechend überzeugen. Da ich mit einem Zweibuchstaben-Druckerhersteller gute Erfahrung gemacht hatte, sah ich mich zuerst dort um. Und eines war mir klar: Nie wieder Einlegen von Papier per Hand, das Papier musste von der Rolle kommen. Geräte in dieser Klasse Druckbreite 36 Zoll sind Profigeräte und kommen mit den üblichen Schnittstellen. Solche Geräte schließt man nicht mal eben an den eigenen PC an (auch wenn man das per USB oder WLAN könnte), solche Geräte hängen per LAN am firmeneigenen Druckserver. Also alles da, was man braucht. IT-Chef überzeugt, ein paar Rollen Papier und ein paar Sätze Tintenpatronen  gleich mitbestellt und dann…

Tage später kam das Monster dann. Und Monster ist keine Übertreibung. Der Karton ließ sich dann mit zwei Mann grad so heben, Papierrollen in 36 Zoll-Länge wiegen auch einiges. Dann kam der eigentliche Spaß: Auspacken, Aufbauen und Inbetriebnahme. Endlich mal wieder richtige IT, so richtig zum anfassen. Und dann zum ersten mal Papiereinlegen: Rolle aus der Schutzfolie, in den Rollenhalter einlegen, am Bedienfeld des Druckers auf „Papier von Rolle laden“ tippen und mit einem dezenten Surren wird das Papier eingezogen.

Und auch gleich wieder entladen. Enttäuschte Gesichter der Umstehenden, denn auch der IT-Chef wollte zusehen. Wieder ein Surren, das Papier wird wieder eingezogen, wieder entladen, wieder eingezogen, diesmal blieb es. Des Rätsels Lösung ward schnell gefunden. Das Gerät prüft, ob das Papier von der Rolle auch exakt gerade geladen wurde. Falls nicht, dann erneut erfolgt ein erneutes Laden. Ich war beeindruckt. Das Gerät hat dann die vordere Seite des Papiers mit dem Schneider beschnitten und meldete dann Druckbereitschaft.

Schnell war auch der Drucker auf dem Server eingerichtet, der Drucker freigegeben und der erste Benutzer durfte sich den Drucker installieren. Dann der erste richtige Druckauftrag. Der Drucker legte los und mit einer fast schon affenartigen Geschwindigkeit brachte er einen zweifingerbreiten Streifen Farbe auf das Papier. Dann die nächste Überraschung: Der Druckkopf fuhr zurück, fuhr erneut über das eben bedruckte Papier. Er maß, wie schnell die gedruckte Menge Tinte bei aktueller Temperatur und eingelegten Papier trocknete, berechnete danach die Druckgeschwindigkeit für den weiteren Ausdruck und druckte dann in eben jeder Geschwindigkeit weiter.

Wir waren begeistert. Und dass der Drucker jemals dazu genutzt wurde, um heimlich Pferdebilder in DIN A0 auszudrucken, ist nur ein böswilliges Gerücht.

Beispiel 2:
Früher brauchte es einen Notarzt, der ein EKG auswerten konnte, um dann mit einem Defibrillator dem Herzen bei Herzstillstand oder Kammerflimmern den entsprechenden Anstoß zu geben. Erst gab es die Möglichkeit, dass das Rettungspersonal die Ergebnisse des EKGs per Funk an den Arzt ins Krankenhaus übertrugen, der Arzt entschied dann über den Einsatz des Defis. Dann kamen halbautomatische Geräte, die das Rettungspersonal einsetzen könnte. Nun hängen an vielen Stellen AED. Diese Geräte sind auch für Laien zu bedienen und retten so manches Menschenleben. Sie analysieren das abgenommene EKG, entscheiden dann, ob, wann und wie stark der Anstoß für das Herzen sein soll.

Wo es früher noch einen ausgebildeten Notfallmediziner brauchte, schafft es heute ein Gerät mit Mikroprozessoren. So können wertvolle Menschenleben gerettet werden.

Beispiel 3:
Früher war die Technik bei Automoren recht einfach und überschaubar: Es gab einen Vergaser und eine elektromechanische Zündanlage. Mit dem Gaspedal wurde der Vergaser gesteuert, die Drehzahl beeinflusste den Zündzeitpunkt (je höher die Drehzahl, desto früher muss die Zündung erfolgen, da der (chemische) Verbrennungsprozess eine gewisse Zeit benötigt.

Dann kamen Motorsteuerungen mit Kennfeldzündungen und -einspritzanlagen. Der Fahrer teilt per Gaspedal den Leistungswunsch mit, das Steuergerät misst die Temperatur des Motors und angesaugter Luft, kennt die Drehzahl, die aktuelle Lastsituation des Motors, manchmal auch die Kraftstoffqualität und wählt danach die jeweils beste Einspritzmenge und den richtigen Zeitpunkt dafür und auch den Zündzeitpunkt.

Das klingt ganz furchtbar kompliziert. Ist es in der Theorie auch. In der Praxis sind diese Geräte jedoch enorm zuverlässig und praktisch wartungsfrei. Und wenn ich vergleiche, das jemand mit seinem VW-Käfer (halb soviel Leistung wie mein Panda) doppelt soviel verbrauchte mein Panda, dann freue ich mich über meine moderne Technik.

Fazit:
Mikroprozessortechnik macht Dinge (überhaupt erst) möglich oder bezahlbar. Und wenn man sie erstmal hat, mag man sie nicht mehr missen.

Reiseimpressionen — Juristischer Hinweis

Was macht ein gutes Hotel aus? Die Anzahl der Sterne? Die Ausstattung des Hotels, samt Schwimmbad, Sauna und Wellness-Oase? Die Lage? Die Ausstattung der Zimmer? Alles richtig und irgendwie doch nicht. Viele Menschen, die viel häufiger als ich in Hotels übernachten, stimmen jedoch mit mir überein: Es ist das Personal, das einem das Gefühl gibt, zuhause zu sein, kein Gast sondern ein Freund zu sein.

Irgendwann komme ich in ein Hotel, bekomme meinen Zimmerschlüssel, bringe mein Gepäck auf mein Zimmer. Der Tag war lang, ich möchte meine Klamotten auspacken, eine Dusche nehmen, frische Sachen anziehen und dann meine Abendverabredung wahrnehmen. Auf dem Gang sind laute Gespräche zu hören, durch die geschlossene Zimmertür. Ich sehe auf den Gang, einige ausländische Gäste reden zu laut, alle durcheinander und auf eine Hotelbedienstete ein, fordern ein neues Zimmer. Das anzubieten war leider nicht möglich, das Hotel war komplett ausgebucht, so erklärte die Hotelbedienstet.

Ich verzog mich wieder in mein Zimmer, duschte mich, verließ dann mein Zimmer, auf dem Flur noch immer das laute Palaver…

Später am Abend sitze ich an der Bar, die dem Empfang angeschlossen ist. Ein weiterer Gast, auch er hatte das laute Streitgespräch mitbekommen, hofft, dass es nicht die ganze Nacht Lärm gäbe. Sonst hätte er eine pragmatische Lösung anzubieten:

Also wenn die Typen die ganze Nacht Krach machen sollten… Ich habe Müllsäcke, Kabelbinder, Klebeband und einen Klappspaten im Kofferraum.

Der Barmann hatte von dem Vorfall gehört, spielte den Ball zurück:

Ich muss Sie allerdings darauf hinweisen, dass Mord in Österreich strafbar ist…

Die junge Hotelbedienstete setzte ein zauberhaftes Lächeln aus und fiel ihrem Kollegen ins Wort:

Es ist aber nicht weit bis zur Grenze, ich zeig Ihnen gerne den Weg…

Genau mein Humor und sie hatte die Lacher aller Anwesenden auf ihrer Seite. Später stellte sich dann heraus, dass die Gäste, sie so einen Aufstand machten, Angehörige einer ausländischen Großfamilie waren, die sich immer einmal im Monat in diesem Hotel trifft. Man kennt also das Hotel und auch die Zimmer. Warum man für einen Abend dann mit fünf Koffern Gepäck anreisen muss, hat sich keinem von uns erschlossen.

Aber die Lösung hatte einen gewissen Reiz. Wie der Abend ausging und ob da doch noch mal jemand an die Grenze gefahren war, entzog sich meiner Kenntnis.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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