Archiv für September 2005

Nik unterwegs: Strangers in the night – Fortsetzung

Wieder mal will ich zum Hamburger Flughafen. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und fahre jetzt über den Horner Kreisel. Ich bin auf die Minute pünktlich, der Flieger nicht. Das Kunstwerk, das meine Wartezeit bei einem der letzten Besuche dort überbrückte, ist leider nicht mehr da.

Wartezeit ist oftmals mit Langeweile verbunden. Das ist schade, denn man kann solche Wartezeiten durchaus sinnvoll überbrücken. So stromerte ich durch die Flughafenhalle und ließ meine Blicke und Gedanken schweifen.

Der nette kleine Laden mit tausend leckeren Süßigkeiten ist verschwunden, an ihn erinnern nur noch die Aufkleber an den Fensterscheiben der leeren Nische. An einem Pfeiler, die eine Anzeigetafel tragen, hängt nun ein Defibrilator für den Selbsteinsatz, jedenfalls sah es mir danach aus. So genau konnte ich mir das nicht ansehen, denn das Gerät ist in einer alarmgesicherten Box, die zu große Neugierde meinerseits mit einem lauten Pfeifen quittiert hätte. So neugierig war ich dann doch nicht – außerdem ist so ein Gerät ja auch nur für den Notfall da.

Ich bewegte mich weiter durch die Halle und fragte mich, wie es wohl im Obergeschoß aussähe. Die Rolltreppe brachte mich der Antwort auf diese Frage näher. Ich bin immer noch von der Größe der Halle beeindruckt. Weil es gestern abend schon spät war und kaum Menschen in der Halle waren, wirkte die Größe der Halle noch imposanter. Das Dach hatte die Wölbung eines Flugzeugsflügels, durchaus passend für ein Gebäude an diesem Ort. Während ich die Stimmung des Ortes in mich aufsog, wurde ich unruhig, ob der Flieger vielleicht schon gelandet sei. Ich fuhr mit der Rolltreppe wieder runter um die Anzeigetafeln der ankommenden Flüge zu kontrollieren.

Ich hatte noch Zeit und fuhr wieder mit der Rolltreppe nach oben in die große Halle. Ich fahre gerne mit Rolltreppen. Seit meine Oma mir das Fahren auf Rolltreppen in einem großen Kaufhaus beibrachte, fahre ich gerne mit Rolltreppen. Sie bewegen mich nicht nur von einem Stockwerk in ein anderes, sie ändern auch meine Sicht auf die Dinge. Was man eben von aus der einen Perspektive gesehen hat, sieht man nur Sekunden später aus einem anderen Blickwinkel. Ich bekam nicht genug davon, die große Halle aus sich einer ständig veränderten Sicht zu sehen. Also tat ich, was sich wohl nur die wenigstens Menschen jemals getraut haben, ich fuhr immer wieder hoch und runter mit der Rolltreppe. Ich wollte schon als Kind solange mit der Rolltreppe fahren, bis mir schwindlig wurde. Damals wurde nichts draus. Gestern auch nicht. Denn der Flieger kam an und ich war ja nicht zum Spaß da. Naja, eigentlich doch. Denn ich hatte meinen Spaß. Und ich danke meiner Oma dafür, daß sie mir das Vergnügen der Rolltreppe nähergebracht hatte.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Google

Ein siebter Geburtstag ist ein Grund zum Feiern. Einerseits, weil die Sieben in unserem Kulturkreis eine besondere Bedeutung hat, man denke nur an die sieben Tage einer Woche, an „Die glorreichen Sieben“, oder die sieben Zwerge, über die sieben Brücken, über die man geh’n muß, oder an die Bedeutung der Sieben in der Bibel in Form von sieben guten oder schlechten Jahren oder sieben Plagen.

Sieben ist kein besonderes Alter für einen Menschen, jedoch ein beachtenswertes Alter für Unternehmen in der schnellebigen Welt der IT. Die Dot-Com-Blase platze rasch wieder und viele Firmen, die den angeblichen Stein der Weisen erfunden hatten und in den Himmel gehoben wurden, stürzten ab und waren binnen kürzester Zeit nur noch (traurige) Geschichte. Außer ein paar Aktionären, die viel Geld verloren haben, wird sich kaum jemand an sie erinnern.

Google feiert heute seinen siebten Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Google war weder die erste Suchmaschine im Internet, noch ist es heute die Einzige, aber nur Google ist dermaßen in unser Bewußtsein vorgedrungen, daß „googlen“ zum Begriff für Suchen mit Suchmaschinen im Internet wurde.

Wem es gelingt, einen Ausdruck zu prägen, der ist wirklich ein ganz großer geworden und hat es in die Unsterblichkeit geschafft. Wer weiß noch, wer Wilhelm Conrad Röntgen war, aber viele wissen, was „röntgen“ bedeutet.

Auf die nächsten mindestens sieben Jahre…

Deutschland am Abend der Bundestagswahl

Deutschland hat gewählt. Die erste Überraschung erlebe ich schon bei der Stimmabgabe: Im meinem Wahllokal hat sich eine Schlange von Wahlwilligen gebildet, das erlebe ich zum ersten mal. Ich frage die Wahlhelfer nach der Wahlbeteiligung und erfahre, daß die Helfer gut zu tun haben, was sie erfreut. Wenn sie sich schon am Sonntag den Hintern plattsitzen müssen, dann soll es sich auch bitteschön gelohnt haben.

Die nächste Überraschung: CDU und FDP haben die absolute Mehrheit verfehlt. Wahlforscher hatten Schwarz-Gelb schon auf der sicheren Seite gesehen.

Wie üblich sehen sich nach der Wahl alle als Gewinner.

Doch wer hat wirklich gewonnen? Die Antwort ist gegenwärtig noch unklar.

Die Verlierer stehen jedoch schon fest:

Die SPD hatte mit den Grünen vor der Wahl eine knappe Mehrheit, durch das inszenierte Mißtrauensvotum hat Gerhard Schröder die absolute Mehrheit von Rot-Grün verzockt. Nun kann er sehen, wie er weiter regieren will. Denkbare Koalitionen wären die Ampel, was die FDP allerdings zum jetzigen Zeitpunkt ausschließt. Eine Koalition mit Linksaußen und damit mit seinem alten Weggefährten Oskar Lafontaine, will der Noch-Kanzler nicht. Eine große Koalition könnte die SPD wegen weniger Wählerstimmen wohl nur als Juniorpartner der CDU/CSU eingehen und damit wäre Schröder seinen Job als Kanzler los.

Auch die CDU/CSU hat die Wahl nicht gewonnen, selbst mit der FDP wird er nicht für eine Mehrheit reichen. Und eine Minderheitsregierung hätte nicht die Kraft, weitreichende Veränderungen anzustoßen, die unser Land braucht.

Ein italienischer Freund brachte es auf den Punkt:

Es ist normal, jeder hat gewonnen. Ich frage mich, wer verloren hat, das deutsche Volk sicherlich.

Feld-Instandsetzung

McGyver hatte gerufen und das Helferlein trabte an. Ich gebe es zu, ich sehe meine Stärken nicht unbedingt im Auto-Schrauben, aber Werkzeug anreichen, das bekomme ich hin. Und noch einiges mehr. Und man wird ja auch nicht dümmer, wenn man zuschaut oder hilft, wenn ein Zahnriemen beim Motor getauscht werden muß. Und überhaupt.

Statt einer Werkstatt erwartete mich ein Zeltdach. Vieles war improvisiert. Wir wuselten und werkelten Stunde um Stunde. Es wurde immer dunkler, so daß wir irgendwann im Schein von Taschenlampen arbeiteten mußten. Irgendwie erinnerte mich das Alles an feldmäßiges Instandsetzen. Aber das Zelt war kein Tarnzelt und die Taschenlampen gaben Weiß- und kein Rotlicht ab. Aber sonst war’s wohl recht authentisch.

Jedenfalls wurden wir nach getaner Arbeit mit einem laufenden Motor belohnt. Was will man mehr?

Die (Chrom-)Axt im Haus erspart den Zimmermann

Es ist Samstag, ich bin auf eine Party eingeladen. Ich kenne den Weg ausreichend gut, so daß ich auf das neben mir sitzende Navigationssystem nicht zurückgreifen muß. Staufrei und auf die Minute pünktlich erreiche ich mein Ziel. Zur Belohnung gibt’s ich einen Parkplatz in direkte Nähe der Party.

Anlaß für das Spektakel ist der Geburtstag eines Freundes. Ich kenne seine Vorliebe für T-Shirts mit provozierendem Aufdruck, mein Geschenk liegt ziemlich richtig, nur leider hatte ich mich leicht in der Größe vertan.

Der absolute Knaller der Geschenke war jedoch eine Chromaxt. Ein Gast hatte das Thema „Chromaxt“ aufgegriffen und eine Axt besorgt und deren Keil verchromen lassen. Der örtliche Psychopathen-Ausstatter hatte wohl gerade keine Chromäxte vorrätig.

Manche Gastgeber können nicht selbst kochen, was nicht schlimm sein muß. Wer jedoch seine Gäste dann aber mit fünf Sorten Nudelsalat, eine langweiliger und fader als die andere, quält, macht einen Fehler. Auch unsere Gastgeber geben gerne zu, nicht kochen zu können, mit einem bezaubernden Lächeln verkündet die Dame des Hauses, daß sie dafür perfekt bestellen könne und überraschte die Gäste mit einem phantastischem thailändischem Buffet. Am Buffet konnte man erkennen, wer Mann und wer Memme ist. So mancher, der vorgibt, ein echter Kerl zu sein, wich dann auf Essen für Memmen aus.

Der Abend war feucht-fröhlich, doch mit der Zeit forderte der Alkohol die ersten Opfer, wohl dem, der noch fahren wollte und dank dieser Ausrede den Abend mit St. Pauligrino verbringen durfte. Ich hatte die Bestände an Mineralwasser jedenfalls für mich.

Auf dem Rückweg mußte ich auf das Navigationssystem verzichten, es war abgestürzt und gab komische Fehlergeräusche von sich. Der Absturz sorgte für erhebliche Störungen, alle Versuche, das Navigationssystem am folgenden Tag wieder in Betrieb zu nehmen, führten zu Core-Dumps. Erst in den späten Abendstunden gelang es, das System wieder auf die Beine zu bekommen.

Kurzum: Ein wirklich gelungener Abend!

Bürgernahe Parteien – Telefonische Wahlerinnerung

Politischen Parteien wird gerne mal nachgesagt, sie haben sich (zu) weit vom Bürger entfernt. Daß es aber auch anders gehen kann, zeigte mir eben ein Telefonanruf.

Das Telefon klingelt mit unterdrückter Rufnummer, ich bin skeptisch, wer mich anruft. Der Anrufer meldet sich mit Namen und den Hinweis, daß er im Auftrage der SPD anrufe.

Ich wundere mich.

Er möchte freundlich daran erinnern, daß morgen Bürgermeisterwahl sei und fragte, ob ich denn zur Wahl gehen wolle. Natürlich will ich. Er fragte auch, ob ich noch Interesse an Informationen für meine Entscheidung benötigte. Danke, aber ich habe mich bereits entschieden.

So einen Dienst am Kunden, pardon, Wähler, habe ich noch nie erlebt. Schon erstaunlich, welche Wege Parteien gehen, um Wähler anzusprechen. Schade nur, daß nach der Wahl wieder alles so sein wird, wie vorher, da interessiert der Wähler dann wieder wenig und man beschäftigt sich mit sich selbst und nicht mit den anstehenden Problemen.

Aber lassen wir uns überraschen…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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