Archiv für Mai 2008

Gekauft

Augen auf beim Onlinekauf!

Ich war mal wieder auf der Suche nach Jacken. Nicht nach irgendwelchen Jacken, ich mag’s gerne praktisch und bequem, viele Taschen und strapazierfähigen Stoff und Farben. Auf Mode oder trendige Farben lege ich keinen Wert, dafür möchte ich einen günstigen Preis.

Letztes Jahr hatte ich bei einem Versandhändler bestellt. Die Ware kam recht schnell, da ich per Vorkasse bezahlte, würdigte ich die Rechnung nur eines sehr oberflächlichen Blicks. Nun suche ich noch eine Jacke, ich erinnere mich an den Versender und suche seine E-Mail in meinem Postfach.

Bei der letzten Bestellung hatte man mich gebeten, eine Bewertung bei Ciao.de, einem Portal für Preisvergleiche und Testberichte abzugeben. Der Versender bat ausdrücklich darum, bot auch eine kleine Belohung, aber ich hatte das seinerzeit vergessen.

Mit Speck fängt man Mäuse, mit kleinen Belohnungen motiviert man Menschen. Ich suche das Portal auf, gebe als Suchbegriff den Versender ein, der Sachen im Stil der US-Army anbietet und staune über die vielen schlechten Bewertungen. Kunden beschweren sich über Probleme bei der Rücksendung und auch darüber, daß auf der Rechnung steht, daß eine Rückgabe ausgeschlossen sei, nur Umtausch sei erlaubt. Ist so was überhaupt erlaubt?

Zur Kontrolle krame ich meine Rechnung hervor und lese tatsächlich eine Formulierung, die mir sauer aufstößt und meinem Verständnis von Gesetz und den Lieferbedingungen des Versenders widerspricht. So langsam verstehe ich die Wut der enttäuschten Besteller.

Ich hatte eine Frage zum Unterschied zweier ähnlicher Produkte, doch statt einer Antwort bekam ich die Handynummer einer Lagerkraft. Ist das dir Art von Service, die ich mit meinem Kauf unterstützen möchte? Ganz sicher nicht.

Es gibt noch andere Versender…

Geglaubt

Manchmal hört man Menschen etwas sagen und entscheidet, was man glaubt:

Ich bin ein Berliner.

John F. Kennedy war weder in Berlin geboren noch wohnte er dort. Trotzdem haben die Menschen verstanden, was er sagen wollte.

Niemand muß Angst vor dem Überwachungsstaat haben, Innenminister Wolfgang Schäuble ja anständig und setzt sich für den Datenschutz ein.

Gregor Gysi behauptet, er hätte keine Kontakte zur Stasi gehabt.

Bekanntlich hatte auch niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten…

Gelegenheit macht (Daten-)Diebe

Eigentlich kann man der Telekom nur danken. Jeden Tag werden weitere Details bekannt, was dort mit (schützenswerten) Daten passieren konnte. So wie Gelegenheit bekanntlich Diebe macht, wecken Besitztümer Begehrlichkeiten. Und wer sitzt auf vielen Daten? Natürlich die Telekommunikationsanbieter.

Bislang waren nur wenige Vorstände und Aufsichtsräte das Ziel der Auswertung, aber das kann sich bald ändern. Sehr bald sogar. Mit der Vorratsdatenspeicherung soll alles aufgezeichnet und zwei Jahre lang gespeichert werden. Jedes Telefonat, jede E-Mail, jede Kurznachricht. Wer hat wann mit wem telefoniert, sich dabei wo aufgehalten. Wie oft kommunizieren Menschen miteinander, wie lange, von wo aus.

Wer jetzt noch behauptet, die Vorratsdatenspeicherung ginge ihn nichts an, weil er nichts zu verbergen habe, der übermittelt mir mal bitte Folgendes:

Wo warst Du im Februar 2007?
Bitte alle Angaben so genau, wie die Kreuzpeilung die Ortung von Mobiltelefonen ermöglicht.

Mit wem hast Du im Monat Februar 2007 telefoniert?
Bitte alle Gespräche lückenlos aufführen, samt Daten zu Standort, Dauer, Gesprächsziel.

Bitte alle Kontoauszüge aus dem Februar 2007 an mich übermitteln.
Bitte genau nachweisen, woher die Einnahmen stammen und wofür die Ausgaben verwendet wurden.

Gutaussehende Frauen zwischen 18 und 38 Jahren senden bitte aussagefähige Nacktbilder.

Wozu ich das alles brauche? Ich weiß es noch nicht. Aber Du hast ja nichts zu verbergen. Also her mit Deinen Daten.

Übrigens: Ausgerechnet Innenminister Schäuble, wegen seiner Versuche, den Bürger immer gläserner zu machen, von Kritikern als Minister für Staatssicherheit bezeichnet, lädt den Vorstand der Telekom zum Gespräch ein. Haltet den Dieb, schrie der Dieb…

Die Briefwahl des Brian

Heute war ich wählen. Per Briefwahl. Die freundliche Dame schenkt mir ein bezauberndes Lächeln und beschreibt mir das weitere Prozedere:

Durch die Tür, über den Gang, linke Seite, nur ein Kreuz…

Ich hätte schwören können, daß ich in diesem Moment ein leises „Jehova“ gehört habe…

Verraten und verkauft

Jemand hat mir verraten, wieviel Regenwald man schützen kann, wenn man eine Kiste einer bestimmten Biersorte kauft. Es ist ein Quadratmeter.

Da können sich bekannte Werbe-Ikonen dann noch so sehr ins Zeug legen, für einen lausigen Quadratkilometer müßten eine Millionen Kisten Bier verkauft werden.

Für wie dumm wollen uns manche Menschen eigentlich verkaufen?

Nachtrag: Eben sehe ich, daß diese Aktion etwas über 6 Quadratkilometer gebracht hat.

I see a red car and I want to paint it black…

Bei Automobilen neige ich bekanntlich zur Bescheidenheit, auch wenn mein mein Auto die Bezeichnung „Sport“ im Namen führt. Ja, und mein kleiner Renner ist rot, ich gab’s ja zu. Aber sonst hab ich’s gerne schlicht. Protzige Sportwagen — womöglich noch in knallrot — wären nichts für mich.

Ich staune nicht schlecht, als ich neulich einen 911er in mattschwarz sehe. Das nenne ich gelungenes Understatement.

Zeitreise

Als ich ausgediente Monitore zum Recyclinghof brachte, erlebte ich eine Zeitreise. Im Container warteten noch einige Helden meiner Jugend auf ein neues Leben im Recyclinghimmel.

Ich hätte nicht gedacht, daß man dort noch erst kürzlich ausgemusterte Atari-ST-Computer findet.

111.111

Fast hätte ich es übersehen: Der kleine rote Renner hat heute die 111.111 auf der Uhr.

Herzlichen Glückwunsch, kleiner Elefantenrollschuh!

Erkenntnis des Tages

„Wenn man sich entschlossen hat, etwas zu tun, dann muß man das auch durchhalten“ so wird Bundesforschungsministerin Anette Schavan sinngemäß zitiert. Nichts gegen Konsequenz oder Prinzipientreue, aber nicht immer ist diese sinnvoll und angebracht. Wer sich entschließt, ein Ei zu essen, muß das Ei nicht ganz aufessen, wenn er erkennt, daß das Ei faul ist.

Wenn man auf der Autobahn von A nach B fahren will, aber die Autobahn wegen Unfall gesperrt ist, stellt man sich dann Stunden hinten in den Stau? Natürlich nicht.

Eine noch gestern getroffene Entscheidung kann heute noch richtig und zeitgemäß sein, muß aber nicht. Die Gründe, die gestern zur Alternative 1 geführt haben, müssen heute nicht mehr gegeben sein, so daß aus heutiger Sicht Alternative 2 sinnvoller wäre. Oder die eigene Sichtweise auf die Dinge ändert sich.

Gerade in der Forschung gilt, daß eine allgemein anerkannte Lehrmeinung mitunter schneller überholt sein kann, als es dauert, sie zu Papier zu bringen. Eine Ministerin für Bildung und Forschung täte also gut daran, geistige Unflexibilität nicht als Tugend zu verkaufen.

Oder geht’s manchen Menschen doch nur um das liebe Geld?

Moderner Ablaßhandel

Ablaßhandel hat Tradition. Zu Luthers Zeiten hieß es:

„Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

Aber auch heute scheinen sich die Zeiten nicht wesentlich verbessert zu haben.

In der WG läuft grad Werbung. Ein Spot für ein Mineralwasser aus Frankreich bleibt mir im Gedächtnis hängen. Nicht wegen des beworbenen Produktes, auch nicht wegen der Qualität der Werbung — ich mag gute Werbung — sondern wegen seiner Aussage. Die da lautet: Kauf einen Liter unseres Wassers und wir unterstützen UNICEF, damit in Afrika 10 Liter Trinkwasser entstehen.

Das klingt doch zunächst nach einer ganz tollen Sache. Wir kaufen etwas und der Hersteller hilft armen Menschen in der Dritten Welt.

Doch irgendwas störte mich daran. Und ich fing an, mir mal ein paar Gedanken zu machen. Die Auvergne liegt so ziemlich in der Mitte von Frankreich, laut Routenplaner sind das zu mir knappe 1.400 Kilometer. Findet der Transport nicht auf der Schiene sondern auf der Straße statt, dann verbraucht ein LKW bei einer geschätzten Ladung von 20.000 Flaschen ungefähr 700 Liter Diesel. Und das alles nur, damit ich Wasser trinke (oder meine Zimmerblumen damit gieße), das mitten aus Frankreich zu mir kommt?

Zur Erinnerung: Wir reden hier nicht über exotische Dinge, die nur aus einer bestimmten Region kommen können, wir reden hier über Wasser. Also etwas, was es hierzulande reichlich gibt.

Wer also wirklich sinnvolle Dinge tun will, der verzichtet auf den ökologisch unsinnigen Transport von Mineralwasser aus aller Herren Länder und befüllt statt dessen seine Trinkflasche mit Wasser aus der Leitung. Wer man nachrechnet, was ein Liter Mineralwasser im Laden kostet, dann kann man recht viel Geld einsparen und lieber direkt spenden.

Übrigens: Ich kaufe und trinke auch kein Bier, nur um den Regenwald zu schützen. Das kann ich auch, indem ich kein Bier trinke und lieber gleich spende.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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