Archiv für 2006
Heute bleibt die Küche kalt
Die Älteren von uns werden sich vielleicht noch an
erinnern.
Ja, was waren das noch für Zeiten, damals, kurz nach dem Wirtschaftswunder. Der Wienerwald war lange Zeit die Adresse für auswärtiges Essen. Das Angebot war überschaubar, der Kunde bekam, was er wollte. Der Wienerwald überzog mit seinen Restaurants ganz Deutschland, wurde quasi die Mutter der Systemgastronomie. Das war viele Jahre, bevor McDonald, Burger King und andere Gastronomie-Ketten uns zeigten, daß man auch in das etwas andere Restaurant gehen konnte. Im Laufe der Jahr(zehnt)e hatte sich der Geschmack des Publikums verändert. Die Kunden blieben fern, die Finanzen stimmten nicht, Insolvenz.
Nun lese ich bei Spiegel Online, daß der Wienerwald den Neustart schafft. Ich drücke die Daumen und bin gespannt, wann ich wieder dort essen werde.
Der legendäre Slogan von damals blieb über all die Jahre im Gedächtnis hängen…
Ja, ist denn heut’ schon’ Weihnachten?
Natürlich sind’s bis zum Heiligen Abend noch knappe drei Monate, aber so langsam denke ich an Weihnachten. Ob das nicht ein wenig früh ist? Ja, sicher, in den Supermärkten wird erstmal Helloween vermarktet und zumindest tagsüber ist es noch eher Sommer als Winter. Wie ich denn nun auf Weihnachten komme?
Ich hab’ mir eben mal wieder ein Räucherstäbchen angezündet. Eines von denen, die mir meine Tante zu Weihnachten schickte. So langsam geht der Vorrat zu ende. Also, liebe Tante, solltest Du has hier lesen… Es ist ja bald wieder Weihnachten. Aber vorher habe ich noch Geburtstag.
Ich verspreche auch, mich bei jedem Anzünden zu freuen und an Dich zu denken.
Wort des Tages
Manche Lebensweisheiten sind einfach zu schön, um sie nicht festzuhalten. Heute begegnete mir:
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker…
Entweder — oder? Sowohl als auch!
Vor Tagen lief ich Zeugen Jehovas in die Arme. Und wie üblich wollten sie über Gott reden. Kennt man ja schon. In der Fußgängerzone hatten sie einen Infostand aufgebaut, auf dem es um die Frage “Evolution oder Schöpfung” ging. Und während ich noch das Plakat las, kam auch schon ein älterer Herr auf mich zu und sprach mich auf diese Frage an.
Für mich war der Fall klar: Kann so etwas Geniales wie die Evolution wirklich ganz ohne einen göttlichen Willen entstehen? Statt der Frage “Evolution oder Schöpfung” kann man sich das auch ganz anders vorstellen. Die Evolution war Gottes Werkzeug bei der Schöpfung. Und schon haben wir ein “Sowohl als auch” und eine Position, die beide Lager verbinden könnte.
Selten habe ich gegen die rhetorisch meistens hervorragend ausgebildeten Zeugen Jehovas so schnell einen Sieg nach Punkten errungen. Und das Beste: Mit dem Ansatz “Evolution als Werkzeug der Schöpfung” kann sich fast jeder identifizieren.
Gerne hätte ich das nette Gespräch noch fortgesetzt, aber ich war ein wenig in Eile…
Eben gehört: Jan Delay – Klar
Normalerweise halte ich Menschen in tiefergelegten Autos, die bei offenem Fenster ihre Umwelt mit lautem Krach aus den Musikanlagen ihrer Autos beschallen, für idiotische Proleten und versuche sie zu ignorieren. Heute gelang mir das nicht, die Musik war zwar laut, aber gut. Intelligente Texte und eine sehr eingängige Melodie. Ich bedauerte fast schon, daß die Ampel so schnell wieder grün war und es weiterging.
Manchmal hat man ja Glück: Die nächste rote Ampel sorgte dafür, daß ich mich wieder neben die rollende Disco stellen konnte. Jawohl, konnte. Ich hätte mich auch etwas weiter vorne anstellen können, aber ich wollte mehr von der Musik hören.
Die Insassen warfen mir einen Blick rüber und ich fragte, was wir da gerade hörten. “Klar” von Jan Delay. Und nun habe ich einen Ohrwurm. Wann bin ich wieder in der Stadt und komme an einem CD-Laden vorbei?
Nachtrag 2006-06-27: Wer sich den Song mal anhören möchte, findet ihn zum Beispiel hier.
Scharf eingelegte Gurken — reloaded
Irgendwann hatte der Shopblogger mal in seiner Rubrik Produkt der Woche scharf eingelegte Gurken probiert. Das ist lange her. Die Rubrik heißt nun “Persönlich getestet”. Ich hatte mich seinerzeit davon animieren lassen, diese Gurken auch mal zu probieren und war begeistert, hatte ich hier und hier schon mal geschrieben.
Neulich beim Einkauf sehen wir einen Aufsteller mit kleinen Probiergläsern, darunter auch wieder die scharf eingelegten Gurken von Kühne. Ich hab dann gemerkt, daß die scharf eingelegten Gurken noch schärfer waren. Ist kein Wunder, denn die kleine Peperoni, die früher ein großes Glas würzen mußte, gibt ihre Schärfe nun an ein kleines Glas ab. Gute Idee! Kommt nun als Standprodukt auf meinen mentalen Einkaufszettel.
Unheimliche Blicke
Vor Tagen bekam ich einen Brief mit einer kleinen Aufmerksamkeit darin. Beigelegt war auch eine Edgar-Postkarte. Ihr kennt diese Werbe-Postkarten mit lustigen Motiven drauf, die es in Kneipen gibt und die schon längst einen Kultstatus erreicht haben.
Das wäre alles nicht der Rede wert, falls ER mich nicht seitdem ansähe. SEIN Blick und dieses unvergeßliche “Noch einen Wunsch, Mylady?” läßt einem das Blut in den Adern gefrieren. Natürlich, auf der Postkarte ist Klaus Kinski, daneben der Spruch “Können diese Augen lügen?”.
Ich habe die Postkarte nun so aufgestellt, daß ER mich ständig ansieht…
Wieso spüre ich nun den leichten Hauch eines indischen Seidentuches, das jemand hinter mir durch die Luft schwingt?
Sollte ich mich nicht mehr selbst bei der Absenderin bedanken können, ist dies mein Vermächtnis
Welche Jahreszeit haben wir?
Manchmal weiß ich nicht, welche Jahreszeit wir haben. Zwar kann mir der Kalender ganz genau sagen, ab welchem Datum welche Jahreszeit anfängt, aber entscheidend ist etwas anderes.
Heute beim Einkauf gab es mehrere widersprüchliche Anzeichen, so daß ich mich nicht so ganz entscheiden kann.
Der Ritter-Sport-Kalender steht schon auf Winter: Die Sommer-Sorten von sind weg, dabei wollte ich mir noch ein paar Tafeln weiße Schokolade mit Blutorange sichern. Seit ich sie neulich probiert hatte, bin ich schwer begeistert. Die Winter-Sorten passen noch nicht zu meiner gefühlten Jahreszeit.
An der Kasse fühlte ich mich dann an Früh-Sommer erinnert. Die Kundin vor mir duftete dezent nach “SUN” von Jil Sander, meinem absoluten Lieblingsduft.
Beim Verlassen des Supermarktes kam mir dann der Sommer entgegen. Sogar doppelt, denn zum einen schien die Sonne und zum anderen lief ich einem Freund fast in die Arme, der mit Nachnamen so heißt.
Und welche Jahreszeit haben wir nun? Kann ich die Frage tauschen?
Wort des Tages
Was ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen? Nein, nicht die Tatsache, daß die einen nicht zuhören und die anderen nicht einparken können. Der wahre Unterschied zwischen Männern und Frauen ist deren Verhalten. Genauer: Deren Verhalten beim Einkaufen. Noch genauer: Das Verhalten beim Gang zu IKEA.
Männer sehen sich kurz im Katalog an, was sie brauchen, holen dann den entsprechenden Karton aus dem Regal und stärken sich dann vielleicht noch für das Abenteuer Aufbau mit ein paar Hot-Dogs.
Frauen verlieben sich während der Lektüre des Katalogs in fast alles, was sie sehen. Es gelingt ihnen manchmal, die Prozession durch die Heiligen Hallen des IKEA-Tempels nahezu endlos auszudehnen. Das anschließende Festmahl eines halben Hot-Dogs (Frau ist ja auf Diät), dauert dann trotzdem solange wie ein Drei-Gänge-Menü im Freßtempel.
Damit der Besuch bei IKEA nicht ganz so teuer wird, verabreden sich manche Frauen zum gemeinsamen Shoppen und stehen sich gegenseitig bei, den Verlockungen zu widerstehen. Dabei dienen sich die Freundinnen gegenseitig als
was ich hiermit zu meinem Wort des Tages mache.
Übrigens: Während ich diese Zeilen schreibe, öffnet mein Skype ein Fenster und ich werde gefragt, ob ich mit zu IKEA möchte. Ist wirklich wahr, ich schwöre!
Wort des Tages
Neulich traf ich einen meiner ehemaligen Lehrer. Natürlich mußten wir über die alten Zeiten plaudern. Seitdem ich bei ihm Schüler war hat sich viel verändert. Einst war er ein engagierter Junglehrer. Nun haben immer schlechtere Bedingungen und der Zwang des Arbeitgebers, fragwürdige pädagogische Konzepte umsetzen zu müssen, dazu geführt, daß sich seine Einstellung zum Beruf geändert hat. Er drückte es treffend aus: