Archiv für die Kategorie „Geschichten“

Einst und jetzt

Viele von uns kennen das vielleicht: Man sieht sich etwas bei Youtube an, folgt danach einem Verweis auf einen anderen interessanten Clip, sieht den an und dann immer so weiter. So landete ich neulich bei „Love Parade 1998 – One World, One Future“ von Dr. Motte und Westbam. Mit diesem Song verbinde ich ein ganz besonderes Erlebnis:

Wir schreiben das Jahr 1998, es ist Sommer, genauer, es ist der 11. Juli 1998. Ich besuche meinen Opa in seinem Seniorenheim. Wie es bei vielen älteren Leuten nicht unüblich ist, steht sein Fernsehapparat nicht einfach auf einem Regal, er hatte einen kleinen Schrank, in dem das Gerät „versteckt“ wurde. Wollte man es benutzen, musste man die Türen öffnen. Je nach dem, wie weit man sie öffnete, bildeten sie eine Art von „Scheuklappen“, so dass man schon direkt vor dem Gerät sitzen musste, um auf den Bildschirm sehen zu können.

So auch diesen Samstagnachmittag. Opa sitzt vor dem Fernsehapparat und sieht gebannt auf den Bildschirm. Er trug dabei einen speziellen Kopfhörer, damit er trotz seiner Schwerhörigkeit den Ton hören konnte, der normale Ton war dann aus. Wie üblich, wenn ich ihn besuchte und er fernsah, fragte ich ihn, was er gerade ansah. Opa verstand mich nicht, er war ganz in sein Fernsehprogrammm vertieft. Ich wurde lauter, fragte erneut. „Ich verfolge den Aufmarsch.“ Ich verstand nur Bahnhof. „Welchen Aufmarsch?“ wollte ich wissen. „Den Aufmarsch in Berlin“ sagte er, ohne aufzublicken. Immer war ich noch nicht schlauer und trat zu ihm, damit ich endlich erkennen konnte, was ihn so fasziniert.

Ich war schockiert. Mein Opa sah sich die Übertragung der Love Parade an. Er musste sich verschaltet haben… „Was siehst Du denn da?“ fragte ich ihn wieder. „Na, die Übertragung von dem Aufmarsch in Berlin. Kenne ich ja noch von früher.“ Mein Opa war fast 100 Jahre alt und hatte bestimmt noch gute Erinnerungen an Aufmärsche mit Marschmusik und Fackelschein, damals im Berlin der 30er Jahre. „Damals war die Musik besser, dafür ist es heute hübscher anzusehen…“ und er deutete auf den Bildschirm, auf dem junge Frauen im sehr knappen Outfits durchs Bild tanzten.

Ich hatte keine weiteren Fragen mehr…

Und ich schwöre, es ist genau so passiert, wie ich es aufschreibe.

Einschreiben, zwei Schreiben, drei Schreiben … viele Schreiben

Ein Hacker, so sagt man, macht einen Fehler nur einmal aus Versehen, danach mit voller Absicht. So hofft er Erkenntnisse zu gewinnen oder Vorteile zu erlangen.

Manchmal muss mal bewusst Fehler machen oder durch eigenes (korrektes) Verhalten dafür sorgen, dass woanders Fehler gemacht werden, um eben diese Fehler auszunutzen. So ähnlich geschah es auch in folgendem Fall, der schon lange zurückliegt.

Eine Person, nennen wir sie X, hatte etwas Kummer bei der Postzustellung, besonders bei Einschreiben. Entweder kamen diese überhaupt nicht an, falls sie doch ankamen, dann mit etwas Verzögerung und als normale Briefe, die Einschreiben-Aufkleber waren erkennbar abgefummelt. Ob das daran lag, dass der Postbote sie lieber in den normalen Briefkasten unten im Treppenhaus einwerfen wollte, statt die fünf Stockwerke Altbau, natürlich ohne Fahrstuhl, hinaufzusteigen und sie dort gegen Unterschrift abzugeben, wir wissen es nicht.

Die gute X war ob der Situation jedoch sehr angefressen, immerhin lebte sie als Selbständige (auch) von einer funktionierenden Postzustellung. Als ihr Unmut wieder einmal groß war, brachte Sie jemand auf folgende Idee: Wir schreiben Dir Briefe, genauer Einschreiben. Und wenn die dann „verlorengehen“ oder die Post nicht nachweisen kann, dass die Einschreiben ordnungsgemäß ankamen, dann legen wir Protest ein und kassieren nach ein paar Tagen die Entschädigung plus das eigentliche Porto.

X war skeptisch, ob das funktionierte, aber es funktionierte und nach ein paar Tagen sprach es sich rum, dass man X ein Einschreiben schicken muss, es nie korrekt ankommt, jedenfalls die Post das nicht nachweisen kann, und man dann eine nette kleine Entschädigung bekommt. Fünf Minuten Aufwand und dann (es ist lange her, ich weiß den genauen Betrag nicht mehr) 20€ Schadenersatz plus Porto für das Einschreiben. So kommt man auf einen anständigen Stundenlohn. Steuerfrei. Und immer mehr Menschen aus X’s Umfeld beteiligten sich daran und kassierten. Er wird erzählt, dass es knappe 30 Personen waren, die jeden Tag Einschreiben abschickten.

Irgendwann fiel jemand bei der zuständigen Stelle der Post auf, dass pro Woche mehrere tausend Euro Schadenersatzzahlungen gezahlt werden, weil Einschreiben bei einer bestimmten Adresse verlorengehen. Eines Tages klingelte es bei X an der Tür, ein junger Postbote, etwas außer Atem, stand vor der Tür: „Guten Tag, Frau X, ich habe hier ganz viele Einschreiben für Sie. Bekommen Sie jeden Tag so viele, dann berücksichtige ich das bei meiner Tourenplanung…“

Frau X konnte ihn beruhigen: „Nein, das werden deutlich weniger werden, statt knapper 30 am Trag werden es ein oder zwei die Woche werden, sehr bald schon.“

Der Postbote war erleichtert — und immer noch etwas außer Atem. Das angebotene kalte Getränk nahm er gerne an, immerhin bringen fünf Stockwerke an warmen Sommertagen auch sportliche junge Männer etwas aus der Puste.

Ich weiß nicht, wie viele Einschreiben ich an X geschickt hatte, das Geld hatte ich damals gerne mitgenommen, aber es ging ja nicht um unser aller Spaß, wir wollten X helfen. Und das hatten wir. Was aus dem alten Postboten wurde, ist nicht bekannt, er wurde nie wieder gesehen.

Paint it black

Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden. Nee, stimmt nicht ganz. Pubertät ist, wenn Kinder auf dem Weg zum Erwachsenen noch einmal neu „programmiert“ werden. Nee, stimmt auch nicht.

Jedenfalls ist Pubertät, besonders gegen (oder nach) deren Ende, die Zeit, in der sich viel verändert oder verändert werden sollte. So manches „Kinderzimmer“ wird dann zum Zimmer junger Erwachsener. Stereoanlage (meistens zu laut), Fernseher, Computer und neue Möbel halten Einzug. So erging es auch einem Elternpaar, das ich irgendwann mal auf einer Party traf. Hier ist aufgeschrieben, was ihnen so mit ihrem Töchterchen („Eh, Papa, ich bin erwachsen, er-wach-sen, check es endlich“) passierte…

Es war also Zeit, das Kinderzimmer zu entrümpeln, zu renovieren und neu zu möblieren. Und die Tochter hatte da sehr — formulieren wir es höflich — spezielle Wünsche, was die Einrichtung anging: Sie wollte Schwarz („und alle Farben, die dunkler sind“) als dominierende Farbe. Passend zu ihrem neuen Look, der auch schwarze Klamotten vorsah. Die Eltern waren „not amused“ und es gab ewigen Streit ewige Diskussionen um das Thema. Schwarzes Zimmer, schwarze Klamotten. Was soll denn Oma sagen, wenn sie mal zu Besuch kommt…

Irgendwann waren die Eltern das Thema leid, wollten aber nicht einfach so aufgeben. Schwarz wurde als Wandfarbe genehmigt, wenn die Tochter beim Streichen nicht nur anfasst sondern auch wesentliche Teile der Arbeit macht. Und damit sie sich auch Mühe gäbe, hab es eine klare Ansage: „Wenn das nicht ordentlich wird, dann malen wir Dein Zimmer rosa…“ Das hatte erst einen Kreischanfall („doch nicht rosa, ich bin doch kein kleines Mädchen!“) und dann äußerst präzises Arbeiten zur Folge. Natürlich unter elterlicher Anleitung, wie man sowas sauber und ordentliches macht.

Wände waren schwarz gestrichen, auch schwarzer Teppich war verlegt. Bei der Farbe der Möbel  gab es dann wenig Diskussion, die Eltern ließen die Tochter gewähren, man hatte wohl noch die ewigen Diskussionen um die Farben von Wand und Boden in nur allzu deutlicher Erinnerung. Und, auch wenn sie Eltern es gegenüber der Tochter nie-nicht-niemals zugäben, es sah schick aus.

Es dauerte auch nicht lange, bis noch andere Nebenwirkungen des neuen Looks deutlich wurden: Die Tochter, sie hatte heimlich bei Oma Nachhilfe in Sachen Bedienung der Waschmaschine genommen, wusch ihre Klamotten selbst. Natürlich mit Waschmittel ohne optische Aufheller. Und legte ihre Kleidung auch selbst zusammen und sortierte sie in ihre Schränke. Es sollte, nein musste, ja jeder Kontakt zu heller Wäsche vermieden werden, es könnten ja helle Fusseln auf die schwarzen Klamotten kommen…

Auch lernte die Tochter den Umgang mit Staubtuch und Staubsauger, denn schwarzer Teppich und schwarze Schränke sollen ja nicht eine staubgrauen Überzug bekommen. Und auch die schwarzen Schuhe und Stiefel wurden oft geputzt und poliert, so gut, dass Papa sich an die Stiefelputzkontrolle zu seiner Armeezeit erinnert fühlte und durchaus angetan war. Jeder „Stubendurchgang“, der natürlich als freundlicher elterlicher Besuch getarnt werden musste, viel zur vollen Zufriedenheit aus.

Von Freundinnen schaute sich die Tochter dann Tips und Tricks, wie man sich die Nägel perfekt lackiert, wie man sich handwerklich perfekt schminkt (auch wenn die Farbe… aber das hatten wir ja schon), wie man Haare färbt, ohne das Bad einzusauen…

Die Eltern zogen Bilanz und sie fiel positiv aus:

Unser Töchterchen mag diese Anrede nicht mehr, aber sie hat in sehr kurzer Zeit einen gewaltigen Sprung gemacht und wir sind schon ganz zufrieden damit… auch wenn wir es aus pädagogischen Gründen noch nicht gleich ganz zugeben wollen.

Schwules Werkzeug

Mit Homophobie kann man viel Spaß haben. Dabei ist eigentlich egal, ob Menschen wirklich Angst vor Schwulen und Lesben haben, sich diese Angst nur einbilden, sie vortäuschen oder damit kokettieren, eine solche Angst zu haben. Das geht dann manchmal soweit, dass Menschen immer und überall etwas „Schwules“ sehen, es nun berechtigt oder nicht.

So spaß mich im Sommer ein Arbeitskollege an, was ich denn für „schwules Werkzeug“ auf dem Tisch hätte:

Werkzeug, einfach nur Werkzeug.

Ich habe keine Ahnung, was er an diesem Satz Inbus-Schlüssel auszusetzen hatte, aber vielleicht erinnerte ihn die farbliche Kennzeichnung der einzelnen Schlüssel an die Regenbogenfahne, die unter anderem ein Symbol für Schwule und Lesben gilt.

Jedenfalls wollte ich dann dem sprichwörtlichen Affen Zucker geben:

Ach, das meinst Du… Die wurden auf dem letzten CSD verschenkt und Du glaubst nicht, was dann abends auf den Partys damit abging…

Er verzog das Gesicht und suchte das Weite. Manchmal muss man Menschen einfach mit ihren eigenen Vorurteilen austricksen. Die Erklärung, dass der Hersteller die Schlüssel deswegen farbig markiert hatte, weil gerade auf den kleineren Schlüsseln nur wenig Platz für die Angabe der Schlüsselgröße ist, wäre wohl zu naheliegend gewesen. Und ob der Kollege sie mir geglaubt hätte?

Wort des Tages

Unterhaltung mit einer jungen Dame über ihr Alter. Ich sollte raten oder schätzen. Nun, das war nicht so schwierig, ich wusste ihren Schulabschluss, wusste, wie lange sie gelernt hatte, all das gab einen recht genauen Anhaltspunkt.

Aber ich lag dann doch daneben. Sie hatte vor dem jetzigen Beruf noch eine andere Berufsausbildung angefangen, jedoch nicht beendet, weil sie gemerkt hatte, dass jener Beruf nichts für sie wäre.

Vom vielen Sitzen bekommste da doch nen Quadrat-Arsch…

war ihr Grund dann einen praktischen handwerklichen Beruf zu wählen. Und den macht sie gut und zu meiner Zufriedenheit. Und eine Inspiration für das Wort des Tages hat sie mir auch geliefert.

Die Sache hat einen (Klammer)haken…

Vor vielen vielen Jahren, es war knapp nach der Jahrtausendwende, kam ich als Admin in eine Firma und sollte die dortige IT übernehmen. Ein externer Dienstleister und mein Vorgänger hatten ein damals neues System auf Basis von Windows 2000 Server und entsprechenden Clients aufgesetzt. Das meiste funktionierte auch, einige Probleme konnte ich schnell beheben, manche haben etwas gebraucht, eines war jedoch sehr hartnäckig:

Der Server hatte auch einen Fax-Connector und man konnte Office-Dokumente auch faxen statt sie nur zu drucken. Dummerweise löste dieser Connector kein ausgehendes Fax aus. Eingehende Faxe funktionierten tadellos, auch die Test-Faxe, die die ISDN-Karte als Selbsttest senden konnte, kamen sauber an. Ich hatte schon einiges an Zeit in die Analyse der möglichen Ursache gesteckt, aber da diese Lösung eigentlich kaum gebraucht wurde, ich auch noch reichlich andere Dinge zu tun hatte, hatte das bei mir keine Priorität.

Irgendwann beschloss jemand, dass diese Lösung nun funktionieren müsse und ich kümmerte mich darum. Recherche im Ereignisprotokoll brachte mich nicht weiter, die Fehlermeldungen sagten nur, dass es einen Timeout gäbe. Die Ursache des Timeouts war mir (zunächst) rätselhaft. Eher zufällig schaltete ich mich remote auf den Server auf und sah, was passierte, wenn ein Dokument zu einem Fax gemacht werden sollte:

Das Dokument wurde an den Server übermittelt, dann wurde zum Beispiel Word geöffnet, dass das Dokument dann auf den speziellen Drucker (eigentlich das Fax) ausdrucken sollte. Beim Öffnen des Dokumentes erschien Karl Klammer und bot aufdringlich seine Hilfe an. An die genaue Meldung erinnere ich mich nicht mehr, aber es wird etwas wie „Sie benutzen Word zum ersten Mal, möchten Sie, dass ich sie unterstütze?“ gewesen sein.

Da auf dem Server niemand diese Frage beantwortete, passierte eben nichts und irgendwann lief das Ganze in einen Timeout und es wurde eben kein Fax erstellt. Nachdem ich die Ursache erkannt hatte, startete ich auf dem Server Word, Karl Klammer bot wieder seine Hilfe an und ich schaltete ihn für immer aus. Schon klappte das auch mit dem Faxen.

Auch Spiegel Online berichtete neulich mal über Karl Klammer und fragte sich, was eigentlich aus ihm geworden sei…

Es ist nie passiert…

Vor vielen Jahren, ich wusste damals weniger über IT als heute, war ich als Student in den Semesterferien bei einer großen Firma zur Verstärkung der lokalen IT eingesetzt. Damals gab es (dort) kaum Drucker mit eingebautem LAN-Interface, es war noch die Zeit, in der man kleine Print-Server benutzte. Diese Dinger hatten drei Anschlüsse: Einen für ein Steckernetzteil, einen für LAN und einen Centronics für den Drucker.

Meine Aufgabe war es nun, eine große Kiste voller Print-Server zu nehmen, einen davon anzuschließen, mit einem speziellem Programm den Server anhand seiner (hinten aufgedruckten) MAC auszuwählen, die Firmware zu aktualisieren und dann einen Testausdruck der Konfiguration auf dem angeschlossen Laserdrucker durchzuführen, dazu gab es hinten am Print-Server einen kleinen Knopf, wenn man den drückte, dann wurde die aktuelle Konfiguration ausgedruckt. Der Zettel wurde dann an den Print-Server geklebt und das Spiel sollte sich wiederholen, bis ich alle Print-Server der Kiste abgearbeitet hab.

Soweit, so einfach. Print-Server um Print-Server bekamen die aktuelle Firmware, druckten ihre Konfiguration und alles war gut, bis…

Bei einem Print-Server passierten seltsame Dinge: Ich schloss ihn an, wählte ihn anhand der MAC-Adresse aus, aktualisierte seine Firmware, das Gerät startete neu und bevor ich den Knopf für den Ausdruck der Konfiguration drücken konnte, begann der Drucker mit einem Ausdruck. Ehe ich mich versah, war schon ein Dutzend Seiten ausgedruckt. Verdutzt nahm ich eine Seite davon und sah sie mir an, um zu begreifen, was da gerade passierte. Auf der Seite war ein deutliches Wasserzeichen „GEHEIM“ zu sehen.

Verschreckt schaltete ich sofort den Print-Server aus und lief mit dem Ausdruck zu meinem Chef. Er kam sofort mit, der Drucker hatte in der Zwischenzeit weitere Seiten ausgedruckt, es waren ja noch Daten im Pufferspeicher des Druckers. Er nahm den Papierstapel, sah sich den Text an, las die Fußzeile des Dokumentes und dort auch den Namen des Autors, es war die Sekretärin des Vorstands. Wir hatten also hier ganz heißes Material in den Händen.

Er sag mich ernst an und fragte, was und wieviel ich von dem Dokument mitbekommen hätte. Ich war viel zu aufgeregt, als ich die erste Seite mit dem Wasserzeichen „GEHEIM“ in den Händen hielt, war ich ja gleich zu ihm gelaufen (wirklich gelaufen). Nachdem das geklärt war, mussten wir eine Lösung für die Ausdrucke finden. Die konnten wir nicht einfach so in den Papierkorb werfen, die mussten wirklich endgültig und sicher vernichtet werden.

Er ging sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort machen und kam wieder: „In Raum X bei Person Y steht auch ein Reißwolf, aber Y ist neugierig, so einfach da die Ausdrucke vernichten geht also nicht. Wir machen es so: Du geht da rein, drängst Y ein Gespräch auf, Du bist noch neu hier und hast bestimmt noch viele Fragen und dann verwickelst Du Y in ein Gespräch. Ich komme dann rein und nutze aus, dass Du Y ablenkst. Klar?“

Ich nickte und ging in Raum X. Person Y sah mich an, ich fing an, meine Fragen zu stellen, etwas umständlicher als nötig. Y und ich waren dann ins Gespräch, als mein Chef mit einem Stapel Ausdrucke reinkam, und zum Reißwolf ging, als wäre es die normalste Sache der Welt. Er steckte Seite um Seite in den Reißwolf, so schnell es ging, während ich Y weiter mit meinen Fragen löcherte.

Irgendwann wurde Y misstrauisch und fragte nach, was denn gerade vernichtet würde, aber da war mein Chef schon fast fertig und konnte die Frage mit einem „Nun nichts mehr, ich hör schon auf zu stören“ beantworten und verließ den Raum, so schnell wie es ging. Ich musste nicht so tun, als ob ich aus dem Konzept geraten wäre, ich war es tatsächlich. Ich stellte meine letzte Frage erneut und dann noch ein paar Fragen, bedankte mich für die Antworten und trabte dann wieder ab.

Wieder in unserem IT-Büro versuchten wir zu verstehen, was da passiert war und auch warum. Es ist uns nicht gelungen. Sicher ist nur, dass ein „falscher“ Printserver auf einmal die Daten bekommen hatte, die für einen ganz anderen Print-Server bestimmt waren.

Nach dem Aktualisieren der Firmware und dem Neustart des Print-Servers ist er in Werkseinstellung, hat also keine feste IP-Adresse sondern muss eine beim DHCP-Server beantragen. Der DHCP-Server kann nun einfach eine IP-Adresse aus seinem Vorrat vergeben und merkt sich dann, an welche MAC-Adresse er die vergeben hat. Oder aber der DHCP-Server hat eine Reservierungsliste, dann sieht er nach, welches Gerät mit der MAC-Adresse IMMER wieder eine bestimmte IP-Adresse bekommen soll. Da MAC-Adressen einmalig sind (oder zumindest sein sollten und auch fast immer sind), konnten wir ausschließen, dass unser Print-Server irrtümlich die IP-Adresse des anderen Print-Servers bekommen hatte. Das war es also nicht.

Jeder Print-Server hat auch einen bestimmten Namen, über den man ihn erreichen kann, so ein Name setzt sich dann aus einem festen Teil, zum Beispiel dem Herstellernamen, und einem gerätespezifischen Teil, also der MAC-Adresse (oder einem Teil davon) zusammen. Dass der unser Print-Server (zufällig) exakt den Namen des anderen Print-Servers bekommen hat, konnten wir auch ausschließen.

Jeder Netzwerker, dem ich diese Geschichte im Laufe der vielen Jahre, die die Geschichte nun her ist, erzählt habe, hatte keine Erklärung, was da passiert sein konnte.

Einig waren sich dann aber alle, dass die Lösung, die mein damaliger Chef vorschlug, immer noch die Beste war:

Wir sind uns doch einig: Es ist niemals passiert…

„Sauberer“ Diesel

Noch immer bewegt das Thema Dieselmotor und die (fehlende) Sauberkeit seiner Abgase die Gemüter. Wenn Autos immer sicherer werden, dann werden sie entweder schwerer, brauchen also mehr Energie, oder aber man setzt statt Stahl andere Materialien ein. Diese sind dann vielleicht leichter als Stahl, bringen dann aber den Nachteil mit, (sehr) viel teurer zu sein. So einfach ist dieser Ausweg nun also auch nicht.

Beim Thema Dieselmotor und Dieselabgas fällt mir eine Geschichte ein, die ein (inzwischen lange verstorbener) Bekannter einst erlebte. Hier seine Geschichte, so gut ich mich noch an sie erinnere:

Ich war Anfang der 1970er Jahre beim Bund, hatte die Grundausbildung gerade hinter mir und war nun Fahrschüler. Die Fahrschulautos waren Lkw vom Typ MAN 630. Solide Technik, liefen nicht nur mit Diesel, wären zur Not auch mit Rasierwasser gelaufen, so erklärten uns die Ausbilder scherzhaft. Die „Emma“, so der Landser-Spitzname für den MAN, war laut, aus dem Auspuff kam eine dunkle Fahne, aber die „Emma“ ließ einen dafür nicht im Stich und verzieh uns Fahrschülern so manch unsanfte Behandlung.

Eines Sommertages waren wie wieder unterwegs, die Emma, ich und der Fahrlehrer. Er hatte seine Dienstzeit fast hinter sich, er würde noch mich und die anderen Fahrschüler durch die Prüfung bringen, dann die Entlassung und ein neues ziviles Leben — wahrscheinlich auch als Fahrlehrer. Wir mussten an einer Ampel halten. Nicht an einer irgendeiner Ampel. An der Ampel. Aus irgendwelchen Gründen hatte sie eine gefühlt unendlich lange Rotphase, die nicht nur die Geduld von uns Fahrschülern strapazierte.

Als erstes Auto stand ich mit der „Emma“ auf der rechten Spur. Kaum hatten wir angehalten, stand auf der rechten Spur ein kleiner weißer Sportflitzer, dazu noch ein Cabrio. Damals machte man noch nicht den Motor aus und wir angehenden Militärkraftfahrer sowieso nicht. War ja nicht unser Sprit. Wir ließen Emmas Diesel einfach im Leerlauf tuckern.

Der Typ im Sportflitzer spielte jedoch die ganze Zeit an seinem Gaspedal. Das nervte. Das nervte nicht nur mich, das nervte auch meinen Fahrlehrer. Plötzlich gab er mir die Anweisung, die Emma drei Meter vorzuziehen und dann scharf links zu lenken. Ich sah ihn fragend an, ob ich wirklich bei der roten Ampel über die Haltelinie fahren sollte…

„Befehl ist Befehl, also Ausführung!“ war seine Antwort. Ich löste die Bremse, zog die Emma vor und schlug das Lenkrad dann scharf links ein. Nun standen wir schräg vor dem Sportflitzer.

„Gang raus und Vollgas!“ rief er mir zu. Ich gab Vollgas. Die Emma röhrte, als wollte sie gleich zum Sprung ansetzen. Aus ihrem Auspuff kam schon eine deutlichere dunklere Abgasfahne.

„Gas weg und Motorbremse!“ brüllte er mir gegen Emmas Röhren zu. Ich ging vom Gas und drückte das Extrapedal, das eine Klappe im Abgasweg schloss, sofort fiel die Drehzahl rapide ab.

„Und Motorbremse weg und wieder Vollgas!“ befahl er. Nun konnte die Emma wieder ausatmen und nahm Gas an. Dabei schoss eine dicke rußige Wolke aus dem Auspuffrohr.

„Und wieder Vollgas und dann wieder Motorbremse, was der Typ kann, das können wir schon lange…“ rief er mir zu. Und ich gab wieder Gas. Und drückte wieder die Motorbremse. Und gab wieder Vollgas. Und jedes mal warf die Emma eine fiese dunkle Wolke raus.

Endlich wurde es grün. „Und nun mit Vollgas anfahren, zeig ihm mal, wie flott eine unbeladene Emma sein kann.“ Ich gab wieder Vollgas, ließ die Kupplung fast springen, die Emma machte nun den Sprung, auf den sie sich die knappe Minute vorbereitet hatte, ich konnte die gerade noch in der Spur halten und wir zischten los.

„Ich glaube, wir verdrücken uns besser da vorne, Abmarsch in das Wohngebiet mit den vielen kleinen Straßen, diesmal aber schön leise…“

Ich bog dann ab und die Emma schlich auf leisen Sohlen durch die Nebenstraßen.

Es war die lustigste Fahrstunde meines Lebens, die Prüfung wenige Tage später hatte ich ohne Fehler bestanden und zum Abschied gab mir mein Fahrlehrer noch ein paar Worte mit auf den Weg:

„Sei immer nett im Leben, besonders zu Deiner Emma…“

Der entscheidende Buchstabe

Man hört ja oft von Menschen, die nicht im Ruhe- sondern eher im Unruhestand sind und sich dann als „rüstigen Rentner“ bezeichnen. Ich glaube, wir alle kennen Menschen, die nun soviel um die Ohren haben, dass wir uns immer fragen, wie sie denn vorher jemals Zeit für einen Job gehabt haben.

Und dann gibt es manchmal auch den „rostigen Rentner“, der sich nicht entscheiden kann, an welche Kappe er sich im Supermarkt anstellen möchte und daher erstmal beide Schlangen aufhält. Nach dem Bezahlen wurde der Einkaufswagen dann zu einem Auto geschoben, das man durchaus als recht sportlich bezeichnen könnte.

Ich hoffe für den Menschen, dass er morgen wieder so flott unterwegs sein möge, wie es auch das Auto sein kann, denn wer will schon rostiger Rentner sein, wenn man auch rüstiger Rentner sein kann …

70 Jahre nach dem Krieg: Die Legende des Siegs von Pearl Harbor

Es ist gut 70 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg endete, im Entwurfsordner dieses Blogs, warteten noch ein paar Anmerkungen zu Details, ich kippe sie jetzt einfach mal in den Ordner mit Veröffentlichungen.

Der Angriff auf Pearl Harbor gilt gemeinhin überragender Erfolg. Die japanischen Streitkräfte haben in Pearl Harbor der US Navy einen gewaltigen Schlag versetzt. Kann man aber auch ganz anders sehen: Die Japaner haben es vermasselt. Wieso sollte man zu so einer Einschätzung kommen, wurden doch immerhin 12 Schiffe zerstört, 9 weitere Schiffe (zum Teil schwer) beschädigt, 164 Flugzeige zerstört, 159 weitere beschädigt. Dazu kommen 2.400 Tote und 1.200 Verletzte. (Diese Zahlen sind nicht absolut, je nach Betrachtung gibt es Schwankungen).

Sieht man sich aber an, was die Angreifer nicht zerstört hatten, sieht das Bild anders aus. Nicht zerstört wurden die Flugzeugträger. Kein einziger. Denn die waren woanders im Einsatz. Das hatte die japanische Aufklärung nicht mitbekommen. Die versenkten großen Schlachtschiffe stammten teilweise noch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und waren technisch nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Stand der Zeit waren Flugzeugträger. Schlachtschiffe, auch wenn sie gewaltige Kanonen haben, können einen Kampf nur auf eine (relativ) kurze Entfernung führen. Was nützt es, großkalibrige Geschosse 40 Kilometer weit auf den Feind abfeuern zu können, wenn man seine Entfernung nicht präzise genug messen kann, um nicht knapp vorbeizuschießen? Ein Flugzeugträger kann seine Flugzeuge den Feind nicht nur suchen lassen, sie können dann auch aus (relativ) kurzer Entfernung angreifen und sehr präzise treffen. Genau das machten die Japaner mit ihrem Angriff vor.

Nicht zerstört wurden die U-Boote, sie sollten im späteren Kriegsverlauf den japanischen Transport von Truppen und Material zwischen den vielen Inseln erheblich einschränken. Nicht zerstört wurden die Werften, mit ihrer Hilfe gelang es, viele der Schiffe zu heben, zu reparieren und wieder einsatzfähig zu machen. Nicht zerstört wurden die Treibstofflager. Sie zu löschen wäre extrem schwierig bis unmöglich gewesen und die unbeschädigten Teile US-Pazifik-Flotte wäre solange fast ohne Treibstoff und somit nicht einsatzfähig gewesen. All das haben die Angreifer nicht zerstört und damit den USA einen sehr baldigen Gegenschlag ermöglicht, bereits nur 6 Monate später führte die Schlacht um Midway zur Wende im Pazifikkrieg.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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