Archiv für Juli 2009

Eben probiert: Braun bodycruZer

Vor genau einem Jahr schrieb ich in der Diskussionsgruppe „de.alt.etc.koerperpflege

Hallo Körpergepflegte

Braun hat mit dem BodyCruzer eine Lücke geschlossen:  Ein Haartrimmer mit Systemklinge, mit dem Haare gekürzt und / oder rasiert werden können.

Meines Wissens nach der erste Rasierer von Braun, den man auch unter der Dusche benutzen kann.

Interessant für mich sind dabei drei Dinge:

Erstens greift Braun damit den Trend zur Körperrasur bei Männern auf (und erschließt sich so eine Käufergruppe, die man sonst nicht erreicht hätte, weil sie Naßrasierer sind).

Zweitens verwendet der BodyCruzer neben dem Scherwerk auch eine Systemklinge von Gillette. (Habe nicht recherchiert, ob Braun und Gilette zum selben Konzern gehören.)

Drittens die verwendet Klinge bzw. Das Klingenpaket. Der BodyCruzer das Klingenpaket des Gillette M3-Power (kompatibel zu Gilette Mach-3 und Mach-3-Turbo), also ein Klingenpaket mit DREI Klingen und nicht das momentan von Gillette beworbenen 5-Klingen-System „Fusion“.

Ich habe einen Gilette Mach-3-Turbo und bin damit sehr zufrieden, meine Versuche mit dem Gilette Fusion hinterließen bei mir den Eindruck, daß der Fusion bei täglicher Rasur besser sei, aber der Mach-3 bei längeren Haaren (Dreitagebart oder Körperbhaarung) besser sei, da die Zwischenräume zwischen den Klingen breiter sind und somit nicht so leicht verstopfen.

Der geringere Preis der Klingen der letzten Generation (M3-Power, Mach-3 und Mach-3-Turbo) spricht auch aus meiner sicht gegen die 5-Klingen-Technik des Fusion.

(Anmerkung: Typo im Text korrigiert und den Link direkt anklickbar gemacht)

Seit gestern habe ich den Braun bodycruZer B-55 in Titangrau. Seit ich vor einem Jahr den Artikel schrieb, hat sich einges getan. Inzwischen weiß ich, daß die Marken Braun und Gilette zu Procter & Gamble gehören, das erklärt, warum sich Braun für Klingen von Gillette entschieden hat.

Damals gab es diesen Rasierer nur mit dem 3er-Klingen-Paket des Gillette M3-Power (wobei dei Klingen Mach-3 und Mach-3-Turbo auch passen), heute gibt es den Rasierer auch mit dem 5+1-Klingen-System des Gillette Fusion.

Anfänglich war ich skeptisch, ob der Umstieg von 3-Klingen- auf 5-Klingen-Pakete wirklich vorteilhaft sei, ich hatte Bedenken, ob das 5+1-Klingenpaket des Fusion nicht zu schnell verstopft, speziell bei der Rasur von etwas längerer Körperbehaarung. Das ist beim BodyCruzer kein Problem, da der Langhaarschneider längere Bart- oder Körperhaare erst kurz über der Haut abschneidet und dann nur noch kurze Haare für das Klingenpaket des Fusion übrigbleiben.

Dank gummierter Auflageflächen für den Daumen liegt der Rasierer bei Links- oder Rechtshändern gleich gut in der Hand, durch den ausgewogenen Schwerpunkt läßt sich der BodyCruzer gut handhaben, sowohl bei Rasuren im Gesicht als auch am Körper. Auch wenn der Rasierer durch die Dusche oder Rasierschaum naß wurde, läßt er sich sicher handhaben.

Ich bin mein Leben lang Naßrasierer gewesen — okay, erst seit mir Bart wuchs — habe mich aber rasch an den dezenten Klang und sanften Vibration des BodyCruzers gewöhnt. Die Handhabung des neuen Rasierers war zunächst ungewohnt, weil ich mich vorher lange Zeit mit dem Gillette Mach-3-Turbo (und sehr selten mit einem Gillette Fusion) rasiert hatte, aber die Umstellung auf die neuen Ausmaße des Rasierers geht schnell. An die Außmaße eines neuen Autos gewöhnt man sich ja auch schnell.

Zur Akkulaufzeit kann ich noch nichts sagen, das Handbuch spricht von „bis zu 50 Minuten“, was aber für einige kombinierte Naß-Trocken-Rasierzyklen reichen dürfte. Der Fusion-Anteil (reines Naßrasieren) funktioniert natürlich auch ohne Strom.

Auf Reisen paßt der Rasiererund das Zubehör (Aufsätze für unterschiedlichen Trimming-Längen, Reinigungspinsel, Ladegerät und Transport- bzw. Duschhalterung in das mitgelieferte Reiseutui. Dabei ist mir allerdings der einzige Kritikpunkt an diesem Rasierer aufgefallen: Das Klingenpaket des Gillette Fusion ist ein 5+1-Paket, es hat 5 parallele Klingen auf der Vorderseite und eine einzelne Klinge an der Rückseite. Verstaut man den Rasierer in der Transporthalterung, so bleibt diese einzelne Klinge an der Rückseite unbedeckt und ungeschützt. Damit sich dadurch kein Risiko für Beschädigung der Klinge oder des Etuis ergibt, verstaue ich das Klingenpaket bei Reisen in der Halterung der frischen Klingen. 

Insgesamt bin ich echt begeistert. Ich dachte erst, daß BodyCruzer wird eine Ergänzung zu meinem Gillette Mach-3 aber schon jetzt ist abzusehen, daß der alte Rasierer recht schnell den Status „Für Not- und Kriesenfälle“ bekommen wird.

Wetterweisheit

Ich weiß, „Wetter“ ist ein abgegriffenes Thema, aber manchmal geht’s einfach nicht anders:

Woran erkennt man den Sommer in Schleswig-Holstein?
Der Regen wird wärmer!

Einer meiner Dozenten erklärte einmal den Begriff „komplementäre Güter“ unter anderem einmal so:

Ein schönes Beispiel für komplementäre Güter sind Sommerurlaub an der deutschen Nordseeküste und Friesennerze…

Wenn ich so aus dem Fenster sehe… Wo er recht hat, hat er recht…

Ritter Sport Olympia

Der olympische Gedanke — „Dabeisein ist alles“ — geht momentan in Kleinbloggersdorf um. Leider verpaßte ich die Meldefrist beim Shopblogger Björn Harste und bin so nicht zu den Spielen um die beliebte Schocki zugelassen worden.

Aber — Dabeisein ist alles — überraschte mich eine gute Freundin mit sieben Tafeln Ritter Sport Olympia und bescherte mir so eine süße Woche. Vielen Dank!

Liebe Leute von Ritter Sport, warum habt ihr diese Sorte überhaupt eingestellt? Und warum kehrt diese leckere Sorte in einem Jahr ohne olympische Spiele zurück?

Ach, eigentlich möchte ich das alles nicht wissen, mich interessiert viel mehr, ob es „Olympia“ jetzt wieder dauerhaft geben wird.

Bikini — einmal anders

Unter einem Bikini verstehen wir gemeinhin ein zweiteiliges Bekleidungsstück, welches meistens am Strand oder zum Baden getragen wird, so ähnlich weiß es auch Wikipedia.

Ich staunte nicht schlecht, als ich heute erfuhr, daß ein „BiKiNi“ auch ganz etwas anderes sein kann: Ein Stuhl.

Da mir diese Geschichte wieder niemand glauben wird, habe ich ein paar Beweisbilder gemacht, seht selbst…

Bikini-gross

Achtet auf den unteren Bereich der Lehne, hier noch einmal in Nahaufnahme:

Bikini-Ausschnitt

Zeitreise in die Vergangenheit: Rechentricks alter Ingenieure

Es gab eine Zeit, in der Männer noch echte Männer waren. Ingenieure waren damals Halbgötter in weißen Kitteln, die an Zeichenbrettern standen, den Rechenschieber immer auf dem Schreibtisch hatten, direkt daneben lagen Tabellenwerke mit den Werten für Sinus, Cosinus und vielen anderen Dingen, deren Verständnis kaum einem Normalsterblichen möglich war.

Als Schüler gehörte ich dem letzten Jahrgang an, der auf dem Gymnasium noch die Bedienung des Rechenschiebers lernen durfte mußte, auch wenn der unaufhaltliche Siegeszug des Taschenrechners bereits klar erkennbar war. Ich erinnere mich noch gut an den ersten TI-30.

Doch zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte. Während Jung-Ingenieure, die von ihren (viel) älteren Kollegen mitunter als „Kinder mit Taschenrechnern“ verspottet wurden, noch die Zahlen eintippten, hatten die Alt-Ingenieure mit ihren Rechenschiebern oftmals  das Ergebnis. Es stimmte nicht bis auf die letzte Nachkommastelle, war aber oftmals ausreichend genau genug. Neben dem wieselflinken Umgang mit dem Rechenschieber waren viele Alt-Ingenieure ausgezeichnete Kopfrechner, die vor dem geistigen Auge auch größere Zahlen blitzeschnell ’schriftlich‘ multiplizierten oder dividierten. Ingenieure müssen oft aber nicht nur die vier Grundrechenarten anwenden, fast immer im Leben braucht man trigonometrische Funktionen oder die Kreiszahl pi. Aber auch das geht im Kopf, wie mir ein stolzer Alt-Ingenieur einmal verriet. Er machte eine kleine Lehrstunde daraus:

„Pi“ ersetzt der Ingenieur durch den Bruch 22/7. Das stimmt nicht ganz, aber der Fehler von einem Promille ist oftmals akzeptabel.

Auch die trigonometrischen Funktionen lassen sich im Kopf rechnen, ließ ich mich belehren. „Sinus und Cosinus haben die gleiche Kurvenform, sind nur um 90° verschoben, also brauchen wir eigentlich nur den Sinus, den Cosinus rechnen wir dann mit korrigierten Werten.“ Er mußte mein Gedächtnis nicht auffrischen, ich erinnerte mich an meinen Mathematikunterricht. Er fuhr fort: „Bei 90° wird die Kurve des Sinus an der Y-Achse gespiegelt, für Werte von 90° bis 180° gilt: (90+x)° = (90-x)°, also rechnen wir das um. Von 180° bis 360° verläuft die Sinuskurve genau wie für die ersten 180°, nur ist das Ergebnis dann negativ. Eigentlich muß man nur die ersten 90° wissen, dann ist das Thema Sinus und Cosinus abgehakt.“ Er hielt kurz inne und vergewisserte sich, daß ich folgen konnte.

„Für den Sinus gibt es ein paar kleine Hilfen.“ Er gab mir ein Blatt Papier und einen Druckbleistift. „Schreib Dir mal was auf: In die erste Zeile schreibst in jede Spalte eine Null, denn der Sinus von Null ist bekanntlich Null.“ Ich schrieb. „In die nächste Zeile schreibst Du eine Eins, eine Sechs und eine Eins. Hinten in der Tabelle haben die die Gradzahlen in Zehn-Grad-Schritten und der Sinus von 10° ist ziemlich genau ein Sechstel, also 1-6-1.“ Ich schrieb und staunte. „Dann schreibst Du eine Zwei, eine Sechs und eine Zwei, der Sinus von 20° ist zwei Sechstel, also 2-6-2.“ Ich schrieb.

„Dann wird es etwas einfacher, in die nächsten Zeilen schreibst Du 1-2-3 für 30°, 2-3-4 für 40° und 3-4-5 für 50°“. Ich füllte meine Tabelle. „Bis 50° liebt die Abweichung bei Plusminus zwei Prozent, das ist ausreichend genau genug.“ Ich rechnete die Brüche aus und vergleich ihre Ergebnisse mit dem richtigen Wert des Sinus. Ich war erstaunt, daß diese einfache Tabelle tatsächlich funktionierte.

„Bei 60°, 70° und 80° müssen wir etwas tricksen, da schreiben 60-69-6 für 60°, dann 70-75-7 für 70° und 84-85-8 für 80°.“ Ich trug die Werte in die Tabelle ein. „Dafür ist es bei 90° wieder schön einfach, da schreibst Du 9-9-9, denn der Sinus von 90° ist Neun Neuntel also Eins, diese Zeile der Tabelle haben wir nur aus Gründen der Vollständigkeit.“ Ich nickte stumm und betrachtete die Tabelle.

Zähler Nenner Winkel in ° mal 10
0 (hier wird nicht geteilt) 0 (hier wird nicht geteilt) 0
1 6 1
2 6 2
1 2 3
2 3 4
3 4 5
60 69 6
70 75 7
84 85 8
9 9 9

„Diese Tabelle lernst Du einmal auswendig und übst dann ein wenig damit und schon kannst Du Sinuswerte für viele Werte im Kopf rechnen.“ Ich staunte. „Für Zwischenwerte muß man dann schätzen, aber das klappt meistens ganz gut und ist schneller, jedenfalls wenn die Rechenmaschine gut geölt ist.“ Er kratze sich am Kopf und beendete seine Lehrstunde.

Danke Meister!

Zeitreise in den Weltraum

Erinnert Ihr Euch? Heute vor 40 Jahren brach die Menschheit zur ersten Mondlandung auf. Zwar gab es bereits vorher bemannte Flüge zum Mond, aber erst mit Apollo 11 war man soweit, auch landen zu können.

Wer damals — wie war das mit der Gnade der (zu) späten Geburt? — nicht dabei war oder dabei sein konnte, kann das bei We Choose The Moon noch einmal (fast) live miterleben. 

Auch ich war damals zu jung, falls meine Eltern mich damals vor den Fernseher geschleppt hatten, fehlt mir jede Erinnerung daran. Meine ersten bewußten Fernseherinnerungen stammen aus dem Juli 1971. Der Familienfernsehapparat, damals natürlich noch in schwarzweiß, wurde extra mit in den Sommerurlaub genommen, um Apollo 15 und die Fahrten des Mondautos im Fernsehen verfolgen zu können. Stand man einige Meter vom Fernsehapparat entfernt, waren die Bilder recht gut zu erkennen.

Auch 40 Jahre nach der Mondlandung ist es spannend, den Funkverkehr zu hören und in Gedanken ‚live‘ dabei zu sein.

Gedanken zur „Anfix“-Theorie

Immer wieder reden Menschen von der „Anfix“-Theorie. Machen wir uns ein paar Gedanken dazu.

Seit ich ein Kind war, habe ich möglicherweise millionen mal Werbung für Alkoholika oder Tabakwaren gesehen oder gelesen.  Der Theorie nach müßte ich ein kettenrauchender Säufer sein. Bin ich aber nicht. Ich habe ein meinem Leben nicht eine Zigarette geraucht, trinke kaum Alkohol und nehme auch keine sonstigen Drogen.

Seit ich ein Kind war, habe ich unzählige Verbrechen im Fernsehen angesehen. Der Theorie nach müßte ich ein Dieb, Räuber, Entführer, Vergewaltiger und Mörder sein. Bin ich aber nicht.

Ich habe im Kino unzählige Agentenfilme gesehen, hatte aber dadurch nie die „Lizenz zum Töten“, ich hab auch nicht versucht, die Auto-Stunts aus dem James-Bond-Filmen nachzumachen.

Und nun denken wir noch einmal darüber nach, ob wir die These von der „Anfix“-Theorie einfach so glauben wollen. Erst recht , wenn diese Theorie aus den Kreisen stammt, die es auch sonst mit Fakten nicht so genau nehmen.

Gewisse Themen sind zu wichtig für hektischen Aktionismus und dümmlichen Populismus. Gute Entscheidungen setzen voraus, daß man genau weiß, worüber man redet, daß man die Fakten kennt und sich ihnen nicht verschließt. Und natürlich muß man bei den Lösungen handwerklich sauber arbeiten. Das gilt auch für die Politik.

Wie „hot“ sind Hotlines?

Wer häufiger versucht, eine „Hotline“ anzurufen, dort aber außer einer Warteschleife niemanden erreicht, macht sich so seine Gedanken, ob der Begriff „Coldline“ nicht passender wäre.

Aber vielleicht gibt es eine ganz andere Erklärung, warum ich bei der Hotline niemanden erreiche? Vielleicht wird dort wirklich telefoniert, bis die Drähte sprichwörtlich glühen? Das wäre dann eine passende Erklärung.

Hotline, wenn die Drähte glühen

Hotline, wenn die Drähte glühen

Die Rache des kleinen Mannes … funktioniert.

Die Zeiten haben sich geändert, das müssen auch immer mehr große Firmen lernen, nicht immer auf die schmerzfreie Art. Früher, in der Zeit vor dem Web 2.0, war die Verteilung der Rollen recht eindeutig. Auf der einen Seite waren die (großen) Firmen, auf der anderen Seite (meistens) viele kleine Kunden. Fühlte sich ein Kunde schlecht behandelt (ob zu recht oder zu unrecht, ist an dieser Stelle nicht entscheidend), konnte er sich an die Firma wenden und wurde manches mal recht unfreundlich „abgebürstet“. Was blieb dem Kunden noch? Er konnte den Anbieter wechseln, sofern es Konkurrenten gibt. Dann blieb noch der Weg, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, zum Beispiel an die örtlichen Medien.

 Früher,  in der Zeit vor dem Web 2.0, war die Welt auch hier recht übersichtlich, es gab relativ wenige Anbieter und viele Konsumenten. Man konnte sich mit seiner Beschwerde an die Medien wenden und hoffen, daß das eigene Anliegen für die Medien interessant genug war, um darüber (kurz) zu berichten. Wenn man dann noch berücksichtigt, daß viele Zeitungen in erheblichem Maße von Anzeigenkunden angängig sind sich genau überlegen (müssen), ob sie sich negative Berichterstattung über einen großen Anzeigenkunden leisten können oder wollen, kann man sich leicht vorstellen, daß es nur wenige Berichte in die Zeitungen schaffen. Und selbst wenn es jemand schafft, daß der „Büttenwarder Dorfbote“ berichtet, ist die mediale Wirkung eher gering.

Doch die Zeiten haben sich geändert: Inzwischen haben Menschen die Möglichkeit, ihre Bewertungen über Firmen, deren Produkte oder Dienstleistungen so ins Netz zu stellen, daß sie gefunden werden können.

Dave Caroll, Musiker der Gruppe „Sons of Maxwell“ beklagt sich über die Behandlung seines Gepäcks durch United Airlines und machte daraus den Song „United Breaks Guitars„. Als ich den Song gestern bei Youtube ansah, war er ungefähr 450.000 mal angesehen worden. Heute wurde der Song über 1.000.000 mal angesehen. Das verdanken wir auch Multiplikatoren wie Twitter, in denen die URL zum Song von vielen Menschen wiederholt und so verbreitet wurde. Eine Million Abrufe bedeuten nicht eine Million verschiedene Menschen, die das gesehen haben, schätzen wir einmal sehr vorsichtig und nehmen wir nur 250.000 Menschen an, die Geschichte des beschädigten Gepäcks und den Umgang der Fluglinie mit diesem Problem angehört haben. Jeder von ihnen wäre ein potentieller Kunde, der sich nun genau überlegen wird, ob er statt mit United Airlines nicht lieber mit einer anderen Fluglinie fliegt. Und genau hier sind wir an den Punkt, auf den es ankommt: Man hat eine Stimme, die gehört werden kann. Gut, nicht jeder Mensch kann aus seiner Beschwerde einen eigenen Song samt Videoclip machen, der so eine Verbreitung findet, aber im Kampf „David gegen Goliath“ ist David ein ganzes Stück stärker geworden.

Das müssen wohl auch die Betreiber des Hotels „Heidsieker Heide“ in Bielefeld lernen. Ein Gast sah sich gezwungen, Rechtsanwalt Udo Vetter einzuschalten, weil die eigenen Briefe wegen vergessener Gegenstände nicht beantwortet wurden. Udo Vetter ist nicht nur Anwalt, er ist auch Blogger und so erfuhr die Angelegenheit eine enorme mediale Aufmerksamkeit. Wer bei Google nach dem Hotel sucht, findet gleich auf der ersten Seite Udos Artikel zum Verhalten des Hotels bei Fundsachen, ob das die Art von Berichterstattung ist, die sich ein Hotel wünscht?

Die Zeiten haben sich geändert. Früher galt das Sprichwort „Ein zufriedener Kunde erzählt fünfmal, ein unzufriedener Kunde erzählt zwanzigmal“, heute kann ein unzufriedener Kunde einen Artikel in seinem Blog schreiben, kann sich in Verbraucher Foren äußern, kann Twitter & Co. Als Multiplikatoren nutzen. Und wenn er nur verärgert genug ist, dann macht er daraus eine witzige Aktion, die dann zum Selbstläufer wird und schon beginnt eine Lawine, die nicht mehr aufzuhalten ist und am Ende sehr teuer für das Unternehmen wird.

Irgendwie schon toll, dieses Internet und die Möglichkeiten, die es uns Verbrauchern eröffnet.

Nachtrag: Ratet mal, welches Musikstück gerade läuft…

Mal wieder ein Fall für das „Forrest-Gump-Prinzip“?

Forrest Gump verdanken wir die Worte „Dumm ist, wer Dummes tut!“. Manche Handlungen mancher Menschen kann man wirklich nur unter dem Stichwort Forrest-Gump-Prinzip abhaken. Zum Beispiel die Äußerung des SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Sascha Raabe, in der er den Schluß nahelegt, wer gegen Internetsperren sei, wollte in Wirklichkeit freien Zugang zu kinderpornografischen Material erreichen. 

Hier ein Ausschnitt seiner Rede:

Wir können es doch als Gesellschaft nicht hinnehmen, das – so wie es die Piratenpartei fordert- Jugendliche und Erwachsene ungehindert Zugang zu Kinderpornos im Internet haben können, nur weil diese vom Ausland aus angeboten werden. Meinungs- und Informationsfreiheit bedeutet nicht, dass es ein Grundrecht auf ungehinderten Zugang zu Kinderpornographie im Internet gibt. Das Grundgesetz schützt vor allem die Rechte der Schwächsten und das sind hier die missbrauchten Kinder und nicht die sogenannte Internet-Community. Überhaupt finde ich es anmaßend, wenn die Piratenpartei sich als Vertreter der gesamten Internet-Community aufspielt. Ich nutze selbst das Internet von Anfang an und fühle mich überhaupt nicht dadurch beeinträchtigt, dass kinderpornographische Seiten aus dem Inland wie aus dem Ausland gelöscht oder gesperrt werden. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

Quelle der Rede

Wirklich ein klarer Fall für das Forrest-Gump-Prinzip? Ich bin mir da nicht so sicher. Ziehen wir ein paar mögliche Beweggründe in Betracht.

Dummheit
Raabe ist laut eigener Homepage promovierter Politologe, was einfache Dummheit eher unwahrscheinlich macht.

Unwissenheit
Daß Politiker nicht (genau) wissen, worüber sie eigentlich reden, kommt ja gerne mal vor. Aber jemand, der das „Internet von Anfang an nutzt“ (seine eigenen Worte), sollte man einen gewissen Sachverstand in Sachen Internet voraussetzen. Also können wir auch diesen Punkt erst einmal außen vor lassen.

Okay, Raabe ist also weder dumm noch unwissend. Trotzdem diffamiert er und greift Kritiker der Internetsperren an, natürlich mit den beliebten rhetorischen Tricks Dinge ‚richtigzustellen‘, die niemand behauptet hat. Was könnte ihn dazu bewegen? Ich habe da eine Vermutung:

Verzweiflung
Das Thema Internetsperren ist wie großer Kübel stinkende Scheiße, jeder, der Ahnung hat, erkennt auf Anhieb, daß und wie sehr die Sache stinkt. Leider haben viele Menschen nicht den Mut oder das Rückgrat, ein schlechtes Gesetz einfach abzulehnen und eine bessere Lösung als Gesetzesvorlage einzubringen. Lieber stimmt man einem Kompromiß zu, der nicht selten die Nachteile beider Vorlagen miteinander verbindet. Aber was ist, wenn das rauskommt? Dann muß man, ach was, dann kann man eigentlich nur noch die Kritiker der eigenen Gesetze diffamieren. Sachliche Auseinandersetzung, ob der eigene Lösungsvorschlag wirklich eine gute Lösung darstellt, kann man nicht mehr führen. Also schaltet mancher Politiker reflexhaft auf den Modus „Ich habe keine Argumente mehr (oder ich hatte noch nie welche), aber ich kann professionell beleidigen oder die Wahrheit verdrehen.“

Ich habe den Eindruck, daß genau das in diesem Falle am ehesten geeignet ist, das Verhalten von Dr. Raabe zu erklären. Allerdings will ich Dummheit, Ahnungslosigkeit oder Bösartigkeit auch nicht ganz ausschließen.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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