Archiv für September 2016

Nicht nörgeln!

Manchmal muss man es Menschen wieder in Erinnerung rufen, dass Nörgeln ganz schlecht ist.

Ganz klar, es gibt berechtigte Kritik. Diese sollte zeitnah und sachlich vorgebracht werden. Ich glaube, die Juristen sprechen dann davon , dass  der „Sachmangel unverzüglich anzuzeigen“ sei. Also ohne schuldhafte Verzögerung. In der letzten Zeit erlebe ich ein paar Situationen, in denen die Grenze von der (sachlichen) Kritik zur (nervenden) Nörgelei überschritten wurde.

Ein älterer Herr, in einer Naturwissenschaft promovierter Akademiker, hatte sich vor Jahren ein recht sportliches Auto gekauft, dann vor einiger Zeit ein Navigationssystem nachrüsten lassen. Irgendwas war beim Einbau nicht ganz richtig gelaufen, das Navi hatte, vermutlichen wegen falsch eingebauter Antenne, oft schlechten Empfang, fand nicht seine Position und meldete dann häufiger mal ein „Falls möglich, bitte wenden“. Das ist während der Fahrt auf einer Autobahn keine so ganz gute Idee. Nun ist dieser ältere Herr also wieder in der Werkstatt und bespricht mit dem Service-Monteur das eigentliche Problem. Soweit so gut. Dann gleitet der ältere Herr ab, das Auto mache ja manchmal so komische Windgeräusche und so.

Der Service-Monteur hört noch kurz zu, verdreht dann die Augen, und packte den Kunden dann deutlich hörbar in die „Der will nur nörgeln“-Schublade. Entsprechend ernst wurde der Kunde und sein Anliegen dann genommen.

Ein anderes Beispiel:

Ein Mensch, seines Zeichens Oberstudienrat, kurz vor der eigenen Pensionierung, man könnte also meinen lebenserfahren, beklagt in einer Diskussion über Lebensmittel, dass er seit vielen Jahren kein anständiges Steak mehr habe essen können.

Ich weiß ja nicht, wo der Mensch einkauft. Wer „Rumpsteak“ für 5,99 Euro pro Kilo bei „Rudi’s Reste Rampe“ kauft, sollte stutzig werden, ob das, was angeblich Steak sein soll, auch wirklich Steak ist. Qualität kostet. Und selbst wenn das Steak im Rohzustand einwandfrei gewesen sein sollte, kann man bei der Zubereitung viel falsch machen. Und dann wird selbst das beste Stück Fleisch zäh. Wenn ich also ein tolles Steak haben möchte, dann suche die entsprechenden Restaurants auf, bei denen ich noch nie enttäuscht wurde, wenn es um Steaks ging.

Der ältere Lehrer hat es übrigens zwei gute Steak-Restaurants im Umkreis von einem knappen Kilometer zu Fuß von seiner Wohnung. Das wären ein paar Minuten Spaziergang vor und nach dem Essen. Oder so wenig Geld für ein Taxi, dass das in den Gesamtkosten für einen Abend im Steak-Restaurant untergeht…

Eine ältere Dame war in einem Restaurant und bestellte Scampi. Nun sind Scampi nicht unbedingt für sehr intensiven Eigengeschmack bekannt. Das sollte ein (lebens-)erfahrener Gast wissen. Und auch bei der Bestellung berücksichtigen. Sie bestellte jedenfalls Scampi. Das Essen wird serviert. Sie isst. Nach einer Weile kommt der Ober und fragt, ob alles recht wäre. Mein Steak war klasse — wie immer in dem Laden. Auch sie nickt. Der Ober geht wieder. So nach und nach gefallen ihr die Scampi immer weniger und sie lamentiert, dass sie ja nach „Nichts“ schmeckten. Als erfahrene Köchin würde sie ja immer mit viel Kräutern und Gewürzen kochen und so weiter. Nachdem sie ihre Portion halb aufgegessen hatte, rief die den Ober und beginnt sich zu beschweren.

Der professionellen Freundlichkeit (und wohl auch der Kulanz) war zu verdanken, dass der Ober das halb verzehrte Essen zurücknahm und dann ein anderes Gericht brachte. Aber auch daran hatte die ältere Dame was zu nörgeln. Wenigstens musste der Ober das Genörgel nicht mehr ertragen…

Noch ein Beispiel aus der IT-Welt:

Benutzer schreibt eine E-Mail und beginnt mit „… weil die Hotline da dauer-besetzt ist…“

Wer das Telefonsystem kennt, weil er an der Hotline arbeitet, weiß, dass es eben kein Besetzt gibt, dass Anrufer (beliebig) lange in der Warteschleife warten können, bis jemand Zeit hat, ihren Anruf entgegenzunehmen und — hoffentlich erfolgreich — zu bearbeiten.

Warum nenne ich diese Beispiele? Ich finde es schade, wenn Menschen dafür sorgen, dass man ihre Kritik nicht mehr ernstnimmt, weil man sie als Kritiker — als Kritik übenden Menschen — nicht mehr ernstnehmen kann.

Was kann und sollte ich also tun, damit meine Kritik ankommt? Sachlich sein und bleiben — im Ton und in der Sache. Kritik so früh wie möglich anbringen. So gebe ich dem Dienstleister oder Lieferanten die Chance, den Mangel abzustellen. Oder sachlich mit mir darüber zu diskutieren.

Oder alles einfacher ausgedrückt:

NICHT NÖRGELN!

 

Spaß mit Autokennzeichen

Manche Autokennzeichen sind echt für’n Arsch. Oder wie man hier im Norden sagt: Für den Mors…

Das Kennzeichen is' für'n Mors...

Das Kennzeichen is‘ für’n Mors…

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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