Archiv für 2006

Schily = Strauß?

Was haben Otto Schily und Franz Josef Strauß gemeinsam? Beide glaubten an einen “Abgrund von Landesverrat” und ließen gegen die Presse vorgehen. In beiden Fällen hat sich die angebliche Gefahr als Hirngespinst erwiesen. Den einen hat’s damals den Job gekostet, der andere ist seinen Job auch los, wurde aber eleganter entsorgt.

Beide Fälle haben eines gemeinsam: Schuld an bekannten Schwachstellen sind und waren nicht die ach so bösen Journalisten, die darüber berichten. Das muß so mancher Verteidigungs- oder Innenminister noch lernen.

Bruno Schirra geriet in das Visier der Ermittler, weil er im März 2005 aus einem (vertraulichen) Bericht des BKA über einen Terroristen zitiert hatte. Das führte dann zu einer Durchsuchung der Redaktionsräume des Magazins “Cicero” und der Privaträume Schirras.

Nun lehnen die Richter des Landgerichts Potsdam die Eröffnung eines Verfahrens gegen Schirra ab. Interessant ist ihre Begründung, warum Journalisten keine Beihilfe zum Geheimnisverrat leisten können: Geheimnisverrat wird begangen, wenn ein Geheimnisträger Material weitergibt. Dann ist ein Geheimnis verraten und die Tat des Geheimnisverrates vollendet und beendet, so die Argumentation der Potsdamer Richter.

Interessant auch, daß das angeblich geheime Material, zu dessen Verrat Schirra beigetragen haben sollte, schon 2004 in einem Buch des Journalisten Jean-Charles Brisard zitiert wurde. Wenn man versucht, Journalisten zu belangen, weil sie Dinge schreiben, die längst woanders nachzulesen waren, dann sieht mir das sehr nach einer persönlichen Racheaktion aus und dem Versuch, einem Journalisten einen Maulkorb zu verpassen.

Schön, daß es Richter gibt, die da nicht mitmachen.
Und auch schön, daß Politiker, die sich so was beteiligen, recht schnell aus dem Amt verschwinden.

Link zu Spiegel-Online

Meine Hymne zur WM (Nachtrag)

Ach ja, “We Germans” von Mundstuhl ist mein absoluter Ohrwurm dieser Wochen geworden. Die Reggae-Klänge paßten ja auch hervorragend zum Wetter…

WM 2006 – Mein persönlicher Rückblick

Das war’s also nun, die Fußball-WM 2006 ist gelaufen.

2002 wurde über Rudis Gurkentruppe gelästert, dann wurde die Mannschaft Vizeweltmeister und plötzlich sangen alle “Ein Rudi Völler, es gibt nur ein Rudi Völler”. Neues Spiel, neues Glück. Die “Klinsmänner” haben sich verdammt gut geschlagen und sind immerhin dritter geworden. Respekt!

Das erfreulich gute, fast schon zu heiße, Wetter erlaubte den Anhängern, sich die Spiele an öffentlichen Übertragungsorten anzusehen und auf den Fanmeilen zu feiern. Fast immer blieb es friedlich, was sehr schön war. Es gab keine Anschläge und sonstige Zwischenfälle blieben auch fast gänzlich aus.

Vor der WM erweckten einige Politiker den Eindruck, daß ausländische Gäste nicht (überall) sicher seien könnten und wollten schon “No go”-Areas herbeireden. Ich finde es schön, daß das Ausland sehen konnte, daß hierzulande eben doch nicht unter jedem Stein ein militanter Glatzkopf steck und daß Deutschland ein guter Gastgeber war.

Gut gefallen haben mir die vielen Fahnen in Schwarz-Rot-Gold. Die Deutschen entdeckten einen fröhlichen Patriotismus und schämten sich auf einmal nicht mehr dafür, deutsch zu sein. Vielleicht trägt die WM auf diese Weise dazu bei, unser eigens Verhältnis zu Deutschland zu entkrampfen, es wäre uns zu wünschen. Dann wäre es auch überhaupt nicht schlimm, daß “wir” nicht Weltmeister geworden sind. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben. Außerdem ist in zwei Jahren EM und noch zwei Jahre später schon wieder WM und bekanntlich ist nach der WM ja vor der WM, oder?

WM 2006 – Public Viewing? Private Listening!

Bei der Fußball-WM 2006 gab’s zum ersten mal sogenannte “Public Viewing Areas”, auf gut deutsch Orte mit öffentlicher Bildübertragung. Dort sahen sich dann Fußballfreunde die Spiele an und feierten oder trauerten dann über den Spielverlauf.

Doch das ist nichts gegen mein “Private Listening”. Meine neue Nachbarn kommentierten lautstark den Spielverlauf, so daß ich im Bilde war. Naja, nicht ganz, denn sie schrieen auch dann schon „Tooooor“ als noch kein Tor gefallen war.

Ich bin sicher, daß die Nachbarn bis zur nächsten WM lernen werden, daß vorauseilender Jubel nicht gerade sehr nervenschonend ist. Falls sie so lange hier wohnen werden. Spätestens bei der EM in zwei Jahren wird das unüberhörbar sein.

Meine Hymne zur WM

Jedes Großereignis hat seine eigene Hymne, so auch die Fußballweltmeisterschaft 2006.

Aber meine persönliche Hymne ist diese hier. Ansehen!

Maggi Chakalaka

Beim Einkaufssprint durch meinen Lebensmittelmarkt nebenan entdeckte ich Chakalaka aus der Serie “Internationale Würzsaucen” von Maggi. Das Leopardenmuster am Flaschenhals weckte meine Aufmerksamkeit, der Aufdruck „Der Geschmack Afrikas“ machte mich neugierig, wie diese Sauce schmecken würde. “Grill-Sauce, mild pikant, Curry” stand auch noch auf der Flasche.

Zu Hause angekommen, habe ich die Sauce dann probiert und war angenehm überrascht. Ich empfinde die Sauce als sehr lecker, sie ist etwas grober in der Konsistenz, ihre einzelnen Zutaten lassen sich nicht nur erschmecken sondern auch beim Beißen spüren.

Ich freue mich auf das nächste Grillen, dann werde ich diese Sauce mitbringen, die üblichen Zigeuner-, Steak, Chili oder Knoblauchsaucen können sich dann auf was gefaßt machen.

Ja, ich mag gute Werbung

Ich mag Werbung.

Doch, doch. Besonders mag ich gute Werbung. Nun stellt sich die Frage, was gute Werbung ausmacht. Für mich gehört das Spiel mit Klischees ganz klar dazu.

Hier findet sich ein gelungenes Beispiel dafür, leider in schlechter Bildqualität.

Ich liebe Fußball…

Ich liebe Fußball! Ja, richtig gelesen, ich liebe Fußball. Erst recht, wenn Weltmeisterschaft ist und Deutschland im Eröffnungsspiel mitmacht.

Gut, die vielen schwarz-rot-gelben Fahnen sind schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber bis auf die Damen vom Grill haben es alle geschafft, sie richtig herum aufzuhängen. Dank Fußball-Trikots wirkten die Damen von der Bank auch viel sportlicher als sonst. Und auf einmal ist die Parkplatzsuche ganz einfach. Ich kann mir einen Parkplatz aussuchen und muß nicht erst lange suchen, bis ich einen finde. Abends dann im beim LIDL ist vom üblichen Freitagabendgedränge nichts mehr zu sehen. Statt voller Gänge und leerer Regale erlebe ich das Gegenteil. Eine angenehme Überraschung.

Okay, die Idioten, die nach dem gewonnen Spiel dann hupend durch die Gegend fahren, müssen nicht sein, aber die vielen Vorteile wiegen das locker wieder auf.

In diesem Sinne: Dann siegt man schön…

Lyrik des Alltags

Es waren sechs Biker aus Schlicktown,
die hatten zur Karte kein Zutraun,
sie fuhr’n durch die Lande
doch anstatt zum Strande,
führt der Weg sie durch Wiesen und Au’n.

“Ajatollah Chamenei droht USA mit Öl-Boykotten” — Was für ein Quatsch

Spiegel Online schreibt heute über einen möglichen Öl-Boykott des Irans gegen die USA. Das ist natürlich völliger Blödsinn.

Mit den Worten “Wenn Sie in Bezug auf Iran einen falschen Zug machen, wird definitiv der Energiefluß in dieser Region ernsthaft gefährdet” droht Ajatollah Chamenei den USA, sie nicht mehr mit Öl zu beliefern, also einem klassischen Embargo.

Ein Boykott ist die andere Seite, nämlich die Abnahmeverweigerung. Vielleicht hat man beim Spiegel die beiden Begriffe verwechselt?

Aber auch inhaltlich ist so eine Drohung so eine Sache. Schon bei Clausewitz kann man nachlesen, daß Drohungen, die man nicht wahrmachen kann oder die für den Bedrohten recht folgenlos bleiben werden, ziemlich wirkungslos sind. Das gilt erst recht, wenn der Bedrohte das auch weiß.

Auf Märkten stehen sich Anbieter und Nachfrager gegenüber. Je nach Marktform sind es unterschiedliche viele Anbieter und Nachfrager. Allen gemeinsam ist, daß sie nach gewissen Spielregeln spielen müssen, die die jeweilige Marktform vorgibt. Ein Abweichen von diesen Spielregeln führt zu spürbaren Nachteilen. Das gilt auch für den Weltmarkt für Rohöl. Hier stehen sich auf der einen Seite die Erdöl-Produzenten als Anbieter (A), auf der anderen Seite die ölimportierenden Staaten als Nachfrager (N). Nennen wir sie A1 bis An und N1 bis Nm.

Tun wir weiterhin so, als sei Rohöl ein austauschbares Gut, daß es also egal sei, ob ich bei Anbieter A1 oder A2 kaufe. Das stimmt nicht, weil es bei der Qualität und Zusammensetzung Unterschiede gib. Der Transportaufwand und die damit verbundenen Kosten hängen auch ab, wo und bei wem ich kaufe. Aber tun wir mal so, als ob es keinen Unterschied mache, bei welchem Anbieter aus der Golfregion ein Nachfrager kauft.

Wenn A1 nun ein Embargo gegen N1 verhängt, was dann? Es ist denkbar, daß A1 seine Produktion entsprechend der Nachfrage von N1 drosselt. Dadurch ergeben sich aber auch entsprechende Einnahmeverluste. Geld, mit dessen Einnahme fest gerechnet wurde. Auf diese Einnahme zu verzichten, dürfte A1 sehr schwer fallen. Also kann und wird A1 seine Ware nun anderen Nachfragern anbieten. Werden diese Nachfrager nun deswegen insgesamt mehr kaufen oder werden sie nur mehr bei A1 kaufen und entsprechend weniger bei A2 bis An?

Und was machen die Anbieter A2 bis An? N1 hat ja noch einen offenen Bedarf und könnte bei ihnen einkaufen. A1 und N1 wechseln also nur ihre Handelspartner, mehr ändert sich nicht, jedenfalls in der (stark vereinfachten) Theorie. Das sollten auch die Mullahs einsehen können.

Ganz anders wäre die Situation, gelänge des dem Kartell der ölproduzierenden Länder (OPEC), einen einzelnen Nachfrager komplett abzuschneiden. Aber die Macht der OPEC hat Grenzen, ihre Mitglieder fördern nur ungefähr 40 Prozent der Gesamtmenge und außerdem sind sich die Mitglieder untereinander nicht so grün, wie es den Anschein hat. Geht’s ums eigene Geld, denkt jeder zuerst an sich, das gilt auch für Petro-Dollars.

Was soll also solche Drohung von Chamenei? Außer der Welt zeigen, wie unberechenbar und gefährlich die politisch-religiöse Führung des Irans ist?

Lösungen, die allen dienen, sehen anders aus.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2012 (29)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien