Archiv für März 2004

CD-Raubkopierer (Zum Boykottaufruf des CCC)

Daß die Musikindustrie in der Krise steht, ist allgemein bekannt. Die Zahlen der verkauften Tonträger sinken. Da gleichzeitig die Zahl der verkauften CD-Rohlinge steigt, waren die Schuldigen schnell erkannt: Schwarzbrenner und Menschen, die Musik aus dem Internet ziehen sollen die Schuldigen sein.

Wirklich?

Als skeptischer Mensch mißtraue ich monokausalen Erklärungen. Sooo einfach, daß sich alles auf der Welt immer nur auf genau eine Ursache zurückführen ließe, ist die Welt nicht. Auch wenn es die Musik-Manager gerne so hätten.

Ich habe zwei gute und informative Links zum Thema gefunden:

Dabei hat die Industrie das Kopieren von Musik selbst angepriesen: Ich erinnere mich noch an einen Werbespot für einen Mini-Disk-Recorder, der mit dem Slogan

Jede Kopie (ist) ein Original

beworben wurde. Erst verschläft die Industrie den Trend, dann ruft sie die Geister, die man nun nicht mehr loswird und nun zu kriminalisieren und zu bekämpfen versucht.

Dabei wäre eine Lösung so einfach: Auf jede CD-Hülle kommt eine Info, wohin man „spenden“ kann/sollte, wenn man sich den Inhalt der CD „besorgt“ hat. Und zusätzlich kommt noch ein Track auf die CD, in dem diese Infos auch gegeben werden. Brauchbare Systeme für MicroPayment sind auf dem Markt.

Ich bin sicher, wer sich eine CD aus dem Netz gezogen hat und sich mit einer „Ablaßzahlung“ die Qual des Raubkopierens von der Seele laden kann, wird das auch tun. Ich erinnere mich an eine (Schall-)Platte von Trio, auf deren Plattenhülle eine Bankverbindung angegeben war. Nur so aus Jux. Da ging tatsächlich Geld ein. Und das war in den frühen 80er Jahren. Also lange (fast 20 Jahre) vor dem Siegeszug von CD, CD-Brennern, MP3, Internet-Tauschbörsen und breitbandigen Internetzugängen. Es geht also.

Sonstige Gründe, warum es der Musik-Industrie so schlecht geht, liegen auf der Hand. Gleichklingendes Pop-Gedudel auf fast allen Sendern, Bands, die gecastet wurden und deren Mitglieder so authentisch sind wie Süßstoff, CDs, die sich wegen Kopierschutz nicht mehr überall abspielen lassen, Lieder werden gecovert (also von früher „geklaut“) und gecovert. Warum sollte der Verbraucher dafür zahlen? Warum sollte er dafür bezahlen wollen?

In meiner Jugendzeit, in den späten 70er bis frühe 80er Jahren, habe ich viele Schallplatten gekauft. Die kosteten damals zehn bis 20 DM. Und enthielten oftmals tolle Musik, die ich heute immer noch gerne höre. Heute kostst eine CD knappe 20 Euro und enthält oftmals außer ein oder zwei guten Titeln nur Schrott.

Die Krise ist also hausgemacht. Wie sagte Dirk Bach, Moderator der diesjährigen Echo-Verleitung den Bossen der Musik-Industrie so schön:

Und ihr wundert euch, dass es euch schlecht geht?

(Nachzulesen bei Spiegel Online)

Mehr Arbeit durch Mehrarbeit?

In Bayern gehen die Uhren bekanntlich anders. Nun lese ich bei Spiegel Online, daß der Freistaat Bayern seine Staatsdiener ab September 2004 länger arbeiten lassen will. Mehr Geld für längere Arbeitszeiten gibt es freilich nicht. Begründet wurde diese Maßnahme, weil der Staat sparen müsse und bei seinen Bediensteten keine Ausnahme machen dürfe.

Eine Erhöhung der Anwesenheitszeit von 40 auf 42 Wochenstunden entspricht einer Erhöhung um 5%. Wird die geleistete Arbeit um 5% ansteigen? Glaubt irgendjemand, daß nun alles besser werden würde? Daß nun mehr gearbeitet würde? Daß mehr erledigt würde?

Ich glaube das nicht. Warum? Für mich liegen die Gründe auf der Hand:

Staatsdiener, ob nun beamtet oder nicht, neigen zu einer gewissen Trägheit. Nicht, weil die Menschen von sich aus dumm, faul oder träge seien sondern weil das System Trägheit nicht bestraft bzw. manchmal fast schon belohnt. Staatsdiener haben sich oftmals ein Verhalten angewöhnt, auf die Rahmenbedingungen so geschickt zu reagieren, daß Anordnungen formal befolgt, faktisch jedoch ausgehebelt werden. Alles genau nach Vorschrift. Also ist auch niemand zu belangen. So ist das System. Dahin hat es sich entwickelt. Und keine Regierung hat daran etwas ändern wollen und das auch tatsächlich getan.

Ab jetzt wird niemand mehr unbezahlte Überstunden machen sondern noch penibler als sonst dafür sorgen, daß ja nicht zuviel Anwesenheit am Arbeitsplatz erfolgt. Ich formulierte es bewußt als „Anwesenheit am Arbeitsplatz“, denn auf die tatsächliche geleistete Arbeit das das zunächst keinen Einfluß.

Ich bin sicher, nun wird man sich mal öfter einen Trag frei machen, in dem man „krank“ sein wird. Mit einem Tag „Krankheit „mehr pro Monat (vier Wochen) wird die neue Regelung völlig ausgehebelt. Oder man ist zwar „auf dem Amt“, aber macht eben mehr Pausen oder hält Besprechungen, in denen hauptsächlich geklönt wird.

Wer wirklich will, daß der Staat mehr erledigt und nicht nur mehr arbeitet, der sehe sich an, wie kompliziert Finanz- oder Verwaltungsvorschriften geworden sind. Experten schätzen, daß drei Viertel aller Vorschriften unnütz, unnötig, zu kompliziert, rechtlich bedenklich oder schlicht falsch seien. Manche Experten gehen weiter und schätzen, daß es sogar 90% seien.

Also, doktern wir nicht an den Symptomen herum, greifen wir das Problem an der Wurzel an. Weg mit vielen blöden Vorschriften. Dann reicht es locker aus, wenn Staatsdiener 35 Stunden pro Woche arbeiten.

Summertime and the livin‘ is easy…

„Die Sommerzeit wurde eingeführt, um das Tageslicht besser auszunutzen“ so die Stimme heute nacht im Radio.

Das mag ja alles sein, aber zumindest heute wurde es nicht wirklich hell draußen. Oder habe ich meine Augen nur nicht richtig aufbekommen?

Mal sehen, wie morgen das Wetter werden wird.

Ich freue mich jedenfalls auf den Sommer.

In eigener Sache

Heute lese ich bei Spiegel Online Zitate von mir. Irgendwie freut einen sowas ja doch…

Der nächste Zug nach Stockelsdorf

Irgendwann in den 30er Jahren bekam mein Opa dienstlichen Besuch. Opa betrieb damals eine Apotheke in Stockelsdorf, einem kleinen Dorf, das direkt an Lübeck grenzte. Der Besuch kam abends mit der Eisenbahn in Lübeck an und fragte den Auskunftsbeamten: „Wann geht der nächste Zug nach Stockelsdorf?“ Damals gab es noch einen Bahnhof in Stockelsdorf. „Der nächste Zug geht morgen früh um…“ antwortete der Beamte. Daraufhin nahm sich der Besucher ein Zimmer in einem Hotel direkt am Bahnhof und übernachtete dort.

Am nächsten morgen bestieg der Besucher den Zug Richtung Stockelsdorf und stellte fest, daß sein Ziel schon die erste Station war. Der Bahnhof von Stockelsdorf lag am ganz anderen Ende des Dorf. So machte sich der Besucher zu Fuß auf den Weg.

Bei Opas Apotheke angekommen staunte der Besucher nicht schlecht, als er die Endhaltestelle der Straßenbahn in Steinwurfweite erblickte. Noch erstaunter war er, als er erfuhr, daß die Straßenbahn bis in den späten Abend fuhr. Er hätte sich also eine Übernachtung im Bahnhofshotel und einen weiten Fußmarsch ersparen können.

Was sagt uns das?
Falsche Fragen bringen vielleicht korrekte Antworten, aber keine Lösungen.

Die Kunst besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen.

Wort des Tages

Eben las ich:

Benutze Deinen Geist wie einen Fallschirm:
Nur wenn er sich zur rechten Zeit öffnen kann, wird er dir von Nutzen sein.

Schöner Satz. Deshalb mein Wort des Tages.

Amerikaner, ein seltsames Völkchen

Ich staune über die Blüten, die Prüderie manchmal treibt. Den Skandal um „Nipplegate“ hatte ich bereits hier kommentiert.

Heute lese ich bei Spiegel Online, daß die Galionsfigur (Spiegel schreibt „Gallionsfigur“) eines Segelschiffes in Jacksonville, Florida, amerikanische Schüler verschrecke. Genauergesagt, die nackte Brust eben jener Figur. Die Seeleute des niederländischen Segelschiffes reagierten darauf mit einem Kopfschütteln.

Ich frage mich, wann die Abbildungen nackter Menschen aus den Biologiebüchern verschwinden wird. Schließlich könnte der Anblick von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen auch für Verunsicherung sorgen.

Wie soll da ein unbefangener Umgang mit (eigener und fremder) Sexualität erlernt werden?

Gelesen: Franz Fühman „Das Judenauto“ + „Reichenberger Turnhalle“

Als Schüler hatte ich mal von Franz Fühmann „Das Judenauto“ und „Die Verteidigung der Reichenberger Turnhalle“ gelesen (ISBN 3-15-009858-0).

Der Autor beschreibt in seinen Erzählungen die wohl immer gleichen Mechanismen, mit denen Haß auf religiös oder staatlich Andere geschürt wird. Erschreckend ist, daß diese Mechanismen heute noch genauso funktionieren. Ein Bißchen Propaganga hier, ein paar manipulierte oder erfundene „Beweise“ und schon zaubert man sich seinen „Feind“ je nach Belieben und rechtfertigt damit alles, was man gerne hätte.

In der „Verteidigung der Reichenberger Turnhalle“ wird eine künstliche Angst vor einem Überfall auf die deutschstämmige Minderheit im Tschechien der späten 30er Jahre aufgebaut. Immer sicherer werden sich die Protagonisten, daß ein schrecklicher Angriff bevorstehe, immer sicherer war man sich, wie schwer die Gegenseite bewaffnet sei und wie nahe der Angriff doch sei. Der Angriff sollte nie stattfinden, auch wenn die Medien etwas anderes berichteten.

Kommt uns das irgendwie aus der jüngeren Vergangenheit bekannt vor? Der Irak habe Massenvernichtungswaffen, man wisse ganz genau, wo sie versteckt seien und daß diese Waffen binnen weniger Minuten Europa angreifen können, so wollte man uns weismachen.

Wenn ich weiß, wo etwas „versteckt“ ist, dann ist es kein Versteck mehr, und ich kann es sehr einfach finden. Die UN-Inspektoren haben im Irak so ziemlich jeden Stein umgedreht und konnten nichts finden. Seltsam.

Die „Reichenberger Turnhalle“ ist eben überall.

Leider.

Wort des Tages

Zwei Menschen in meiner Hörweite unterhielten sich über die jüngsten Zwischenfälle in Nahost, nachzulesen bei Spiegel Online.

Einer sagte zum anderen:

Israel wird von dieser Aktion gewaltig profitieren.

Ich befürchte, von einem Frieden in Nahost ist die Welt nun weiter entfernt als je. Ich frage mich, wie es einen Frieden geben soll, wenn beide Seiten den Konflikt mit viel Gewalt immer wieder anheizen.

Und ich frage mich, wer vom Konflikt profitiert und ein Interesse hat, daß der Konflikt dauert und dauert und dauert.

Auf Wiedersehen… an der nächsten Ampel

Heute fuhr ich mit meinem kleinen Auto auf der Bundesstraße. Wo Tempo 100 erlaubt ist, fahre ich auch nur 100. Schließlich kannte ich mich dort nicht so genau aus. Also lieber langsam und vorsichtig, ohne jedoch zu trödeln.

Auf einer langen Gerade, die gut einsehbar und frei von Gegenverkehr war, wurde ich mehrmals überholt. Ich gehe dann leicht vom Gas, damit der Überholvorgang für alle Beteiligten schnell vorbei ist. Ich denke, das ist verständlich.

Unverständlich fand ich heute allerdings so manches Überholmanöver, ausgeführt in Sichtweite einer rotem Ampel. Was bringt es jemandem, vor mir an der roten Ampel zu stehen? Ich weiß es nicht.

So richtig verwundert war ich dann, als derjenige dann noch an der Ampel abbiegen wollte und dafür so lange brauchte, daß ich längst weiter war.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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