Archiv für August 2005

Impressionen: Auf dem Friedhof

Diesen Monat war ich auf einem Friedhof, um auf das Grab eines verstorbenen Angehörigen Blumen zu legen. Auf dem Rückweg ging ich nicht den kürzesten Weg zum Ausgang und ließ meine Gedanken schweifen. Dabei sah ich mir dabei auch viele Gräber an, Einzelgräber und Familiengräber.

Ich war schon oft auf diesem Friedhof, aber nie vorher war mir aufgefallen, daß so viele Gräber an Menschen erinnern, die zwischen 1939 und 1945 gestorben waren. Es waren fast nur junge Männer, bei einigen stand auch der Ort des Todes. Orte, die fern der Heimat liegen. Einige waren vermißt, ihre Leichen wurden vielleicht nie gefunden.

Ich bin froh und dankbar, daß ich keinen Krieg erlebt habe. Daß ich nicht für zweifelhafte Siege fern der Heimat Gesundheit oder Leben riskieren oder verlieren mußte.

Augen auf beim Milch-Drink-Kauf!

Nicht jede Veränderung bei Verpackungen bringt auch dem Konsumenten Vorteile, darüber hatte ich hier schon mal berichtet.

Gestern sehe ich beim Einkaufen MüllerMilch in der alten und neuen Verpackung friedlich nebeneinander im Regal stehen. Beide Formen sind gleich teuer und kosten 59 Cent. Dabei enthält die neue Verpackung nur noch 400 statt wie vorher 500 Milliliter.

Freue ich mich als Verbraucher nun darüber, daß ich wählen kann, wie das Produkt verpackt ist und daß ich 100 Milliliter mehr für gleiches Geld bekomme?

Oder ärgere ich mich über den Versuch, die Konsumenten auf’s Glatteis zu führen?

Mal sehen, wie lange der Handel beide Formen gleichzeitig anbieten wird.

Strato sperrt Server – zu recht, wie sich rausstellte

Wenn heute einige Blogs/Server (lists.fitug.de, www.koehntopp.de, blog.koehntopp.de) nicht erreichbar sind, dann bitte nicht wundern. Der Hoster hat gesperrt.

Mehr dazu hier.

Nachtrag vom 2005-08-29:
Mittlerweile ist der Server wieder da, warum der Server auffällig wurde, ist noch Unklar. Aber lest es selbst bei Kris nach.

Der ewige „Äh“-Sager

Neulich war ich auf dem Weg zum Flughafen. Das Autoradio läuft, NDR4Info bringt Interessantes aus der Politik. Darunter auch einen kurzen Schnipsel von Edmund Stoiber. Ich spüre, wie meine Aufmerksamkeit von seinen Worten zu seinen Wörtern wandert. Am Ende seiner kurzen Äußerung weiß ich nicht mehr, was er mir hätte sagen wollen. Aber dafür habe ich gezählt, wie oft ein „äh“ eingebaut war. Fünf mal habe ich eins gezählt. Und das Ganze war nur einen Satz lang.

Mag sein, daß er ein kluger Kopf ist, aber wenn man ihm zuhört könnte man auch auf andere Möglichkeiten kommen.

Mal sehen, was die nächste Wahl bringen wird. Und wen…

Dr. Seltsam – oder warum die Mullahs die Bombe lieben

Der Iran arbeitet offensichtlich intensiv an eigener Atomtechnik, angeblich nur zu zivilen Zwecken. Nun kann man sich fragen, warum ein Staat, der über reichliche Ölreserven verfügt, sich den Luxus eigener, teurer Atomanlagen leisten muß. Leicht könnte man denken, da können und müssen noch andere Dinge im Busch sein. Zum Beispiel eine Atombombe.

Nun sind Atombomben nicht irgendwelche Waffen sondern ganz besondere. Eigentlich sogar besonders nutzlose Waffen, denn man kann sie nicht einsetzen, jedenfalls nicht ungestraft. Man kann mit ihrem Besitz Eindruck schinden, auch ihren Einsatz androhen, doch beides ist sehr gefährlich.

Gegen wen könnte ein Staat seine Atomwaffen einsetzen? Die klassischen Gegenspieler NATO und Warschauer Pakt bedrohten sich gegenseitig. Indien und Pakistan streiten sich seit Ewigkeiten um Kaschmir und bedrohen einander mit Atomwaffen.

Jeder, die die atomare Schwelle in einem Konflikt überschreitet, muß wissen, daß es danach kaum ein Zurück mehr gibt und daß der Gegner oder dessen Verbündete dann ebenfalls solche Waffen einsetzen könnten. Ein Spiel, bei dem kaum etwas zu gewinnen, aber viel zu verlieren ist. Wozu dann also Atomwaffen? Wozu viel Geld ausgeben für Waffen, die ziemlich nutzlos sind, es sei denn, man möchte den eigenen Untergang einläuten.

Viele andere Staaten haben Atomwaffen, um sich gegen reale oder vermeintliche Bedrohungen zu schützen, der Club der offiziellen Atommächte wird immer größer, daneben gibt es Staaten, die solche Waffen im Arsenal haben, es aber offiziell nicht zugeben.

Nun will auch der Iran die Bombe haben, andere Schlüsse läßt sein Verhalten nicht zu. Doch gegen wen könnte oder wollte der Iran seine Bomben einsetzen? Der Erzfeind von damals, der Irak, ist entmachtet und von US-Truppen besetzt. Israel hat A-Waffen und Träger, die bis in den Iran reichen, doch würde ihr Einsatz höchstwahrscheinlich das Ende jeglicher Sympathie bedeuten, die Israel weltweit genießt. Und damit auch das Ende von politischer oder militärischer Unterstützung durch die USA.

Wer braucht die nukleare Option denn so dringend? Und wozu?

Das Beispiel Irak hat gezeigt, daß man, wenn man eben keine Massenvernichtungswaffen (MVW) hat, leicht zum Opfer fremder Angriffe werden könnte. Hätte Saddam mit dem Besitz oder Einsatz von (atomaren) MVW drohen können, wäre er vermutlich heute noch in Amt und Würden. In ähnlicher Lage sehen sich offenbar auch die Mullahs im Iran. Sie brauchen die Bombe, um vor Übergriffen Dritter sicher zu sein.

Sollten sie die Bombe haben dürfen? Oder wäre das für die Stabilität in der Region verhängnisvoll? Der Iran ist kein Staat wie alle anderen, Menschen- und Bürgerrechte werden sehr eigenwillig ausgelegt, zumindest nach unseren Maßstäben. Erst kürzlich wurden 17jährige hingerichtet, deren Verbrechen darin bestand, homosexuell zu sein und das auszuleben. Und ein Regime, das solche Grausamkeiten nicht nur duldet sondern quasi anordnet, möchte sich atomar bewaffnen. Kein schöner Gedanke.

Normalerweise handeln Staaten recht vernünftig, besonders Demokratien. Zu groß ist die Gefahr, auf einen (Atom)Schlag hin alle Wähler zu verlieren. Selbst in den heißesten Phasen des Kalten Krieges verhielten sich die USA und UdSSR rational genug, um nicht aus der Kuba-Krise einen Dritten Weltkrieg zu machen. Gilt das auch für totalitäre Staaten, deren Regenten sich von der Vorhersehung oder Allah auserwählt fühlen? Wer nichts mehr zu verlieren hat und bereit ist, das eigene Volk mit in den Untergang zu ziehen, dem wird auch das das Nachbarvolk nicht mehr viel ausmachen. Insofern können die Deutschen glücklich sein, die Bombe damals nicht gehabt zu haben.

Ob die Bombe Fluch oder Segen für den Iran wird, ist ebenso offen, wie die Frage, wie weit der Iran noch von der Bombe entfernt ist.

Ich bin jedoch sicher, das Geld für ein Atomprogramm ist besser in Lebensmitteln, oder einem funktionierenden Gesundheitswesen angelegt. In Nordkorea hat die Regierung zwar die Bombe, dafür hat das Volk viel Hunger.

Unendliche Dummheit – It never rains in California

Jörg und Ede haben kein Monopol, in Wahlzeiten Merkwürdiges von sich zu geben, auch Claudia Roth (B90/Grüne) fällt durch Erheiterndes auf.

Vor ein paar Tagen war sie in einem Wahlkampfduell. Dort wurden auch Fragen der Energiepolitik angesprochen. Erneuerbare Energien sind ja ein Lieblingsprojekt von den Grünen. Kein Dach, das sie nicht gerne mit Solar-Zeugs bepflasterten, keine Landschaft, die nicht durch Windenergieanlagen verspargelt werden könnte. Dummerweise wird Strom aber auch dann benötigt, wenn keine Sonne auf Solarzellen scheint oder kein Wind weht. Die Betreiber bekommen eine (gesetzlich garantierte) Vergütung für den so erzeugten Strom, die anderen Strom unnötig verteuert.

Dazu kommt, daß die Photovoltaik, also die Stromerzeugung mittels Solarzellen, Halbleiter verwendet, deren Herstellung viel Energie erzeugt. Solarzellen sind (nur) da sinnvoll, wo konventionelle Stromerzeugung oder Transport von Strom unnötig aufwendig oder teuer sind.

Im Wahlkampfduell verteidigte Frau Roth die grüne Energiepolitik und führte sinngemäß an, daß sogar der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, der ja ein Konservativer sei, das deutsche Solar-Programm nachmache, so gut sei es.

Kalifornien reicht ungefähr vom 42. bis zum 32. nördlicher Breite, übertragen auf eine europäische Karte wäre das Rom im Norden und die ägyptische Mittelmeerküste im Süden.

Deutschland liegt aber viel nördlicher und hat eine andere Sonneneinstrahlung, sowohl vom Sonnenwinkel als auch von der Anzahl der Sonnenstunden pro Jahr. Um das zu verstehen muß man wissen, daß die Erde sich um die Sonne dreht und wie das genau mit der Ekliptik ist, Verständnis von Sinus und Kosinus sind dabei von Vorteil. Daß sich im traditionell guten Klima von Kalifornien ganz andere Wirkungsgrade erzielen lassen, sollte einleuchten.

Daß die Energieprobleme der USA im allgemeinen und Kaliforniens ganz andere sind, als die deutschen, auch das sollten Politiker wissen, die sich zu Energiepolitik äußern.

Aber seien wir nicht ungerecht, es ist Wahlkampf, da darf sich jede(r) um Kopf und Kragen reden.

Es ist schön, in Deutschland zu leben

Ich meine nicht die wunderschönen Landschaften, die neuerdings auch im Osten blühen, auch nicht die Politiker, die mit weisen Worten und Taten das Volk überzeugen, richtig gewählt zu haben.

Nein, heute möchte ich mal ein Loblieb die deutsche Verwaltung singen. Die Verwaltung wird ja gerne als träge verspottet, der deutsche Beamte gilt als sturer Kopf, der im selbigen nur seine Dienstvorschriften hat.

Alles Blödsinn! Die Verwaltung ist schneller, als man sich denken mag. Noch während das Bundesverfassungsgericht berät, ob Schröders inszenierter Reichstagsbrand äh Mißtrauensvotum rechtens ist oder nicht, werden schon die Benachrichtigungen für die Wahl zum Deutschen Bundestag gedruckt und verschickt. Heute hatte ich eine solche bereits im Postkasten, morgen wird verkündet, ob das nun tatsächlich oder doch nicht gewählt werden wird.

Wenn das kein schneller Service ist…

Unendliche Dummheit – Stoiberland ist überall

Ach, was muß man oft von ‚klugen‘ Menschen hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Jörg und Ede hießen.
Die, anstatt durch weise Worte kämpfen Wahl an jedem Orte,
oftmals über Ossis lachten und sie gar zu Kälbern machten.
Ja, zur Überheblichkeit, ja, dazu ist man bereit!
Ossis necken und frustrieren und Angela sabotieren
das ist freilich angenehmer und dazu auch viel bequemer
als Frau Merkel bei der Wahl zu stützen und der CDU zu nützen.
Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf den Wahltag sehe!
Ach, das war ein schlimmes Ding, wie es Jörg und Ede ging.
Drum ist hier, was sie getrieben abgemalt und aufgeschrieben.

(Frei nach Wilhelm Busch)

Manchmal frage ich mich, ob es die Herren von der CDU auch in schlau gibt, falls ja, dann in welchen Parallel-Universum? Wenige Wochen vor der Wahl, so sie denn am 18. September stattfinden wird, scheinen die Herren Jörg Schönbohm und Edmund Stoiber einiges zu unternehmen, um Angela Merkels als sicher gelten Wahlsieg zunichte zu machen.

Schönbohm verliert die Fassung, als bekannt wird, daß eine Frau, die nur krank sein kann, neun ihrer Kinder ermordet haben soll. Schuld daran mußte natürlich das alte Regime im Osten gewesen sein. Mit der Unfehlbarkeit eines Generals, der es gewohnt ist, daß seine Landser springen, wenn er es nur so will, verkündete Schönbohm diese seine Weisheit. Mag sein, daß böse Journalisten ihn falsch verstehen wollten. Ein kluger Kopf sollte vorausdenken können, wann er sich auf dünnes Eis begibt und im Zweifel die Klappe halten. So hat er viele Ostdeutsche pauschal verunglimpft. Egal, ob er richtig oder falsch verstanden wurde, das wird Wählerstimmen kosten.

Stoiber, der vor laufenden Fernsehkameras kaum einen Satz sprechen kann, ohne dabei zu stocken und „Äh“ einzustreuen, wünschte sich, alle wären so wie die Bayern, dann gäbe es weniger Probleme in Deutschland. Ist das wirklich so wünschenswert? Ich bin froh, daß es nicht nur Bazis gibt, und erst recht keine ewigen „Äh“-Sager. Ich bin froh, daß es Deutsche gibt, die man ohne Schwierigkeiten versteht.

Und ob es wirklich so klug war, die Ostdeutschen als frustrierte Jammer-Wähler dazustellen, das wird sich am Wahltag zeigen. Die letzte Bundestagswahl wurde im Osten gewonnen. Mit Überheblichkeit wird man dort keine Sympathien gewinnen können. Frau Merkels Ost-Bonus alleine wird verbale Entgleisungen nicht wettmachen können.

Mit Angela Merkel tritt zum ersten mal eine Frau als Kandidatin an, zudem noch eine Ostdeutsche. Beides paßt in unsere Zeit. Als Kanzlerin aus Ostdeutschland könnte sie die Kluft in den Köpfen verringern. Das ist heute wichtiger denn je, denn das Zusammenwachsen von Ost und West lief nicht so reibungslos, wie es wünschenswert gewesen wäre.

Voraussetzung ist allerdings, daß die Union die Wahl gewinnt oder mit der FDP eine Koalition hinbekommt. Das wird aber nicht passieren, wenn Dummschwätzer die Wähler vergraulen.

Un-Schuldig

Wie gehen wir als Gesellschaft um mit Menschen, die straffällig geworden sind? Na klar, wir bestrafen den Täter. Und wie gehen wir mit Menschen um, die nicht straffällig geworden sind? Die bestrafen wir nicht. Soweit, so gut.

Der Prozeß gegen Andreas Türck beginnt heute. Wer bitte ist das? Genau. Da beginnt das eigentliche Problem. Türck war ein relativ erfolgreicher TV-Moderator bei ProSieben. Vor drei Jahren, im August 2002 soll er eine junge Frau sexuell genötigt oder gar vergewaltigt haben. Das Opfer oder das angebliche Opfer hat die Tat jedoch nicht angezeigt. So ein Verhalten ist bei Opfern von Sexualstraftaten nicht ungewöhnlich, zu groß sind Scham und Ekel und der Gedanke, bei einer späteren Gerichtsverhandlung alles noch einmal haarklein berichten und dadurch erneut durchleben zu müssen, ist auch nicht erfreulich.

Angezeigt wurde die Tat von staatlichern Lauschern, die ein Telefon abhörten, dort berichtete das angebliche Opfer einer Freundin, daß sie vergewaltigt worden sei. Die Lauscher mußten von Amts wegen Anzeige erstatten.

Im Mai 2004, also fast zwei Jahre nach der Tat, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Türck, damit wurde der Vorwurf öffentlich und eine Art Vorverurteilung begann, Türck verlor seinen Job.

Heute, fast ein Jahr nach Anklageerhebung, beginnt der Prozeß. Wie er ausgehen wird ist noch unklar. Ob sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie behauptet ist ebenso unklar. Ich weiß es nicht, ich war ja nicht dabei.

Eines aber steht schon heute fest, sein ehemaliger Arbeitgeber hat ihn fallen lassen, der Mann verlor nicht nur seinen Job sondern auch seine Karriere beim Fernsehen. Ob er die vorgeworfene Tat nun begonnen hat oder nicht, ob er schuldig ist oder nicht, vorverurteilt und bestraft wurde er auf jeden Fall.

Mir gibt zu denken, wie einfach es sein kann, einem Menschen Job und Karriere zu nehmen, auch ohne jeden Beweis seiner Schuld. Wie war das noch gleich mit dem Unschuldsprinzip?

Reiseimpressionen

Wenn man eine Reise tut, kann man bekanntlich viel erleben. Und da ich nicht jedes Detail einzeln verbloggen will, kommen hier nur die Glanzstücke, auch wenn sie teilweise alles andere als glanzvoll waren.

Reiseplanung
Die Planung der Reise war schwieriger als gedacht, konnten sich alle Beteiligten zunächst nicht auf ein Datum für die Anreise einigen. Neben einem genehmen Termin war auch die Verfügbarkeit günstiger Fahrkarten ein entscheidendes Kriterium. Warum ich die Fahrkarte am Automaten und nicht per Internet kaufen wollte, weiß ich nicht mehr, aber es war eine ungute Entscheidung. Die Schlange hinter mir war lang und die Wartenden waren entsprechend ungeduldig, so daß ich, ohne genau hinzusehen, den Zug wählte, den der Automat mir anbot. Aus einer schlechten Entscheidung wurde ein sattes Eigentor, denn ich kaufte eine Aktionsfahrkarte, die nicht umtauschbar war und nur für die gebuchte Verbindung galt. Bei näherem Hinsehen konnte ich dann nachlesen, daß meine Reisedauer statt möglicher vier knappe zwölf Stunden dauern würde, wovon mehrere Stunden auf nächtliches Warten auf einen Anschlußzug entfallen würden. Kurzum, ich hatte durch einen Moment der Unaufmerksamkeit satten Mist bei der Planung gebaut. Wenig später beichtete ich meinen Fehler und auch meine Befürchtung, nächtens ein paar Stunden an einem Ort namens „Anus Mundi“ verbringen zu müssen.

Anreise
Doch ich hatte Glück im Unglück und mir wurde nicht nur ein Empfangs- sondern auch ein Abholungskomitee zugesagt. Welch Bürde meine Retter auf sich nehmen sollten, würde mir später klar werden, als ich bei ihnen im Auto saß und wir den Rest der Reise gemeinsam bestritten. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an meine Retter!

Endlich angekommen waren wir dank langer nächtlicher Autofahrt völlig überdreht und saßen im Herz des Hauses, der Küche. Bei Thüringer Bratwurst, Bier und endlosen Gesprächen verging die Zeit, so daß wir uns hinlegten, als die Sonne wieder aufging. Aber ich war endlich angekommen.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit der üblichen Touristen-Bespaßung und ich bekam die lokalen Sehenswürdigkeiten und Typisches der regionalen Küche präsentiert.

Tage später saßen wir in einem sehr netten Cafe, statt Schlampenfieber gab es eine sehr leckere heiße Schokolade mit Zucker, aber ohne Kassengift. Obwohl ich weder Tätowierung noch sonstigen Körperschmuck trage, fiel ich unter den Gästen nicht auf. Ob die Schlampen müde geworden sind?

Am nächsten Tag besuchten wir das örtliche Stasi-Museum, eine gute Gelegenheit, eigene Vorurteile anhand von Beispielakten zu überprüfen. Als erstes fiel mir die Akte von „IM Fanfare“ in die Hände. Schon nach wenigen Seiten überkam mich das Gefühl, daß sich die Stasi selbst zu Tode verwaltet haben mußte. Jede noch so unbedeutende Kleinigkeit war penibel vermerkt, auch daß der IM seine Aussagen freiwillig gemacht habe, interessant, daß das ausdrücklich festgehalten werden mußte. Bestürzt war ich, als ich handgeschriebene Berichte von IM Fanfare las, Schriftbild, Stil, Grammatik und Rechtschreibung ließen klar erkennen, daß es sich um eine Person niedriger Intelligenz und Bildung handeln muß. Vollends lächerlich wurde das Ganze, als ich las, worum es eigentlich ging: „Westliche Schundlektüre“. Keine Agenten- oder Sabotagearbeit, keine Verschwörungen zu Republikflucht oder Attentaten, es ging um Groschenromane (West). So ein Aufwand für solche Lächerlichkeit, wenn die Stasi schon hier so einen Aufwand betrieb, was haben die dann bei größeren Sachen gemacht? Und wieviele volkswirtschaftliche Ressourcen wurden so gebunden oder verschwendet?

Angenehm aufgefallen ist mir die Tram, norddeutsch Straßenbahn. Die Fahrzeuge sind vom Feinsten, sehr leise, fast unhörbar, mit niedrigem Einstieg, so daß Müttern mit Kinderwagen oder Behinderte mühelos ein- und wieder aussteigen können. Auch die kurzen Fahrzeiten sind klasse, wer hier das eigene Auto benutzt, muß schon gute Gründe dafür haben, oder weiter außerhalb wohnen. Dann ist Geheimwissen über einen sehr zentral gelegenen, aber schwierig zu erreichenden Parkplatz notwendig.

Aus guten Gründen liegen Flughäfen etwas außerhalb der Stadt und sind mehr oder weniger gut mit dem Auto oder dem ÖPNV erreichbar. Erfreulich festzustellen, daß der Flughafen binnen nur 20 Minuten vom Hauptbahnhof erreichbar ist, die Tram hält direkt vor dem Terminal, wer das mal in Hamburg versuchen will, der wird merken, wie weltstädtisch oder eher provinziell manche Weltstadt wirklich ist.

Das Wetter war die ganze Woche hindurch hervorragend, jedenfalls nach norddeutschen Verhältnissen, die vom guten Wetter verweichlichten Bewohner des Freistaats hatten unter der Woche immer Angst vor Unwetter, so daß das versprochene Grillen im Garten erst am Wochenende stattfand. Mit vereinter Frauen-Power und Unterstützung von Oma und Freundinnen wurde im Handumdrehen eine echte Grillparty organisiert.

Abends wurde ich vom Frauenkollektiv zum Würfeln an den Küchentisch eingeladen und um Haaresbreite bis auf das sprichwörtliche Hemd ausgezogen. Am nächsten Abend gab’s dann die Revanche, Glück und Würfel waren mir hold und ich konnte der versammelten Frauenpower zeigen, wer der Herr im Haus ist.

Um auch in Zukunft dort Gast sein zu dürfen, mußte ich in den folgenden Tagen Pluspunkte sammeln und typische Männerarbeiten erledigen: Anstehenden EDV-Probleme lösen, den Kampf mit einem widerspenstigen Satelliten-Receiver gewinnen und Kleinigkeiten am Auto hinfummeln.

Alles in allem war’s eine schöne Woche…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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