Archiv für Juni 2005

Wein-Krampf am Telefon

Ich bekomme einen Anruf von einem Call-Center. Eine weibliche Stimme leiert die eingeübte Begrüßung herunter und fragt, ob sie mich kurz zu meinen Konsumgewohnheiten bei Getränken befragen darf. Ich bin ein höflicher Mensch und habe etwas Zeit, also stimme ich zu.

Sie: „Darf ich Sie zum Thema Wein befragen?“
Ich: „Ich vertrage keinen Wein, ich trinke keinen Wein.“
Sie: „Wann haben Sie zum letzten Mal Wein gekauft?“
Ich: „Ich vertrage keinen Wein, ich trinke keinen Wein, warum sollte ich dann Wein kaufen?“

Kurzes Schweigen. Setzen jetzt die notwendigen Denkprozesse bei ihr ein?

Sie: „Vielen Dank für Ihre Teilnahme an unserer Umfrage.“
Ich: „Gerne geschehen.“

Ah, sie hat’s begriffen.
Leider doch nicht.

Sie: „Darf ich Sie zum Dank zu einer Weinprobe einladen?“

Ich verdrehe die Augen und überlege, ob ich nun das in den Hörer brüllen sollte, was ich gerade denke. Aber das wäre grob beleidigend. Statt dessen bleibe ich höflich und antworte mit einem „Ich vertrage keinen Wein, ich trinke keinen Wein, ich kaufe keinen Wein, was sollte ich dann wohl auf einer Weinprobe?“

Sie schweigt wieder. Ich habe den Eindruck, daß zu viele Weinproben nicht gut für das menschliche Gehirn sein können und bin gespannt, was nun kommen wird.

Ohne auf meine Argumente einzugehen wünscht sie mir einen schönen Tag.

Ich bin sicher, daß diese Anruferin in ihrem Leben zuviel Wein getrunken hat. Viel zuviel.

Eben gehört: Vaya Con Dios – Time Flies

Beim Aufräumen fiel mir eine alte CD in die Hände. „Time Flies“ von „Vaya Con Dios“. Beim Anhören wurde mir sofort wieder klar, warum ich mir die CD damals kaufen mußte, die Musik ist einfach klasse, die Texte sind auch gut. Und heute verstehe ich sie besser als damals. Ich werde demnächst mal den lokalen Plattenladen befragen, ob die noch mehr davon haben und mal reinhören.

Drei Stücke gefallen mir besonders gut:

  • „Bold And Untrue“ ist musikalisch flott, fast schon zum tanzen, jedenfalls kann ich dabei nicht still sitzenbleiben.
  • „Muddy Waters“ ist ein balladenhaft ruhiger Blues, der unter die Haut geht und Gänsehaut erzeugt.
  • „Still A Man“ gefällt mir vom Text her. Männer sind Männer.

Meine erste Rasur

Früher taten es fast alle Männer, später dann nur noch die feinen Herren. Die Rede ist vom Rasieren, genauer, vom Rasieren lassen.

Bei meinem Friseur wurde ich angesprochen, ob ich nicht dafür Modell stehen wolle, man sei noch unerfahren, solle aber demnächst auch diese Dienstleistung anbieten. Ich bot mir ein paar Tage Bedenkzeit aus, ließ die Stoppeln etwas sprießen und begab mich unerschrocken in den Salon.

Während ich eingeseift wurde, unterdrückte ich erste Fluchtgedanken und versuchte mich in belangloser Plauderei. Als ich dann das Messer sah, wechselten Fluchtgedanken und Szenen aus einem Film, in dem der Oberschurke von einem gedungenen Mörder mittels Rasiermesser final behandelt wurde, einander ab. Ich verfluchte mich für alle frechen Bemerkungen, die ich als Kunde der Friseurin in meinem bisherigen Leben gesagt hatte und gelobte, für den Rest meines Lebens nett und freundlich zu ihr zu sein, egal, wie lange es noch andauerte.

Mit einem bezaubernden Lächeln umspielte sie ihre Unerfahrenheit und setze den kalten Stahl an. Ich hielt die Luft an, atmete so flach und langsam wie nur möglich und schwieg eisern. Immer, wenn sie den Schaum von der Klinge wischte, holte ich Luft und beantwortete ihre Fragen, wie es sich denn anfühlte und ob das so gut sei.

Irgendwann war sie dann fertig und fragte mich, ob ich wiederkommen wolle, denn noch andere Kolleginnen wollten üben. Natürlich. Diesen Luxus gönne ich mir nun öfter.

Ach so: Schnittverletzungen gab’s übrigens keine, was ich von meinen ersten eigenen Versuchen nicht behaupten konnte.

Eine Reise an den Tatort von einst.

Neulich ertappte ich meine Ernährungsberaterin nächtens beim Verdrücken von Hamburgern. Dieser Tage verbrachte sie einen Teil der Nächte mit der Lektüre eines Spionage-Thrillers, dessen Handlung auch in Lübeck spielt. Der Autor beschrieb viele Szenen sehr anschaulich, auch die Villa des gefährlichen Doppelagenten, den er als Janusmann bezeichnet.

Eine gute Gelegenheit für einen leicht verregneten Sonntagnachmittag, sich auf die Suche nach den Weg der Vergangenheit zu machen.

1985 gab der Ost-West-Konflikt noch eine spannende Bühne für die Handlung ab, heute wirken die damaligen Orte der Handlung ganz anders. Wo einst Dr. Berlin sein finsteres Spiel trieb, existiert heute ein Hinterland, das geradezu langweilig unspektakulär ist. Der ehemalige deutsch-deutsche Grenzstreifen ist knapp 16 Jahre nach Grenzöffnung kaum noch zu erkennen, nur wenige Details verraten, wo einst Zaun und Todesstreifen verliefen.

Damals ließ der Autor seinen Helden die Grenze bei Nacht und Nebel durch eine Lücke im Eisernen Vorhang überqueren, fahren heute Sonntagsausflügler auf den Routen von einst. Ganz ohne Agententraining und am hellichten Tag.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2017 (21)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien