Archiv für Juli 2006

Waschlappen — nicht nur für „Waschlappen“

Wenn’s so heiß ist wie an diesen Tagen, dann werden Menschen erfinderisch, wenn es darum geht, sich abzukühlen. Seit wir uns lieber duschen als nur zu waschen, ist der gute alte Waschlappen ziemlich aus der Mode gekommen. Nun feiert er seine Auferstehung, nicht unbedingt um sich damit zu waschen sondern um sich abzukühlen. Ein Waschlappen, angefeuchtet mit kalten Wasser ist herrlich erfrischend und ersetzt die eine oder andere Dusche am Tag. Und selbst echte Männer überstehen mit solchen Tricks 30°C Raumtemperatur klaglos…

Schily = Strauß?

Was haben Otto Schily und Franz Josef Strauß gemeinsam? Beide glaubten an einen „Abgrund von Landesverrat“ und ließen gegen die Presse vorgehen. In beiden Fällen hat sich die angebliche Gefahr als Hirngespinst erwiesen. Den einen hat’s damals den Job gekostet, der andere ist seinen Job auch los, wurde aber eleganter entsorgt.

Beide Fälle haben eines gemeinsam: Schuld an bekannten Schwachstellen sind und waren nicht die ach so bösen Journalisten, die darüber berichten. Das muß so mancher Verteidigungs- oder Innenminister noch lernen.

Bruno Schirra geriet in das Visier der Ermittler, weil er im März 2005 aus einem (vertraulichen) Bericht des BKA über einen Terroristen zitiert hatte. Das führte dann zu einer Durchsuchung der Redaktionsräume des Magazins „Cicero“ und der Privaträume Schirras.

Nun lehnen die Richter des Landgerichts Potsdam die Eröffnung eines Verfahrens gegen Schirra ab. Interessant ist ihre Begründung, warum Journalisten keine Beihilfe zum Geheimnisverrat leisten können: Geheimnisverrat wird begangen, wenn ein Geheimnisträger Material weitergibt. Dann ist ein Geheimnis verraten und die Tat des Geheimnisverrates vollendet und beendet, so die Argumentation der Potsdamer Richter.

Interessant auch, daß das angeblich geheime Material, zu dessen Verrat Schirra beigetragen haben sollte, schon 2004 in einem Buch des Journalisten Jean-Charles Brisard zitiert wurde. Wenn man versucht, Journalisten zu belangen, weil sie Dinge schreiben, die längst woanders nachzulesen waren, dann sieht mir das sehr nach einer persönlichen Racheaktion aus und dem Versuch, einem Journalisten einen Maulkorb zu verpassen.

Schön, daß es Richter gibt, die da nicht mitmachen.
Und auch schön, daß Politiker, die sich so was beteiligen, recht schnell aus dem Amt verschwinden.

Link zu Spiegel-Online

Meine Hymne zur WM (Nachtrag)

Ach ja, „We Germans“ von Mundstuhl ist mein absoluter Ohrwurm dieser Wochen geworden. Die Reggae-Klänge paßten ja auch hervorragend zum Wetter…

WM 2006 – Mein persönlicher Rückblick

Das war’s also nun, die Fußball-WM 2006 ist gelaufen.

2002 wurde über Rudis Gurkentruppe gelästert, dann wurde die Mannschaft Vizeweltmeister und plötzlich sangen alle „Ein Rudi Völler, es gibt nur ein Rudi Völler“. Neues Spiel, neues Glück. Die „Klinsmänner“ haben sich verdammt gut geschlagen und sind immerhin dritter geworden. Respekt!

Das erfreulich gute, fast schon zu heiße, Wetter erlaubte den Anhängern, sich die Spiele an öffentlichen Übertragungsorten anzusehen und auf den Fanmeilen zu feiern. Fast immer blieb es friedlich, was sehr schön war. Es gab keine Anschläge und sonstige Zwischenfälle blieben auch fast gänzlich aus.

Vor der WM erweckten einige Politiker den Eindruck, daß ausländische Gäste nicht (überall) sicher seien könnten und wollten schon „No go“-Areas herbeireden. Ich finde es schön, daß das Ausland sehen konnte, daß hierzulande eben doch nicht unter jedem Stein ein militanter Glatzkopf steck und daß Deutschland ein guter Gastgeber war.

Gut gefallen haben mir die vielen Fahnen in Schwarz-Rot-Gold. Die Deutschen entdeckten einen fröhlichen Patriotismus und schämten sich auf einmal nicht mehr dafür, deutsch zu sein. Vielleicht trägt die WM auf diese Weise dazu bei, unser eigens Verhältnis zu Deutschland zu entkrampfen, es wäre uns zu wünschen. Dann wäre es auch überhaupt nicht schlimm, daß „wir“ nicht Weltmeister geworden sind. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben. Außerdem ist in zwei Jahren EM und noch zwei Jahre später schon wieder WM und bekanntlich ist nach der WM ja vor der WM, oder?

WM 2006 – Public Viewing? Private Listening!

Bei der Fußball-WM 2006 gab’s zum ersten mal sogenannte „Public Viewing Areas“, auf gut deutsch Orte mit öffentlicher Bildübertragung. Dort sahen sich dann Fußballfreunde die Spiele an und feierten oder trauerten dann über den Spielverlauf.

Doch das ist nichts gegen mein „Private Listening“. Meine neue Nachbarn kommentierten lautstark den Spielverlauf, so daß ich im Bilde war. Naja, nicht ganz, denn sie schrieen auch dann schon „Tooooor“ als noch kein Tor gefallen war.

Ich bin sicher, daß die Nachbarn bis zur nächsten WM lernen werden, daß vorauseilender Jubel nicht gerade sehr nervenschonend ist. Falls sie so lange hier wohnen werden. Spätestens bei der EM in zwei Jahren wird das unüberhörbar sein.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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