Archiv für Mai 2013

Wohin die Blicke schweifen

Es ist kurz vor zehn Uhr, in der Teeküche begegne ich einer Kollegin. Etwas irritiert mich an ihr, genauer an ihrem Gesicht. Ich spreche sie an: „Kann es sein, daß Du noch etwas Zahnpasta im Gesicht hast?“

Sie schaut in den Spiegel über der Spüle: „Oh …“, wischt sich mit einem angefeuchteten Stück Küchenpapier die Zahnpasta aus dem Gesicht “ … da bist Du wohl der einzige Kollege, der mir heute ins Gesicht gesehen hat. Da sieht man mal, wohin einem die anderen Kollegen sehen …“, brachte ihre 75E in Form und ließ mich sprachlos zurück.

(Kein) Terror auf Autokennzeichen

Ein befreundeter Schildersammler gab mir den Anstoß: „Wußtest Du, daß die Stadt Nürnberg keine Kfz-Kennzeichen mit SU ausgibt?“

Ich wußte es nicht. Und mußte erstmal nachdenken, welches Kennzeichen Nürnberg vergibt, und dann dämmerte es mir. Niemand soll neue Kennzeichen N-SU bekommen. Wer als Nürnberger einen der legendären NSU Ro80 fährt, wird in Zukunft keine Chancen haben, ein N-SU 80 zu erhalten. Auch andere Halter von Fahrzeugen des Herstellers NSU werden keine ‚passenden‘ Kennzeichen mehr bekommen. Das kann man als Fan von Kennzeichen, die zum Auto passen sollen, schade finden.

Andererseits war wohl der Gedanke, daß kein Nürnberger so seine Verbundenheit mit einer mutmaßlichen Terrorbewegung dokumentieren können soll. Ein Argument, das verständlich erscheint, zieht man es nur weit genug an den Haaren herbei.

In Rastatt (Autokennzeichen beginnen dort mit RA) kann man jedoch als Wunschkennzeichen ein F beantragen und bekommt es auch.

Also N-SU als Kennzeichen ist so böse, daß es nicht mehr vergeben werden soll, RA-F ist als Kennzeichen dagegen so harmlos, daß es vergeben werden kann? Hmmm. Was ist mit anderen Buchstabenkombinationen, die sich mit deutschen Autokennzeichen bilden lassen? K-GB zum Beispiel? Der KGB dürfte mehr Menschen auf dem Gewissen haben, als NSU und RAF zusammen. Und bekommt man in Essen ein TA? Dabei hat die baskische ETA jahrzehntelang mit ihren Bombenanschlägen auch viele Menschen getötet.

Aber vielleicht haben wir in Deutschland keine dringerenden Probleme, die es anzugehen gilt?

Harry, hol schon mal den Kübelwagen…

Oh weh, was muß man diese Tage wieder in den Medien lesen: Horst Tappert, vielen von uns als „Derrick“ bekannt, war als junger Mann mal Soldat. Nicht in der Wehrmacht, wie die meisten Soldaten damals, sondern in der Waffen-SS. Eben jener Waffen-SS die zum einen Eliteverbände des Heeres stellte, zum anderen auch Konzentrationslager bewachte.

Soweit es durch die Medien ging, war Tappert an der Ostfront eingesetzt. Konkrete Kriesverbrechen konnten ihm nicht nachgewiesen werden. Das reicht einigen Menschen trotzdem, um nun den Stab über ihn zu brechen, in den Niederlanden sollen die Wiederholungen der „Derrick“-Folgen aus dem Programm genommen werden, bei der bayerischen Polizei denkt man bereits über die Aberkennung der Ehrenkommisarwürde für den Schauspieler nach. Die gab es damals für Tapperts  bewußt ruhiges und sachliches Spiel in der Rolle als Oberinspektor Derrick, die aus dem Polizisten eine Art Gentleman-Ermittler machte.

Haben Polizei und Justiz in Bayern grad keine anderen Sorgen?

Und wenn wir mal überlegen, wer hierzulande Ehrungen bekommen und behalten hat, denken wir mal an Hans Globke.  Er war als Jurist u.a. der Verfasser des Kommentars zu den Nürnberger Rassegesetzen, also der ‚Gebrauchsanweisung‘ zu diesen Gesetzen. Nach dem Krieg setzte er seine Karriere unter Bundeskanzler Adenauer fort und wurde sowas wie ein heutiger Kanzleramtsminister. Und später gab es das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die dritthöchste Auszeichnungsform des Bundesverdienstkreuzes. Nicht schlecht für einen Schreibtischtäter des Dritten Reichs, oder?

Und nun regen sich Medien und Menschen auf, weil ein junger Mann im Krieg bei der falschen Einheit war? An der falschen Front?

Nun wissen wir endlich, wie der legendäre Satz damals entstanden ist:

Harry, hol schon mal den Kübelwagen vor…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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