CD-Raubkopierer (Zum Boykottaufruf des CCC)

Daß die Musikindustrie in der Krise steht, ist allgemein bekannt. Die Zahlen der verkauften Tonträger sinken. Da gleichzeitig die Zahl der verkauften CD-Rohlinge steigt, waren die Schuldigen schnell erkannt: Schwarzbrenner und Menschen, die Musik aus dem Internet ziehen sollen die Schuldigen sein.

Wirklich?

Als skeptischer Mensch mißtraue ich monokausalen Erklärungen. Sooo einfach, daß sich alles auf der Welt immer nur auf genau eine Ursache zurückführen ließe, ist die Welt nicht. Auch wenn es die Musik-Manager gerne so hätten.

Ich habe zwei gute und informative Links zum Thema gefunden:

Dabei hat die Industrie das Kopieren von Musik selbst angepriesen: Ich erinnere mich noch an einen Werbespot für einen Mini-Disk-Recorder, der mit dem Slogan

Jede Kopie (ist) ein Original

beworben wurde. Erst verschläft die Industrie den Trend, dann ruft sie die Geister, die man nun nicht mehr loswird und nun zu kriminalisieren und zu bekämpfen versucht.

Dabei wäre eine Lösung so einfach: Auf jede CD-Hülle kommt eine Info, wohin man „spenden“ kann/sollte, wenn man sich den Inhalt der CD „besorgt“ hat. Und zusätzlich kommt noch ein Track auf die CD, in dem diese Infos auch gegeben werden. Brauchbare Systeme für MicroPayment sind auf dem Markt.

Ich bin sicher, wer sich eine CD aus dem Netz gezogen hat und sich mit einer „Ablaßzahlung“ die Qual des Raubkopierens von der Seele laden kann, wird das auch tun. Ich erinnere mich an eine (Schall-)Platte von Trio, auf deren Plattenhülle eine Bankverbindung angegeben war. Nur so aus Jux. Da ging tatsächlich Geld ein. Und das war in den frühen 80er Jahren. Also lange (fast 20 Jahre) vor dem Siegeszug von CD, CD-Brennern, MP3, Internet-Tauschbörsen und breitbandigen Internetzugängen. Es geht also.

Sonstige Gründe, warum es der Musik-Industrie so schlecht geht, liegen auf der Hand. Gleichklingendes Pop-Gedudel auf fast allen Sendern, Bands, die gecastet wurden und deren Mitglieder so authentisch sind wie Süßstoff, CDs, die sich wegen Kopierschutz nicht mehr überall abspielen lassen, Lieder werden gecovert (also von früher „geklaut“) und gecovert. Warum sollte der Verbraucher dafür zahlen? Warum sollte er dafür bezahlen wollen?

In meiner Jugendzeit, in den späten 70er bis frühe 80er Jahren, habe ich viele Schallplatten gekauft. Die kosteten damals zehn bis 20 DM. Und enthielten oftmals tolle Musik, die ich heute immer noch gerne höre. Heute kostst eine CD knappe 20 Euro und enthält oftmals außer ein oder zwei guten Titeln nur Schrott.

Die Krise ist also hausgemacht. Wie sagte Dirk Bach, Moderator der diesjährigen Echo-Verleitung den Bossen der Musik-Industrie so schön:

Und ihr wundert euch, dass es euch schlecht geht?

(Nachzulesen bei Spiegel Online)

2 Kommentare zu „CD-Raubkopierer (Zum Boykottaufruf des CCC)“

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About Nik

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