Archiv für Juli 2005

Unverständnis: Unterlassene Hilfeleistung

Sonntag nachmittag, strahlender Sonnenschein, ich bin auf dem Weg nach Hause. Mein Weg führt durch das Grenzgebiet zweier Ortschaften, die fast nahtlos ineinander übergehen. Auf meiner Spur steht ein Auto, der Warnblinker ist eingeschaltet, ich beginne mich zu wundern, da sehe ich auch schon den Grund: Auf der anderen Straßenseite ist ein alter Mann gestürzt und liegt am Boden, eine ältere Frau steht daneben. Die Insassen des Fahrzeugs vor mir eilen zu Hilfe. Ich parke mein Auto und stoße dazu.

Der Mann ist erkennbar sehr alt und mit einem Gehwagen unterwegs. Die ältere Dame hatte beobachtet, wie er stürzte und liegenblieb. Sie war körperlich nicht in der Lage, dem Mann aufzuhelfen. Sie berichtete nur, daß schon mehrere Autos einfach vorbei gefahren seien und niemand Hilfe angeboten habe.

Mit vereinten Kräften heben wir den alten Mann auf, er hat sich beim Sturz verletzt und blutet aus mehreren Wunden. Glücklicherweise habe ich mein Handy in der Tasche und kann damit die Polizei rufen. Nach einem kleinen Moment sind die Beamten da und kümmern sich um alles Weitere, wir können uns entfernen.

Die ältere Dame, sagte, daß niemand angehalten habe, um zu helfen. Ich finde das erschreckend. Kurz anhalten und bei unklaren Situationen fragen, ob Hilfe benötigt wird, kostet kaum Zeit und ein Anruf beim Rettungsdienst ist sogar kostenfrei.

Ich könnte verstehen, wenn eine einzelne Frau nachts und an abgelegenen Orten Bedenken hätte, ob der „Unfall“ vor ihr wirklich ein Unfall und keine Falle ist. Aber Tagsüber und an belebten Orten, einfach vorbeizufahren, das halte ich für unentschuldbar und für so ein Verhalten fehlt mir jedes Verständnis.

Wer sich nicht sicher ist, ob seine Kenntnisse in Erster Hilfe ausreichen, der kann wenigstens Hilfe herbeitelefonieren oder sonstwie helfen. Aber einfach weiterfahren, das darf nun wirklich nicht sein!

Tödliches Vertrauen?

Neulich war ich beim Arzt und wartete auf eine Spritze. Im Raum lag noch ein anderer Patient, er schien zu schlafen, während er am Tropf hing. Vor Langeweile ließ ich meinen Blick schweifen und entdeckte mehrere kleine Luftblasen in seinem Infusionsschlauch. Etwas besorgt informierte ich die Krankenschwester, schließlich könnten die Luftblasen in seinen Blutkreislauf dringen und gefährlich werden, so dachte ich als medizinischer Laie.

Sie sah sich das Ganze an und beruhigte mich mit den Worten:

Erst ab 20 Kubikzentimeter wird’s gefährlich. Vertrauen Sie mir, ich weiß wovon ich rede, ich bin Krankenschwester und Witwe.

Ich fühlte mich sicher, denn ich wollte ihr ja keinen Antrag machen…

Gutmenschen in Freizeit und Politik

Wenn Gutmenschen sich in ihrer Freizeit politisch korrekt amüsieren und gleichzeitig noch die Welt retten wollen, dann gehen sie zu „Live 8“ oder knüpfen weiße Bänder. So ein weißes Bettlaken, natürlich aus ökologisch angebauter Baumwolle, ist der Ablaßbrief für den modernen Menschen. Nicht, daß sich an den Problemen irgend etwas dadurch änderte, aber nach der Divise „Brot für die Welt – aber die Butter bleibt hier“ kann man sich gut fühlen, wenn man sich dann abends den Bauch vollschlägt.

Der Schuldenerlaß, für den oftmals zweitrangige oder bereits vergessene Stars der Musikindustrie auf Konzerten spielten, ist längst beschlossene Sache. Doch statt eines Erlasses der Schulden treten nun die G-8-Staaten ein und übernehmen Zins und Tilgung der Kredite. Der deutsche Steuerzahler ist mit einer Milliarde Euro dabei. In Zeiten leerer Kassen und massiven Sozialabbaus hierzulande zahlen wir doch gerne, wenn es denn den Ärmsten der Welt in Afrika hilft, oder?

Nur leider helfen weder die Lebensmittel noch die Aber-Milliarden an Geldern, die nach Afrika fließen. Jedenfalls nicht den hungernden Menschen dort. Wie kann das sein?

Geld verdirbt bekanntlich den Charakter und fördert fast immer auch Korruption oder andere Formen der Kriminalität. Hierzulande fließen bei großen Waffen-Deals üppige Schmiergelder oder bei Automobilherstellern werden Politiker bezahlt. Je mehr Geld im Spiel ist, desto mehr Schmarotzer, Bestecher, Bestochene und Korruption wird es geben.

Paradoxerweise geht es den Staaten am schlechtesten, die am meisten Hilfe bekommen. Auch dort erzeugt Finanzhilfe Bürokratie und Korruption. Das Bestreben, eine eigenständige Volkswirtschaft aufzubauen, wird untergraben oder gar verhindert.

Bei einer Dürre wird um rasche Hilfe gebeten und tausende Tonnen von Mais, subventioniert angebaut, werden nach Afrika verschifft. Dort verschwindet ein Teil und geht an die Stämme gewisser Politiker, die sich so Wohlwollen beim „Wähler“ erkaufen. Andere Teile gelangen auf den Schwarzmarkt und zerstören so die dortige Landwirtschaft.

Wir Deutschen nehmen gerne in Anspruch, die besten Autos der Welt zu bauen. Was würde aus der deutschen Automobilindustrie, wenn jeder ein von ausländischen Helfern ein Auto geschenkt bekäme? Sie würde binnen kürzester Zeit zusammenbrechen. Die Afrikanische Landwirtschaft soll jedoch in der Lage sein, ausreichende Mengen zu produzieren, während gleichzeitig große Mengen gespendeter Lebensmittel den lokalen Markt zerstören? Das kann nicht funktionieren und das tut es auch seit Jahrzehnten nicht. So werden ganze Volkswirtschaften in der Rolle des unselbständigen Bettlers gehalten und verhindert, daß afrikanische Staaten lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.

James Shikwati, kenianischer Wirtschaftsexperte und Gründer der der Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Inter Region Economic Network“ in Nairobi (Kenia), rät deswegen den Deutschen, sich aus der Entwicklungshilfe komplett zurückzuziehen.

Statt beim einfachen Volk kommt die Entwicklungshilfe oft auf den Konten von Despoten an. Wie sonst konnte Zaires Expräsident Mobuto ein privates Vermögen von 4 Milliarden Dollar anhäufen? Wo viel Entwicklungshilfe fließt, da wird auch viel Geld versickern.

In Mosambik stammten in den frühen 90er Jahren gewaltige 95% des Sozialproduktes aus Entwicklungshilfe. Das zerstört jede gesunde Volkswirtschaft. Aber das wird den Gutmenschen hierzulande völlig egal sein, hauptsache, sie können mit Bettlaken und Konzerten ihr Gewissen ruhigstellen.

Interviel mit James Shikwati bei Spiegel Online

Bahn-Wahn statt Bahn fahren

Manchmal wünscht man sich ein Verkehrsmittel, das einen bequem, staufrei, nervendschonend und ökologisch von A nach B bringt. Man müßte nicht zum Flughafen fahren und dort lange vor dem Abflug seine Zeit vertrödeln, man stünde nicht im Stau oder würde von schlechtem Wetter ausgebremst. Auch wäre es schön, die ganzen Sonntagsfahrer und Möchtegern-Fahr-Erzieher nicht um sich herum haben zu müssen.

Ein Verkehrsmittel, in das man einfach einsteigt, das einen an den gewünschten Ort bringt, vielleicht mit dem einen oder anderen Zwischenhalt. In dem man bequem sitzt, sich entspannt, die Reisezeit als Arbeitszeit nutzt, in dem es auch Speisen und Getränke gäbe, so daß die Tour nicht zur Tortur werde.

Gibt es schon und heißt Eisenbahn?

Die Realität sieht anders aus. Die Züge sind nicht immer so, daß wir sie gerne benutzen möchten: zu voll, zu laut, zu dreckig, zu schlechte Luft, zu unzuverlässig, zu unpünktlich, zu teuer, zu umständlich, das sind die Gründe, die uns die Reise mit der Bahn verleiden.

Dabei könnte, gerade für den geschäftlichen Fernreisenden, Reisezeit Arbeitszeit sein. Man braucht dazu einen kleinen Tisch für Rechner und Unterlagen, Strom aus der Dose, ausreichend Platz, damit einem während der Fahrt nicht die Beine einschlafen.

Bei Spiegel Online lesen wir nun, daß die Bahn zukünftig zwar Steckdosen für mitgebrachte Rechner oder Unterhaltungselektronik anbietet, jedoch die Bestuhlung noch enger anordnen will. Vier Zentimeter weniger Platz hört sich nicht viel an. Wer jedoch als Mensch nicht klein und zierlich ist, der ist um jeden Zentimeter mehr statt weniger froh, schließlich wird der durchschnittliche Deutsche immer größer, wie kann man da den Platz verringern?

Engere Bestuhlung bedeutet zudem auch mehr Reisende pro Waggon, was der Luftqualität nicht förderlich sein dürfte.

Im Auto habe ich schließlich soviel Platz, wie ich mir als Fahrer den Sitz einstelle, Temperatur und Luftmenge kann ich meinen Bedürfnissen anpassen.

Ich fürchte, dieser (Schach-) Zug der Bahn führt auf ein totes Gleis.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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