Archiv für 2004
Perfekt
Eben wurde aus einem Telefonat eine spontane Einladung zu einem Mittagessen. Eine gute Freundin – ihre Kochkünste sind legendär – hatte Hühnchen auf indische Art und Weise zubereitet und reichliche Mengen gekocht. Kurze Zeit saß ich in ihrer Küche. Sie ist wirklich die perfekte Gastgeberin, der Tisch war sehr schön gedeckt, das Essen lecker, die Konversation kurzweilig und interessant.
Danke… und ich freue mich auf das nächste mal!
Gefahr von Rechts! Gefahr von Rechts?
Nach den Erfolgen rechter Parteien bei den letzten Landtagswahlen mehren sich warnende Stimmen, die eine neue Gefahr von Rechts sehen.
Wir erinnern uns: Jahrelang haben sich die großen etablierten Parteien offenbar mehr mit sich selbst oder dem politischen Gegner beschäftigt als die wirklichen Probleme Deutschlands (Arbeitslosigkeit, Umbau von Wirtschafts- und Sozialsystemen usw.) zu lösen. Das ist beim Wähler angekommen.
Wir erinnern uns weiter: Der Verfassungsschutz hat die NPD-Führung unterwandert und der Staat betrieb dann die Auflösung einer Partei, die er quasi selbst mit steuerte. Das roch nicht nur etwas komisch, das stank gewaltig. Auch das ist beim Wähler angekommen.
Und nun wundern sich Politiker, daß Menschen bei Wahlen ihr Kreuz mal bei Protest-Parteien machen?
Immer wieder schossen Parteien wie Pilze aus dem Boden uns errangen beachtliche Anfangserfolge. In Hamburg war es mal sie Statt-Partei, dann die sogenannte „Schill-Partei, in anderen Landtagen saßen auch immer wieder rechte Gruppierungen. Eines hatten sie alle gemeinsam, solide politische Arbeit haben sie alle nicht geleistet. Und nach einer Legislaturperiode war der Spuk wieder vorbei und die Büroräume wieder leer. Manchmal fehlte sogar das Mobiliar. Auch daran erinnern wir uns.
Warum wählen Menschen dann also solche Parteien? Weil etablierte Parteien nicht offen und ehrlich erklären, wie die Lage ist und was man tun muß, damit es besser wird? Weil etablierte Parteien in vielen Punkten schlicht versagen? Weil das Steuersystem seit vielen Jahren immer komplizierter und damit ungerechter wird? Es ist einfach, „das Volk für das schlechte Abschneiden der eigenen Partei verantwortlich zu machen. Wer hat schon die Größe und den Mut zuzugeben, daß die eigene Politik offenbar ziemlicher Mist war?
Wunderschön war die Aktion eines Fernsehsenders, der die Kandidaten der Rechtsparteien am Wahltag spontan aufsuchte und ihnen banale Fragen stellte. „Wieviel Einwohner hat ihr Bundesland?, „Wieviele Bundesländer gibt es? oder „Wie lautet Artikel 1 des Grundgesetzes? waren darunter. Die gegebenen Antworten waren alle falsch. Herrlich entlarvend!
Also, liebe Journalisten und Politiker, denkt dran: Wenn ein Schiff untergeht, dann haben Kapitän und Offiziere fast immer versagt. Mit dem Dampfer gehen aber alle unter, die schlechtesten Chancen haben die braven und tapferen Seeleute, die weit unter Deck arbeiteten. Oder ganz platt ausgedrückt: Der Fisch stinkt immer vom Kopf her!
Gedanken zu… Kopfsteuern und Kopfpauschalen
In letzter Zeit geistern wieder altbekannte Konzepte als mögliche neue Lösungen durch die politische Diskussion. Aktuell wird eine Kopfpauschale für die Krankenversicherung als gerechte und einfache Lösung versprochen.
Doch ist eine solche Pauschale wirklich so einfach und gerecht, wie uns manche Politiker das glauben machen wollen?
Zunächst klingt eine solche Idee ja sehr verführerisch, denn alle zahlen einen Satz. So einfach! Wirklich alle? Nein, denn Bezieher kleiner Einkommen werden selbst diese Pauschale nicht aufbringen können, also muß hier eine Ausnahme her. Und schon wird das Modell wieder etwas komplizierter.
Gut, lassen wir diese Gruppe mal außer acht und sehen nun genauer hin. (Fast) alle zahlen nun den gleichen Betrag. Ist doch eine gute Idee, oder?
In der Realität haben Menschen stark unterschiedliche Einkommen, Pauschalen ergäben also unterschiedlich hohe Prozentsätze für die Krankenversicherung. Durch die Diskussion geisterte auch die Zahl 180 Euro pro Kopf und pro Monat. Ob diese Zahl nun stimmt oder nicht, ist für die weitere Betrachtung zunächst egal, es geht um das Prinzip.
Je höher das Einkommen, desto geringer ist der Anteil des Einkommens, der für die Kopfpauschale aufgewendet werden müßte. Wer sich noch an den Mathematik-Unterricht erinnert, es handelt sich um eine Funktion des Typs „1/x. Bei kleinen Werten für X kommt ein hoher Wert heraus, je höher das X, desto kleiner der (Prozent)Wert, den diese Funktion darstellt.
Ist das nun gerecht? Hier kommen wir nun zur entscheidenden Frage, die wir für uns selbst beantworten müssen. Was ist (soziale) Gerechtigkeit? Und wie weit verstehen wir Solidarität als Eckpfeiler unserer Gesellschaft?
Früher galt als selbstverständlich, daß die Starken den Schwachen oder die Hilfsfähigen den Hilfsbedürftigen helfen. Dieses Prinzip findet sich in vielen Gesetzten oder Verordnungen wieder. Jedermann ist zur Nothilfe verpflichtet, unterlassene Hilfeleistung kann sogar bestraft werden.
Bei den Sozialsystemen galt bislang grundsätzlich, daß die Höhe der Beiträge prozentual am Einkommen festgemacht wurde. Steigende Einkommen bedeuteten auch steigende Beiträge. Ab einem gewissen Einkommen stieg der Beitrag nicht mehr mit dem Einkommen, er blieb bei diesem Maximum. (Fachleute nennen das „Beitragsbemessungsgrenze oder so. Ich bin kein Fachmann.) Wer also viel oder sehr viel verdiente zahlte relativ(!) immer weniger. Für die Gruppe der Beamten gelten Sonderregeln, sie müssen sich privat versichern. Wer ausreichend viel verdient, der kann die Solidargemeinschaft verlassen und sich ebenfalls privat versichern.
Nun kann man sich fragen, warum Krankenversicherung überhaupt nach dem Prinzip einer Solidargemeinschaft organisiert werden muß. Warum sollen manche Menschen für die gleiche Leistung mehr bezahlen müssen als andere? Das berühmte Pfund Butter kostet im Supermarkt doch auch für alle den gleichen Preis, unabhängig vom Einkommen. Die Behandlung eines gebrochenen Beines wird auch nicht teurer, nur weil jemand kein armer Schlucker sondern Milliardär ist.
Je nach persönlichem Einkommen oder politischer Einstellung wird an dieser Stelle gerne der Vorwurf des „typisch deutschen Neides erhoben.
Doch ist es wirklich nur Neid, der Kritiker von Kopfpauschalen bewegt? Schließlich zahlen wir auch keine Kopfsteuern sondern (mehr oder weniger) einkommensabhängige Steuern. Bezieher hoher Einkommen sollten vielleicht nicht immer gleich die „Ihr seid ja nur alle neidisch auf meinen Erfolg-Keule schwingen sondern sich überlegen, daß Solidarität etwas sehr schönes sein kann. Eigentlich. Auch wenn sie langsam aus der Mode zu kommen scheint. Was ich sehr schade finde.
Telefon-SPAM
SPAM, die nervigen, unerwünschten E-Mails haben wir alle hassen gelernt. SPAM hat dafür gesorgt, daß E-Mail als Medium fast schon unbrauchbar geworden ist. Wir müssen aufpassen, daß unsere Postfächer nicht überlaufen und daß wir Wichtiges nicht in der Masse des Unerwünschten übersehen.
Nun setzt sich SPAM auch auf das Medium Telefonie fort: In den letzten Tagen bekam ich meherer Anrufe, bei denen eine erkennbar maschinelle Frauenstimme mir zum Gewinn bei irgendwelchen Spielen gratuliert. Gewinnspiele, bei denen ich natürlich niemals teilgenommen habe.
Genau wie wir uns an SPAM-Filter für E-Mails gewöhnen müssen, werden wir wohl nun geheime Telefonnummern an guter Freunde verteilen. Sollen die Telefon-SPAMmer dann doch auf unerreichbaren Nummern anrufen, bis sie verschimmeln.
Trotzdem wäre eine SPAM-freie Welt schöner. Aber das ist wohl Vergangenheit
So mag ich Frauen
Mit diesem Artikel bekenne ich mich als hemmungsloser Chauvi, weiterlesen auf eigene Gefahr!
In letzter Zeit bekomme ich häufiger Besuch vom Ruthkäppchen. Sie bringt Zutaten für’s Kochen mit, wäscht ab, kocht und anschließend gibt es meistens einen leckeren Nachtisch.
Ich gebe zu, so mag ich Frauen…
Was bringt mir das Ruthkäppchen morgen zu essen?
Danke Anke!
Wie bei Spiegel Online nachzulesen ist, wird Sat.1 die spätabendliche Fernsehsendung mit Anke Engelke zum 21. Oktober absetzen.
Noch vor dem Start der Sendung hatte Rudi Carell, Urgestein und Kenner der deutschen Ferhnsehunterhaltung, prophezeit, daß “Anke” keinen Erfolg haben werde. Er war sich dermaßen sicher, daß er eine Wette um immerhin 10.000 Euro anbot. Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski setzte dagegen und erhöhte auf 20.000 Euro. Später wurde die Wette dann zurückgezogen, weil sich die Medien mehr für Carells Einschätzung interessierten als für Engelkes Sendung und das Ganze eine Eigendynamik bekam, die Carell so nicht wollte und aus Gründen der Fairness auch nicht wollen konnte.
Nun sind etliche Folgen von “Anke” über den Sender gegangen und es hat sich gezeigt, daß Anke enorm verwandlungsfähig ist und in ihren Sketchen auch sehr komisch sein kann, aber das wußten wir alle vorher. Die “Late Night” ist nicht ihr Metier, erst recht nicht, wenn man sie am Vorgänger Harald Schmidt mißt. Schnell wurde deutlich, daß die Schuhe “eine Nummer zu groß” für sie waren, wenn es denn nur eine Nummer war. Trotzdem bescherte sie ihrem Publikum unterhaltsame Momente, wenn auch ihrem Sender nicht genug Quote.
Danke Anke, daß Du’s trotzdem versucht hast und Dich dem Druck ausgesetzt hast. Altmeister “Dirty Harry” war in Deinem Alter auch noch nicht lange so erfolgreich wie zum Schluß. Und an der “Late Night” haben sich bereits Fuchsberger, Gottschalk und Koschwitz versucht und niemand war so erfolgreich wie Schmidt.
Kaufen, Marsch, Marsch!
Manche Werbeslogans kommen beim Adressaten besser an, als zunächst vermutet. Mit “Kaufen, Marsch, Marsch” fordert der Media-Markt Menschen auf, zu Konsumenten zu werden. Soweit, so gut.
Am Wochenende war ich “Einkaufsbegleitschutz” für zwei Senioren. Fernseher und Stereoanlage waren alt und hatten entweder so ihre Problemchen oder waren schon ganz kaputt. So trennten sich die beiden von den Altlasten und gingen auf große Shopping-Tour. Ich als Lotse dabei.
Und so kauften wir jede Menge Spielzeug, daß ich später auspacken, anschließen und in Betrieb nehmen durfte. Die erste Modell-Eisenbahn auf dem weihnachtlichen Gabentisch war wirklich nichts dagegen. Die beiden Senioren haben einen dicken Stapel Bedienungsanleitungen, mit denen sich über die nun kommenden langen Herbst- und Winterabende “retten” können.
Für den Einkaufsberater fiel auch ein kleines Spielzeug ab, endlich habe ich einen USB-Stick, mit dem ich nun meine Daten umhertragen kann. Die Zeit von Disketten als Träger von Daten geht wirklich zu ende…
Gelber Strom
Unlängst begegnete mir Werbung für Strom. Nicht irgendein Strom, der einfach aus der Steckdose kommt. Nein, es ist gelber Strom. Gelber Strom? Hat Strom überhaupt eine Farbe? Schenkt man dem Anbieter Yellostrom glauben, dann ist sein Strom eben gelb. Und angeblich auch sooo günstig, daß es nichts ausmache, wenn man davon etwas mehr verbrauche, so suggeriert es deren Werbung.
Irgendwo in den Tiefen des Internetanbegotes von Yellostrom verbergen sich dann Stromspartips, doch wirkt das eher wie ein ökologisches Lippenbekenntnis.
Paßt das noch in die Zeit knapper werdender Ressourcen? Ich meine nein. Und deswegen ist mein Strom sparsam eingesetzt und nicht gelb.
Selbsterfüllende Prophezeiungen im TV
Früher gab es gutes Fernsehen. Damals hießen Programme noch so. Heute sind es „Formate und müssen irgendwas mit Reality zu tun haben. Dabei sehen Menschen doch fern, um ihrem Alltag zu entgehen. Wir gehen mit Voxtours auf die Weltreise, die wir uns niemals leisten könnten, fiebern bei Jauch um die Millionen, die wir niemals erspielen würden, lassen uns von der Maus erklären, wie Dinge funktionieren oder von Käptn Blaubär vorzügliches Seemannsgarn spinnen.
Der neueste Schrei in Sachen Reality-TV war nun „Hire or Fire auf Pro7. Erst wurde ein Riesenwirbel um diese neue Sendung pardon dieses innovative Format gemacht, nun ist plötzlich Schluß. Nach nur einer Sendung hat sich der Titel der Sendung bewahrheitet und die Sendung verschwand so schnell wieder wie sie gekommen ist. Kein Wunder bei nur 950.000 Zuschauern.
Was lehrt uns das?
1.) „Hire und Fire ist nichts, was wir in unserer Freizeit in der Glotze haben wollen, die tägliche Angst um den eigenen Arbeitsplatz reicht uns schon.
2.) Konzepte, die in den USA erfolgreich sind, lassen sich nicht 1:1 auf den deutschen Markt übertragen.
3.) Günther Jauch hatte zur selben Sendezeit 8,45 Millionen Zuschauer. Das läßt mich hoffen.
(Zahlen zur Zuschauerzahl aus einem Artikel bei Spiegel Online> entnommen.)
VW Phaeton
So manches Abenteuer steht unter keinem guten Stern und manchmal ist das auch offenkundig. Experten waren von Anfang an skeptisch, ob VW in das Segment eindringen kann, daß seit Ewigkeiten von Mercedes-Benz, BMW oder auch Audi besetzt ist.
Manchmal hilft einem aber auch ganz einfach klassische Bildung. Phaeton (gesprochen “Fa-äthon”, nicht etwa “Fätohn”) war der Sohn des Sonnengottes Helios. Mit Papas Sonnenwagen unternahm er eine Ausfahrt, bei der er alles in Brand setzte und schließlich von Göttervater Zeus von einem Blitz erschlagen werden mußte. So die Geschichte in Kurzform.
Wer die volle Dosis humanistischer Bildung abbekommen hat, der hat das sicherlich alles auf Alt-Griechisch gelesen und kann mich korrigieren, falls notwendig.
Also schon in der antiken Götterwelt steht Phaeton eher für eine Unfallfahrt als für ein erfolgreiches Unternehmen, das hätte einem Warnung genug sein können