Archiv für die Kategorie „Geschichten“

Mikroprozessortechnik macht’s möglich

Menschen neigen dazu, die bestehenden Dinge (mehr oder weniger) linear fortzuschreiben und so die Gegenwart in eine mögliche Zukunft zu prognostizieren. Dass sich mit der Einführung nicht nur bestehende Dinge schneller, besser, preiswerter erledigen lassen, dass eben auch manchmal Dinge möglich werden, die vorher nicht möglich waren, sei es überhaupt nicht möglich oder theoretisch möglich, dann aber zu Preis und Aufwand, der die Anwendung verbot, das wird gerne übersehen. Hier ein paar Beispiele aus meinem Leben.

Beispiel 1:
Wir hatten in der Firma einen großen Drucker. Früher wurde so etwas als Plotter bezeichnet, aber die Zeiten, in denen ein Gerät in der Größe eines Billardtisches Papier auf einer Fläche fixierte, dann mit einem Stift Linien aufs Papier zog, sind lange vorbei. Heute hat man Tintenstrahldruckköpfe. Und das Gerät ist auch deutlich kleiner geworden. Es konnte Papier im Format DIN A1 bedrucken. Dabei musste man das Papier aber per Hand einlegen. Und da ging das Problem schon los. Egal, wie genau man es einlegte, das Papier war nie so ganz gerade, so dass der Ausdruck immer etwas schief auf den Papier ankam.

Das alte Gerät war in die Jahre gekommen, der Zahnriemen, der den Schlitten mit den Druckköpfen bewegte, war nun schon zum zweiten mal verschlissen, der IT-Chef erinnerte sich, dass die Reparatur damals ein gefühltes Vermögen gekostet hatte und entschied, dass das Gerät, wenn auch nicht an Ende der technischen, dann aber am Ende der wirtschaftlichen Lebensdauer angelangt sei. Und weil gerade etwas Geld im Budget vorhanden war und es aus anderen Gründen wünschenswert par, Plakate auch im Format DIN A0 (also doppelt so großes Format wie DIN A1) bedrucken zu können, durfte es ein Großgerät werden.

Und genau hier kam ich ins Spiel: Ich durfte dann mal recherchieren, welches Gerät es sein sollte und den IT-Chef dann entsprechend überzeugen. Da ich mit einem Zweibuchstaben-Druckerhersteller gute Erfahrung gemacht hatte, sah ich mich zuerst dort um. Und eines war mir klar: Nie wieder Einlegen von Papier per Hand, das Papier musste von der Rolle kommen. Geräte in dieser Klasse Druckbreite 36Zoll sind Profigeräte und kommen mit den üblichen Schnittstellen. Solche Geräte schließt man nicht mal eben an den eigenen PC an (auch wenn man das per USB oder WLAN könnte), solche Geräte hängen per LAN am firmeneigenen Druckserver. Also alles da, was man braucht. IT-Chef überzeugt, ein paar Rollen Papier und ein paar Sätze Tintenpatronen  gleich mitbestellt und dann…

Tage später kam das Monster dann. Und Monster ist keine Übertreibung. Der Karton ließ sich dann mit zwei Mann grad so heben, Papierrollen in 36 Zoll-Länge wiegen auch einiges. Dann kam der eigentliche Spaß: Auspacken, Aufbauen und Inbetriebnahme. Endlich mal wieder richtige IT, so richtig zum anfassen. Und dann zum ersten mal Papiereinlegen: Rolle aus der Schutzfolie, in den Rollenhalter einlegen, am Bedienfeld des Druckers auf „Papier von Rolle laden“ tippen und mit einem dezenten Surren wird das Papier eingezogen.

Und auch gleich wieder entladen. Enttäuschte Gesichter der Umstehenden, denn auch der IT-Chef wollte zusehen. Wieder ein Surren, das Papier wird wieder eingezogen, wieder entladen, wieder eingezogen, diesmal blieb es. Des Rätsels Lösung ward schnell gefunden. Das gerät prüft, ob das Papier von der Rolle auch exakt gerade geladen wurde. Falls nicht, dann erneut Laden. Ich war beeindruckt. Das Gerät hat dann vor fordere Seite des Papiers mit dem Schneider beschnitten und meldete dann Druckbereitschaft.

Schnell war auch der Drucker auf dem Server eingerichtet, der Drucker freigegeben und der erste Benutzer durfte sich den Drucker installieren. Dann der erste richtige Druckauftrag. Der Drucker legte los und mit einer fast schon affenartigen Geschwindigkeit brachte er einen zweifingerbreiten Streifen Farbe auf das Papier. Dann die nächste Überraschung: Der Druckkopf fuhr zurück, fuhr erneut über das eben bedruckte Papier. Er maß, wie schnell die gedruckte Menge Tinte bei aktueller Temperatur und eingelegten Papier trocknete, berechnete danach die Druckgeschwindigkeit für den weiteren Ausdruck und druckte dann in eben jeder Geschwindigkeit weiter.

Wir waren begeistert. Und dass der Drucker jemals dazu genutzt wurde, um heimlich Pferdebilder in DIN A0 auszudrucken, ist nur ein böswilliges Gerücht.

Beispiel 2:
Früher brauchte es einen Notarzt, der ein EKG auswerten konnte, um dann mit einem Defibrillator dem Herzen bei Herzstillstand oder Kammerflimmern den entsprechenden Anstoß zu geben. Erst gab es die Möglichkeit, dass das Rettungspersonal die Ergebnisse des EKGs per Funk an den Arzt in s Krankenhaus übertrugen, der Arzt entschied dann über den Einsatz des Defis. Dann kamen halbautomatische Geräte, die das Rettungspersonal einsetzen könnte. Nun hängen an vielen Stellen AED. Diese Geräte sind auch für Laien zu bedienen und retten so manches Menschenleben. Sie analysieren das abgenommene EKG, entscheiden dann, ob, wann und wie stark der Anstoß für das Herzen sein soll.

Wo es früher noch einen ausgebildeten Notfallmediziner brauchte, schafft es heute ein Gerät mit Mikroprozessoren. So können wertvolle Menschenleben gerettet werden.

Beispiel 3:
Früher war die Technik bei Automoren recht einfach und überschaubar: Es gab einen Vergaser und eine elektromechanische Zündanlage. Mit dem Gaspedal wurde der Vergaser gesteuert, die Drehzahl beeinflusste den Zündzeitpunkt (je höher die Drehzahl, desto früher muss die Zündung erfolgen, da der (chemische) Verbrennungsprozess eine gewisse Zeit benötigt).

Dann kamen Motorsteuerungen mit Kennfeldzündungen und -einspritzanlagen. Der Fahrer teilt per Gaspedal den Leistungswunsch mit, das Steuergerät misst die Temperatur des Motors und angesaugter Luft, kennt die Drehzahl, die aktuelle Lastsituation des Motors, manchmal auch die Kraftstoffqualität und wählt danach die jeweils beste Einspritzmenge und den richtigen Zeitpunkt dafür und auch den Zündzeitpunkt.

Das klingt ganz furchtbar kompliziert. Ist es in der Theorie auch. In der Praxis sind diese Geräte jedoch enorm zuverlässig und praktisch wartungsfrei. Und wenn ich vergleiche, das jemand mit seinem VW-Käfer (halb soviel Leistung wie mein Panda) doppelt soviel verbrauchte mein Panda, dann freue ich mich über meine moderne Technik.

Fazit:
Mikroprozessortechnik macht Dinge (überhaupt erst) möglich oder bezahlbar. Und wenn man sie erstmal hat, mag man sie nicht mehr missen.

Reiseimpressionen — Juristischer Hinweis

Was macht ein gutes Hotel aus? Die Anzahl der Sterne? Die Ausstattung des Hotels, samt Schwimmbad, Sauna und Wellness-Oase? Die Lage? Die Ausstattung der Zimmer? Alles richtig und irgendwie doch nicht. Viele Menschen, die viel häufiger als ich in Hotels übernachten, stimmen jedoch mit mir überein: Es ist das Personal, das einem das Gefühl gibt, zuhause zu sein, kein Gast sondern ein Freund zu sein.

Irgendwann komme ich in ein Hotel, bekomme meinen Zimmerschlüssel, bringe mein Gepäck auf mein Zimmer. Der Tag war lang, ich möchte meine Klamotten auspacken, eine Dusche nehmen, frische Sachen anziehen und dann meine Abendverabredung wahrnehmen. Auf dem Gang sind laute Gespräche zu hören, durch die geschlossene Zimmertür. Ich sehe auf den Gang, einige ausländische Gäste reden zu laut, alle durcheinander und auf eine Hotelbedienstete ein, fordern ein neues Zimmer. Das anzubieten war leider nicht möglich, das Hotel war komplett ausgebucht, so erklärte die Hotelbedienstet.

Ich verzog mich wieder in mein Zimmer, duschte mich, verließ dann mein Zimmer, auf dem Flur noch immer das laute Palaver…

Später am Abend sitze ich an der Bar, die dem Empfang angeschlossen ist. Ein weiterer Gast, auch er hatte das laute Streitgespräch mitbekommen, hofft, dass es nicht die ganze Nacht Lärm gäbe. Sonst hätte er eine pragmatische Lösung anzubieten:

Also wenn die Typen die ganze Nacht Krach machen sollten… Ich habe Müllsäcke, Kabelbinder, Klebeband und einen Klappspaten im Kofferraum.

Der Barmann hatte von dem Vorfall gehört, spielte den Ball zurück:

Ich muss Sie allerdings darauf hinweisen, dass Mord in Österreich strafbar ist…

Die junge Hotelbedienstete setzte ein zauberhaftes Lächeln aus und fiel ihrem Kollegen ins Wort:

Es ist aber nicht weit bis zur Grenze, ich zeig Ihnen gerne den Weg…

Genau mein Humor und sie hatte die Lacher aller Anwesenden auf ihrer Seite. Später stellte sich dann heraus, dass die Gäste, sie so einen Aufstand machten, Angehörige einer ausländischen Großfamilie waren, die sich immer einmal im Monat in diesem Hotel trifft. Man kennt also das Hotel und auch die Zimmer. Warum man für einen Abend dann mit fünf Koffern Gepäck anreisen muss, hat sich keinem von uns erschlossen.

Aber die Lösung hatte einen gewissen Reiz. Wie der Abend ausging und ob da doch noch mal jemand an die Grenze gefahren war, entzog sich meiner Kenntnis.

Anschiss abgebügelt

Vor vielen Jahren, war ich mal kleiner Rekrut-Nik bei der Bundeswehr. Aus dieser Zeit stammt diese Anekdote:

Natürlich gab es bei der Bundeswehr auch die Möglichkeit, die Dienstkleidung waschen zu lassen. Alles, was man Montag abgab, war bis Freitag gewaschen. Dumm nur, dass man die Klamotten von Montag bis Freitag gebraucht hätte. Also war die Möglichkeit, seine Dienstklamotten kostenfrei waschen zu lassen, eher eine theoretische Möglichkeit.

Wohl dem, der seine Klamotten dann bei Mama oder zuhause selbst waschen konnte. Das hatte mehrere Vorteile: Man hatte die Sachen dann wieder, wenn man sie brauchte; es wurde nicht irgendein Waschmittel benutzt sondern das, was man selbst (oder eben Wäscherei Mama) verwenden wollte. Nach der Waschmaschine kamen meine Sachen in den Wäschetrockner, von da aus in den großen Seesack, dann in die Kaserne und wurden angezogen, so wie sie aus dem Seesack kamen. Und das war manchmal etwas „ungebügelt“. Und auch manchmal sehr ungebügelt und entsprechend knittrig. Bei mir traf dann eher letzteres zu.

Eines Morgens kassierte ich beim Antreten einen Anschiss vom Zugführer. Er trug sein Olivzeug — damals trug man bei der Bundeswehr noch kein Flecktarn — mit (rasier-)messerscharfer Bügelfalte. Was mir denn einfiele, mit solcher Uniform beim Antreten zu erscheinen. Sowas ginge ja überhaupt nicht und und und…

Nun, in der Sache hatte er absolut recht, meine Sachen waren knittrig, das stand fest. Aber egal, wie gebügelt meine Hose gewesen wäre, spätestens nach einem Vormittag wäre auch die schönste Bügelfalte wieder dahin gewesen, warum also bügeln?

Da die Natur keine geraden Linien wie Bügelfalten kennt, stattdessen unregelmäßige Formen bevorzugt, wollte ich so die Tarnwirkung meiner Kleidung erhöhen…

Sofort setzte ein Lachen bei allen meiner Kameraden und auch bei manchen Vorgesetzten ein, das von einem laut gebrüllten „RUHE!!!“ beendet wurde.

Ich wurde übrigens nie wieder auf meine ungebügelten Hosen angesprochen. Na also, geht doch!

Extreme Dosen-Recycling

Vor vielen Jahren erlebte ich mal diese Geschichte:

Ein (damaliger) Freund trank gerne Wodka-RedBull, damals ein Modegetränk. Und auf seinen (legendären) Partys gab es viel Wodka und entsprechend viel RedBull. Er kaufte den Wodka kistenweise und RedBull palettenweise. Die leeren Dosen wurden nicht ordentlich in die leeren Paletten gestapelt, stattdessen wurden sie locker in Müllsäcke geworfen. Der Müllsack kam dann auf den Balkon. Irgendwie wurde dann vergessen, die Säcke, genauer deren Inhalt, mal abzugeben. War ja auch noch Platz auf dem Balkon. Und irgendwann kam es, wie es kommen musste: Die Balkontür ließ sich kaum noch schließen, der Balkon schon lange nicht mehr betreten.

Der Freund war von der Situation selbst genervt, es mangelte ihm aber an Motivation, die Sache aber mal durchzuziehen und die Dosen abzugeben. Also überredete ich ihm und drängte meine Hilfe auf, um den Begriff „Nötigen“ elegant zu umgeben…

Sack um Sack luden wir in sein Auto, Kofferraum und Rückbank waren vollgestopft, die letzten beiden Säcke hatte ich zwischen meinen Beinen bzw. auf dem Schoß. So fuhren wir dann zu einem Supermarkt, der zwei Automaten hatte. Nach wenigen Dosen hatten wir die perfekte Technik drauf und wussten, wie schnell wir die nächste Dose einlegen konnten, ohne Zeit zu verschwenden oder den Automaten zu überfordern.

Kamen andere Kunden, die auch Leergut zurückgeben wollten, gaben wir einen oder auch beide Automaten frei, schließlich wollten wir nicht dumm auffallen. Nach und nach leerten sich die Säcke, nach und nach bekamen wir immer mehr Pfandbons. Und nach und nach fielen wie beim Personal auf. Da wir aber keine anderen Kunden störten, ließ man uns gewähren.

Irgendwann waren wir fertig und kamen mit vielen Bons an der Kasse an. Die Kassiererin musste ihren Chef erklären, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war, immerhin hatten sie und ihre Kolleginnen und viele Hundert Dosen in die Automaten stecken sehen, der hohe Betrag wurde dann anstandslos ausgezahlt. Das Geld reichte für eine Stange Zigaretten, eine Tankfüllung seines Autos und für ein ausgiebiges Essen beim legendären Burger-Restaurant auf der anderen Straßenseite. Und es blieb immer noch Geld übrig.

Manchmal muss man sich einfach überwinden, die Dinge anzugehen. Oder sich eben überwinden lassen…

„Stromdiebstahl“ und das Drama danach

Vor vielen Jahren bloggte ich über eine Posse zum Thema Stromdiebstahl. Neulich traf ich eine Bekannte, ich wollte wissen, wie’s ihr denn im neuen Job ergehe. Ihre Antwort ist es wert, mal hier verbloggt zu werden. Hier ihre Geschichte:

Den Job hab ich nicht mehr. Ich hab gekündigt, nachdem ich mir einen neuen Job angenommen hatte. Die Suche ging glücklicherweise blitzschnell und dann war ich aus dem alten Job von heute auf morgen raus.

Wieso ist gekündigt habe? Total doofe und peinliche Geschichte. Du weißt doch, ich nutze mein Handy als Wecker, vor dem Schlafengehen wird es geladen. Nun hatte ich da neulich eine App, die noch im Hintergrund lief und während der Nacht den Akku leergesaugt hatte. Ich hab dann das Ladekabel mit zur Arbeit genommen und es dann dort geladen. Alles kein Ding. Mein PC läuft ja sowieso und weil ich schon ’ne Power-Userin bin, hab ich einen sehr leistungsfähigen PC, der schon ein wenig mehr Strom braucht.

Jedenfalls kommt mein Chef rein, sieht das angeschlossene Handy und bekommt einen Tobsuchtsanfall und brüllt was von „Stromdiebstahl“ und so und dass er mich deswegen rauswerfen werde. Ernsthaft „Stromdiebstahl“. Der Mann ist Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik, sollte also wissen, wie viel Strom das Laden eines Handy braucht, und das es praktisch „nichts“ kostet. Ich hab’s mal ausgerechnet, wir kommen da nicht mal auf einen Cent.

Ich hab dann in der Mittagspause bei der Firma angerufen, bei der ich mich auch beworben hatte, aber deren Zusage erst kam, als ich hier schon unterschrieben hatte. Glücklicherweise war die Stelle noch frei und ich bekam dann gleich eine mündliche Zusage.

Nachmittags bin ich dann in die Personalabteilung und habe gekündigt. Die Personalerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr berichtete, was vormittags passiert war, fasste sie sich an den Kopf. Solche oder sehr ähnliche Situationen kannte sie wohl schon, manchmal bekam der Chef wohl cholerischen An- und Ausfälle, brüllte sein Personal meistens grundlos zusammen und verschreckte so im Laufe der Zeit viel gutes Personal.

Der Chef empfand meine Kündigung als Frechheit, zur „Strafe“ wurde ich sofort freigestellt. Und da die Frist zur Kündigung für das kommende Monatsende knapp verpasst war, wurde es eben erst eine Kündigung einen Monat später. So gab es knapp sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub. Und den nehme ich jetzt.

Sie schenkte mir ihr legendäres Lächeln, lud mich auf eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen ein und wir klönten dann über die schönen Dinge des Lebens.

Der ungewöhnlichste Nebenjob

Auf Partys trifft man ja manchmal viele Leute, die man noch nicht kennt. Und je nach eigenem Geschick (oder dem der anderen Menschen) finden sich Themen, über die man sich unterhalten könnte. Klar, die Themen Wetter, Politik, Fernsehprogramm oder Fußball gehen immer, sind aber nicht immer ganz einfach, gilt es doch, hier gewisse Fettnäpfchen zu vermeiden.

Auf irgendeiner Party unterhielt ich mich in einem kleineren Kreis über die Nebenjobs, die wir einst als Schüler, Azubi oder Student hatten. Schnell wurde daraus eine Art Wettbewerb, wer denn den ungewöhnlichen Nebenjob hatte. Kellnern war so häufig vertreten, da war klar, damit ist kein Pokal zu gewinnen. Irgendwann war ich an der Reihe zu erzählen. Ich war „Diplom-Silologe“. Diese Bezeichnung verdankte ich dem damaligen Silomeister des Getreidesilos, in dem ich ein paar Sommer arbeitete. Wer als Student mehr als einen Sommer arbeitete, dem bezeichnete er als „Diplom-Silologen“, mit dieser Anrede verband er, dass man sich noch an vieles aus dem Vorjahr zu erinnern hatte, die Einarbeitung also entsprechend kurz ausfallen konnte. Und je mehr man konnte, desto besser und anspruchsvoller waren auch die Aufgaben, die man übernehmen konnte. Ich verwog dann Fahrzeuge, nahm mit einem Roboter-Kran Stichproben des Ladung, bestimmte diese in unseren Labor. Mit den Ergebnissen schickte ich dann den anliefernden Lkw-Fahrer zum Silomeister, der dann entschied, in welche Silozelle die Ware eingelagert wurde.

Ich wähnte mich schon als sicherer Sieger unseres kleinen Wettbewerbs als eine Frau zu erzählen begann:

Ich war Schönschreiberin. Ich arbeitete für eine Firma, deren Chef ein paar Eigenheiten hatte. Die Firma stellte Rechnungen, die wenig Rechnungspositionen enthielten, dafür waren die Beträge umso höher. Zum Beispiel „5 Beratertage (a 1.000DM) im Monat Juli 5.000DM“ und so weiter. Die Rechnungen kamen ganz normal aus dem System und dann kam ich ins Spiel. Der Chef hatte die Marotte, dass er gerne handgeschriebene Rechnungen auf feinem Papier verschicken wollte. Und natürlich auch in einem Umschlag aus feinem Papier, beschriftet in schöner Schrift. Und so gab er eine Anzeige auf, die mir einst in die Hände fiel. Ich schickte ein — er wünschte es ausdrücklich — handschriftliches Bewerbungsschreiben, wurde zum Gespräch eingeladen und bekam den Job. Ich durfte mir einen edlen Füllfederhalter kaufen und bekam dann einmal die Woche einen Stapel Ausdrucke, deren Inhalt ich dann in meiner Handschrift zu Papier brachte. Am Anfang machte ich das in der Firma, später arbeitete ich dann am eigenen Schreibtisch.

Den Job hab ich jahrelang gemacht und mir damit ein gutes Zubrot verdient. Irgendwann war ich mit dem Studium fertig, arbeitete noch ein paar Monate übergangsweise in der Firma und fing dann einen richtigen Job an. Den Füllfederhalter, den mir der Chef einst kaufte, durfte ich behalten. Ich habe ihn heute noch und schreibe sogar damit.

Wir alle waren uns einig, dass ihr Nebenjob alles übertraf, was wir an dem Abend gehört hatten.

Warum Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können

Ingenieure können nicht richtig rechnen? Eine wahrlich steile These, denn wenn jemand im Studium tief in den Werkzeugkasten der Mathematik greift, dann Ingenieure. Okay, Physiker und Informatiker auch.

Wie komme ich nun darauf, dass Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können, immerhin hatte ich doch mal über Rechentricks alter Ingenieure berichtet. Ganz einfach, ich wurde Zeuge folgender Unterhaltung:

Ein Ingenieur berichtet von den Planungen seiner Renovierung: Die ‚Hütte‘ ist alt, hie‘ und da gibt es dann Sanierungsbedarf. Also lässt er sich Angebote für neue Fenster und auch eine neue Heizung kommen. Schließlich möchte niemand (teure) Heizenergie durch zugige Fenster verlieren oder ungenutzt durch den Schornstein jagen. Unser Ingenieur staunte nicht schlecht, als er die Angebote auswertete, denn die neuen Heizungen warben mit Wirkungsgraden von über 100%. Und wie jeder, insbesondere jeder Ingenieur, weiß, gibt es keinen Wirkungsgrad über 100%. Entsprechend groß — wahrscheinlich auch über 100% — waren Verwunderung und Ärger über dieses Angebot.

Unser Ingenieur hat recht — und zugleich Unrecht.

Wie kann das nun sein? Nun, irgendwann in der Vergangenheit wurde eine Referenzanlage genommen und deren Wirkungsgrad gemessen. Und alle später entwickelten Heizungsanlagen wurden gegen eben jene Anlage gemessen. Und dann der Wirkungsgrad des aktuell getesteten Geräts mit dem Referenzgerät verglichen. Eine neue Heizungsanlage kann also so effizient sein, dass der Wirkungsgrad der alten Referenzanlage bei über 100% liegen müsste, um im Wirkungsgrad gleichziehen zu können.

Diese Erklärung überzeugte ihn noch nicht ganz. Es bedurfte dann noch ein paar weiterer Erklärungen, um den Ingenieur zu überzeugen:

Vergaserkraftstoffe[1], genauer deren Klopffestigkeit, wird in ROZ angegeben. Dabei wird ein Vergleichsmotor hinzugezogen, in dem der Kraftstoff verbrannt wird. Und dann wird das Klopfen (also die ungewünschte Frühzündung) mit einem Referenzkraftstoff verglichen. Dieser besteht zu einem Prozentsatz X aus Oktan, der Rest ist Heptan. Reines Heptan entspricht 0 ROZ, reines Oktan entspricht dann 100 ROZ. Deswegen wird die Qualität von Kraftstoffen auch umgangssprachlich in „Oktan“ angegeben. Nun gibt es aber Kraftstoffe, die so gut sind, dass ihre Klopffestigkeit über 100 ROZ liegt. Das kann nicht mehr gemessen werden, dieser Wert kann nur noch geschätzt — drücken wir es vornehmer und wissenschaftlicher aus — interpoliert werden.

Diese Erklärung konnte er als alter Autobastler mit Benzin im Blut sofort verstehen.

Es gibt Heizungen, die Wärme durch Umwandlung von anderen Energieformen (Kohle, Öl, Gas) erzeugen. Und dann gibt es Systeme, die Wärme dadurch erzeugen, dass sie woanders Wärme ‚klauen‘, im Sinne von woanders, außerhalb der (thermodynamischen System-) Grenzen herholen. Ein Beispiel dafür sind Wärmepumpen, die Erdwärme oder Temperatur der Außenluft dafür nutzen, um innen Wärme bereitzustellen. Und bei solchen Systemen vergleicht man die eingesetzte Energie (für die Wärmepumpe) mit der Wärme, die die Wärmepumpe dann bereitstellt. Und da kann man auch erstaunliche Wirkungsgrade im Bereich von mehrere hundert Prozent kommen.

Auch diese Erklärung konnte er verstehen. Und so langsam zeigte er sich mit dem im Angebot genannten Wirkungsgrad versöhnt.

1.) Auch denn der Vergaser in vielen Motoren durch Einspritzsysteme ersetzt wurde, wird er häufig noch „Vergaserkraftstoff“ genannt.

Abschied von Auto und Leben als Autofahrer

Nein, ich wurde nicht zum Fußgänger degradiert…

Heute hieß es Abschied nehmen. Der rote Renner, der mich ein paar Jahre (meistens) sehr gut durch die Gegend gefahren hat, macht sich auf den Weg. Auf den Weg in ein neues Leben, so hoffe ich zumindest. Er war nie mein Eigentum, doch jahrelang in meinem Besitz und fuhr mich zur Arbeit, zum Sport, in den Urlaub, auf Ausflüge und und und.

Mach’s gut, roter Renner!

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, wurde von mir kaum noch gefahren, hätte sich fast die Füße eckig gestanden. Doch wenn er fuhr, wie zuletzt, als ich in den Mai tanzte, dann fuhr er gut. Und sehr entspannt. Das Gefühl, seine 200 PS ausfahren können, gab mir stets das gute Gefühl der Gelassenheit, die vielen PS nicht ausfahren zu wollen. Meistens war ich mit entspannten 120 (manchmal auch weniger) auf der Autobahn unterwegs, das brauchte weniger von meinen Nerven und auch erfreulich wenig Kraftstoff. Einmal hätte ich die 1.100 km mit einer Tankfüllung erreicht, entschied mich dann aber, nach 927 km dann doch zu tanken, um mein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren und unterwegs ohne Sprit liegenzubleiben.

 

Geschätzte 1100km mit einer Tankfüllung

Der rote Renner war ein tolles Auto für die Langstrecke, aber die kommt bei mir kaum vor. Und derjenige, der den roten Renner einst gekauft hatte, hat eingesehen, dass es besser ist, nicht mehr selbst hinter dem Steuer zu sitzen. So fiel die Entscheidung, den roten Renner abzugeben nicht ganz leicht, aber sie fiel dann doch letztendlich. So gab es heute einen doppelten Abschied: Der rote Renner macht sich auf den Weg in ein neues Leben und jemand hat heute eingesehen, dass er nun kein Autofahrer mehr ist. Ein Abschied, der den allermeisten von uns auch (irgendwann) bevorstehen wird.

Was mich daran tröstet ist der Gedanke, dass es dann, wenn es bei mir soweit sein wird, ganz anders zugehen wird. Zum Beispiel so:

Ich bin irgendwo und möchte an einen anderen Ort. Ich betätige meinen Kommunikator, spreche ein „Harry, hol schon mal den Wagen vor…“ in das Gerät. Mein aktueller Standort wird ermittelt, das nächste verfügbare Auto fährt autonom zu mir. Natürlich berücksichtigt es dabei die aktuelle Verkehrssituation und wählt den jeweils besten Weg. Das System kennt meine Gewohnheiten, Heizung oder Klimaanlage werden entsprechend meinen Wünschen eingestellt. Dann ist das Auto da, angenehm temperiert, ich nenne mein Ziel und werde gefahren. Völlig autonom. Am Ziel angekommen, steige ich aus, das Auto fährt zum nächsten Einsatz. Oder zur Ladestation. Oder zur automatischen Reinigung.

Ich bekomme das, was ich eigentlich wünsche: Mobilität. Das eigene Auto, so wie wir es heute kennen, wird dazu nicht mehr nötig sein.

Wer dann noch selbst hinter dem Steuer sitzt, tut es aus dem selben Grund, warum ich reite. Es ist eine Freude, keine Notwendigkeit mehr.

„Cannabis“ im Büro

Manche Kollegen kokettieren mit ihrem seltsamen originellen Verhalten und erklären es damit, dass sie im Büro Cannabis anbauen und den Eigenanbau auch kräftig konsumieren. Bei genauerer Betrachtung klärt sich dann, warum die Kollegen nicht so drauf sind, wie man es von dauer-breiten Gewohnheitskiffern erwartet:

Wenn die Kollegen mal wieder das falsche Kraut rauchen…

Beschäftigungen während (langweiliger) Telefonkonferenzen

Telefonkonferenzen sind toll. Nein. Telefonkonferenzen können toll sein. Man hört Stimmen von Kollegen, von denen man nur die Namen kennt. Und man kann auch so erfahren, wie woanders gedacht wird und wir man Dinge, die man hier immer so machte, woanders machte. Kurzum: Telefonkonferenzen können einen echt bereichern. Doch damit das wirklich so ist, müssen viele Bedingungen erfüllt sein:

Jeder, der nicht gerade redet, schaltet sein Mikrofon stumm. Sonst hört man viele Menschen atmen, husten, schiefen, auf der Tastatur tippen und und und .

Es sollte einen aktiven Moderator geben, der einzelnen Teilnehmern das Wort erteilen (oder auch entziehen) kann. Wer eine Frage oder ein sonstiges Anliegen zum gerade besprochenen Punkt hat, schreibt den Moderator per Messenger an und teilt seine Wünsche mit. Der Moderator entscheidet dann oder fasst Fragen zusammen. Dabei hat sich das QIDT-System bewährt:
Q – Question, ich möchte eine Frage stellen.
I – Information, ich möchte eine (ergänzende) Information dazu geben.
D – Discussion, ich möchte diesen Punkt diskutieren.
T – ToDo, daraus ergeben sich Aufgaben (die ich jemandem zuweisen möchte).

Es gibt eine Tagesordnung, wer wann worüber sprechen wird.

Und es gibt ein Protokoll, in dem die wichtigsten Punkte zum späteren Nachlesen festgehalten werden.

Leider ist die Welt nicht perfekt und viele Telefonkonferenzen ziehen und ziehen sich, manchmal über Stunden und es kommt nur wenig dabei heraus, trotzdem muss man daran teilnehmen, auch wenn einen das besprochene Thema überhaupt nicht betrifft. Ich habe Menschen gefragt, wie sie sich die Zeit in (langweiligen) Telefonkonferenzen vertreiben. Hier eine Liste der ungewöhnlichsten Antworten:

A, weiblich, einzelnes Büro
Ich hab ein Maniküre-Set in der Schreibtischschublade. Ich kann dann meine Nägel bearbeiten, die alte Farbe entfernen, feilen, und dann in wirklich alles Seelenruhe neuen Nagellack auftragen und trocknen lassen. So werden 2 bis 3 Stunden Telefonkonferenz halbwegs erträglich.

B, männlich, einzelnes Büro
Wenn ich weiß, dass der Ober-Chef mal wieder zu seinen Telefon-Monologen einlädt, dann habe ich meistens ein paar Schuhe mehr im Büro. Die kann ich dann in aller Gründlichkeit putzen. Zu Hause habe ich Frau und Kinder, da hätte ich nie die Ruhe, außer beim sonnabendlichen Krimi, aber meine Frau würde mich umbringen, käme ich auf die Idee, beim gemeinsamen Fernsehabend meine Schuhe zu putzen.

C, männlich, Gruppenbüro
Ich bekomme ja so viele E-Mails, von denen ich die meistens nicht ansehe. Im Laber-Meeting habe ich dann die Zeit, die ungelesenen Mails mal zu überfliegen und dann zu entscheiden, ob ich die Mails weiterverfolgen muss, ob sie einfach nur irgendwo abgelegt werden oder ob ich sie löschen kann. Ohne TelCo würde ich den Überblick über meine Mails komplett verlieren.

D, weiblich, Einzelbüro
Zu meinen Jobs gehört das Wegsortieren vieler Papiere in entsprechende Ordner. Unter der Woche komme ich nicht dazu, da sind dann die Zeiten der Telefonkonferenz echt immer gut geeignet. Ich weiß sowieso nicht, warum ich daran teilnehmen muss, aber mein Chef will das so, also höre ich zu und schaffe da ein paar hundert Blatt Ablage. Ich habe da schnurloses Headset, verteile die ganzen Papiere durch mein Büro, mache Häufchen, die ich dann sortieren und dann in die Ordner ablege.

E und F, männlich, gemeinsames Büro
Wir beide spielen dann immer Online-Spiele auf unseren Handys. Haben uns in den TelCos ganz schön weit nach vorne gespielt 🙂

G, weiblich, Einzelbüro
Ich nutze die Telefonkonferenzen dann oft für Sport, ich mache Dehnübungen, lege auch mal ein Bein auf den Tisch oder mach Spagat auf dem Fußboden. Einmal kam ein Kollege trotz des Schildes „Bitte nicht stören, Telefonkonferenz“ rein und staunte nicht schlecht, als er mich dann da so turnen sah.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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