Archiv für die Kategorie „Geschichten“

„Stromdiebstahl“ und das Drama danach

Vor vielen Jahren bloggte ich über eine Posse zum Thema Stromdiebstahl. Neulich traf ich eine Bekannte, ich wollte wissen, wie’s ihr denn im neuen Job ergehe. Ihre Antwort ist es wert, mal hier verbloggt zu werden. Hier ihre Geschichte:

Den Job hab ich nicht mehr. Ich hab gekündigt, nachdem ich mir einen neuen Job angenommen hatte. Die Suche ging glücklicherweise blitzschnell und dann war ich aus dem alten Job von heute auf morgen raus.

Wieso ist gekündigt habe? Total doofe und peinliche Geschichte. Du weißt doch, ich nutze mein Handy als Wecker, vor dem Schlafengehen wird es geladen. Nun hatte ich da neulich eine App, die noch im Hintergrund lief und während der Nacht den Akku leergesaugt hatte. Ich hab dann das Ladekabel mit zur Arbeit genommen und es dann dort geladen. Alles kein Ding. Mein PC läuft ja sowieso und weil ich schon ’ne Power-Userin bin, hab ich einen sehr leistungsfähigen PC, der schon ein wenig mehr Strom braucht.

Jedenfalls kommt mein Chef rein, sieht das angeschlossene Handy und bekommt einen Tobsuchtsanfall und brüllt was von „Stromdiebstahl“ und so und dass er mich deswegen rauswerfen werde. Ernsthaft „Stromdiebstahl“. Der Mann ist Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik, sollte also wissen, wie viel Strom das Laden eines Handy braucht, und das es praktisch „nichts“ kostet. Ich hab’s mal ausgerechnet, wir kommen da nicht mal auf einen Cent.

Ich hab dann in der Mittagspause bei der Firma angerufen, bei der ich mich auch beworben hatte, aber deren Zusage erst kam, als ich hier schon unterschrieben hatte. Glücklicherweise war die Stelle noch frei und ich bekam dann gleich eine mündliche Zusage.

Nachmittags bin ich dann in die Personalabteilung und habe gekündigt. Die Personalerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr berichtete, was vormittags passiert war, fasste sie sich an den Kopf. Solche oder sehr ähnliche Situationen kannte sie wohl schon, manchmal bekam der Chef wohl cholerischen An- und Ausfälle, brüllte sein Personal meistens grundlos zusammen und verschreckte so im Laufe der Zeit viel gutes Personal.

Der Chef empfand meine Kündigung als Frechheit, zur „Strafe“ wurde ich sofort freigestellt. Und da die Frist zur Kündigung für das kommende Monatsende knapp verpasst war, wurde es eben erst eine Kündigung einen Monat später. So gab es knapp sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub. Und den nehme ich jetzt.

Sie schenkte mir ihr legendäres Lächeln, lud mich auf eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen ein und wir klönten dann über die schönen Dinge des Lebens.

Der ungewöhnlichste Nebenjob

Auf Partys trifft man ja manchmal viele Leute, die man noch nicht kennt. Und je nach eigenem Geschick (oder dem der anderen Menschen) finden sich Themen, über die man sich unterhalten könnte. Klar, die Themen Wetter, Politik, Fernsehprogramm oder Fußball gehen immer, sind aber nicht immer ganz einfach, gilt es doch, hier gewisse Fettnäpfchen zu vermeiden.

Auf irgendeiner Party unterhielt ich mich in einem kleineren Kreis über die Nebenjobs, die wir einst als Schüler, Azubi oder Student hatten. Schnell wurde daraus eine Art Wettbewerb, wer denn den ungewöhnlichen Nebenjob hatte. Kellnern war so häufig vertreten, da war klar, damit ist kein Pokal zu gewinnen. Irgendwann war ich an der Reihe zu erzählen. Ich war „Diplom-Silologe“. Diese Bezeichnung verdankte ich dem damaligen Silomeister des Getreidesilos, in dem ich ein paar Sommer arbeitete. Wer als Student mehr als einen Sommer arbeitete, dem bezeichnete er als „Diplom-Silologen“, mit dieser Anrede verband er, dass man sich noch an vieles aus dem Vorjahr zu erinnern hatte, die Einarbeitung also entsprechend kurz ausfallen konnte. Und je mehr man konnte, desto besser und anspruchsvoller waren auch die Aufgaben, die man übernehmen konnte. Ich verwog dann Fahrzeuge, nahm mit einem Roboter-Kran Stichproben des Ladung, bestimmte diese in unseren Labor. Mit den Ergebnissen schickte ich dann den anliefernden Lkw-Fahrer zum Silomeister, der dann entschied, in welche Silozelle die Ware eingelagert wurde.

Ich wähnte mich schon als sicherer Sieger unseres kleinen Wettbewerbs als eine Frau zu erzählen begann:

Ich war Schönschreiberin. Ich arbeitete für eine Firma, deren Chef ein paar Eigenheiten hatte. Die Firma stellte Rechnungen, die wenig Rechnungspositionen enthielten, dafür waren die Beträge umso höher. Zum Beispiel „5 Beratertage (a 1.000DM) im Monat Juli 5.000DM“ und so weiter. Die Rechnungen kamen ganz normal aus dem System und dann kam ich ins Spiel. Der Chef hatte die Marotte, dass er gerne handgeschriebene Rechnungen auf feinem Papier verschicken wollte. Und natürlich auch in einem Umschlag aus feinem Papier, beschriftet in schöner Schrift. Und so gab er eine Anzeige auf, die mir einst in die Hände fiel. Ich schickte ein — er wünschte es ausdrücklich — handschriftliches Bewerbungsschreiben, wurde zum Gespräch eingeladen und bekam den Job. Ich durfte mir einen edlen Füllfederhalter kaufen und bekam dann einmal die Woche einen Stapel Ausdrucke, deren Inhalt ich dann in meiner Handschrift zu Papier brachte. Am Anfang machte ich das in der Firma, später arbeitete ich dann am eigenen Schreibtisch.

Den Job hab ich jahrelang gemacht und mir damit ein gutes Zubrot verdient. Irgendwann war ich mit dem Studium fertig, arbeitete noch ein paar Monate übergangsweise in der Firma und fing dann einen richtigen Job an. Den Füllfederhalter, den mir der Chef einst kaufte, durfte ich behalten. Ich habe ihn heute noch und schreibe sogar damit.

Wir alle waren uns einig, dass ihr Nebenjob alles übertraf, was wir an dem Abend gehört hatten.

Warum Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können

Ingenieure können nicht richtig rechnen? Eine wahrlich steile These, denn wenn jemand im Studium tief in den Werkzeugkasten der Mathematik greift, dann Ingenieure. Okay, Physiker und Informatiker auch.

Wie komme ich nun darauf, dass Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können, immerhin hatte ich doch mal über Rechentricks alter Ingenieure berichtet. Ganz einfach, ich wurde Zeuge folgender Unterhaltung:

Ein Ingenieur berichtet von den Planungen seiner Renovierung: Die ‚Hütte‘ ist alt, hie‘ und da gibt es dann Sanierungsbedarf. Also lässt er sich Angebote für neue Fenster und auch eine neue Heizung kommen. Schließlich möchte niemand (teure) Heizenergie durch zugige Fenster verlieren oder ungenutzt durch den Schornstein jagen. Unser Ingenieur staunte nicht schlecht, als er die Angebote auswertete, denn die neuen Heizungen warben mit Wirkungsgraden von über 100%. Und wie jeder, insbesondere jeder Ingenieur, weiß, gibt es keinen Wirkungsgrad über 100%. Entsprechend groß — wahrscheinlich auch über 100% — waren Verwunderung und Ärger über dieses Angebot.

Unser Ingenieur hat recht — und zugleich Unrecht.

Wie kann das nun sein? Nun, irgendwann in der Vergangenheit wurde eine Referenzanlage genommen und deren Wirkungsgrad gemessen. Und alle später entwickelten Heizungsanlagen wurden gegen eben jene Anlage gemessen. Und dann der Wirkungsgrad des aktuell getesteten Geräts mit dem Referenzgerät verglichen. Eine neue Heizungsanlage kann also so effizient sein, dass der Wirkungsgrad der alten Referenzanlage bei über 100% liegen müsste, um im Wirkungsgrad gleichziehen zu können.

Diese Erklärung überzeugte ihn noch nicht ganz. Es bedurfte dann noch ein paar weiterer Erklärungen, um den Ingenieur zu überzeugen:

Vergaserkraftstoffe[1], genauer deren Klopffestigkeit, wird in ROZ angegeben. Dabei wird ein Vergleichsmotor hinzugezogen, in dem der Kraftstoff verbrannt wird. Und dann wird das Klopfen (also die ungewünschte Frühzündung) mit einem Referenzkraftstoff verglichen. Dieser besteht zu einem Prozentsatz X aus Oktan, der Rest ist Heptan. Reines Heptan entspricht 0 ROZ, reines Oktan entspricht dann 100 ROZ. Deswegen wird die Qualität von Kraftstoffen auch umgangssprachlich in „Oktan“ angegeben. Nun gibt es aber Kraftstoffe, die so gut sind, dass ihre Klopffestigkeit über 100 ROZ liegt. Das kann nicht mehr gemessen werden, dieser Wert kann nur noch geschätzt — drücken wir es vornehmer und wissenschaftlicher aus — interpoliert werden.

Diese Erklärung konnte er als alter Autobastler mit Benzin im Blut sofort verstehen.

Es gibt Heizungen, die Wärme durch Umwandlung von anderen Energieformen (Kohle, Öl, Gas) erzeugen. Und dann gibt es Systeme, die Wärme dadurch erzeugen, dass sie woanders Wärme ‚klauen‘, im Sinne von woanders, außerhalb der (thermodynamischen System-) Grenzen herholen. Ein Beispiel dafür sind Wärmepumpen, die Erdwärme oder Temperatur der Außenluft dafür nutzen, um innen Wärme bereitzustellen. Und bei solchen Systemen vergleicht man die eingesetzte Energie (für die Wärmepumpe) mit der Wärme, die die Wärmepumpe dann bereitstellt. Und da kann man auch erstaunliche Wirkungsgrade im Bereich von mehrere hundert Prozent kommen.

Auch diese Erklärung konnte er verstehen. Und so langsam zeigte er sich mit dem im Angebot genannten Wirkungsgrad versöhnt.

1.) Auch denn der Vergaser in vielen Motoren durch Einspritzsysteme ersetzt wurde, wird er häufig noch „Vergaserkraftstoff“ genannt.

Abschied von Auto und Leben als Autofahrer

Nein, ich wurde nicht zum Fußgänger degradiert…

Heute hieß es Abschied nehmen. Der rote Renner, der mich ein paar Jahre (meistens) sehr gut durch die Gegend gefahren hat, macht sich auf den Weg. Auf den Weg in ein neues Leben, so hoffe ich zumindest. Er war nie mein Eigentum, doch jahrelang in meinem Besitz und fuhr mich zur Arbeit, zum Sport, in den Urlaub, auf Ausflüge und und und.

Mach’s gut, roter Renner!

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, wurde von mir kaum noch gefahren, hätte sich fast die Füße eckig gestanden. Doch wenn er fuhr, wie zuletzt, als ich in den Mai tanzte, dann fuhr er gut. Und sehr entspannt. Das Gefühl, seine 200 PS ausfahren können, gab mir stets das gute Gefühl der Gelassenheit, die vielen PS nicht ausfahren zu wollen. Meistens war ich mit entspannten 120 (manchmal auch weniger) auf der Autobahn unterwegs, das brauchte weniger von meinen Nerven und auch erfreulich wenig Kraftstoff. Einmal hätte ich die 1.100 km mit einer Tankfüllung erreicht, entschied mich dann aber, nach 927 km dann doch zu tanken, um mein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren und unterwegs ohne Sprit liegenzubleiben.

 

Geschätzte 1100km mit einer Tankfüllung

Der rote Renner war ein tolles Auto für die Langstrecke, aber die kommt bei mir kaum vor. Und derjenige, der den roten Renner einst gekauft hatte, hat eingesehen, dass es besser ist, nicht mehr selbst hinter dem Steuer zu sitzen. So fiel die Entscheidung, den roten Renner abzugeben nicht ganz leicht, aber sie fiel dann doch letztendlich. So gab es heute einen doppelten Abschied: Der rote Renner macht sich auf den Weg in ein neues Leben und jemand hat heute eingesehen, dass er nun kein Autofahrer mehr ist. Ein Abschied, der den allermeisten von uns auch (irgendwann) bevorstehen wird.

Was mich daran tröstet ist der Gedanke, dass es dann, wenn es bei mir soweit sein wird, ganz anders zugehen wird. Zum Beispiel so:

Ich bin irgendwo und möchte an einen anderen Ort. Ich betätige meinen Kommunikator, spreche ein „Harry, hol schon mal den Wagen vor…“ in das Gerät. Mein aktueller Standort wird ermittelt, das nächste verfügbare Auto fährt autonom zu mir. Natürlich berücksichtigt es dabei die aktuelle Verkehrssituation und wählt den jeweils besten Weg. Das System kennt meine Gewohnheiten, Heizung oder Klimaanlage werden entsprechend meinen Wünschen eingestellt. Dann ist das Auto da, angenehm temperiert, ich nenne mein Ziel und werde gefahren. Völlig autonom. Am Ziel angekommen, steige ich aus, das Auto fährt zum nächsten Einsatz. Oder zur Ladestation. Oder zur automatischen Reinigung.

Ich bekomme das, was ich eigentlich wünsche: Mobilität. Das eigene Auto, so wie wir es heute kennen, wird dazu nicht mehr nötig sein.

Wer dann noch selbst hinter dem Steuer sitzt, tut es aus dem selben Grund, warum ich reite. Es ist eine Freude, keine Notwendigkeit mehr.

„Cannabis“ im Büro

Manche Kollegen kokettieren mit ihrem seltsamen originellen Verhalten und erklären es damit, dass sie im Büro Cannabis anbauen und den Eigenanbau auch kräftig konsumieren. Bei genauerer Betrachtung klärt sich dann, warum die Kollegen nicht so drauf sind, wie man es von dauer-breiten Gewohnheitskiffern erwartet:

Wenn die Kollegen mal wieder das falsche Kraut rauchen…

Beschäftigungen während (langweiliger) Telefonkonferenzen

Telefonkonferenzen sind toll. Nein. Telefonkonferenzen können toll sein. Man hört Stimmen von Kollegen, von denen man nur die Namen kennt. Und man kann auch so erfahren, wie woanders gedacht wird und wir man Dinge, die man hier immer so machte, woanders machte. Kurzum: Telefonkonferenzen können einen echt bereichern. Doch damit das wirklich so ist, müssen viele Bedingungen erfüllt sein:

Jeder, der nicht gerade redet, schaltet sein Mikrofon stumm. Sonst hört man viele Menschen atmen, husten, schiefen, auf der Tastatur tippen und und und .

Es sollte einen aktiven Moderator geben, der einzelnen Teilnehmern das Wort erteilen (oder auch entziehen) kann. Wer eine Frage oder ein sonstiges Anliegen zum gerade besprochenen Punkt hat, schreibt den Moderator per Messenger an und teilt seine Wünsche mit. Der Moderator entscheidet dann oder fasst Fragen zusammen. Dabei hat sich das QIDT-System bewährt:
Q – Question, ich möchte eine Frage stellen.
I – Information, ich möchte eine (ergänzende) Information dazu geben.
D – Discussion, ich möchte diesen Punkt diskutieren.
T – ToDo, daraus ergeben sich Aufgaben (die ich jemandem zuweisen möchte).

Es gibt eine Tagesordnung, wer wann worüber sprechen wird.

Und es gibt ein Protokoll, in dem die wichtigsten Punkte zum späteren Nachlesen festgehalten werden.

Leider ist die Welt nicht perfekt und viele Telefonkonferenzen ziehen und ziehen sich, manchmal über Stunden und es kommt nur wenig dabei heraus, trotzdem muss man daran teilnehmen, auch wenn einen das besprochene Thema überhaupt nicht betrifft. Ich habe Menschen gefragt, wie sie sich die Zeit in (langweiligen) Telefonkonferenzen vertreiben. Hier eine Liste der ungewöhnlichsten Antworten:

A, weiblich, einzelnes Büro
Ich hab ein Maniküre-Set in der Schreibtischschublade. Ich kann dann meine Nägel bearbeiten, die alte Farbe entfernen, feilen, und dann in wirklich alles Seelenruhe neuen Nagellack auftragen und trocknen lassen. So werden 2 bis 3 Stunden Telefonkonferenz halbwegs erträglich.

B, männlich, einzelnes Büro
Wenn ich weiß, dass der Ober-Chef mal wieder zu seinen Telefon-Monologen einlädt, dann habe ich meistens ein paar Schuhe mehr im Büro. Die kann ich dann in aller Gründlichkeit putzen. Zu Hause habe ich Frau und Kinder, da hätte ich nie die Ruhe, außer beim sonnabendlichen Krimi, aber meine Frau würde mich umbringen, käme ich auf die Idee, beim gemeinsamen Fernsehabend meine Schuhe zu putzen.

C, männlich, Gruppenbüro
Ich bekomme ja so viele E-Mails, von denen ich die meistens nicht ansehe. Im Laber-Meeting habe ich dann die Zeit, die ungelesenen Mails mal zu überfliegen und dann zu entscheiden, ob ich die Mails weiterverfolgen muss, ob sie einfach nur irgendwo abgelegt werden oder ob ich sie löschen kann. Ohne TelCo würde ich den Überblick über meine Mails komplett verlieren.

D, weiblich, Einzelbüro
Zu meinen Jobs gehört das Wegsortieren vieler Papiere in entsprechende Ordner. Unter der Woche komme ich nicht dazu, da sind dann die Zeiten der Telefonkonferenz echt immer gut geeignet. Ich weiß sowieso nicht, warum ich daran teilnehmen muss, aber mein Chef will das so, also höre ich zu und schaffe da ein paar hundert Blatt Ablage. Ich habe da schnurloses Headset, verteile die ganzen Papiere durch mein Büro, mache Häufchen, die ich dann sortieren und dann in die Ordner ablege.

E und F, männlich, gemeinsames Büro
Wir beide spielen dann immer Online-Spiele auf unseren Handys. Haben uns in den TelCos ganz schön weit nach vorne gespielt 🙂

G, weiblich, Einzelbüro
Ich nutze die Telefonkonferenzen dann oft für Sport, ich mache Dehnübungen, lege auch mal ein Bein auf den Tisch oder mach Spagat auf dem Fußboden. Einmal kam ein Kollege trotz des Schildes „Bitte nicht stören, Telefonkonferenz“ rein und staunte nicht schlecht, als er mich dann da so turnen sah.

IPv6 — Größere IP-Pakete

Die Umstellung des Interprotokolls Version 4 auf die Version 6 — eine Version 5 gab es nie — bringt auch die Möglichkeit größerer IP-Pakete bzw. größerer Nutzlasten mit sich. Das veranlasste einen Admin, sich einen Aprilscherz auszudenken.

Pünktlich am 1. April reichte er bei seinem Chef einen Antrag auf eine Weiterbildung für einen Staplerschein ein. Er begründete dies damit, dass die Umstellung von IPv4 auf IPv6 dann auch größere und schwerere IP-Pakete mit sich brächte und diese unmöglich per Hand abzuholen seien, also bräuchte er dafür einen Staplerschein.

Der IT-Chef, konnte darüber nur müde lächeln, wollte den Admin aber nicht so einfach mit diesem Scherz davonkommen lassen. Daher leitete er den Antrag an den Ober-Chef weiter. Dieser stutze kurz, roch den Braten und beschloss, dem Admin die Suppe zu versalzen. Mit dem IT-Chef wurde dann eine kleine Retourkutsche beschlossen.

Der IT-Chef reagierte scheinbar nicht, als der Admin mal ganz unschuldig nachfragte, was denn aus dem Antrag geworden sei, versprach der IT-Chef, mal nachzufragen, denn er habe das kaum gelesen und gleich weitergeleitet. Ein paar Tage später kam der IT-Chef zum Admin, hielt ihm einen Zettel hin und meinte „unterschreib das mal, geht irgendwie um einen Antrag, den Du gestellt hattest…“

Der Admin staunte nicht schlecht, dass sein Aprilscherz nicht als solcher erkannt wurde und dass er nun tatsächlich einen Staplerkurs besuchen sollte. Und er unterschrieb. In dem Moment kam auch wie zufällig der Ober-Chef vorbei und fragte den Admin, ob er gelesen habe, was er unterschrieben hatte. Hatte der Admin nicht so genau. Der Ober-Chef klärte den Admin dann auf, dass er nun auf den Staplerkurs fahren werde, man ihm aber dafür ein paar Urlaubstage abziehen werde. Das war dann Ober-Chefs Rache am Admin.

Der Ober-Chef hatte dem Admin allerdings die Möglichkeit gelassen, den Antrag zurückzuziehen, dann hätte es keinen Staplerschein gegeben und auch keine abgezogenen Urlaubstage. Der Admin wollte das nun aber durchziehen. Er besuchte dann den Kurs, machte den Schein. Und immer, wenn große Hardwarelieferungen ankommen, braucht die IT-Abteilung niemanden mehr zu fragen und kann das Material direkt von der Warenannahme in die entsprechenden Lager- oder Serverräume transportieren.

IP-Pakete, sei es nun IPv4 oder IPv6, hat der Admin allerdings bis heute nicht mit dem Stapler transportiert 🙂

Einst und jetzt

Viele von uns kennen das vielleicht: Man sieht sich etwas bei Youtube an, folgt danach einem Verweis auf einen anderen interessanten Clip, sieht den an und dann immer so weiter. So landete ich neulich bei „Love Parade 1998 – One World, One Future“ von Dr. Motte und Westbam. Mit diesem Song verbinde ich ein ganz besonderes Erlebnis:

Wir schreiben das Jahr 1998, es ist Sommer, genauer, es ist der 11. Juli 1998. Ich besuche meinen Opa in seinem Seniorenheim. Wie es bei vielen älteren Leuten nicht unüblich ist, steht sein Fernsehapparat nicht einfach auf einem Regal, er hatte einen kleinen Schrank, in dem das Gerät „versteckt“ wurde. Wollte man es benutzen, musste man die Türen öffnen. Je nach dem, wie weit man sie öffnete, bildeten sie eine Art von „Scheuklappen“, so dass man schon direkt vor dem Gerät sitzen musste, um auf den Bildschirm sehen zu können.

So auch diesen Samstagnachmittag. Opa sitzt vor dem Fernsehapparat und sieht gebannt auf den Bildschirm. Er trug dabei einen speziellen Kopfhörer, damit er trotz seiner Schwerhörigkeit den Ton hören konnte, der normale Ton war dann aus. Wie üblich, wenn ich ihn besuchte und er fernsah, fragte ich ihn, was er gerade ansah. Opa verstand mich nicht, er war ganz in sein Fernsehprogrammm vertieft. Ich wurde lauter, fragte erneut. „Ich verfolge den Aufmarsch.“ Ich verstand nur Bahnhof. „Welchen Aufmarsch?“ wollte ich wissen. „Den Aufmarsch in Berlin“ sagte er, ohne aufzublicken. Immer war ich noch nicht schlauer und trat zu ihm, damit ich endlich erkennen konnte, was ihn so fasziniert.

Ich war schockiert. Mein Opa sah sich die Übertragung der Love Parade an. Er musste sich verschaltet haben… „Was siehst Du denn da?“ fragte ich ihn wieder. „Na, die Übertragung von dem Aufmarsch in Berlin. Kenne ich ja noch von früher.“ Mein Opa war fast 100 Jahre alt und hatte bestimmt noch gute Erinnerungen an Aufmärsche mit Marschmusik und Fackelschein, damals im Berlin der 30er Jahre. „Damals war die Musik besser, dafür ist es heute hübscher anzusehen…“ und er deutete auf den Bildschirm, auf dem junge Frauen im sehr knappen Outfits durchs Bild tanzten.

Ich hatte keine weiteren Fragen mehr…

Und ich schwöre, es ist genau so passiert, wie ich es aufschreibe.

Einschreiben, zwei Schreiben, drei Schreiben … viele Schreiben

Ein Hacker, so sagt man, macht einen Fehler nur einmal aus Versehen, danach mit voller Absicht. So hofft er Erkenntnisse zu gewinnen oder Vorteile zu erlangen.

Manchmal muss mal bewusst Fehler machen oder durch eigenes (korrektes) Verhalten dafür sorgen, dass woanders Fehler gemacht werden, um eben diese Fehler auszunutzen. So ähnlich geschah es auch in folgendem Fall, der schon lange zurückliegt.

Eine Person, nennen wir sie X, hatte etwas Kummer bei der Postzustellung, besonders bei Einschreiben. Entweder kamen diese überhaupt nicht an, falls sie doch ankamen, dann mit etwas Verzögerung und als normale Briefe, die Einschreiben-Aufkleber waren erkennbar abgefummelt. Ob das daran lag, dass der Postbote sie lieber in den normalen Briefkasten unten im Treppenhaus einwerfen wollte, statt die fünf Stockwerke Altbau, natürlich ohne Fahrstuhl, hinaufzusteigen und sie dort gegen Unterschrift abzugeben, wir wissen es nicht.

Die gute X war ob der Situation jedoch sehr angefressen, immerhin lebte sie als Selbständige (auch) von einer funktionierenden Postzustellung. Als ihr Unmut wieder einmal groß war, brachte Sie jemand auf folgende Idee: Wir schreiben Dir Briefe, genauer Einschreiben. Und wenn die dann „verlorengehen“ oder die Post nicht nachweisen kann, dass die Einschreiben ordnungsgemäß ankamen, dann legen wir Protest ein und kassieren nach ein paar Tagen die Entschädigung plus das eigentliche Porto.

X war skeptisch, ob das funktionierte, aber es funktionierte und nach ein paar Tagen sprach es sich rum, dass man X ein Einschreiben schicken muss, es nie korrekt ankommt, jedenfalls die Post das nicht nachweisen kann, und man dann eine nette kleine Entschädigung bekommt. Fünf Minuten Aufwand und dann (es ist lange her, ich weiß den genauen Betrag nicht mehr) 20€ Schadenersatz plus Porto für das Einschreiben. So kommt man auf einen anständigen Stundenlohn. Steuerfrei. Und immer mehr Menschen aus X’s Umfeld beteiligten sich daran und kassierten. Er wird erzählt, dass es knappe 30 Personen waren, die jeden Tag Einschreiben abschickten.

Irgendwann fiel jemand bei der zuständigen Stelle der Post auf, dass pro Woche mehrere tausend Euro Schadenersatzzahlungen gezahlt werden, weil Einschreiben bei einer bestimmten Adresse verlorengehen. Eines Tages klingelte es bei X an der Tür, ein junger Postbote, etwas außer Atem, stand vor der Tür: „Guten Tag, Frau X, ich habe hier ganz viele Einschreiben für Sie. Bekommen Sie jeden Tag so viele, dann berücksichtige ich das bei meiner Tourenplanung…“

Frau X konnte ihn beruhigen: „Nein, das werden deutlich weniger werden, statt knapper 30 am Trag werden es ein oder zwei die Woche werden, sehr bald schon.“

Der Postbote war erleichtert — und immer noch etwas außer Atem. Das angebotene kalte Getränk nahm er gerne an, immerhin bringen fünf Stockwerke an warmen Sommertagen auch sportliche junge Männer etwas aus der Puste.

Ich weiß nicht, wie viele Einschreiben ich an X geschickt hatte, das Geld hatte ich damals gerne mitgenommen, aber es ging ja nicht um unser aller Spaß, wir wollten X helfen. Und das hatten wir. Was aus dem alten Postboten wurde, ist nicht bekannt, er wurde nie wieder gesehen.

Paint it black

Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden. Nee, stimmt nicht ganz. Pubertät ist, wenn Kinder auf dem Weg zum Erwachsenen noch einmal neu „programmiert“ werden. Nee, stimmt auch nicht.

Jedenfalls ist Pubertät, besonders gegen (oder nach) deren Ende, die Zeit, in der sich viel verändert oder verändert werden sollte. So manches „Kinderzimmer“ wird dann zum Zimmer junger Erwachsener. Stereoanlage (meistens zu laut), Fernseher, Computer und neue Möbel halten Einzug. So erging es auch einem Elternpaar, das ich irgendwann mal auf einer Party traf. Hier ist aufgeschrieben, was ihnen so mit ihrem Töchterchen („Eh, Papa, ich bin erwachsen, er-wach-sen, check es endlich“) passierte…

Es war also Zeit, das Kinderzimmer zu entrümpeln, zu renovieren und neu zu möblieren. Und die Tochter hatte da sehr — formulieren wir es höflich — spezielle Wünsche, was die Einrichtung anging: Sie wollte Schwarz („und alle Farben, die dunkler sind“) als dominierende Farbe. Passend zu ihrem neuen Look, der auch schwarze Klamotten vorsah. Die Eltern waren „not amused“ und es gab ewigen Streit ewige Diskussionen um das Thema. Schwarzes Zimmer, schwarze Klamotten. Was soll denn Oma sagen, wenn sie mal zu Besuch kommt…

Irgendwann waren die Eltern das Thema leid, wollten aber nicht einfach so aufgeben. Schwarz wurde als Wandfarbe genehmigt, wenn die Tochter beim Streichen nicht nur anfasst sondern auch wesentliche Teile der Arbeit macht. Und damit sie sich auch Mühe gäbe, hab es eine klare Ansage: „Wenn das nicht ordentlich wird, dann malen wir Dein Zimmer rosa…“ Das hatte erst einen Kreischanfall („doch nicht rosa, ich bin doch kein kleines Mädchen!“) und dann äußerst präzises Arbeiten zur Folge. Natürlich unter elterlicher Anleitung, wie man sowas sauber und ordentliches macht.

Wände waren schwarz gestrichen, auch schwarzer Teppich war verlegt. Bei der Farbe der Möbel  gab es dann wenig Diskussion, die Eltern ließen die Tochter gewähren, man hatte wohl noch die ewigen Diskussionen um die Farben von Wand und Boden in nur allzu deutlicher Erinnerung. Und, auch wenn sie Eltern es gegenüber der Tochter nie-nicht-niemals zugäben, es sah schick aus.

Es dauerte auch nicht lange, bis noch andere Nebenwirkungen des neuen Looks deutlich wurden: Die Tochter, sie hatte heimlich bei Oma Nachhilfe in Sachen Bedienung der Waschmaschine genommen, wusch ihre Klamotten selbst. Natürlich mit Waschmittel ohne optische Aufheller. Und legte ihre Kleidung auch selbst zusammen und sortierte sie in ihre Schränke. Es sollte, nein musste, ja jeder Kontakt zu heller Wäsche vermieden werden, es könnten ja helle Fusseln auf die schwarzen Klamotten kommen…

Auch lernte die Tochter den Umgang mit Staubtuch und Staubsauger, denn schwarzer Teppich und schwarze Schränke sollen ja nicht eine staubgrauen Überzug bekommen. Und auch die schwarzen Schuhe und Stiefel wurden oft geputzt und poliert, so gut, dass Papa sich an die Stiefelputzkontrolle zu seiner Armeezeit erinnert fühlte und durchaus angetan war. Jeder „Stubendurchgang“, der natürlich als freundlicher elterlicher Besuch getarnt werden musste, viel zur vollen Zufriedenheit aus.

Von Freundinnen schaute sich die Tochter dann Tips und Tricks, wie man sich die Nägel perfekt lackiert, wie man sich handwerklich perfekt schminkt (auch wenn die Farbe… aber das hatten wir ja schon), wie man Haare färbt, ohne das Bad einzusauen…

Die Eltern zogen Bilanz und sie fiel positiv aus:

Unser Töchterchen mag diese Anrede nicht mehr, aber sie hat in sehr kurzer Zeit einen gewaltigen Sprung gemacht und wir sind schon ganz zufrieden damit… auch wenn wir es aus pädagogischen Gründen noch nicht gleich ganz zugeben wollen.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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