Archiv für März 2007

Trinken für Fortgeschrittene

Irgendwann nachts an einer Bar. Ich habe mein Getränk gerade erhalten und lasse meine Blicke schweifen. An den Platz neben mir stellt sich eine Frau und versucht zu bestellen. Das erweist sich als schwieriger als gedacht, denn sie ist recht klein und reicht nur knapp über den Tresen, außerdem hat die Barfrau gut zu tun. Dann ist sie dran und die Bedienung reicht stellt ihr das bestelle Mineralwasser hin.

Gedankenverloren setzt sie die Flasche an, bemerkt nicht, daß die Barfrau, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, die Flasche nicht geöffnet hatte. Sie hebt die Flasche weiter, ich beobachte interessiert. Die zwei oder drei Sekunden, bis sie bemerkt, daß aus der Flasche keine Flüssigkeit fließt, erscheinen mir sehr lang. Sie sieht die Flasche an, sieht mich an, lacht. So etwas wäre ihr ja noch nie passiert, meinte sie und lacht wieder. Mir gefällt ihr Lachen. Sie öffnet die Flasche und hoffe, daß niemand ihre kleine Ungeschicklichkeit bemerkt habe.

Ich muß sie enttäuschen, die Situation weckte meine Aufmerksamkeit, ich hatte es mitbekommen. Als ich ihr erzähle, daß ich das verbloggen werde, wollte sie erst protestieren, sah dann aber ein, daß das Geschehene einfach zu schön war, um es gänzlich unerwähnt zu lassen.

Den restlichen Abend unterhielten wir uns dann sehr vergnüglich über allerlei andere Themen.

Und zu ihrer Ehrenrettung möchte ich sagen, daß es bis vor kurzer Zeit dort Mineralwasser in Flaschen gab, die mit einem Kronkorken verschlossen waren und von der Bedienung geöffnet wurde. Die Flaschen mit Schraubverschluß, die der Gast selbst öffnen muß, sind neu.

Bautzen – verschärftes Strafmaß (Leckerer Senf auch im Supermarkt um die Ecke)

Wer früher was angestellt hatte, der kam nach Bautzen. Also in das dortige Gefängnis.

Meine Forschungsreisen führten mich nicht ganz so weit in den Osten. Es reichte jedoch, um in Thüringen ein paar Sitten und Gebräuche der Einheimischen kennenzulernen. Besonders haben mir die regionalen Bratwurstspezialitäten gefallen, von denen ich reichlich Gebrauch machen durfte. Der lokalpatriotische Thüringer ißt seine gleichnamige Bratwurst mit dem Senf von Born.

Hierzulande ist der leider schwierig zu bekommen, doch LIDL führt „Bautz’ner Senf„, leider nur in Mittelscharf.

Zu meiner Freude durfte ich heute feststellen, daß ein Supermarkt weiter die verschärfte Sorte angeboten wird, das auch noch zu einem unverschämt günstigen Preis.

Das gesparte Geld mußte ich dann doch in Grünkohl und die entsprechenden Würstchen investieren. Noch ist ja Winter, zumindest dem Kalender nach.

Logik „light“

Wenn ich schon über einen Fernsehabend berichte…

Die Gastgeberin ist, wie viele Frauen, mit ihrer Figur nicht zufrieden. Sie fühlt sich zu dick und versucht ein paar Kilo abzunehmen. Gut, dieses Verhalten scheint bei fast allen Frauen genetisch kodiert zu sein, führt aber manchmal zu seltsamen Effekten:

Die Gastgeberin tischte zum James Bond-Film Chips auf. Natürlich kalorienreduzierte fettarme Chips. Diese waren ungefähr so lecker wie diese Flocken aus Schaumstoff, die wir als Verpackungsmaterial kennen. Mit einem Knoblauch-Dip waren die Chips dann wieder genießbar.

Die Frage, warum man erst fettreduzierte Chips kauft, die mir ohne fettige Creme ungenießbar vorkommen, und nicht gleich normale Chips, die auch ohne Dip lecker schmecken, habe ich nicht gestellt. Ich fürchte, die Gastgeberin hätte diese einfache männliche Logik auch nicht verstehen können.

Killerspiele verbieten! Killerfilme senden? Und Killer-Bibeln?

Aus einem Besuch bei Freunden wurde ein gemütlicher Abend vor dem Fernseher. Abends gab es dann „Feuerball“ aus der James Bond-Reihe. Schnell zog uns der (wirklich gutgemachte) Film in seinen Bann. Ich ließ meine Gedanken schweifen. Ich erinnerte mich, den Film im Kino gesehen zu haben. In einem Kino, was lange verschwunden ist. Irgendwann als ich noch Schüler war. Ich habe keine Ahnung, wie alt ich damals war, aber wohl alt genug.

Da ich die Handlung des Films und seinen Ausgang – James Bond rettet die Welt, sonst gäbe es keine Fortsetzung – schon kenne, sehe ich den Film mit etwas anderen Augen. Ich achte auf die viele Brutalität, die versteckt oder offen in diesem Film vorkommt. Menschen werden (Achtung Klischee) hungrigen Haien zum Fraß vorgeworfen, mit Harpunen erschossen, das auch noch so, daß sie publikumswirksam an einer Palme hängenbleiben. Andere Menschen werden erstickt, ertränkt oder kommen sonstwie ums Leben, jedenfalls nicht auf friedliche Weise.

In einem anderen Film aus der Reihe (War es „Goldfinger“?) wirft 007 einem Widersacher einen elektrischen Ventilator in die Wanne, um nach dessen Tod ein hämisches „Ist ja widerlich“ zu sagen.

Ich habe im Laufe meines Lebens viele James Bond-Filme im Kino gesehen, und immer wieder sind sie auch im Fernsehen zu sehen. Als Junge wollte ich sein wie James Bond, manchmal auch wie seine Widersacher, aber nur am Anfang des Filmes, ich wußte ja, daß am Ende doch immer 007 der Gewinner ist. Und nicht nur ich habe versucht, mich mit dem Helden der Leinwand zu identifizieren und sein Verhalten zu kopieren. Ich kann mir nicht merken, ob mein Idol von einst seinen Wodka-Martini geschüttelt oder gerührt bevorzugt, aber wenn es in einem James Bond-Film spektakuläre Auto-Stunt-Szenen gab, dann lassen sich doch einige Zuschauer nach dem Kinobesuch dazu verleiten, etwas Bond-artiger vom Parkplatz zu fahren.

Mehr passiert nicht. Auch wenn ich viele Gewalttaten in diesen Filmen gesehen habe, habe ich noch nie meine hübsche Nachbarin mit flüssigem Gold überzogen. Das lag sicherlich nicht am hohen Goldpreis. Auch habe ich niemanden erschossen, erstochen, jemanden elektrische Geräte in die Wanne geworfen. Ich habe auch keine waghalsigen Auto-Stunts nachgemacht und in der Krempe meines Hutes verstecke ich auch kein Mordwerkzeug.

Auch bei häufiger Anwendung oder erhöhter Dosis bewirken James Bond-Filme keine Verwandlung zum Geheimagenten oder verleihen mir die Lizenz zum Töten. Im Gegenteil, es ist perfekt gemachte Unterhaltung, die zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird.

Videospiele, in denen sich der Spieler in die Rolle eines Polizisten versetzen muß, der Jagd auf Geiselnehmer machen muß, oder Spiele, in denen der Spieler als Soldat unterwegs ist, werden als „Killerspiele“ gebrandmarkt und sollen nach dem Willen einiger Politiker verboten werden.

Dabei sind die Opfer in den Spielen so real wie die Bösewichte aus den James Bond-Filmen.

Und wenn ich mir ansehe, wieviel Gewalt in der Bibel zu finden ist und lese, daß in Ratzeburg ein Christ seinen Sohn angeblich aus religiösen Motiven getötet hat, dann kann ich Kris‘ Bedenken nur teilen. Killer-Bibeln gehören dann ebenso verboten wie Killer-Spiele oder Killer-Filme.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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