Das kleine Fernsehspiel: „Big Brother“ will wachsen

Heute lese ich bei Spiegel Online, daß das „Big Brother“-Konzept ausgeweitet werden solle, es soll eine ganze Stadt überwacht werden. Dort sollen Menschen für immer bleiben und so tun, als sei alles ganz normal.

Ich wette, irgendein Medien-Heini hält das für den ganz großen Wurf. Dabei ist das Konzept doch uralt: Der Fernseh-Produzent „Ministerium für Staatssicherheit“ hatte damals in einem großen Feldversuch sogar einen ganzen „Staat“ mit 18 Millionen „Teilnehmern“ aufgebaut. Egal, wo die Teilnehmer waren und was sie machten, dank „Horch & Guck“ war man auf dem Laufenden.

Vieles war dort wie beim schlechten Abklatsch „Big Brother“: Allerdings hießen die Teams nicht „Survivor“, „Normal“ oder „Luxus“ sondern „Werktätiger“, „SED-Mitglied“ oder „Politbüro“. Auch war das Spiel auf eine längere Spieldauer angelegt, statt lustige Wochenaufgaben gab es 5 Jahrespläne, die immer zu mindestens 105 Prozent erfüllt wurden.

Trotz perfekter Technik und immensen Einsatzes eifrigster (mehr oder weniger offizieller) „Mitspieler“ ist der Regie verborgen geblieben, daß sich viele Mitspieler das Spiel irgendwie lustiger vorgestellt hatten und am liebsten die Spielregeln geändert hätten oder überhaupt nicht mehr mitspielen wollten.

Einige wenige haben sogar versucht, das Spielfeld auf eigene Faust zu verlassen. Wer dabei von der Regie erwischt wurde, durfte in Bautzen Bonuspunkte sammeln. Bei besonders grobem Regelverstoß wurden einzelne Spieler auch schon mal vom weiteren Spielverlauf ausgeschlossen. Endgültig.

Nachdem immer mehr Menschen murrten hat irgendwann ein Regie-Assistent einen kleinen, aber bedeutungsvollen, Fehler gemacht. Die Ausgänge des Spielfeldes wurden nun nicht mehr bewacht und die Spieler konnten das Spielfeld verlassen, so wurde dem Spiel die Grundlage entzogen.

Trotz rapide sinkender Quoten wurde das Projekt noch eine kurze Zeit lang fortgesetzt, dann wurde die Programmstruktur geändert. Aus dem ehemaligen Spielfeld wurden blühende Landschaften, aber das ist eine andere Geschichte…

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