Archiv für Mai 2012

Wort des Tages: Vitamine

Unterhaltung mit einem guten Freund. Wir reden auch über Essen. Mit den Worten „Hier, ein paar Vitamine“ biete ich ihm einen Apfel an. Seine Reaktion war sehr trocken:

Vitamine vom Landwirt enthalten im Zweifel auch Pestizide. Vitamine vom Chemiker nicht.

Was ist er wohl von Beruf?

Ein paar Gedanken zu: Organspende

Zur Zeit geht das Thema Organspende wieder durch die Medien, in der Diskussion ist die Neuregelung der Organspende.

Ich habe mich vor Jahren mal entschieden: Ich bin für Organspende. Ich denke, ich hätte keinen moralischen Anspruch auf ein Spenderorgan, hätte ich keinen Organspendeausweisausweis in der Tasche. Im Fahrtenbuch meines Autos ist ebenfalls ein entsprechender Hinweis und die Angabe, wo mein Organspendeausweis zu finden ist.

Was spricht aus meiner Sicht für einen Spenderausweis?
Ich kann nach meinem Tod Leben retten. Ob das wirklich so passiert, weiß ich zu Lebzeiten nicht. Aber das ist wie bei Religionen, ob es Auferstehung und ewiges Leben gibt, erfährt man auch erst hinterher.

Aber wenn es den gütigen Gott, an den so viele Menschen glauben, wirklich gibt, dann wird er mir sicherlich nachsehen, komme ich nicht ganz vollständig an. Sollte es diesen Gott nicht geben, woran auch einige Menschen glauben, so entfallen diese Bedenken.

Daß ich meinen moralischen Anspruch auf ein Spenderorgan auf meinem eigenen Spenderausweis stütze, hatte ich schon geschrieben.

Und es gibt noch einen Grund: Nach meinem Tod werden keine Angehörigen mit der Frage belastet, ob sie einer Organentnahme zustimmten. Keine leichte Entscheidung, erst recht nicht, im akuten Trauerfall. Also habe ich es geregelt.

Was spricht aus meiner Sicht gegen einen Spenderausweis?
Neben religiös begründeten Einschränkungen gibt es weitere gute Argumente gegen eine Organspende. Angehörige können vielleicht nicht so vom sterbenden Menschen Abschied nehmen, wie sie es gerne möchten. Wer einem Angehörigen bis zum letzten Herzschlag die Hand halten mag, weil das für sein persönliches Abschiednehmen wichtig ist, wird um diese Möglichkeit gebracht.

Manche Menschen haben auch Angst, daß Ärzte bei Inhabern von Spenderausweisen vorschnell reagieren und auf Recycling statt auf Behandlung setzen. Diese Angst habe ich nicht. Der Hirntod ist sehr sehr gut und objektiv feststellbar. Was bleibt nach (m)einem Hirntod noch? Nur eine Hülle. Das Wichtigste, was mich ausgemacht hat, Geist und Seele, sind dann tot oder auf dem Weg in die Auferstehung. Meine Organe werde ich dann icht mehr gebrauchen können. Aber vielleicht ein anderer Mensch. Also überzeugt mich dieses Argument auch nicht.

Fazit: Ich habe mich für die Organspende entschieden und trage einen entsprechenden Ausweis mit mir herum. In der Hoffnung, daß ich ihn nicht gebrauchen werde. Aber falls doch, dann ist es gut, daß ich mich jetzt entschieden habe.

Und ich bitte jeden Menschen, sich auch mal ein paar Minuten zu überlegen, ob er dafür oder dagegen ist. Und dann einen entsprechenden Eintrag in einem Ausweis zu machen.

Lustiges an der Käsetheke

Die Damen an der Käsetheke kennen mich und mein — sagen wir mal — seltsames Einkaufsverhalten: Ich schleiche wie der sprichwörtliche Tiger durch seinen Käfig an der Theke entlang und bin auf der Suche nach dem Käse, der es heute sein soll. Immerhin bieten geschätze sieben Meter Thekenlänge eine reichliche Auswahl.

Ich probiere auch gerne mal die Käsesorten, die zur Verkostung angeboten sind, merke mir ihren Namen, um sie dann bei passender Gelegenheit in aller Ruhe auszuprobieren.

Beim letzten Einkauf erinnere ich mich an einen leckeren Käse, wollte den auch kaufen und fragte die Verkäuferen nach „Deichkind“. Sie lächelte mich an, was bei mir leichte Irritation auslöste. Was war an meiner Bestellung so lustig? Während sie den Käse aus der Kühltheke holte, begann sie leise vor sich hinzusingen „Bück Dich hoch…“

Ich begriff, lächelte zurück und erinnerte mich:

Deichkind sind die mit „Bück Dich hoch“ und anderen tollen Songs.
Deichgold ist der leckere Käse.

(Nicht so ganz) Allein allein

Ich stand an einer roten Ampel, die Fenster waren runtergedreht, mein Blick schweifte durch die Gegen und traf auch das Auto neben mir. Etwas machte mich stutzig, eben war die Rückbank leer, nun tauchten da Köpfe auf. Erst zwei, dann drei und dann erhob sich eine weitere Person, die auf den anderen dreien lag. Die vier von der Rückbank erfreuten sich offenbar an meinem verdutzen Gesicht und hatten ihren Spaß daran, sich immer wieder zu verstecken und hervorzukommen.

Das erinnerte mich an eine längst vergangene Geschichte:

Wir waren auf einem Übungsgelände, bis zum Lager waren es ein paar Kilometer zu gehen, da kam und ein Ford Transit gerade recht. Er mußte eh in unsere Richtung, also hielten wir ihn an. Der Fahrer wollte uns nicht mitnehmen, jedenfalls nicht alle. Seine Einwände waren berechtigt, das Fahrzeug hatte weder ausreichend Sitze noch Gurte für alle Insassen gehabt. Nach der Devise „Lieber schlecht gefahren als gut marschiert“ war uns das egal. Und schneller als 20 oder 30km/h durfte auf dem Gelände eh nicht gefahren werden.

Er dürfe aber uns nicht alle mitnehmen, da er als Fahrer keinen Personenbeförderungsschein habe und hinten irgendwo die Polizei unterwegs wäre und er keinen Ärger bekommen wollte. Ein verständliches Problem, aber auch dieser Einwand war zu entkräften:

Wenn Du kontrolliert wirst, dann hast Du 12 Zeugen dafür, daß Du ganz alleine im Auto warst…

Er hatte ein Einsehen, lud uns alle ein, setzte uns sicher ab und ersparte uns so ein paar Kilometer Fußmarsch. Und die Polizei, falls sie es bemerkt hätte, drückte ein Auge zu.

Der wahre Luxus

Manchmal sinnieren wir darüber, was eigentlich Luxus ist. Ist es ein großes Haus? Viel Freizeit? Geld?

Ich fuhr die Straße entlang, hintermir entdeckte ich einen offenen Sportwagen Stuttgarter Provinienz. Ich erwartete klischeehafte Verhalten wie Drängeln, dichtes Auffahren, rasantes Überholen. Nichts passierte. Die Straße war einsehbar, der Gegenverkehr wies ausreichende Lücken auf, da wäre ein Überholmanöver möglich gewesen, erst recht mit einem so stark motorisierten Fahrzeug. Doch es passierte nichts.

Im Rückspielgel sah ich den Wagen in üppig bemessenem Sicherheitsabstand. Und dort blieb er auch.

Irgendwann standen wir an einer roten Ampel nebeneinander. Durch das geöffnete Seitenfenster warf ich einen Blick rüber. Mein Blick wurde aus dem Cabrio erwiedert. Ich drückte meine Verwunderung aus, nicht schon lange überholt worden zu sein, immerhin war ich eher entspannt als zügig unterwegs.

„Ach wissen Sie, der wahre Luxus besteht doch darin, überholen zu können und es weder zu wollen noch zu müssen und stattdessen entspannt die blühenden Felder am Wegesrand wahrzunehmen.“

Sprach’s, lächtelte, und lies sein Auto langsam anrollen, als die Ampel wieder grün wurde. Mein Weg führte mich dann auf die Abzweigung.

Selten habe ich so eine gelassene Definition von Luxus gehört.

Ein paar Gedanken zu(r Freigabe von) Drogen

Neulich ging es wieder durch die Medien, eine Einrichtung, die Drogensüchtigen hilft, wurde durchsucht. Kurzdarauf meldeten sich in den Kommentaren Menschen und plädieren dafür, Drogen ganz freizugeben, weil der Krieg gegen die Drogen nicht zu gewinnen sein, ja eigentlich schon lange verloren sei.

Wie viele andere Menschen habe auch ich (m)eine eigene Meinung zu Drogen. Sie ist ganz einfach: Ich bin dagegen.

Wobei man das natürlich relativieren muß: Kulturkreis und Gesellschaft kennen und erlauben ja einige Drogen, der (nicht nur morgendliche) Kaffee, die Zigarette und auch Alkohol sind Drogen, die hierzulande eine breite Akzeptanz finden. Daß Koffein, Nikotin und Alkohol der Gesundheit nicht förderlich sind, erst recht nicht bei langjähriger oder hoher Dosierung, dürfte unstrittig sein.

Nun gibt es Menschen, die auch andere Substanzen freigeben wollen. Die Argumente sind altbekannt:

  • Verbote erzeugten erst recht einen Reiz,
  • verteuerten die Produkte,
  • beschäftigten nur Polizei, Zoll, Staatsanwaltschaft und Gerichte,
  • führten zu Verelendung der Konsumenten, weil sie verunreinigte Ware aus dubioser Quelle kaufen müßten.

Natürlich sind diese Argumente nicht ganz von der Hand zu weisen. Wären Cannabis, LSD, Heroin, Kokain und noch ein paar Drogen mehr im legalen Handel, könnte der Supermarktbetreiber und damit auch der Staat verdienen. Illegale Dealer wären außen vor. Der Preis fiele, es wäre keine verunreinigte Ware mehr auf dem Markt, niemand mehr würde sich mit gepantschtem Stoff die Gesundheit versauen.

Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Was wären die Folgen einer (totalen) Freigabe? Menschen neigen dazu, Dinge, die nicht verboten sind, für harmlos und ungefährlich zu halten. In Sachen Drogen ein fataler Irrtum. Wer viel kifft, also sprichwörtlich dauerbreit ist, ist weder in der Lage, einer Arbeit nachzugehen noch ein Fahrzeug zu führen. Daß Dauerkiffer ihr Leben geregelt bekommen, hört man auch eher selten. Menschen, deren Psyche dauerhaft (durch LSD oder andere Substanzen) beeinträchtigt ist, möchte ich weder als Nachbarn, Kollegen oder als (entgegenkommende) Teilnehmer im Straßenverkehr haben. Wer grad auf Koks ist, sich für unbesiegbar hält und meint, dem Rest der Welt auf die Fresse hauen zu müssen, möge sich bitte sonstwo aufhalten, nur nicht in meiner Nähe.

Staat, Gesellschaft und Krankenkassen haben schon jetzt erhebliche Probleme mit den Folgen von Alkohol und Tabak. Viele Verkehrsunfälle und Straftaten passieren unter Wirkung von oder im Zusammenhang mit Alkohol. Rauchen erzeugt durch Krebserkrankungen viel menschliches Elend und erhebliche Behandlungskosten in den Krankenhäusern.

Brauchen wir da noch weitere Drogen? Ich bin sicher, jede weitere Droge finden Menschen, die damit nicht umgehen können. Je weiter verbreitet eine Droge, desto mehr Menschen werden sie auch mal ausprobieren wollen. Nach der Devise, was legal zu haben ist, kann ja nicht schaden. Bei Crack kann bereits einmaliges Ausprobieren eine Einbahnstraße in die Sucht sein.

Ziehen wir einen Vergleich zu anderen Dingen, die einer staatlichen Kontrolle unterliegen: Schußwaffen. Eine (völlige) Freigabe wird illegalen Waffenhandel nicht aushebeln können, wer vorhat, eine Straftat mit einer Schußwaffe zu begehen, wird sich aus nicht oder kaum zu verfolgenden Quellen eine Waffe besorgen und Kunde beim illegalen Anbieter werden (müssen). Wollen wir eine Gesellschaft, in der sich fast jeder eine Schußwaffe besorgen kann? So wie sich bei einer Freigabe jeder Drogen besorgen könnte? Ich möchte das nicht.

Schon heute passieren mit (legalen) Schußwaffen viele Unfälle und immer mal wieder erweist sich ein Mensch, der (legalen) Zugang zu Schußwaffen hat, als charakterlich nicht geeignet und läuft Amok. Das Problem ist dann die leichte Verfügbarkeit gefährlicher Gegenstände.

Und nun stellen wir uns vor, andere gefährliche Substanzen wären einfach und preiswert zu bekommen.

Ich möchte das nicht und spreche mich daher ganz klar gegen Drogen und deren Freigabe aus.

Lustige Linkspartei

In wenigen Tagen ist Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Die Parteien machen auch vielen Plakaten Werbung für sich, ihre Position, ihre Kandidaten und die eigene Politik. Soweit ist alles wie immer.

Neu ist, daß die Piraten gute Chancen haben, in den Kieler Landtag einzuziehen. Spannend ist auch, wie die Linkspartei auf die neue politische Konkurrenz reagiert: Auf einem Plakat las ich die Botschaft „Kiel holen“. Derlei Anspielung hätte ich eher der Partei zugeordnet, die mit „Klarmachen zum Ändern“ Anspielungen auf echtes Piratentum macht. Nun ‚kapert‘ die Linke Parolen, die zum politschen Gegner gehören? Das ist entweder sehr frech oder sehr verzweifelt, weil die Linke befürchten muß, nicht mehr in den Landtag einzuziehen, während die Piraten sehr sicher drin sein werden.

Interessant ist auch daß die Linke Wahlwerbung macht, auf der sie unter anderem „frei von Überwachung“ fordert. Ausgerechnet die Linke. War sie nich noch vor kurzer Zeit noch die PDS war, davor die SED-PDS, davon die SED, also die Partei, die eines der perfektesten Überwachungs- und Unterdrückungssysteme politisch verantwortlich war? Und nun ist man angeblich plötzlich gegen Überwachung?

Ich stelle mir grad vor, eine NSDAP wäre nie aufgelöst worden, hätte sich ein paar mal unbenannt und würde sich nun als Partei des Friedens und der Freiheit darstellen. Eigentlich wäre so ein Gedanke zum Lachen, bliebe einem das Lachen dabei nicht vor Entsetzen im Halse stecken.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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