Archiv für März 2004

Freiheit – der Entscheidung

Freiheit ist auch immer die Freiheit der Entscheidung. Und Entscheiden bedeutet manchmal auch verzichten.

Unlängst unterhielten sich Freundinnen über die Ungerechtigkeiten des Lebens im Allgemeinen und im Speziellen über die Ungerechtigkeiten am eigenen gemeinsamen Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber, genauer, der Dienstherr, schaffe ja unmögliche Arbeitsbedingungen, aus den Büromöbeln käme Formaldehyd, die Laserdrucker im Büro vergifteten die Raumluft und so weiter. Kurz gesagt, die beiden zogen so richtig vom Leder, wie man auf gut deutsch sagt.

Ich kenne die dortigen Zustände nicht, kann den speziellen Fall also nicht beurteilen.

Wie gesagt: Freiheit ist auch immer die Freiheit der Entscheidung. Und Entscheiden bedeutet manchmal auch verzichten. Sollte mir angebotenes Essen nicht schmecken, so esse ich etwas anderes oder bleibe mal hungrig. Ewiges Gejammer bringt wohl niemanden weiter.

Es wäre den beiden ein Leichtes, den angeblichen unmenschlichen Zuständen mit der eigenen Kündigung zu entgehen. Beamten müssen nicht bis zum Tode dienen, auch sie können kündigen. Aber das wollen die beiden anscheinend nicht.

Die Sicherheit des unkündbaren Arbeitsplatzes und der Pensionsanspruch scheint die angeblich unerträglichen Zustände doch irgendwie erträglich zu machen. Wasch mich, aber mach mich nicht naß? Ich findes dieses Gejammer unpassend, Millionen von Arbeitslosen können ihr Schicksal nicht so einfach mit einem Schreiben ändern.

Ansonsten war der Abend mit den beiden sehr nett. Ich freue mich schon auf den nächsten Abend…

Wort des Tages

Heute befand ich mich mit einer Freundin in einem Erlebnisbad. Aus Unkenntnis der dortigen örtlichen Gegebenheiten bekamen wir Spinde im Sammel-Umkleidebereich für Jungs. Das fiel uns zunächst nicht auf, denn wir hatten den großen Raum für uns alleine. Einige Stunden später wollten wir das Bad verlassen und uns umziehen. Der Umkleideraum war voll kleiner Jungs, beim Anblick meiner Begleiterin gerieten sie fast in Panik. Sie zog es vor, sich eine andere Umkleide zu suchen. Während die Jungs kreischten und tobten, blieb ich im Raum und zog mich dabei um. Alles, was von weiblichen Wesen auch nur angefaßt wurde, mieden sie wie die sprichwörtliche Pest, einige betraten nicht mal den Fußboden und standen beim Umziehen auf den Sitzbänken.

Daher mache ich den Ausdruck

Mädchenpest

zu meinem heutigen Wort des Tages, denn das fürchteten die Jungs lautstark und mehr als alles andere auf der Welt.

„Florida-Rolf“ oder „Zur Ablenkung mal die Sau durch’s Dorf treiben“

Erinnert sich noch jemand, an den Füller des Sommerlochs?

Genau. Rolf John, genannt „Florida-Rolf“, irgend so eine arme Sau, die unter fremder Sonne sitzt und es sich auf Kosten der Allgemeinheit gut gehen läßt. Kostet den Staat jeden Monat rund 1.600 Dollar. Nun will er zurück nach Deutschland und dort Rente beantragen. Was für ein Skandal.

Wirklich?

Das Mautsystem kostet uns jeden Monat viele Millionen? Weit über 100 Millionen. Jeden Monat.

Jeden Monat gehen dem Fiskus viel Geld verloren, weil das Steuersystem unübersichtlich ist und nicht wirklich kontrolliert werden kann. Unternehmensprüfungen finden viel zu selten statt, wie mir befreundete Finanzbamten glaubhaft versichern können.

Durch Fehlplanungen und Ineffizienz verschwendet der Staat jeden vierten Euro.

So, nun halten wir alle kurz mal inne und überlegen uns, ob wir uns an der kollektiven Hatz beteiligen oder ob wir die wirklichen Probleme des Landes angehen wollen.

Rabattsysteme vs. Datenschutz

Dinge ändern sich im Laufe der Zeit. Damit können sich manchmal auch die Einstellungen zu Dingen ändern.

Früher gab es Rabattmarken, die der treue Käufer fleißig in ein Rabattheftchen einklebte und sich irgendwann über einen Bonus freuen konnte.

Heute sind die Dinge anders: Ein Blick in die Geldbörse erzählt fast unser ganzes Leben. Wo sind wir krankenversichert, wer ist die eigene Bank und viele Kunden-Karten verraten, wo wir regelmäßig einkaufen.

Daß unsere Krankenkasse und Bank fast alles über uns wissen ist wohl unvermeidlich. Aber warum verraten wir freiwillig allen möglichen Kaufhaus-Ketten unsere Konsumgewohnheiten? Wissen wir wirklich, was mal aus diesen Daten werden wird? Bekommen wir nach vielen Jahren ein „Payback“ (auf deutsch „die Rückzahlung“) dafür, daß wir einst Rindfleisch kauften, als jedem hätte klarsein können, wie gefährlich das war? Wird unsere Krankenkasse uns daraufhin die Leistung verweigern, weil wir uns vor vielen Jahren mal „leichtsinnig“ verhalten haben? Wer weiß.

Und was wird das System über mich denken? Vor Jahren hatte mein Supermarkt ein Bonus-Programm, das für jede DM Einkauf einen Punkt gutschrieb und bei erreichten 2.000 Punkten gab es einen Warengutschein über 20,- DM. So erlaubte ich „Herrn Magnet“ einen tiefen Einblick in meine Einkaufsgewohnheiten.

Eines Tages hatte ich mehrere Skandinavier direkt vor mir an der Kassenschlange. Ihr Einkauf bestand aus zwei Einkaufswagen voller Schnapsflaschen. Da man nicht per Kreditkarte bezahlen konnte, mußte einer der Männer kurz zum Geldomaten sprinten, Bargeld holen und hielt dadurch alle Kunden in der Schlange hinter sich auf. Da die Männer keine eigene Bonus-Karte hatten, bat ich die Kassiererin, meine Bonus-Karte durchzuziehen und erreichte so mit einem Einkauf etwas über zweitausend Punkte, nur in Spirituosen.

Also, liebe Datensammler, ich schwöre, ich habe den Alkohol weder selbst gekauft, noch getrunken, ich war nur scharf auf die Rabatt-Punkte.

Wort des Tages

Heute lese ich

Jährlich kommen hunderte Männer nicht vom Zigarettenholen zurück. Wann schicken sie ihren?

und mache es zu meinem Wort des Tages.

Ich hab übrigens nie geraucht. Nicht eine Zigarette, nicht einen Zug…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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