Archiv für 2007
Herbst in Deutschland — Deutscher Herbst
Herbst in Deutschland. Als wollte auch er sich am kollektiven Gedenken an den “Deutschen Herbst 1977″ beteiligen, blieb der Sommer dieses Jahr im Untergrund. Ich besuche eine Freundin, eigentlich wollten wir auf dem Balkon grillen, aber — Frauen frieren ja immer — ihr ist zu kalt, deswegen improvisiere ich in ihrer Küche. Während ich werkele, läuft der kleine Fernseher in der Wohnküche, es gibt einen Bericht über den Deutschen Herbst, über Täter und Opfer der RAF.
Deutscher Herbst, Entführung und Befreiung der “Landshut”, ich erinnere mich dunkel. In jedem Postamt hingen Plakate mit den gesuchten Terroristen, ab und an wurde ein Gesicht gestrichen. Dann ein paar Jahre der Ruhe, dann wieder Anschläge.
Ich erinnere mich dunkel an den Fall Herrhausen, den Chef der Deutschen Bank. Der Anschlag mit einer panzerbrechenden Hohlladung in Bad Homburg. Der Bericht zeigt auch den Menschen Alfred Herrhausen. Daß er als Chef einer Bank mächtig war, ist klar. Daß er aber sehr kritisch mit dieser Macht umging, sich für einen Schuldenerlaß der Entwicklungsländer einsetzte, das wußte ich noch nicht. Die Terroristen hatten sich also einen sehr sozial eingestellten Bank-Chef als Opfer ausgesucht. Das zeigt mir, wie weit von jeder Realität die Täter entfernt gewesen sein müssen.
Obwohl mein Essen sehr gut war, hatten wir nicht mehr viel Appetit.
Positives Denken
Telefonat mit einer Bekannten, die ein Wochenendseminar zum Thema “Positives Denken” hinter sich hat. Wir hatten uns einander etwas länger nicht gehört und reden über dies und das, auch über’s Wetter. Sie hat eine äußerst positive Zusammenfassung für diesen Sommer:
So kann mans auch sehen.
Zum Tode von Joesef “Joe” Zawinul
“Dimm-dimm-dimm, dimm-dimm-di-dimmmmmmm” so klingen die ersten Töne von “Birdland”, vielleicht einem der bekanntesten Stücke des Jazz-Rock, aber bestimmt dem bekanntesten Stück von “Weather Report”.
Heute verstarb Joe Zawinul, jedenfalls der Mensch. Als Künstler hat Joe Zawinul Unsterblichkeit erreicht.
Aus gegebenem Anlaß höre ich heute zum Ausklang des Tages “Birdland”.
Wer “Birdland” nicht kennen sollte…
Matt Wagner, Musik-Journalist und Blogger, veröffentlichte ein Interview mit Joe Zawinul.
Alkohol macht einsam…
Alkohol macht einsam, jedenfalls Dich, wenn Du der einzige nüchterne Gast auf einer Party bist und noch mit dem eigenen Auto nach Hause fahren möchtest.
Vielleicht sollte ich doch auf die Nachtschwester hören und mir einen Schlafplatz vor Ort sichern?
Aber der rote Sportflitzer fand seinen Weg zum angestammten Stellplatz mit der üblichen Sicherheit. Das ist auch gut so, nüchtern betrachtet.
Wort des Tages
Fahrt durch das typisch norddeutsche Schmuddelwetter, es nieselt und der Himmel ist grau in grau. Dieses wunderschöne Grau gibt’s nur hier zu Hause, denke ich bei mir. Die Worte des Fahrers reißen mich aus meiner Melancholie:
So hatte ich’s noch nie gesehen, aber wo er recht hat, hat er recht, und daher widme ich ihm dieses Wort des Tages.
Kreuzberger Nächte und ausländisches Fast-Food
Kreuzberger Nächte sind lang, so werden sie jedenfalls in einem alten Stimmungslied besungen. Und auch sonst gehen die Uhren in Berlin-Kreuzberg etwas anders, der Kiez im SO36 gilt als fröhliches Nebeneinander der Kulturen: Falafel und Fritten, Döner Kebap neben Currywurst und Bulette, die ganze Welt der Gastronomie in friedlicher Eintracht.
Die ganze Welt? Nicht ganz, denn eine Filiale von McDonald sucht man vergeblich, diese Lücke sollte nun geschlossen werden. Schon kurze Zeit später zeigte sich, wie tolerant die angeblich so toleranten Bewohner Kreuzbergs in Wahrheit sind: Flugs organisierten sich Menschen in einer Bürger-Initiative gegen Burger, das vermeintlich fröhlich-friedliche Miteinander der Kulturen fand ein jähes Ende. Menschen hielten sich für Experten und wußten zu berichten, daß McDonalds “sehr ungesundes Essen” anbietet.
Ich bin kein Ernährungsfachmann und kann zwischen einem Burger von McD und einem Döner Kebab keinen entscheidenden Unterschied erkennen. Beides ist für mich Fleisch und Salat in einem Stück Brot. In Menge und Zusammensetzung von Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten unterscheidet sich der Big-Mac wahrscheinlich kaum von seinen orientalischen Fast-Food-Verwandten.
Ein Unterschied zwischen Burger und Kebab fällt mir aber sofort ein: Gammelfleisch. Gerade macht ein neuer Skandal die Runde durch die Medien, und aus Gammelfleisch wurden Döner-Spieße. Ich kann mich an die einer oder andere Döner-Bude erinnern, die von den Behörden (vorübergehend) geschlossen wurde. An ähnliche Skandale bei McDonalds kann ich mich nicht erinnern.
Ich weiß jedenfalls, wo ich gerne esse.
Eine Bank von Format
Eine deutsche Bank demonstriert wahre Größe. Oder zeigt sie eher ihr neues Format? Sie hat gewaltig an Format gewonnen. Zumindest bei den Kontoauszügen.
Die alten Kontoauszüge hatten die volle Breite, aber nur ein Drittel der Höhe des Formates DIN A4. Wir alle kennen das, wenn ein Blatt nicht ausreicht, um uns die Buchungszeilen auszudrucken, dann kamen eben mehr als nur ein Blatt aus dem Drucker.
Nun haben die Auszüge immer das volle Format DIN A4. Der Ausdruck zeigt den Namen des Kunden, seine Adresse, die Adresse der Filiale mit ein paar Telefonnummern. Alles Dinge, die der normale Bankkunde eigentlich wissen sollte. Dann kommen die Buchungszeilen mit den Umsätzen. Noch ein Stück darunter dann die üblichen Belehrungen bezüglich Einwendungen gegen die Buchungen.
Und unten kommt ganz viel leeres Papier. Fast die ganze Seite war leer oder mit redundanten Informationen bedruckt. Damit die Seite sinnvoll gefüllt ist, müssen entsprechend viele Buchungen zusammenkommen. Aber auch dann wird oben noch der Briefkopf stehen und bei jedem Kontoauszug wird viel Papier sinnlos verbraucht.
Ob das im Zeitalter effizienter Ressourcennutzung noch in die Zeit paßt?
Wort des Tages
Unterhaltung mit einer guten Freundin über die Risiken des Lebens im Netz. Je offener man im Netz lebt, desto leichter ist man bekanntlich für Andere zu durchschauen. Nicht nur Datenschützer warnen vor dem Gläsernen Bürger. Sie nimmt es mit Gelassenheit:
Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite.
Kaiserwetter
Wo wir grade beim Wetter sind… Kennt jemand noch den Ausdruck Kaiserwetter? Nicht? Das ist verständlich, denn S.M. Willem Zwo hat ja schon lange abgedankt. Früher fanden große Truppenparaden oder sonstige Anlässe, bei denen der Kaiser zugegen war, nur bei gutem Wetter, eben Kaiserwetter, statt.
Seit ich mich erinnern kann, hatten wir am 6. August immer tolles Wetter. Woher ich das so genau weiß? Von Opas Geburtstagen. Oft wurde der Tisch schnell aus der Veranda in den Garten getragen und dann saßen wir im Schatten der Bäume und freuten uns an Omas Kuchen und Torten.
Opa ist ein paar Jahre tot, aber am 6. August ist immer noch schönes Wetter. Nun scheint die Sonne eben nicht mehr in seinen Garten sondern auf sein Grab.
“Die da” hat den Groove… und was für einen
Irgendwann neulich nacht. Der berühmte rote Sportflitzer fährt mich durch die Sommernacht, die Seitenscheiben sind offen, die Luft hat genau die richtige Temperatur und riecht nach Sommer, ich habe die Straße für mich alleine, das Leben könnte nicht schöner sein. Dachte ich. Mein Lieblingsradiosender beendet seine Nachrichten und bringt ein Musikstück.
Moment mal, das kenne ich doch. Ich erkenne das charakteristische Riff, ich summe schon mit, während mir einfällt, daß es “Die da” von den Fanta-4 ist. Die Neun-Ton-Folge geht aber auch sowas von ins Ohr. Und in’s Becken. Dazu dann eine tolle Frauenstimme, immer wieder von Bläser-Riff unterbrochen. Wow, was für ein toller Song.
Noch während ich im Auto sitze entwickelt sich der Song weiter, das Bläser-Riff mutiert in meinem Kopf zu einer Melange aus Blues, Jazz und Hip-Hop. Egal. Einfach nur klasse. Ich muß das Stück hören, immer und immer wieder. Natürlich habe ich kleine Ahnung, wie das Stück heißt. Aber der Service des NDR ist schnell und freundlich, schon heute kam die Antwort und die CD fand den Weg zu mir.
Die da hat nun den Groove und läuft bei mir in Endlosschleife, auch denn das Stück “Right Down here” heißt und von Asha Puthli ist. Und irgendwann bekommt “Die da” den Blues, ich wollte eh schon mal immer Musik machen…