Archiv für Juni 2008

Erinnerung des Tages: 60 Jahre Berliner Luftbrücke

Fast hätte ich vergesse, darüber zu schreiben: Gestern vor 60 Jahren begann die Berliner Luftbrücke, wohl die größte und großartigste Logistikleistung der Geschichte.

An anderer Stelle ist ausreichend über die Luftbrücke geschrieben, die groben Fakten sind bekannt oder sollten bekannt sein.

Was ich auch erst vor einer Zeit erfahren hatte, weil ich fast über den Stein mit der Gedenktafel gestolpert bin, daß auch vom Flughafen Lübeck Einheiten der Königlich Australischen Luftwaffe Versorgungsflüge stattfanden. Bei Wikipedia ist ein Bild des Steins zu finden.

Damals trat man noch für seine Überzeugung ein und war bereit, eine Menge zu tun, um die Westberliner zu retten. Man wollte und durfte nicht vor der stalinistischen Erpressung weichen. Vielleicht hatte man noch nicht vergessen, welche Folge die Appeasement-Politik nur wenige Jahre vorher hatte: „Peace in our time…“ führte zum schlimmsten Krieg der Menschheit.

Heute betreibt man allzu oft Appeasement-Politik, man möchte fremden Meinungen nicht widersprechen, keine religiösen Gefühle verletzen, lieber zensiert man sich selbst, als…

Vernichtungsfeldzug gegen Kurt Beck?

Natürlich sind immer die Anderen schuld. Immer. Nie, wirklich niemals man selbst.

Von SPD-Chefs auf Rheinland-Pfalz sind wir einiges gewohnt. Rudolf Scharping, damals nicht mehr SPD-Vorsitzender, aber noch Verteidigungsminister, schickte seine Soldaten in den Krieg und machte erstmal Urlaub. Die Bilder auf den Titelseiten sorgten dann dafür, daß nicht nur bei seinen Soldaten die gute Laune baden ging. Natürlich waren die bösen Medien schuld an Scharpings schlechtem Image.

So ähnlich scheint das auch Kurt Beck zu sehen. Wenn selbst wohlwollende Menschen in ihm eher eine unglückliche Figur sehen, dann sind wieder die Medien, die bösen Medien schuld. Was müssen die auch immer berichten, wenn jemand mit sagen wir mal eigenwilliger Frisur und Bart dann anderen Menschen Ratschläge erteilt, man solle sich doch mal waschen und rasieren. Doch lassen wir derlei Haarspaltereien.

Daß es der SPD zur Zeit so schlecht geht, wie die Umfragen es zeigen, daß angeblich ein Drittel aller Parteimitglieder an Austritt denkt, daran können ja nur die Medien schuld sein. Denn die führen ja angeblich einen „Vernichtungsfeldzug“ gegen Kurt Beck.

Vernichtungsfeldzug? Woher kenne ich das Wort nur? Natürlich, ab 1939 und überwiegend im Osten.

Sollte Kurt Beck diesen Ausdruck wirklich so verwendet haben, wie berichtet wird, dann hat er entweder von Geschichte keine Ahnung oder aber er drückt sich maximal unglücklich aus. Beides sind keine guten Voraussetzungen, um vielleicht einmal Kanzlerkandidat zu werden.

Aber auch daran sind wieder die Medien, die bösen Medien schuld.

Mittsommer bei IKEA

Von Menschen, die tief im Süden Deutschlands wohnen, also gleich hinter der Elbe, werde ich gelegentlich als Süd-Schwede oder Beute-Skandinavier bezeichnet. Was liegt da also näher, als den Mittsommer bei IKEA zu verbringen?

Gesagt, getan und schon steuerte der bekannte rote Renner die nächste Filiale des schwedischen Einkaufsparadieses an. Nein, ich will nicht über IKEA und die angeblich in jedem Möbelbausatz fehlende Schraube lästern. Das ist nicht neu und andere Autoren können das viel besser.

Nein, ich genoß den spontanen Bummel zu IKEA, schaffte es auch ohne Einkaufsberaterin, mich zu orientieren und kam dann am eigentlichen Ziel meiner Wünsche an: Dem Hot-Dog-Stand. Und weil Midsommar war, gab’s zu jeden Hot-Dog auch gleich was zu trinken.

Doch das Beste: IKEA Food. Leckere Lebensmittel aus Schweden. Normale Menschen kaufen dort Unmengen Schokolade oder Negerküsse, Senf-Liebhaber wie ich, konnten nicht widerstehen und haben dem Senf-Sortiment im heimischen Kühlschrank zwei neue Sorten hinzugefügt.

Warum bin ich eigentlich so selten in „Schweden“?

Wort des Tages

Wie nennt man das, wenn sich Manager deutscher Konzerne plötzlich nicht mehr an Bestechungen usw. erinnern können?

Business-Alzheimer

Weit verbreitet ist auch die Unterform

Selektives Business-Alzheimer

bei der sich die Betroffenen generell an alles erinnern können, jedoch bei gewissen Zahlungen partout nichts in ihrem Hirn finden können.

Populistische Koma-Politik

Im Sommerloch drohen manche Parteien oder Politiker zu versinken. Da muß man sich schon mal etwas einfallen lassen, um in die Medien zu gelangen. Es verlangt ja niemand, daß man bis zu Ende denke, kurz angedacht reicht ja oft schon, um seinen Namen wieder in die Diskussion zu bringen.

Nun lese ich bei Spiegel Online eine interessante Meldung: Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle fordert, die Eltern von jugendlichen Koma-Säufern an den Kosten der Behandlungen zu beteiligen. Immerhin haben sich die Kosten bei der Techniker Krankenkasse für die Behandlung von Menschen unter 20 Jahren von 2003 bis 2007 beinahe verdoppelt. Dort betrugen sie etwas über 980.000 Euro. Gut, die Techniker Krankenkasse ist eine eher kleine Krankenkasse, die Kosten insgesamt sind also viel höher.

Aber sehen wir mal genau hin, die Zahl betrifft Menschen unter 20, also auch die Menschen, die 18 oder 19 Jahre alt sind, also nach dem Gesetz nach für sich selbst verantwortlich. Die Fälle, in denen man die Eltern zur Rechenschaft ziehen könnte, sind also geringer. Dann rechnen wir mal den Aufwand dagegen, den die Ermittlung und Verfolgung dieser Fälle erzeugen wird und setzten den mal in Kosten um. Der Entlastung des Gesundheitssystems steht dann also mehr Bürokratie entgegen. Unter dem Strich kommt eine schwarze Null heraus.

Wer glaubt, daß Eltern, die ihre Kinder nicht erziehen können oder wollen, sich von Kostendrohungen abschrecken ließen und so diese Besäufnisse verhinderten, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Aber wenn wir schon dabei sind, Menschen für ihr Fehlverhalten aus der Leistung ihrer Krankenkasse auszuschließen, dann bitte auch alle Raucher ausschließen, alle jugendlichen Auto-Raser, alle Drogenkonsumenten, denn bekanntlich ist der Weg von Cannabis zum Heroin ein kurzer.

Oder wir denken mal nach und lassen den Quatsch. Politer von Format versinken nicht im Sommerloch.

Fußballentscheidungen

Im Gegensatz zu vielen Millionen verkappter Bundestrainer, die alle genau wissen, wie zu spielen sei und die „diesen Ball ganz sicher reingehaun hätten“, gebe ich gerne zu, daß ich von Fußball keine Ahnung habe. Gut, mein Wissen reicht noch, um eine plausible Erklärung der Abseitsregel vorzutäuschen, aber das war’s dann auch schon.

Habe ich einen Favoriten? Nein, ich kann die Spielstärke der Mannschaften auch nicht gut genug einschätzen, um mich festzulegen. Fußballgott hin oder her, bei jeder Partie spielen nicht nur 22 Männer gegeneinander, auch das Wetter und der Zufall spielen oft eine erhebliche Rolle.

Als Deutscher müßte ich für die deutsche Nationalmannschaft sein, aber ehrlich gesagt geht es mir meilenweit achterlich vorbei, wer gewinnen wird. Beim Spiel Tschechien gegen die Türkei hatte ich den Tschechen die Daumen gedrückt, ich bin sicher, uns wären viele Auto-Corsos erspart geblieben, doch der Fußballgott hat anders entschieden.

Gestern drückte ich heimlich den Österreichern die Daumen, doch auch diesmal informierten mich Hup-Konzerte vom Gegenteil. So bleibt unseren Nachbarn weiterhin die Erinnerung an 1978, ist doch auch schön.

Natürlich habe ich keine Ahnung, wie die nächsten Spiele ausgehen werden und auch nicht, ob Deutschland Europameister wird oder im Viertel- oder Halbfinale ausscheiden wird.

Wenn ich mir vorstelle, was bei Sieg im Endspiel Deutschland : Türkei dann hier auf den Straßen los sein könnte…

Ich glaube, ich wandere aus. Am besten in ein Land, was sich nicht für die EM qualifiziert hatte.

Weisheit des Tages

Was hörte ich neulich?

Bevor ich hier noch kollabier, hol‘ ich mir noch ein Cola-Bier…

Na dann prost!

An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen…

In der WG werde ich schon mal als Öko-Hippie bezeichnet. Gut, ich trenne meinen Müll, kaufe keine Produkte, deren Herstellung oder Transport zum Verbraucher ich als unsinnig empfinde, zum Beispiel Butter aus Irland oder Mineralwasser aus Frankreich. Und bin ich mit dem Auto unterwegs, dann bereitet es mir eine gewisse Freude, wenn die Anzeige des Spritverbrauchs im unteren Bereich liegt.

Andere Menschen kaufen Bio-Produkte, weil es ihnen einfach besser schmeckt, warum auch nicht.

Dann gibt es noch Menschen, die … Doch ich erzähle der Reihe nach:

Ab und zu fahre ich an einem Gut vorbei, das auch einen Verkaufsladen für eigene und fremde Ökoprodukte hat. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein, es war klar, daß ich mir den Laden irgendwann mal genauer ansehen wollte.

Die Auswahl des Angebots überrascht mich, ich möchte so ziemlich alles kaufen, was ich sehe, aber ich brauche eigentlich kaum etwas, so beschränke ich mich auf ein paar Kleinigkeiten.

Mein Auto steht im Schatten, die Sonne scheint, das Wetter ist sehr angenehm, ich bin manchmal sehr neugierig und etwas ungeduldig, also probiere ich meine Neuerwerbungen sofort und auf der Stelle.

Nichts kann diesen perfekten Moment stören. Fast nichts. Dann parkt jemand sein Auto neben meinem, also im Schatten hoher Bäume. Und während die Beifahrerin aussteigt, um im Bio-Laden einzukaufen, läßt der Fahrer den Motor laufen. Und läßt ihn laufen und laufen. Klar, bei stehendem Motor funktioniert die Klimaanlage nicht. Nach einigen Minuten, Motor und Klimaanlagen laufen immer noch, kommt die Beifahrerin aus dem Laden und die beiden fahren endlich wieder weg.

Wozu kauft man in einem Öko-Laden, wenn der eigene Beitrag zu ökologischem Verhalten für’n Arsch ist? Manchen Menschen geht es offenbar nicht um die Sache sondern nur um das eigene Gewissen.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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