Archiv für März 2005

Das Schweigen der Brötchen

Als bekennender Käseliebhaber kaufe ich nicht einfach abgepackten Käse. Okay, das mache ich auch, aber manchmal möchte ich Käse haben, der nicht bei LIDL zu haben ist. Dann schleiche ich im Supermarkt die Käsetheke entlang und lausche gespannt, welche Käse zu mir ’spricht‘, wer mir ein „Möchtest Du mich einmal probieren?“ zuflüstert. Käse, der so meine Aufmerksamkeit erregt, hat gute Chancen, von mir aus seinem Gefängnis Käsetheke befreit zu werden. Die Damen des Verkaufspersonals kennen dieses Spiel von mir und spielen gerne mit: Käsekenner unter sich.

Doch seit einiger Zeit kaufe ich kaum noch dort, ich höre nichts mehr. Ein großes Regal mit frischen Brötchen und dazugehörigem Schnellbackofen, neudeutsch „Back-Shop“, ist neu im Supermarkt und direkt neben der Käsetheke. Ich vernehme nun den Duft frischer Brötchen und ein Knuspern und Krümeln, das die leisen Rufen des Käses übertönt.

Zu meiner Freude roch es heute nicht penetrant nach Backstube und ich konnte endlich wieder das Schweigen der Brötchen und den Lockruf des Käses vernehmen.

Ver-kauft

Da ich lange nicht mehr bei meinem Asia-Dealer war und mein Harissa aufgebraucht war, führte mich mein Einkaufs-Sprint auch durch die Asia-Abteilung des Supermarkts. Zu meinem Erstaunen gibt’s dort das chön-charfe Zeugs, das ich so gerne esse. Im Vorbeigehen schnappte ich mir ein Glas, um dann festzustellen, daß ich mich fast ver-kauft hätte und danebengegriffen hatte. Statt Harissa hielt ich ein Glas Muhammara in den Händen. Ich lese die Beschriftung „Walnuß-Paprika-Paste“ und frage mich, wie das wohl schmeckt.

Inzwischen weiß ich: sehr lecker. Und Harissa ist auch wieder im Haus.

„Weckt, was in Dir steckt…“

Eine bekannte Molkerei wirbt mit dem Spruch „…milch, die weckt, was in Dir steckt“. In mir scheint zunächst einmal Mißtrauen zu stecken.

Heute beim Einkaufs-Sprint durch den Supermarkt fiel mir auf, daß der Hersteller die Verpackung geändert hat. Der Halbliterbecher mit der aufgesiegelten Metallfolie wurde durch eine wiederverschließbare Flasche ersetzt. Eine gute Idee, könnte man meinen, denn so muß man den leckeren Kakao nicht mehr auf einmal austrinken. Bei näherer Betrachtung der Flasche fällt mir auf, daß sie statt 500 nur noch 400ml enthält, dafür aber gleich viel kostet wie vorher.

Es stimmt eben doch: „Milch macht müde Männer munter“ – und sie lassen sich nicht so leicht durch Tricksereien in die Irre führen.

Leben und Sterben

Weil’s grad so schön in die Jahreszeit paßt und Ostern bekanntlich ist Fest ist, an dem Menschen die grausame Ermordung und (angebliche) Wiederauferstehung eines anderen Menschen feiern, mache auch ich mir ein paar Gedanken über Leben und Sterben.

Der Papst ist zu schwach, um das „Urbi et Orbi“ zu sprechen und bekommt nun eine Magensonde zur Ernährung. Eine andere wird nun nicht mehr ernährt und wird verhungern. Um beides wird ein riesiger Wirbel gemacht.

Dabei sterben Menschen. Irgendwann stirbt jeder. Also machen wir nicht so ein Gewese um den Tod eines einzelnen Menschen. Es sei denn, wir sind persönlich betroffen. Aber dann bitte still und leise und nicht als öffentliches Happening. Es sei denn, wir wollen eine neue Religion damit begründen.

Und schon haben wir den Bezug zum Anfang dieses Textes.

Kampf gegen die Bürokratie

Der größte Feind des Soldaten ist die eigene Bürokratie und das Vorschriftenwesen. Über Anweisungen wie

Bei Erreichen des Gipfels hat der Soldat selbständig die Kletterbewegungen einzustellen.
Bei Einsetzen der Dämmerung ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen.

oder

Ab einer Wassertiefe von 1.20 Meter hat der Soldat selbstständig mit Schwimmbewegungen zu beginnen.

lacht schon lange kein Landser mehr.

Wenn man dann hört, daß die Bürokratie deutsche Jeeps im Ausland stillegt, weil die Abgassonderuntersuchung (ASU) abgelaufen sei, dann weint auch der tapferste Soldat bittere Tränen. Ein verfrühter Aprilscherz von mir? Mitnichten. Ist alles nachzulesen. Nicht in der Zentralen Dienstvorschrift, sondern bei Spiegel Online

Frühling

„Frühling läßt sein blaues Band…“

Blau ist es hier noch nicht, aber die Luft fühlt sich schon sehr nach Frühling an und es riecht auch schon so. Nun fehlen nur noch Sonnenschein und ein paar Grad mehr. Aber das kann ja noch werden.

Ich hätte gegen ein sonniges Ostern nichts einzuwenden 🙂

PS: Ich erinnere mich, daß wir einen Winter hatten, an dem die Ostsee zugefroren war und zu Ostern noch Eisschollen am Strand lagen. Im Sommer konnte der kältetrainierte Norddeutsche aber schon wieder in der Ostsee baden.

Auch ich

Auch ich möchte mehr Funktionen für mein Blog…

Blinder Sparzwang

„Blinde haben kein Anrecht darauf, lange Wegstrecken zurückzulegen, ein Blindenstock muß reichen.“

So oder so ähnlich argumentiert die AOK in Bayern, wenn sie Blinden einen Blindenführhund, im Volksmund schlicht Blindenhund genannt, verweigert. Das Gebot der Sparsamkeit verbiete eine Kostenübernahme. Geht es wirklich ums Geld?

Sicherlich ist die Ausbildung eines Blindenhundes teuer, bis zu 20.000 Euro kommen da zusammen. Doch von wie vielen Fällen reden wir? In Bayern sind runde 180 solcher Hilfsmittel im Einsatz, die Gesamtsumme ist also überschaubar.

Blind zu sein, macht Vieles komplizierter. Wenn ein Hund die Lebensqualität in manchen Fällen deutlich steigern kann, dann ist das eine gute Sache. Fadenscheinigen Ablehnungen sind da peinlich.

Ich frage mich, ob das Gebot der Sparsamkeit bei der AOK in Bayern dazu führen wird, dort die Dienstwagen abzuschaffen. Für die alltäglichen Verrichtungen im Nahbereich (Zitat aus einem Ablehnungsschreiben) sollte auch der ÖPNV ausreichen. Oder wollen die Manager nur bei Anderen sparen und nicht bei sich selbst?

Spiegel Online hatte dazu auch was geschrieben.

Good bye, Mama

Heide Simonis, „Landesmutti“ von S-H hat fertig. Schon die Landtagswahl im Februar war ein spannender Wahlkrimi, die SPD hat deutlich Wählerstimmen verloren, die CDU gewonnen. Dank wahltaktischer Manöver haben Schwarz-Gelb dann am Ende ein paar Stimmen für die Mehrheit im Parlament gefehlt.

Donnerstag dann die Wahl der alten und neuen Ministerpräsidentin. Dachte man. Die Landesmutti wollte weitere fünf Jahre regieren, mit Hilfe der Grünen und Tolerierung des SSW.

Bei der Abstimmung gab es jedoch eine Enthaltung, so daß es im ersten Wahlgang ein Unentschieden gab. Sollte sich jemand vertan und sein Kreuz verkehrt gemacht haben? Denkbar, aber wohl wenig wahrscheinlich bei so einer wichtigen Wahl.

Zweiter Wahlgang. Wieder ein Patt. Skandal. Ein Abweichler in den eigenen Reihen? Oder bei den Koalitionären? Ein Maulwurf?

Dritter Wahlgang. Bekanntlich sind aller guten Dinge drei. Wieder nichts.

Vom System nicht vorgesehen, aber trotzdem ausgeführt: Ein vierter Wahlgang. Am Ergebnis ändert sich nichts.

Irgendwann zwischendurch gab’s eine Probeabstimmung in der SPD-Fraktion. Alle 29 abgegebenen Stimmen waren für Heide Simonis.

Die Gerüchteküche brodelte. Ein Abweichler mußte die Wahl sabotiert haben. Wurde ein Abgeordneter gekauft? Hatte jemand noch eine alte Rechnung offen? Eine Intrige? Verschwörung? Schnell wurde auch eine Dolchstoßlegende geboren. Frau Simonis fühlte sich „wie von hinten erschossen“. Ob Wolfgang Schäuble diesen Vergleich als passend empfindet? Frau Simonis steht für Weiteres nicht mehr zur Verfügung, das sei ihr nicht mehr zuzumuten.

Mir wurde eine interessante Verschwörungstheorie zugespielt:

Heide Simonis selbst habe sich bei der Wahl enthalten. Sie ist 61 Jahre alt, war die erste Ministerpräsidentin in der Geschichte der Bundesrepublik, hat Schleswig-Holstein 12 Jahre lang regiert, so lange wie noch niemand vor ihr, Verdienste, die ihr niemand mehr nehmen kann. Sie hat alles erreicht, was sie erreichen konnte. Von nun an kann es nur noch bergab gehen. Das Wahlergebnis könnte ihr klargemacht haben, daß die kommende Amtszeit alles andere als einfach werden wird. Keine sehr angenehme Aussicht. Und dann noch weitere 5 Jahre? Eine gewisse Amtsmüdigkeit ist also durchaus vorstellbar. Warum sollte sie sich das antun? Wie könnte sie am schnellsten und einfachsten aus dieser ausweglosen Situation raus? Und zwar so, daß ihr niemand Vorwürfe machen kann?

Stellen wir uns vor, sie selbst habe sich bei den Abstimmungen enthalten. Nun kann sie das arme Opfer spielen, angeblich von hinten gemeuchelt. Sie kann sich weiteren politischen Ämtern versagen, jeder wird das verstehen. Niemand wird ihr Vorwürfe machen. Sie ist Druck und Verantwortung los, auf einen Schlag. Politiker neigen manchmal zu theatralisch-dramatischen Abgängen, am Ende liegen sie dann wenig photogen in der Badewanne oder lassen sich einfach fallen. Kein schöner Anblick sowas.

Da hat’s Heide Simonis besser getroffen. Nun hat sie endlich wieder Zeit für sich. Ich bin sicher, sie wird das Beste daraus machen. Nach Ablauf einer gewissen Schamfrist wird sie sich ins Privatleben zurückziehen und gemeinsam mit John F. Kennedy in Bielefeld ein Konzert von Elvis Presley besuchen…

Wie gesagt, alles nur eine Verschwörungstheorie…

Stell‘ Dir vor, es ist CeBIT und keiner geht hin…

Okay, grad war wieder CeBIT. Ich war nicht da. Mir wurden Reise dorthin und sogar freier Eintritt angeboten, aber aus den bekannten Gründen wollte ich nicht. Habe ich was verpaßt? Fachpresse und Online-Gemeinde sollten genug berichtet haben, oder? Menschenmassen in stickiger Luft sind nicht so mein Ding und die vielen neuen Spielzeuge, die es dort zu sehen gibt, kann oder will ich mir zur Zeit nicht leisten. Und nächstes Jahr ist ja wieder CeBIT…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Neueste Kommentare
Archiv
  • 2017 (18)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien