Archiv für die Kategorie „Geschichten“

Wasser in Wien

Wien und München, so wurde es mir erzählt, beziehen ihr Trinkwasser aus den jeweils nahen Bergen. Und das Wasser hat dann so eine hohe Qualität, dass praktisch keine Maßnahmen mehr getroffen werden müssen, um das Wasser für den menschlichen Genuss als Trinkwasser aufzubereiten. So steht es auch im Badezimmer des Hotels in Wien. Das ist erfreulich, denn gutes Trinkwasser ist ein Luxus, den nicht jeder Mensch auf diesem Planeten genießt. Manchmal muss man Wasser teuer und umständlich aufbereiten, von Schadstoffen reinigen, unerwünschte Mineralien entfernen und und und. Da freut man sich, wenn Wasser schon sauber genug aus dem Berg fließt.

Wenn dann das Hotel am Frühstücksbüffet mit energetisch aufbereitetem bzw. belebten Wasser wirbt und einen extra Zapfhahn für solches Wasser bereitstellt, dann schlägt bei mir der Esoterik-Alarm an. Ja, ich weiß, dass es „Informationsübertragung“ geben kann. Ich weiß aber auch, dass dafür immer (viel) Energie im Spiel sein muss. Übertrage ich Informationen in Form von eingeschlagenen Zahlen in ein Stück Blech (Hundemarke), dann braucht es dazu schon kräftige Hammerschläge. Möchte ich Informationen per Kabel oder Funk übertragen, dann braucht es dazu ebenfalls Energie. Immer wenn mir jemand erzählen möchte, seine Informationsübertragung ginge komplett ohne Energie, weiß ich, dass mich ein Scharlatan verarschen will.

Entsprechend belustigt habe ich dann auch auf diesen Hinweis im Hotel reagiert:

Wenn man dran glauben mag…

Solange Physiker, Chemiker, Biologen nichts nachweisen oder messen können… Aber lest Euch doch selbst durch, was der Hersteller so alles verspricht. Vielleicht glaubt Ihr ja daran? Woanders glaubt man ja auch daran, dass mal jemand Wasser in Wein verwandeln konnte.

Kauf regional, kauf national…

Der Urlaub führte mich auch nach Österreich. Die kundige Reiseberaterin vor Ort lotst mich auch in einen „Merkur“-Supermarkt. Dort kaufen wir dann alles mögliche für sie und mich. Irgendwann, viel später, sehe ich mir den Kassenbon genauer an:

Einheimische Produkte werden durch ein „Ö“ in der letzten Spalte des Kassenbons markiert.

Meine Begleiterin klärt mich auf:

In vielen Supermärkte werden inländische Produkte besonders gekennzeichnet, damit Kunden erkennen können, dass sie einheimische Produkte kaufen.

Ich sehe mir den Kassenbon weiter an:

Hinweis aus österreichische Produkte (Hinweise auf Zahlungsdaten habe ich aus dem Scan entfernt!)

Vieles, was wir kaufen, ließe sich auch aus der Region kaufen. Ich habe nie verstanden, warum ein stilles Wasser (per Lkw) aus der Mitte von Frankreich kommen muss, wenn es auch hierzulande Brunnen gibt, denen man Wasser entnehmen kann. Ähnlich ist das auch in einem kleinen Land wie Österreich. Der Kunde soll klar erkennen können, was er aus der Region kauft, soll klar erkennen können, was er aus dem eigenen Land kauft. Und dann selbst entscheiden. Das finde ich gut. Wer mitmachen kann und möchte, wird deutlich aber unaufdringlich informiert. Alle anderen kaufen eben Wasser  von Far-Far-Away. Aber beschweren sich dann bitte nicht, wenn die Lkw, die das Wasser bringen, die Autobahnen verstopfen.

 

Wenn es im Auto nicht kalt wird…

Moderne Autos haben Klimaanlagen. Die Zeiten, in denen derlei Annehmlichkeiten nur der automobilen Ober- oder Luxusklasse vorbehalten blieben, sind lange vorbei. Heute kommt (praktisch) kein Auto mehr ohne Klimaanlage. Warum auch nicht? Im Sommer hilft sie, die Innenraumtemperatur abzusenken und damit die hitzebedinge Ermüdung der Innensassen zu vermeiden. Im Herbst und Winter trocknet die Klimaanlage die Luft und verhindert so beschlagene Scheiben.

Neulich war es wieder mal warm, ich hatte die Klimaanlage eingeschaltet, wundere mich aber, warum es nicht kalt wird. Ich hatte die Klimaanlage doch eingeschaltet, oder? Ein Blick sagt mir, dass das Lämpchen leuchtet. Ist die Klimaanlage etwa kaputt?

Dann wurde mir klar, warum es nicht kalt wurde… Wer entdeckt den Fehler?

Warum wurde es im Auto nicht kalt?

Des Rätsels Lösung: Die letzte Fahrt fand bei nächtlich kühlen Temperaturen statt und der Fahrer hatte wohl vergessen, den Temperaturregler wieder auf sommerliche Einstellung zurückzustellen…

Mikroprozessortechnik macht’s möglich

Menschen neigen dazu, die bestehenden Dinge (mehr oder weniger) linear fortzuschreiben und so die Gegenwart in eine mögliche Zukunft zu prognostizieren. Dass sich mit der Einführung nicht nur bestehende Dinge schneller, besser, preiswerter erledigen lassen, dass eben auch manchmal Dinge möglich werden, die vorher nicht möglich waren, sei es überhaupt nicht möglich oder theoretisch möglich, dann aber zu Preis und Aufwand, der die Anwendung verbot, das wird gerne übersehen. Hier ein paar Beispiele aus meinem Leben.

Beispiel 1:
Wir hatten in der Firma einen großen Drucker. Früher wurde so etwas als Plotter bezeichnet, aber die Zeiten, in denen ein Gerät in der Größe eines Billardtisches Papier auf einer Fläche fixierte, dann mit einem Stift Linien aufs Papier zog, sind lange vorbei. Heute hat man Tintenstrahldruckköpfe. Und das Gerät ist auch deutlich kleiner geworden. Es konnte Papier im Format DIN A1 bedrucken. Dabei musste man das Papier aber per Hand einlegen. Und da ging das Problem schon los. Egal, wie genau man es einlegte, das Papier war nie so ganz gerade, so dass der Ausdruck immer etwas schief auf den Papier ankam.

Das alte Gerät war in die Jahre gekommen, der Zahnriemen, der den Schlitten mit den Druckköpfen bewegte, war nun schon zum zweiten mal verschlissen, der IT-Chef erinnerte sich, dass die Reparatur damals ein gefühltes Vermögen gekostet hatte und entschied, dass das Gerät, wenn auch nicht an Ende der technischen, dann aber am Ende der wirtschaftlichen Lebensdauer angelangt sei. Und weil gerade etwas Geld im Budget vorhanden war und es aus anderen Gründen wünschenswert par, Plakate auch im Format DIN A0 (also doppelt so großes Format wie DIN A1) bedrucken zu können, durfte es ein Großgerät werden.

Und genau hier kam ich ins Spiel: Ich durfte dann mal recherchieren, welches Gerät es sein sollte und den IT-Chef dann entsprechend überzeugen. Da ich mit einem Zweibuchstaben-Druckerhersteller gute Erfahrung gemacht hatte, sah ich mich zuerst dort um. Und eines war mir klar: Nie wieder Einlegen von Papier per Hand, das Papier musste von der Rolle kommen. Geräte in dieser Klasse Druckbreite 36 Zoll sind Profigeräte und kommen mit den üblichen Schnittstellen. Solche Geräte schließt man nicht mal eben an den eigenen PC an (auch wenn man das per USB oder WLAN könnte), solche Geräte hängen per LAN am firmeneigenen Druckserver. Also alles da, was man braucht. IT-Chef überzeugt, ein paar Rollen Papier und ein paar Sätze Tintenpatronen  gleich mitbestellt und dann…

Tage später kam das Monster dann. Und Monster ist keine Übertreibung. Der Karton ließ sich dann mit zwei Mann grad so heben, Papierrollen in 36 Zoll-Länge wiegen auch einiges. Dann kam der eigentliche Spaß: Auspacken, Aufbauen und Inbetriebnahme. Endlich mal wieder richtige IT, so richtig zum anfassen. Und dann zum ersten mal Papiereinlegen: Rolle aus der Schutzfolie, in den Rollenhalter einlegen, am Bedienfeld des Druckers auf „Papier von Rolle laden“ tippen und mit einem dezenten Surren wird das Papier eingezogen.

Und auch gleich wieder entladen. Enttäuschte Gesichter der Umstehenden, denn auch der IT-Chef wollte zusehen. Wieder ein Surren, das Papier wird wieder eingezogen, wieder entladen, wieder eingezogen, diesmal blieb es. Des Rätsels Lösung ward schnell gefunden. Das Gerät prüft, ob das Papier von der Rolle auch exakt gerade geladen wurde. Falls nicht, dann erneut erfolgt ein erneutes Laden. Ich war beeindruckt. Das Gerät hat dann die vordere Seite des Papiers mit dem Schneider beschnitten und meldete dann Druckbereitschaft.

Schnell war auch der Drucker auf dem Server eingerichtet, der Drucker freigegeben und der erste Benutzer durfte sich den Drucker installieren. Dann der erste richtige Druckauftrag. Der Drucker legte los und mit einer fast schon affenartigen Geschwindigkeit brachte er einen zweifingerbreiten Streifen Farbe auf das Papier. Dann die nächste Überraschung: Der Druckkopf fuhr zurück, fuhr erneut über das eben bedruckte Papier. Er maß, wie schnell die gedruckte Menge Tinte bei aktueller Temperatur und eingelegten Papier trocknete, berechnete danach die Druckgeschwindigkeit für den weiteren Ausdruck und druckte dann in eben jeder Geschwindigkeit weiter.

Wir waren begeistert. Und dass der Drucker jemals dazu genutzt wurde, um heimlich Pferdebilder in DIN A0 auszudrucken, ist nur ein böswilliges Gerücht.

Beispiel 2:
Früher brauchte es einen Notarzt, der ein EKG auswerten konnte, um dann mit einem Defibrillator dem Herzen bei Herzstillstand oder Kammerflimmern den entsprechenden Anstoß zu geben. Erst gab es die Möglichkeit, dass das Rettungspersonal die Ergebnisse des EKGs per Funk an den Arzt ins Krankenhaus übertrugen, der Arzt entschied dann über den Einsatz des Defis. Dann kamen halbautomatische Geräte, die das Rettungspersonal einsetzen könnte. Nun hängen an vielen Stellen AED. Diese Geräte sind auch für Laien zu bedienen und retten so manches Menschenleben. Sie analysieren das abgenommene EKG, entscheiden dann, ob, wann und wie stark der Anstoß für das Herzen sein soll.

Wo es früher noch einen ausgebildeten Notfallmediziner brauchte, schafft es heute ein Gerät mit Mikroprozessoren. So können wertvolle Menschenleben gerettet werden.

Beispiel 3:
Früher war die Technik bei Automoren recht einfach und überschaubar: Es gab einen Vergaser und eine elektromechanische Zündanlage. Mit dem Gaspedal wurde der Vergaser gesteuert, die Drehzahl beeinflusste den Zündzeitpunkt (je höher die Drehzahl, desto früher muss die Zündung erfolgen, da der (chemische) Verbrennungsprozess eine gewisse Zeit benötigt.

Dann kamen Motorsteuerungen mit Kennfeldzündungen und -einspritzanlagen. Der Fahrer teilt per Gaspedal den Leistungswunsch mit, das Steuergerät misst die Temperatur des Motors und angesaugter Luft, kennt die Drehzahl, die aktuelle Lastsituation des Motors, manchmal auch die Kraftstoffqualität und wählt danach die jeweils beste Einspritzmenge und den richtigen Zeitpunkt dafür und auch den Zündzeitpunkt.

Das klingt ganz furchtbar kompliziert. Ist es in der Theorie auch. In der Praxis sind diese Geräte jedoch enorm zuverlässig und praktisch wartungsfrei. Und wenn ich vergleiche, das jemand mit seinem VW-Käfer (halb soviel Leistung wie mein Panda) doppelt soviel verbrauchte mein Panda, dann freue ich mich über meine moderne Technik.

Fazit:
Mikroprozessortechnik macht Dinge (überhaupt erst) möglich oder bezahlbar. Und wenn man sie erstmal hat, mag man sie nicht mehr missen.

Reiseimpressionen — Juristischer Hinweis

Was macht ein gutes Hotel aus? Die Anzahl der Sterne? Die Ausstattung des Hotels, samt Schwimmbad, Sauna und Wellness-Oase? Die Lage? Die Ausstattung der Zimmer? Alles richtig und irgendwie doch nicht. Viele Menschen, die viel häufiger als ich in Hotels übernachten, stimmen jedoch mit mir überein: Es ist das Personal, das einem das Gefühl gibt, zuhause zu sein, kein Gast sondern ein Freund zu sein.

Irgendwann komme ich in ein Hotel, bekomme meinen Zimmerschlüssel, bringe mein Gepäck auf mein Zimmer. Der Tag war lang, ich möchte meine Klamotten auspacken, eine Dusche nehmen, frische Sachen anziehen und dann meine Abendverabredung wahrnehmen. Auf dem Gang sind laute Gespräche zu hören, durch die geschlossene Zimmertür. Ich sehe auf den Gang, einige ausländische Gäste reden zu laut, alle durcheinander und auf eine Hotelbedienstete ein, fordern ein neues Zimmer. Das anzubieten war leider nicht möglich, das Hotel war komplett ausgebucht, so erklärte die Hotelbedienstet.

Ich verzog mich wieder in mein Zimmer, duschte mich, verließ dann mein Zimmer, auf dem Flur noch immer das laute Palaver…

Später am Abend sitze ich an der Bar, die dem Empfang angeschlossen ist. Ein weiterer Gast, auch er hatte das laute Streitgespräch mitbekommen, hofft, dass es nicht die ganze Nacht Lärm gäbe. Sonst hätte er eine pragmatische Lösung anzubieten:

Also wenn die Typen die ganze Nacht Krach machen sollten… Ich habe Müllsäcke, Kabelbinder, Klebeband und einen Klappspaten im Kofferraum.

Der Barmann hatte von dem Vorfall gehört, spielte den Ball zurück:

Ich muss Sie allerdings darauf hinweisen, dass Mord in Österreich strafbar ist…

Die junge Hotelbedienstete setzte ein zauberhaftes Lächeln aus und fiel ihrem Kollegen ins Wort:

Es ist aber nicht weit bis zur Grenze, ich zeig Ihnen gerne den Weg…

Genau mein Humor und sie hatte die Lacher aller Anwesenden auf ihrer Seite. Später stellte sich dann heraus, dass die Gäste, sie so einen Aufstand machten, Angehörige einer ausländischen Großfamilie waren, die sich immer einmal im Monat in diesem Hotel trifft. Man kennt also das Hotel und auch die Zimmer. Warum man für einen Abend dann mit fünf Koffern Gepäck anreisen muss, hat sich keinem von uns erschlossen.

Aber die Lösung hatte einen gewissen Reiz. Wie der Abend ausging und ob da doch noch mal jemand an die Grenze gefahren war, entzog sich meiner Kenntnis.

Anschiss abgebügelt

Vor vielen Jahren, war ich mal kleiner Rekrut-Nik bei der Bundeswehr. Aus dieser Zeit stammt diese Anekdote:

Natürlich gab es bei der Bundeswehr auch die Möglichkeit, die Dienstkleidung waschen zu lassen. Alles, was man Montag abgab, war bis Freitag gewaschen. Dumm nur, dass man die Klamotten von Montag bis Freitag gebraucht hätte. Also war die Möglichkeit, seine Dienstklamotten kostenfrei waschen zu lassen, eher eine theoretische Möglichkeit.

Wohl dem, der seine Klamotten dann bei Mama oder zuhause selbst waschen konnte. Das hatte mehrere Vorteile: Man hatte die Sachen dann wieder, wenn man sie brauchte; es wurde nicht irgendein Waschmittel benutzt sondern das, was man selbst (oder eben Wäscherei Mama) verwenden wollte. Nach der Waschmaschine kamen meine Sachen in den Wäschetrockner, von da aus in den großen Seesack, dann in die Kaserne und wurden angezogen, so wie sie aus dem Seesack kamen. Und das war manchmal etwas „ungebügelt“. Und auch manchmal sehr ungebügelt und entsprechend knittrig. Bei mir traf dann eher letzteres zu.

Eines Morgens kassierte ich beim Antreten einen Anschiss vom Zugführer. Er trug sein Olivzeug — damals trug man bei der Bundeswehr noch kein Flecktarn — mit (rasier-)messerscharfer Bügelfalte. Was mir denn einfiele, mit solcher Uniform beim Antreten zu erscheinen. Sowas ginge ja überhaupt nicht und und und…

Nun, in der Sache hatte er absolut recht, meine Sachen waren knittrig, das stand fest. Aber egal, wie gebügelt meine Hose gewesen wäre, spätestens nach einem Vormittag wäre auch die schönste Bügelfalte wieder dahin gewesen, warum also bügeln?

Da die Natur keine geraden Linien wie Bügelfalten kennt, stattdessen unregelmäßige Formen bevorzugt, wollte ich so die Tarnwirkung meiner Kleidung erhöhen…

Sofort setzte ein Lachen bei allen meiner Kameraden und auch bei manchen Vorgesetzten ein, das von einem laut gebrüllten „RUHE!!!“ beendet wurde.

Ich wurde übrigens nie wieder auf meine ungebügelten Hosen angesprochen. Na also, geht doch!

Extreme Dosen-Recycling

Vor vielen Jahren erlebte ich mal diese Geschichte:

Ein (damaliger) Freund trank gerne Wodka-RedBull, damals ein Modegetränk. Und auf seinen (legendären) Partys gab es viel Wodka und entsprechend viel RedBull. Er kaufte den Wodka kistenweise und RedBull palettenweise. Die leeren Dosen wurden nicht ordentlich in die leeren Paletten gestapelt, stattdessen wurden sie locker in Müllsäcke geworfen. Der Müllsack kam dann auf den Balkon. Irgendwie wurde dann vergessen, die Säcke, genauer deren Inhalt, mal abzugeben. War ja auch noch Platz auf dem Balkon. Und irgendwann kam es, wie es kommen musste: Die Balkontür ließ sich kaum noch schließen, der Balkon schon lange nicht mehr betreten.

Der Freund war von der Situation selbst genervt, es mangelte ihm aber an Motivation, die Sache aber mal durchzuziehen und die Dosen abzugeben. Also überredete ich ihm und drängte meine Hilfe auf, um den Begriff „Nötigen“ elegant zu umgeben…

Sack um Sack luden wir in sein Auto, Kofferraum und Rückbank waren vollgestopft, die letzten beiden Säcke hatte ich zwischen meinen Beinen bzw. auf dem Schoß. So fuhren wir dann zu einem Supermarkt, der zwei Automaten hatte. Nach wenigen Dosen hatten wir die perfekte Technik drauf und wussten, wie schnell wir die nächste Dose einlegen konnten, ohne Zeit zu verschwenden oder den Automaten zu überfordern.

Kamen andere Kunden, die auch Leergut zurückgeben wollten, gaben wir einen oder auch beide Automaten frei, schließlich wollten wir nicht dumm auffallen. Nach und nach leerten sich die Säcke, nach und nach bekamen wir immer mehr Pfandbons. Und nach und nach fielen wie beim Personal auf. Da wir aber keine anderen Kunden störten, ließ man uns gewähren.

Irgendwann waren wir fertig und kamen mit vielen Bons an der Kasse an. Die Kassiererin musste ihren Chef erklären, dass alles mit rechten Dingen zugegangen war, immerhin hatten sie und ihre Kolleginnen und viele Hundert Dosen in die Automaten stecken sehen, der hohe Betrag wurde dann anstandslos ausgezahlt. Das Geld reichte für eine Stange Zigaretten, eine Tankfüllung seines Autos und für ein ausgiebiges Essen beim legendären Burger-Restaurant auf der anderen Straßenseite. Und es blieb immer noch Geld übrig.

Manchmal muss man sich einfach überwinden, die Dinge anzugehen. Oder sich eben überwinden lassen…

„Stromdiebstahl“ und das Drama danach

Vor vielen Jahren bloggte ich über eine Posse zum Thema Stromdiebstahl. Neulich traf ich eine Bekannte, ich wollte wissen, wie’s ihr denn im neuen Job ergehe. Ihre Antwort ist es wert, mal hier verbloggt zu werden. Hier ihre Geschichte:

Den Job hab ich nicht mehr. Ich hab gekündigt, nachdem ich mir einen neuen Job angenommen hatte. Die Suche ging glücklicherweise blitzschnell und dann war ich aus dem alten Job von heute auf morgen raus.

Wieso ist gekündigt habe? Total doofe und peinliche Geschichte. Du weißt doch, ich nutze mein Handy als Wecker, vor dem Schlafengehen wird es geladen. Nun hatte ich da neulich eine App, die noch im Hintergrund lief und während der Nacht den Akku leergesaugt hatte. Ich hab dann das Ladekabel mit zur Arbeit genommen und es dann dort geladen. Alles kein Ding. Mein PC läuft ja sowieso und weil ich schon ’ne Power-Userin bin, hab ich einen sehr leistungsfähigen PC, der schon ein wenig mehr Strom braucht.

Jedenfalls kommt mein Chef rein, sieht das angeschlossene Handy und bekommt einen Tobsuchtsanfall und brüllt was von „Stromdiebstahl“ und so und dass er mich deswegen rauswerfen werde. Ernsthaft „Stromdiebstahl“. Der Mann ist Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik, sollte also wissen, wie viel Strom das Laden eines Handy braucht, und das es praktisch „nichts“ kostet. Ich hab’s mal ausgerechnet, wir kommen da nicht mal auf einen Cent.

Ich hab dann in der Mittagspause bei der Firma angerufen, bei der ich mich auch beworben hatte, aber deren Zusage erst kam, als ich hier schon unterschrieben hatte. Glücklicherweise war die Stelle noch frei und ich bekam dann gleich eine mündliche Zusage.

Nachmittags bin ich dann in die Personalabteilung und habe gekündigt. Die Personalerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr berichtete, was vormittags passiert war, fasste sie sich an den Kopf. Solche oder sehr ähnliche Situationen kannte sie wohl schon, manchmal bekam der Chef wohl cholerischen An- und Ausfälle, brüllte sein Personal meistens grundlos zusammen und verschreckte so im Laufe der Zeit viel gutes Personal.

Der Chef empfand meine Kündigung als Frechheit, zur „Strafe“ wurde ich sofort freigestellt. Und da die Frist zur Kündigung für das kommende Monatsende knapp verpasst war, wurde es eben erst eine Kündigung einen Monat später. So gab es knapp sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub. Und den nehme ich jetzt.

Sie schenkte mir ihr legendäres Lächeln, lud mich auf eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen ein und wir klönten dann über die schönen Dinge des Lebens.

Der ungewöhnlichste Nebenjob

Auf Partys trifft man ja manchmal viele Leute, die man noch nicht kennt. Und je nach eigenem Geschick (oder dem der anderen Menschen) finden sich Themen, über die man sich unterhalten könnte. Klar, die Themen Wetter, Politik, Fernsehprogramm oder Fußball gehen immer, sind aber nicht immer ganz einfach, gilt es doch, hier gewisse Fettnäpfchen zu vermeiden.

Auf irgendeiner Party unterhielt ich mich in einem kleineren Kreis über die Nebenjobs, die wir einst als Schüler, Azubi oder Student hatten. Schnell wurde daraus eine Art Wettbewerb, wer denn den ungewöhnlichen Nebenjob hatte. Kellnern war so häufig vertreten, da war klar, damit ist kein Pokal zu gewinnen. Irgendwann war ich an der Reihe zu erzählen. Ich war „Diplom-Silologe“. Diese Bezeichnung verdankte ich dem damaligen Silomeister des Getreidesilos, in dem ich ein paar Sommer arbeitete. Wer als Student mehr als einen Sommer arbeitete, dem bezeichnete er als „Diplom-Silologen“, mit dieser Anrede verband er, dass man sich noch an vieles aus dem Vorjahr zu erinnern hatte, die Einarbeitung also entsprechend kurz ausfallen konnte. Und je mehr man konnte, desto besser und anspruchsvoller waren auch die Aufgaben, die man übernehmen konnte. Ich verwog dann Fahrzeuge, nahm mit einem Roboter-Kran Stichproben des Ladung, bestimmte diese in unseren Labor. Mit den Ergebnissen schickte ich dann den anliefernden Lkw-Fahrer zum Silomeister, der dann entschied, in welche Silozelle die Ware eingelagert wurde.

Ich wähnte mich schon als sicherer Sieger unseres kleinen Wettbewerbs als eine Frau zu erzählen begann:

Ich war Schönschreiberin. Ich arbeitete für eine Firma, deren Chef ein paar Eigenheiten hatte. Die Firma stellte Rechnungen, die wenig Rechnungspositionen enthielten, dafür waren die Beträge umso höher. Zum Beispiel „5 Beratertage (a 1.000DM) im Monat Juli 5.000DM“ und so weiter. Die Rechnungen kamen ganz normal aus dem System und dann kam ich ins Spiel. Der Chef hatte die Marotte, dass er gerne handgeschriebene Rechnungen auf feinem Papier verschicken wollte. Und natürlich auch in einem Umschlag aus feinem Papier, beschriftet in schöner Schrift. Und so gab er eine Anzeige auf, die mir einst in die Hände fiel. Ich schickte ein — er wünschte es ausdrücklich — handschriftliches Bewerbungsschreiben, wurde zum Gespräch eingeladen und bekam den Job. Ich durfte mir einen edlen Füllfederhalter kaufen und bekam dann einmal die Woche einen Stapel Ausdrucke, deren Inhalt ich dann in meiner Handschrift zu Papier brachte. Am Anfang machte ich das in der Firma, später arbeitete ich dann am eigenen Schreibtisch.

Den Job hab ich jahrelang gemacht und mir damit ein gutes Zubrot verdient. Irgendwann war ich mit dem Studium fertig, arbeitete noch ein paar Monate übergangsweise in der Firma und fing dann einen richtigen Job an. Den Füllfederhalter, den mir der Chef einst kaufte, durfte ich behalten. Ich habe ihn heute noch und schreibe sogar damit.

Wir alle waren uns einig, dass ihr Nebenjob alles übertraf, was wir an dem Abend gehört hatten.

Warum Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können

Ingenieure können nicht richtig rechnen? Eine wahrlich steile These, denn wenn jemand im Studium tief in den Werkzeugkasten der Mathematik greift, dann Ingenieure. Okay, Physiker und Informatiker auch.

Wie komme ich nun darauf, dass Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können, immerhin hatte ich doch mal über Rechentricks alter Ingenieure berichtet. Ganz einfach, ich wurde Zeuge folgender Unterhaltung:

Ein Ingenieur berichtet von den Planungen seiner Renovierung: Die ‚Hütte‘ ist alt, hie‘ und da gibt es dann Sanierungsbedarf. Also lässt er sich Angebote für neue Fenster und auch eine neue Heizung kommen. Schließlich möchte niemand (teure) Heizenergie durch zugige Fenster verlieren oder ungenutzt durch den Schornstein jagen. Unser Ingenieur staunte nicht schlecht, als er die Angebote auswertete, denn die neuen Heizungen warben mit Wirkungsgraden von über 100%. Und wie jeder, insbesondere jeder Ingenieur, weiß, gibt es keinen Wirkungsgrad über 100%. Entsprechend groß — wahrscheinlich auch über 100% — waren Verwunderung und Ärger über dieses Angebot.

Unser Ingenieur hat recht — und zugleich Unrecht.

Wie kann das nun sein? Nun, irgendwann in der Vergangenheit wurde eine Referenzanlage genommen und deren Wirkungsgrad gemessen. Und alle später entwickelten Heizungsanlagen wurden gegen eben jene Anlage gemessen. Und dann der Wirkungsgrad des aktuell getesteten Geräts mit dem Referenzgerät verglichen. Eine neue Heizungsanlage kann also so effizient sein, dass der Wirkungsgrad der alten Referenzanlage bei über 100% liegen müsste, um im Wirkungsgrad gleichziehen zu können.

Diese Erklärung überzeugte ihn noch nicht ganz. Es bedurfte dann noch ein paar weiterer Erklärungen, um den Ingenieur zu überzeugen:

Vergaserkraftstoffe[1], genauer deren Klopffestigkeit, wird in ROZ angegeben. Dabei wird ein Vergleichsmotor hinzugezogen, in dem der Kraftstoff verbrannt wird. Und dann wird das Klopfen (also die ungewünschte Frühzündung) mit einem Referenzkraftstoff verglichen. Dieser besteht zu einem Prozentsatz X aus Oktan, der Rest ist Heptan. Reines Heptan entspricht 0 ROZ, reines Oktan entspricht dann 100 ROZ. Deswegen wird die Qualität von Kraftstoffen auch umgangssprachlich in „Oktan“ angegeben. Nun gibt es aber Kraftstoffe, die so gut sind, dass ihre Klopffestigkeit über 100 ROZ liegt. Das kann nicht mehr gemessen werden, dieser Wert kann nur noch geschätzt — drücken wir es vornehmer und wissenschaftlicher aus — interpoliert werden.

Diese Erklärung konnte er als alter Autobastler mit Benzin im Blut sofort verstehen.

Es gibt Heizungen, die Wärme durch Umwandlung von anderen Energieformen (Kohle, Öl, Gas) erzeugen. Und dann gibt es Systeme, die Wärme dadurch erzeugen, dass sie woanders Wärme ‚klauen‘, im Sinne von woanders, außerhalb der (thermodynamischen System-) Grenzen herholen. Ein Beispiel dafür sind Wärmepumpen, die Erdwärme oder Temperatur der Außenluft dafür nutzen, um innen Wärme bereitzustellen. Und bei solchen Systemen vergleicht man die eingesetzte Energie (für die Wärmepumpe) mit der Wärme, die die Wärmepumpe dann bereitstellt. Und da kann man auch erstaunliche Wirkungsgrade im Bereich von mehrere hundert Prozent kommen.

Auch diese Erklärung konnte er verstehen. Und so langsam zeigte er sich mit dem im Angebot genannten Wirkungsgrad versöhnt.

1.) Auch denn der Vergaser in vielen Motoren durch Einspritzsysteme ersetzt wurde, wird er häufig noch „Vergaserkraftstoff“ genannt.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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