Archiv für Juli 2007

Mit dem Abmahn-Kalle in die Abmahn-Falle?

Ein Gespenst geht um in Klein-Bloggersdorf. Das Gespenst der Abmahnung. Diesmal läßt ein Mensch abmahnen, der seinen alten Spitz- oder Beinamen nicht mehr hören oder lesen mag. „Rassistisch“ und „diskriminierend“ sei der Beiname.

Nicht alle Menschen werden unter ihrem Geburtsnamen berühmt. Manche Menschen kennt die öffentliche Wahrnehmung nur noch unter ihren Bei-, Spitz-, oder Künstlernamen. Kennt eigentlich jemand Publius Cornelius Scipio? Oder Thomas Edward Lawrence? Nein? Aber Scipio Africanus oder Lawrance von Arabien sind allen bekannt, die in Geschichte aufgepaßt haben.

Sind Beinamen wie „Africanus“ oder „von Arabien“ wertfrei oder eher positiv oder gar negativ konnotiert? Schwierige Frage.“Iwan der Schreckliche“, „Karl der Große“ oder „August der Starke“ werden sich darum keinen Kopf mehr machen, sie sind längst Geschichte.

Aber was ist mit einem Menschen, dessen Bei- oder Spitzname „Neger“ enthält? Schwierige Frage.

Ich kann verstehen, daß Menschen sich entwickeln. Mein Spitzname aus der Schulzeit paßt heute genausowenig zu mir wie der Anzug, den ich zur Abitursfeier anhatte. Andere Menschen wollen auch nicht ewig an ihre Vergangenheit oder an die Namen aus dieser Zeit erinnert werden.

Zu meiner Schulzeit gab es einen Mitschüler, dem krause schwarze Haare einen wenig schmeichelhaften Spitznamen einbrachten. Irgendwann bei der Armee trafen wir uns wieder, er war inzwischen Offiziersanwärter. Seinen Nachnamen konnte ich an seiner Uniform, seinen Dienstgrad auf der Schulter ablesen, aber seinen Vornamen hatte ich vergessen, der Spitzname „Bimbo“ war in diesem neuen Umfeld unpassend geworden, aber alte Freunde durften ihn noch so nennen, wenn’s paßte.

Ein anderer Freund hatte einen Nachnamen, dessen erste beiden Silben so ähnlich wie „Zombi“ klangen. Ratet mal, welchen Spitznamen er nach dem Aufkommen gleichnamiger Filmgattung bekam? Dabei war er sehr lebendig und von untoten Bestien weit entfernt. Eines Tages, er war lange erwachsen, kamen diese Filme aus der Mode. Er bat darum, ihn einfach Klaus zu nennen. Oder sich einen intelligenten Spitznamen auszudenken. Es blieb dann bei „Klaus“.

Nun distanziert sich ein Mensch von einem Namen, der fast sein ganzes Leben eine Art Markenzeichen war und läßt Menschen abmahnen, die ihn so bezeichnen, wie früher fast alle taten? Auf einmal empfindet er seinen alten Spitznamen als „rassistisch und diskriminierend“? Woher die plötzliche Erkenntnis? Hat ein befreundeter Anwalt eine Masche zum Geldverdienen entdeckt und wirft deswegen nun die Abmahnmaschine an?

Jedenfalls zeigt sich, daß man zwar auf dem Kiez eine gewisse Größe erreichen könnte, aber menschliche Größe ist ganz etwas anderes.

Halluzinogene E-Mails

Ich bekomme eine E-Mail, an deren Ende statt der üblichen freundlichen Grüße sommerlich-sonnige Grüße gewünscht werden. Ich sehe aus dem Fenster, der strahlende Sonnenschein ist vom grau in grau des Himmels gut verdeckt, die Temperaturen sind auch noch nicht wirklich hochsommerlich.

Während ich die E-Mail noch einmal gründlich lese, schweifen meine Gedanken ab, ich stelle mir vor, es wäre jetzt wirklich sommerlich, mein Schreibtisch stünde im Garten unter einem Baum, Sonnenstrahlen pieksen ab und zu durch sein Blätterdach und erzeugten auf meinem Bildschirm lustige Spiegelungen, die Katze liegt zu meinem Füßen im Gras, schaut mit einem Auge nach den Bewegungen des Mauskabels, ihr ist aber zu warm, um toben zu wollen. Ab und zu erzeugt ein Lufthauch ein leises Rauschen in den Blättern des Baumes und sorgt für etwas Unordnung in den Blättern auf meinem Schreibtisch, verschafft mir aber gleichzeitig eine angenehme Abkühlung.

Manche E-Mails enthalten Viren, Würmer, Trojaner oder sonstige Schädlinge, diese E-Mail enthielt angenehme Vorstellungen.

Und wenn ich wieder aus dem Fenster sehe, dann kommt mir der Regen sommerlicher und der graue Himmel irgendwie regenbogenfarbiger vor. Bestimmt nur Halluzination.

Wort des Tages

Es ist schon spät, König Alkohol hat bei einigen Anwesenden seinen Tribut eingefordert: Er ließ nicht nur die Hemmungen fallen, er sorgte auch für oder andere Erkenntnis.

Unfreiwillig bekomme ich eine Unterhaltung zweier Männer mit.
„Eh, guck Dir an, was sie macht, sie ist eine Schlampe und sie ist es nicht wert“, erklärt der eine seinem Kumpel.
„Aber sie sieht so gut aus“, wendet der Andere ein.

Der Eine legt seinen Arm um seinen Freund und zieht ihn ins Vertrauen:

„Auch eine verdammt hübsche Schlampe ist am Ende nur eine Schlampe.“

In Vino Veritas, und daher wird das mein Wort des Tages.

Tell me why, Smalltown Boy

Telefonat mit einem Freund, während wir reden, hört er am Rechner Musik. Manchmal bricht er ein Stück ab und springt zum nächsten Stück. So auch bei diesem, denn er findet „das Stück doof“.

„Das ist ‚Smalltown Boy‘, das ist nicht doof, das ist ein Klassiker“ entgegne ich ihm. Er sieht nach. „Nein, das ist ‚Tell my why‘.“ Ich kenne das Stück und das war eben ganz sicher nicht der Anfang von „Tell me why“. Er tut mir den Gefallen und läßt das Stück noch einmal von vorne ablaufen.

Nach wenigen Sekunden bin ich sicher, es ist der „Smalltown Boy“ von Bronski Beat. War seinerzeit mein absolutes Lieblingsstück. Ich habe das Album noch auf Vinyl und noch irgendwo im Schrank stehen. Dann verändert sich das Stück und aus dem „Smalltown Boy“ wird „Tell my why“, mein anderes Lieblingsstück des Albums.

Beide Stücke an sich sind schon der Knaller, die Assemblage aus beiden ist noch viel besser. Manchmal ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Und dann noch diese schönen alten Yamaha DX-7-Sounds…

Wer bei Google oder Youtube mal nach „Supermode Tell me why“ sucht, bekommt ausreichend viele Treffer…
Viel Spaß damit!

Rollenverteilung 2.0

Unterhaltung mit einer Freundin. Wir reden über alles mögliche, auch über den Unterschied zwischen Männern und Frauen, eher über die Klischees über Männer und Frauen. Männer seien stärker, haben mehr Muskeln und so weiter. Sie hat damit kein Problem, ich auch nicht.

„Du brauchst als Frau ja auch nicht soviel Muskeln, du mußt ja auch nicht mit dem Speer bewaffnet den Mammut erlegen …“ – „Stimmt, ich sitze in meiner Felshöhle und blogge darüber …“

Äh, ja…

Abenteuer eines Einkaufsbegleiters

Ich geh gerne Einkaufen. Jedenfalls dann, wenn ich nicht für mich einkaufe. Beim Einkaufen kann man wunderbar plaudern und selbst Frauen mit ausgeprägtem Schuhtick bringen nicht aus der Ruhe.

Das schaffte dann eine andere Freundin. Sie war auf der Suche nach Reisegepäck. Natürlich nicht irgendwelches Gepäck, die hatte genauer Vorstellungen was sie kaufen wollte und auch wo. So begaben wir uns gen Innenstadt.

Dummerweise sagte sie mir weder, was genau sie zu kaufen gedachte noch wo sie es einkaufen sollte. Sie staunte nicht schlecht, als nicht nur der angestrebte Laden nicht mehr da war, der ganze Häuserblock war abgerissen, um einem neuen Gebäude platz zu machen.

Sie mußte zugeben, seit Ewigkeiten nicht mehr in der hanseatischen Puppenstube gewesen zu sein, jedenfalls nicht zum Einkaufen. Meine Frage, ob sie beim letzten Einkauf noch in DM bezahlt habe, empfand sie als Garstigkeit. Aus ihrem Mund ist das eine Art von Kompliment.

Die Legende lebt

Manche Menschen berichten, sie haben Elvis gesehen und folgern daraus, daß er noch leben müsse. Warum auch nicht, anderen Menschen erscheint die Heilige Jungfrau Maria, wiederum Andere hören Stimmen. Ich habe derlei bislang immer mit einem Lächeln abgetan, bis gestern.

Ich bin das erste mal in einem neuen asiatischen Restaurant bei mir um die Ecke. Die Einrichtung ist unkitschig nüchtern, die Musik unaufdringlich, dafür ist das Buffet reichhaltig und lecker, meine Begleitung ist charmant, die Sonne scheint. Der Tag könnte nicht besser sein.

Dann betritt ER den Raum, setzt sich an den Nebentisch. Ich stutze für den Bruchteil einer Sekunde, meine sonst überaus aufmerksame Begleitung bemerkt noch nichts. Ich habe mich bestimmt vertan, ER kann es nicht gewesen sein, schließlich ist er 1981 gestorben. Mehr als eine Ähnlichkeit kann es nicht sein, wenn auch eine verblüffende Ähnlichkeit. Ich widme mich wieder meiner Begleitung und unserer Unterhaltung.

Dann kommt er vom Buffet zurück und wirft mir ein kurzes Lächeln zu. Ja, ich bin es doch.

Du kannst es nicht sein, du bist lange tot.

Ach ja? Glaubst Du nicht, was Du siehst?

Ich nehme mich zusammen, will mich nicht verrückt machen lassen. Meine (mitunter äußerst lebhafte) Phantasie spielt mir nur einen Streich, wenn auch einen sehr intelligenten Streich. Du siehst ihm ähnlich, aber Du bist es nicht.

ER setzt sich an den Nebentisch, sah mich an. Immer wenn ich zu ihm rübersehe, lächelt ER mich an. Langsam beginne ich an meinem Verstand zu zweifeln.

Du zweifelst? Möchtest Du ein Zeichen?

Ich nicke stumm, meine Begleitung hält es für Zustimmung für ihre Worte.

Paß auf.

Ich versuche normal zu bleiben, mich weiterhin meiner Begleitung zu widmen, aber ich kann mich kaum konzentrieren. Meine Gedanken schweifen ab, sind überall und nirgends zugleich. Moment mal, hier stimmt etwas nicht, aber was? Dann bemerke ich es: Die Musik hat sich verändert, ich erkenne deutliche Reggae-Anteile an der Musik. Hat ER das gemacht?

ER lächelt mir zu und nickt.

Dis Musik ist nun reiner Reggae, BIN ich der einzige Gast, dem das auffällt?

Genieß es einfach.

Ich spüre, wie mich der Offbeat der Musik gefangennimmt. Ich bin überzeugt, die Legende lebt, ER ist mir erschienen.

Get up, stand up, Buffalo Soldier, Could you be loved? Iron, Lion, Zion!

Pflegedienst für Flegelfälle?

Sie parkt ihren Smart nicht ganz vorschriftsmäßig, aber sie hat eine Ausnahmegenehmigung, der Grund ist offenbar: „Wir pflegen Sie auch zu Hause“ klebt mit großen Buchstaben auf dem kleinen Auto.

Sie ist Krankenschwester, gutaussehend und knappe 30. Ein junger Mann kommt vorbei, bleibt stehen. Während sie sich vornüberbeugt, um ihre Pflegetasche aus dem Auto zu wuchten, schaut er ihr genüßlich auf den Hintern, stellt sich ihr in den Weg und fragt sie, ob sie auch mal zu ihm nach Hause kommen wolle. Sie guckt etwas verdutzt, lacht, erweist sich als erstaunlich schlagfertig.

„Ich komme zu alten Pflegefällen nach Hause, aber nicht zu jungen Flegeln wir Dir.“ Sie lacht ihn aus und verschwindet im Haus ihres Patienten.

Ich bewundere ihre lockere Reaktion in so einem harten Beruf.

Auf der Straße nach Süden – Highway To Hell

Es ist heiß, die Sonne brennt fast senkrecht von oben. Ich fahre mit geöffneten Seitenscheiben. Der zähfließende Verkehr sorgt dafür, daß der kühlende Fahrtwind nur ein laues und lauwarmes Lüftchen ist. Der Verkehr wird dichter, kriecht nur noch mit Schneckentempo über die Autobahn.

Ein paar Autofahrer betreiben nun Spurwechsel als ob es eine neue Trendsportart sei. Das bringt den Fahrern wenige Meter Vorsprung, dazu ein paar Beinahe-Unfällen und so manch unfreundlich ausgestreckten Mittelfinger. Ich werde mich daran nicht beteiligen, beschließe, mich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Doch das soll mir nicht gelingen: Ein Fahrzeug geht mir besonders auf den Geist, sein Fahrer fährt dermaßen dicht auf, daß ich mich frage, ob er mich anschieben könnte, will das aber besser nicht ausprobieren. In der Nebenspur tut sich eine minimale Lücke auf, sofort zieht der Wagen rüber, und nötigt einen anderen Fahrer zum Bremsen. Ein paar Augenblicke später wiederholt sich das Spiel und ich habe ihn nun vor mir. Daß er beim Spurwechsel nicht blinkte wundert mich nicht.

Ich habe meinen Panama-Hut auf, die Kühltasche auf dem Beifahrersitz bietet ausreichend viele kühle Getränke und ich habe es nicht eilig. Wer langsam fährt, der kommt auch an, nur eben etwas später.

Dann stockt der Verkehr ganz, dann geht es wieder weiter, um nach einer kleinen Weile wieder zu stocken. Und auf einmal bin ich neben dem Auto, das vorhin durch seine gewagten Spurwechsel auffiel. Jetzt sind auch die Seitenscheiben des anderen Autos offen, so daß ich mitbekomme, was sich darin abspielt.

Der Fahrer wird von seiner Beifahrerin angekeift, auf der Rückbank quengeln drei Kinder. Ich lege eine Kassette in mein Radio, spule ein wenig, bis ich das gewünschte Musikstück finde. Dann drehe ich mein Radio laut, aus den Boxen ertönt plötzlich ein lautes „Highway To Hell“ von AC/DC.

Der Fahrer guckt sich um, sieht mich, hört die Musik, sieht mich an. Ich grinse. Im Stau sind wir alle gleich. Aber manchmal ist es schön, ein wenig gleicher zu sein und nicht auf der Autobahn zur Hölle zu fahren.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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