Archiv für Juni 2011

In Sachen Kachelmann

Ja, ich weiß, ich begebe mich auf dünnes Eis, aber auch ich habe mir so meine Gedanken zum Thema gemacht.

Der Prozess ist also seit ein paar Tagen vorbei, das Urteil lautet Freispruch, auch wenn es noch nicht rechtskräftig ist. In Udo Vetters LawBlog diskutiert man über mögliche Rechtsmittel, die die Staatsanwaltschaft einlegen könnte. Dem juristischen Laien dürfte der Unterschied zwischen Berufung, Revision und Sprungrevision unbekannt sein. Aber darum geht es mir hier auch nicht.

Den Prozeß habe ich leidlich verfolgt, entgehen konnte man der Angelegenheit kaum, denn die Medien berichteten über das (inszenierte) Spektakel, so daß man fast schon mittendrin, statt nur dabei war. Ich war bei der Tat, so sie denn stattfand, nicht dabei, weiß also nicht, was passiert ist und was nicht.

Das geht jedoch nicht nur mir so, das geht auch den Journalisten so. Deswegen finde ist es bemerkenswert, daß manche Journalisten oder in diesem Fall, daß eine Journalistin (auf die ausdrückliche weibliche Form legt Frau Schwarzer doch bestimmt großen Wert) sich so sicher glaubte, daß Kachenmann die ihm vorgeworfene Tat auch begangen haben müsse. Das eherne Grundsatz der Unschuldsvermutung, der nicht nur für die Medien sondern eigentlich für alle zu gelten hat. Auch Schwarzers Interpratation, Kachelmanns Freispruch sei nur ein Freispruch dritter Klasse gewesen, verwundert.

Ja, das Thema Vergewaltigung ist ein sehr ernstes und sollte nicht verharmlost werden. Allerdings ist es immer sehr schwierig für Unbeteiligte, herauszufinden, was war und was nicht, gibt es keine Beweise. Im Zweifel stehen dann zwei Aussagen, deren Inhalte sich manchmal diametral gegenüberstehen, im Raum. Wer sagt die Wahrheit, wer die Unwahrheit? Gibt es überhaupt die eine Wahrheit? Manchmal empfinden — und bewerten — zwei Menschen eine gemeinsames Erlebnis so dermaßen unterschiedlich, daß man sich fragt, ob wirklich beide das selbe erlebt haben.

Eine Entscheidung zwischen den Ansichten oder Aussagen der beiden ist dann immer eine Gratwanderung. Wem soll man glauben, wem nicht? Und wovon machen wir anhängig, wessen Aussage wir für glauwürdiger halten und wessen nicht? Sich einseitig auf eine Seite zu schlagen, nur weil X eben ein Mann oder weil Y eine Frau ist, wäre dumm.

Aber genau dieses dumme Verhalten war von  Journalisten zu beobachten und damit meine ich nicht nur Alice Schwarzer. Erinnern wir uns an dieser Stelle an die Worte des legendären Hanns Joachim Friedrichs:

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (nach o.g. Quelle)

Nach dieser Definition wäre Frau Schwarzer weit davon entfernt, ein guter Journalist zu sein. Das ist schade — vor allem, weil es um die Sache und nicht den (zweifelhaften) Ruhm des Journalisten gehen sollte.

In eigener Sache: Schreibbloggade

Ja, es gibt dieses Blog noch. Allerdings hatte ich in den letzten Wochen keinen Bock äh fand ich keine Muße, um meinen kleinen elektronischen Vorgarten zu bestellen. Aber jetzt bin ich im langen Wochenende und da wird sicherlich der eine oder andere Blog-Artikel entstehen, versprochen.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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