Archiv für Oktober 2005

Dreckige Wäsche

Manchen Menschen geht’s ganz schön dreckig. Besonders dann, wenn die eigene Waschmaschine nicht mehr will und die Freunde, die sich das mal ansehen wollen, sich als sehr unzuverlässig erweisen und einen hängen lassen. Wenig hilfreich ist es auch, wenn eine Freundin und Nachbarin, eine Waschmaschine hat, diese aber nicht angeschlossen bekommt, weil… ach, das ist eine lange Geschichte, vielleicht liegt’s auch Anne Technik…

Wahl-Versprechen

Wahlkampf ist immer spannend. Spannend, weil Parteien Aussagen machen, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Spannend aber auch, weil Parteien auf das eingehen, was die Konkurrenz vorhat.

Wer vor der Wahl vor dem „Merkel-Minus“ und dem „Kohlhof-Kahlschlag“ gewarnt hat, will jetzt selbst die Mehrwertsteuer erhöhen und genau das machen, was die angeblich so bösen Anderen machen wollten. Für wie blöde hält man bei der SPD eigentlich den Wähler?

Die Hartz-Pakete, erst als „Wunderwaffe“ des Arbeitsmarktes gepriesen, haben sich als Monster von Bürokratie erwiesen und der ganze Spaß wurde viele Milliarden teurer als geplant. Schuld sind natürlich nicht die Verursacher von windigen Wunder-Gesetzen und schlechter Behörden-Planung, schuld sind die Menschen, die genau das in Anspruch nehmen, was das Gesetz ihnen erlaubt. Und wenn’s dann viel teurer wird, weil der Gesetzgeber sein Handwerk nicht macht, dann sind Sozialschmarotzer und Parasiten schuld.

Wie war das mit der Politikverdrossenheit? Die kommt nicht von ungefähr, daran sind die bösen Medien schuld, aber das ist eine andere Geschichte…

Werber im Drogenrausch – Fortsetzung

Die Menschen in der Werbebranche sind manchmal komisch. An die Wirkung von zuviel Koffein in „normalem“ Wasser haben wir uns schon gewöhnt, siehe hier.

Nun will uns die Werbung eine neue Geschichte erzählen. Ist sitze bei der Waschmittelberaterin auf der Couch und wir sehen TV. In der Werbepause läuft ein mir unbekannter Spot. Ich beachte ihn nur wegen der ausgesprochen guten musikalischen Untermalung. Ich sehe eine Familie mit kleinen Kindern, die Urlaub in einem Wohnmobil machen. Es ist kein Produkt zu sehen. Ich werde neugierig und sehe genauer hin. Dann kommt die Auflösung, das Schönste am Urlaub sei der Waschtag hinterher, wenn die Wäsche nicht nur sauber sondern rein wird. So will uns das ein Hersteller verkaufen. Kein Scherz, ich schwöre, genau so lief der Spot im TV. Die Waschmittelberaterin ist meine Zeugin.

Ich weiß nicht, was passieren muß, damit man auf solche Ideen kommt. Haben die Kreativen statt Koks diesmal Waschmittel geschnieft? Ich fürchte, wir werden es nie Erfahren.

Auf der Straße nach Süden – Kreative Tarnung

Wenn man eine Reise tut, kann man bekanntlich was erleben. So erging es auch mir, als ich neulich Richtung Süden fuhr. Auf der Autobahn war sehr hohes Verkehrsaufkommen und zeitweilig war auch Stau. Was machen Autofahrer im Stau? Ich ließ meine Blicke schweifen und bemerkte, daß neben mir auf der rechten Spur nicht nur ein anderer Verkehrsteilnehmer im Schrittempo fuhr, ich nahm wahr, daß es ein Tieflader war, der etwas Komisches geladen hatte. Ich sah aus dem Fenster. Die Ladung war… Ja, was eigentlich?

Dann erkannte ich die Ladung, es handelte sich um zwei Transportpanzer, die ich schon sehr oft gesehen habe und eigentlich auch sofort als solche erkannt hätte, wären sie nicht komplett mit Graffitis besprüht gewesen. Die bunten Farben und unregelmäßigen Formen dieser Tarnung lösten die ziemlich klotzartige Form des Mannschaftstransporters fast vollständig auf und ließen ihn als sonstwas erscheinen, nur eben nicht mehr als Panzer.

Als der Verkehr wieder in gang kam und auf der mittleren Spur schneller floß als auf der rechten, entdeckte ich noch zwei Tieflader. Ihre Ladung erkannte ich auf einen Blick, es fehlte ja auch die kreative Tarnung.

Wie sagte es mal ein Bekannter: Wenn ich meinen Beobachtungspanzer irgendwo am Arsch der Welt verstecken müßte, dann käme der direkt neben eine Bushaltestelle, würde bunt angemalt und mit Plakaten beklebt, dann findet den niemand mehr.

Vielleicht hat die Armee mittlerweile dazugelernt?

Der Name der Hose – Mit der Klamottenberaterin unterwegs

Die Klamottenberaterin inspiziert wieder mal ihr Revier und macht Station im örtlichen Hippie-Ausstatter. Neben Bekleidung für die Hippie-Fraktion der Girlie-Generation führt der Laden auch Grundausstattung für den Esoteriker, Gothic-Girls und andere Subkulturen. Da ich nicht primär als Einkaufsbegleitschutz dabei war, hatte ich Zeit, mich im Laden umzusehen. In der hintersten Ecke entdeckte ich eine Abteilung mit Armee-Bekleidung. Ich habe durchaus einen Sinn für derlei Kleidung, auch wenn sie nicht so hip und trendy ist, wie das, was der Hip-Hop-Ausstatter verkauft. Dafür sind derlei Klamotten kaum der Mode unterworfen und manch gutes Stück sieht zivil genug aus, um es auch außerhalb von Kaserne oder Dschungel zu tragen, außerdem bekommt man für das Geld, was Hosen woanders kosten zwei oder drei Hosen. Dummerweise konnte ich mich nicht gleich entscheiden, wir verließen den Laden ohne Beute.

Am nächsten Tag wollte ich dann Beute machen und wir suchten den Laden erneut auf. Meine Vorstellungen waren recht konkret, ebenso die Liste der zu erfüllenden Anforderungen. Zielorientiert ging ich in die Ecke und sichtete das – zunächst große – Angebot. Nach Anwendung meiner Auswahlkriterien verkleinerte sich die Auswahl jedoch schnell, manche Produkte gab’s nicht in meiner Größe, wiederum andere waren mir nicht zivil genug, zu verspielt oder erfüllten nicht die notwendigen Kriterien. Ich probierte mich durch das in Frage kommende Angebot. Die Klamottenberaterin zeigte zunächst wenig Begeisterung. Solche Nebensächlichen ignorierend, probierte ich mich durch die restliche Auswahl.

Ich staune immer wieder, wie unterschiedlich groß Kleidergrößen ausfallen. Manchen Hosen in Größe L bekomme ich nicht mal zu, andere passen vom Umfang, sind aber zu kurz. Nach kurzer Entscheidung wurde es dann doch eine Hose in XL. Sie sitzt vielleicht etwas luftig, ist aber lang genug und – das ist das wichtigste Kriterium – gefällt mir.

Shoppen, Bloggen, Shopblogge(r)n

Manchmal ist Einkaufen eine Sache, die man möglichst schnell erledigt, es geht um reine Beschaffung von Konsumgütern. Manchmal ist Einkaufen eher ein Bummel über einen Basar, man hält ein Schwätzchen mit den Damen der Käsetheke und lässt sich beraten, welcher Käse es denn heute sein soll, trifft das eine oder andere bekannte Gesicht, nickt sich freundlich zu oder wechselt ein paar nette Worte.

Vor ein paar Wochen klönte ich mit dem Marktleiter und erzählte ihm, daß einer seiner Kollegen die alltäglichen Abenteuer, die in einem Supermarkt nun mal so passieren, veröffentlicht. Neugierig fragte er mich nach der Adresse und er schrieb sie sich auf. Seitdem liest er das des Shopbloggers Blog.

Vor ein paar Tagen war ich mit bloggender Begleitung einkaufen und wir begegneten dem Marktleiter. Schnell ergab sich ein Gespräch und Blog-Leser und Blog-Schreiber tauschten sich aus. Der Marktleiter findet sich in den Geschichten des Shopbloggers wieder, so manche Geschichte, die Kollegen passiert, kennt er aus eigenem Erleben.

Dank Shopblogger und Bloggen dauerte das Shoppen dann etwas länger, dafür haben wir aber nun etwas zum Bloggen über das Shoppen…

Fast richtig kassiert beim Fast Food

Die Ernährungsberaterin ist nicht immer vorbildlich: Erst versucht sie mir ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich an einem Bratwurst-Stand halt machte und eine Thüringer holte, dann will sie unbedingt in die Filiale einer großen amerikanischen Burger-Kette, um dort einen Burger in „Big“ zu bestellen, dazu eine kleine Cola und zwar nicht in „light“.

Der Burger muß frisch zubereitet werden, die Dame an der Kasse bietet an, ihn uns an den Tisch zu bringen und stellt einen numerierten Aufsteller auf unser Tablett und vermekt auf dem Kassenbon die Nummer, so daß sie uns anschließend leichter wieder findet.

Die Ernährungsberaterin vertilgt den Big-Burger und spült die Bissen mit reichlich Cola runter, schnell ist der Becher mit den 0,3 Litern fast ausgetrunken. Während ich zusehe, schweift mein Blick ab und fällt auch auf den Kassenbon. Dort wird eine Cola 0,4 Liter vermerkt. Da sich dieser kleine Unterschied mit immerhin 0,5 Euro bemerkbar macht, was pro Liter den stolzen Preis von 5 Euro ergibt, werde ich stutzig und begebe mich zu Kasse. Dort spreche ich einen Mitarbeiter an und schildere den Sachverhalt.

Fast wortlos drückt mir der Fast Food-Verkäufer eine Cola in der ursprünglich bezahlten Größe in die Hand. Er tut das fast mit der Selbstverständlichkeit, als wären solche Pannen beim Verkauf von Fast Food dort an der Tagesordnung.

Das gibt mir dann doch fast zu denken.

Pressefreiheit – oder auch nicht.

Oh weh, was muß man da im Spiegel lesen? Otto Schily zeigt sehr deutlich, was er von Pressefreiheit hält. Und das scheint nicht viel zu sein, anders kann man seine vom Spiegel zitierten Äußerungen wohl kaum interpretieren.

Journalisten sind ihm irgendwie suspekt, erst recht dann, wenn sie „unfair“ berichten und dem Programm seiner Partei nicht den Stellenwert einräumen wie den Programmen anderer Parteien. Wenn die eigene Partei schlecht abschneidet, dann sind nicht etwa unfähige Politiker schuld, nein, die Presse hat die Arbeit der Regierung kaputtgeschrieben.

Und wenn es irgendwo undichte Stellen gibt und die Medien davon Wind bekommen, wer hat dann schuld? Die Medien. Wer sonst? Den Überbringer schlechter Nachrichten zu bestrafen und nicht den Verursacher offenbar nicht nur bei Despoten eine lange Tradition.

Schily beklagt sich, daß man im Ministerium nicht mal ein Brainstorming machen könne, ohne daß sich jemand das Papier schnappe. Tragisch das. Aber wer ist nun daran schuld? Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, daß da jemand seinen Laden oder seine Mitarbeiter nicht im Griff hat. Bei Schily sind die Journalisten die Übeltäter. Schuld sind immer nur die anderen.

Und wenn aus dem BKA geheime Unterlagen durchsickern, dann sind natürlich die Journalisten schuld. Und wenn sie schuldig sind, dann kann man nach Herzenslust die Redaktionen durchsuchen lassen. Natürlich ist es für eine Organisation peinlich, falls sie ihre Geheimnisse nicht zu bewahren mag, das gilt auch für das BKA. Im BKA listete man die Rechner auf, die externe Laufwerke haben, schließlich könnten so die Informationen „exportiert“ worden sein. Dabei gehört es zum kleinen Einmaleins der IT-Sicherheit, daß man solche Laufwerke nicht nur ausbaut sondern auch lahmlegt, damit „dezentral beschaffte“ Laufwerke nicht zum Sicherheitsleck führen können. Da hat dann wohl jemand gepennt – im Ministerium.

Interessant ist auch die Tatsache, daß 269 Personen Zugang zu den durchgesickerten Unterlagen hatten. Daß die Wahrscheinlichkeit von Verrat mit dem Quadrat der Anzahl der betreffenden Personen wächst, ist eine Binsenweisheit. Wer also Geheimnisse zu bewahren hat, der hält den Kreis der eingeweihten Personen klein. Beim BKA ist das offensichtlich nicht der Fall. Der Spiegel spricht von „schlampiger Behördenorganisation“. Aber so was kann Schily wohl nicht zugeben. Da schiebt man die Schuld lieber der Presse zu.

Schon einmal in der Geschichte der Bundesrepublik gab es einen „Abgrund an Landesverrat“. Den damaligen Verteidigungsminister Strauß hat sein Vorgehen gegen die Pressefreiheit seinen Job gekostet. Minister Schily scheint nichts aus der Geschichte gelernt zu haben. Für ihn scheint Pressefreiheit etwas zu sein, daß man nach Gutdünken verteilt. Oder auch nicht. Wenn die Presse nicht kuscht und die eigene Partei bejubelt.

Hoffen wir, daß Schily bald aus seinem Amt verschwindet.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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