Archiv für 2018

Der Deutsche im Ausland

Über den Deutschen im Ausland und sein Benehmen ist schon viel geschrieben worden. Kann man nachlesen, wo man mag. Doch ich verstehe die Kritik nicht so richtig. Vergleichen wir mal einen deutschen Touristen mit — sagen wir einmal — einem Italiener:

Der Deutsche fällt schon durch elegante Kleidung und deren akkuraten Sitz auf und das von Kopf bis Fuß: Auf dem Kopf verdeckt ein Käppi mit dem Logo der „eigenen“ Fußballmannschaft die ungewaschenen Haare. Wir waschen die Haare nicht jeden Tag. Das spart Wasser und Shampoo, Umweltschutz ist uns eben wichtig. Gerne teilen wir auch jedem mit, woher wir kommen und tragen T-Shirts mit lustigen Aufdrucken wie „Bielefeld grüßt den Rest der Welt“. Als Hose dann eine Bermuda (im Sommer) oder eine Trekkinghose, natürlich unter dem Bauchansatz getragen. An den Füßen dann Trecking-Sandalen und weiße Socken.

Da kann der Italiener nicht gegenanstinken: In den frisch gewaschenen Haaren (Umweltverschmutzung) eine Sonnenbrille (Angeber!), ein perfekt sitzendes Hemd, eine gebügelte Hose und handgearbeitete Lederslipper. Pah, so ein eitler Geck! Dafür reist er oft mit Familie und unterhält lautstark seine Umwelt.

Egal, wo Du bist, peinlich sind immer nur die anderen 😉

„Life Is A Rollercoaster“ — Das Leben ist wie eine Achterbahn

Life Is A Rollercoaster“ — das Leben ist wie eine Achterbahn. So weiß es nicht nur ein gleichnamiger Song von Ronan Keating. Aber es stimmt schon, manchmal geht es im Leben zu wie in einer Achterbahnfahrt: Es gibt Höhen und Tiefen, mal geht es bergauf, mal bergab, man wird mal durchgeschüttelt, es gibt keine Möglichkeit den Kurs zu ändern oder vorher auszusteigen. Am besten, man genießt es, auch wenn man nicht immer weiß, was nach der nächsten Kurve kommt.

Vielleicht gehört die Fahrt in einer Achterbahn auch deswegen zu den Attraktionen vieler Jahrmärkte. Und nicht nur Menschen lassen sich gerne mal durchschütteln. Bei einem Besuch im Wiener Prater entdeckten wir auch ein Achterbahnrestaurant. Auf kleinen Wägelchen werden die bestellten Speisen und Getränke zum eigenen Platz gefahren. Gerne hätte ich dieses Erlebnis selbst ausprobiert, doch war es Sommer, Wochenende noch dazu und das Restaurant war schon sehr gut besucht.

Aber da ich irgendwann ja nochmal wieder nach Wien kommen werde, steht ein Besuch dann dort auf der Wunschliste…

Abenteuer Einkauf mit Freu(n)den

Dass Einkaufen manchmal ein echtes Abenteuer sein kann, hatte ich schon mal hier geschrieben. Manchmal kann Einkaufen aber auch ein Abenteuer mit Freu(n)den sein. So erging es mir neulich, als ich mit einem befreundeten Paar unterwegs war.

Wir waren im Supermarkt, kauften ein paar Lebensmittel ein. Und damit es an der Kasse schneller ging, nahm er die Einkäufe in die Hand, während sie bezahlte. Nach dem Bezahlen öffnete er ihren Rucksack und stopfte die Einkäufe rein. Während sie den Rucksack noch trug. Und er hatte sie nicht gefragt, ob ihr das so genehm wäre. Sie brachte ihren Unmut darüber mit einem:

Ja, mach nur, ich bin’s ja gewohnt, Dinge von hinten reingesteckt zu bekommen…

zum Ausdruck. Das sorgte für Erheiterung meinerseits und ein gewisses Bedürfnis, das nicht auf sich sitzen zu lassen seinerseits. Die Gelegenheit für die Revanche sollte schon bald kommen.

Einkaufen kann anstrengend sein, besonders an heißen Tagen. Und besonders, wenn der Supermarkt in einer großen U-Bahn-Station liegt und entsprechend belüftet ist. Es war also warm und stickig. Nun, an solchen Tagen ist es besonders wichtig und auch wünschenswert, ausreichend zu trinken. Dazu bietet der Supermarkt Wasser an. Nicht aus so einem neumodischen Gerät mit Wasserflasche und Plastikbechern, nein, es gibt es einen klassischen Wasserspender, der einen Strahl in einem Bogen spendet. Dort kann man seine Wasserflasche auffüllen oder direkt mit dem Mund trinken. Dieser Wasserspender war in einer Nische einer Wand eingebaut. Sie grummelte etwas darüber, dass sie sich vorbeugen müsse. Das war dann seine Chance:

Vorbeugen, Mund auf, es in den Mund bekommen und dann schlucken, das bekommst Du doch auch sonst hin…

Nicht nur ich verschluckte mich vor Lachen.

Heiraten an besonderen Daten

Manchen Männern sagt man nach, sie bevorzugen leicht zu merkende Hochzeitstermine, weil sie sich dann das Datum besser merken könnten. Gerade war wieder so ein Datum, es war der 1.8.18. Das erinnert mich an ein Geschichte. Sie ist lange her und begann vor etwas über 20 Jahren.

Es war irgendwann 1997, als ich eine junge Dame kennenlernte. Nennen wir sie M. Sie war von ihrem Freund verlassen worden, ging dann eine Zeit lang in „Sack und Asche“, wie das viele Frauen machen. Und dann fing sie an, wieder auszugehen. Um zu sehen, ob sie als Frau denn noch auf Männer wirkt. Natürlich verliert ein Mensch nicht so schnell seine Ausstrahlung. Aber es dauert eine Weile, bis das Thema Ausgehen wieder eines war. So lernte ich sie in einer Disco kennen. Und wir freundeten uns an. Schnell war uns beiden klar, dass aus uns kein Paar werden würde. Muss ja auch nicht. Eine gute Freundschaft ist viel wert. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, dann etwas weniger und dann… Dann kam der Tag, an dem sie wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen war.

Die beiden wohnten nicht zusammen, ihre Wohnung war wirklich klein. Keine Chance für ihn, mit seinen Sachen bei ihr einzuziehen. Auch er wohnte klein. Aber er wollte ein Haus renovieren und dann da einziehen. Wenn es denn fertig sein sollte. Irgendwann. Im Laufe der Zeit wurde das Verhältnis zwischen den beiden dann so, dass von Heiraten gesprochen wurde. Und es sollte der 9.9.99 sein. Dann sollte das gemeinsame Haus fertig sein…

Die Zeit verstrich, es ging an die Vorbereitungen, sie kaufte ein Brautkleid, plante die Hochzeit, buchte (und bezahlte, das wird noch eine Rolle spielen) eine Hochzeitsreise. Er steckte sein Geld in das neue gemeinsame Haus. Im Frühling, wurde er dann ein wenig — es fällt mir schwer, einen passenden Ausdruck zu finden — „komisch“. Er war sich nicht mehr so ganz sicher, ob er wirklich am 9.9.99 heiraten wolle.

Nun, dass einer von zwei Ehepartnern sprichwörtliches Muffensausen bekommt, das kommt schon mal vor. Eine Ehe einzugehen ist ja nun auch eine Entscheidung fürs Leben. Eigentlich. Jedenfalls sprach er ihr gegenüber dann erstmal davon, eine Pause einzulegen und nicht am 9.9.99 zu heiraten. Das traf M. schon sehr. Immerhin hatte sie viel Liebe, Zeit und auch Geld in die Vorbereitungen gesteckt. Also wurde die Hochzeitsfeier abgesagt. Das ging noch ohne großen finanziellen Verlust; Lokale, in denen man eine Hochzeit feiert, kennen solche Vorfälle offenbar schon und wollen zum privaten Stress dann nicht noch finanziellen Stress machen, zumal solche Termine ja wirklich sehr begehrt waren.

Dann kam aber der eigentliche Hammer. Kurz vor dem 9.9.99 steckte ihr dann eine Freundin ein Geheimnis, dass diese eigentlich nicht verraten durfte und bat sie inständig, am 9.9.99 nicht in der Nähe eines bestimmten Standesamtes und einer bestimmten Kirche zu sein. Aus Gründen.

Und da brach für M. eine Welt zusammen. Schnell fand sie heraus, dass er zwar seit einiger Zeit wieder mit ihr zusammen war, aber nicht nur mit ihr. Oft, wenn er vorgeblich im Haus werkelte, war er woanders unterwegs. Und übernachtete auch nicht auf der Baustelle. Nun war ihr auch unmissverständlich klar, dass es kurz nach dem 9.9.99 keine Flitterwochen geben würde, die hätte man ja auch ohne vollzogene Trauung machen können.

Aber was sollte sie nun mit der Reise machen? Sie war gebucht, sie war bezahlt. Und die Möglichkeiten, eine Reise kurzfristig im Internet anzubieten, waren noch nicht erfunden. Sie fragte in ihrem Freundeskreis herum, wer denn Lust auf zwei Wochen Malediven hätte. Sie fragte auch mich. Und für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach. Aber…

Wollte ich neben einer kreuzunglücklichen Frau 14 Tage lang in einem Doppelbett liegen? Zumal wir noch nie gemeinsam in einem Bett lagen? Nein!
Was, außer allen Arten an Wassersport, kann man auf den Malediven machen? Sich in die Sonne legen. Und ans Buffet gehen. Langweilig!
Wäre ich in der Lage, ihr in ihrem Unglück den nötigen Halt zu geben und Trost zu spenden? Nein!

Also war mir klar, dass ich raus war. Da auch sonst niemand aus ihrem sozialen Umfeld Zeit hatte oder sonstwie abkömmlich war, gelang es ihr, über Krankschreibung und Reiserücktrittsversicherung mit einem blauen Auge davonzukommen.

Im Laufe der Zeit haben wir uns aus den Augen verloren, ich weiß nicht, was aus ihr wurde, wünsche ihr aber alles Gute. Und ich kann damit leben, nie auf die Malediven gekommen zu sein.

People Are People

„People Are People“ so sangen es die Synthie-Popper von Depeche Mode schon in den 80er Jahren. Menschen sind Menschen. Irgendwie sind wir alle Menschen. Und irgendwie sind wir alle gleich. Und zugleich so unterschiedlich. Das durfte ich ganz deutlich als kleiner Rekrut sehen.

Damals, 1988 war ich beim Bund, genauer, bei den Panzeraufklärern. Und alle zwei Jahre veranstaltete ein Panzeraufklärungsbataillon einen Wettbewerb der Aufklärungstruppen, den Boeselager-Wettkampf. Er sollte in dem Jahr vom Team der 1st Cavalry Division der US-Streitkräfte gewonnen werden. Ich gehört zum Orga-Team und durfte mir auch einige Disziplinen ansehen. So kam es, dass ich im Bereich des Zieleinlaufes stand, als die Mannschaft der US-Streitkräfte antrat.

Als erster kam der stellvertretende Team-Chef, ein Leutnant, ins Ziel. Er war der Massai: sehr groß, sehr schlank, sehr dunkelhäutig. Hätte mir jemand gesagt, dass sein Großvater jeden morgen 30km durch die afrikanische Savanna zur Schule gelaufen war, natürlich barfuß, ich hätte es so sofort geglaubt. Dieser Mensch lief nicht über den Acker, er schwebte förmlich, als berührten seine Füße den Boden nur alle fünf Meter. Mit unglaublicher Leichtigkeit lief er auf das Ziel zu, lief durch das Ziel und blieb stehen. Seine Stirn war von wenigen Schweißtropfen bedeckt. Er holte zwei oder dreimal tief Luft, danach schien er sich erholt zu haben.

Eine Weile später kam der Team-Chef, ein Hauptmann, ins Ziel. Er war der Typ Ire: klein, breit, sehr blasse Haut mit Sommerssprossen, rotblonde Haare, sein Körper war schweißbedeckt, seine Uniform war „durch“. Er lief nicht über den Acker, erst recht schwebte er nicht. Er pflügte durch den Acker. Jeden Meter, den er zurücklegte, kämpfte er. Als er durchs Ziel war, fiel er um. Ich dachte für einen Moment, er stürbe vor unseren Augen, seine heftig pumpende Atmung normalisierte sich langsam, nach einer Weile konnte er dann auch wieder aufstehen — vielleicht sollte ihn der Rest der Mannschaft nicht am Boden liegen sehen? Dann begab er sich zum Stellvertreter und die beiden warteten das Eintreffen der restlichen Mannschaftteilnehmer ab.

Es ist 30 Jahre her, dass ich dieses Schauspiel ansehen durfte, aber die Unterschiedlichkeit menschlicher Laufstile ist mir in Erinnerung geblieben. Ja, Menschen sind alle sehr ähnlich, aber irgendwie doch so ganz anders.

Hiroshima und Nagasaki

Heute, am 6. August, trauert man traditionell um die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki. Das ist gut. Gedenken an die Toten des Krieges soll die Lebenden und Überlebenden ermahnen, dass es keine gute Idee ist, Krieg zu führen. Krieg ist, zumindest langfristig gesehen, immer eine sehr teure Form, Dinge erreichen zu wollen oder tatsächlich zu erreichen. Das wäre auch deutlich „billiger“ gegangen, mit weniger Toten, weniger Verwundeten, weniger Kosten.

Was mich an den japanischen Trauerfeiern zum 6. August stört, ist die — aus meiner Sicht — sehr einseitige Darstellung als Opfer.

Ich möchte dazu etwas ausholen: Bekanntlich wird Geschichte von den Siegern geschrieben. Manchmal aber auch von den Opfern. Gerne wird vergessen, dass jeder Krieg eine Vorgeschichte hat, auch ein verlorener Krieg: Seit 1910 hat Japan Korea kolonisiert und in das Japanische Kaiserreich eingegliedert. Dabei waren die Koreaner Bürger 2. Klasse. Wenn überhaupt. Ab 1932 eroberte Japan dann Teile von China und herrschte über das Marionettenregime von Mandschuko. Auch hier waren die Chinesen bestenfalls Bürger 2. Klasse.

1941 begann Japan dann den allseits bekannten Angriffskrieg gegen die USA, eroberten im Verlauf des Krieges große Teile Ostasiens. In den besetzten Gebieten verhielten sich die japanischen Truppen die die sprichwörtliche Axt im Walde und führten — gemessen nach westlichen Zivilisationsstandards — ein äußerst brutales Regime.

Die USA und ihre Verbündeten unternahmen dann große Anstrengungen, um Japan zurückzudrängen. Land um Land, Insel und Insel wurden befreit. Die japanischen Inseln, das japanische Kernterritorium wurde lange Zeit nicht Ziel von Angriffen, sieht man vom (symbolischen) Doolittle Raid ab. Nach und nach kam dann auch das japanische Kernland in die Reichweite amerikanischer Bomber. Die US Army Air Force (so hieß die damals noch) war in der Lage, mit eigens entwickelten Bombern, der legendären Boeing B-29, erste Angriffe durchzuführen.

Diese Angriffe waren Tagangriffe. Hier muss ich ein wenig ausholen. Um ein Ziel zu zerstören, muss man es sehen (können). Das gilt besonders für Punktziele wie Fabriken. Schon schnell lernten die Alliierten, dass diese Angriffe wenig erfolgreich waren. Dafür waren die Verluste um so höher. Das hat mehrere Gründe. Aufklärer, die nach dem Angriff die Schäden auswerteten, stellten fest, dass ein großer Teil der Bomber seine Bomben mit vielen Kilometer Abweichung vom Ziel abwarf. Gerade bei Nacht sind Punktziele praktisch nicht zu treffen gewesen. So beschreibt es auch der Butt-Report. Er fasste die Ergebnisse der britischen Bombardierungen zusammen. Wir reden von den frühen 40er Jahren, einer Zeit, in der Radargeräte zwar schon erfunden waren, aber sie waren groß und unpräzise. Die Radar-Entwicklung machte zwar enorme Fortschritte, aber es ist ein Unterschied, ob man nachts per Radar eine Stadt, einen Stadtteil oder eine Straße präzise orten kann. Und diese Präzision kam erst lange nach dem Krieg. Dann kommt hinzu, dass es schwierig ist, eine Bombe aus 10 Kilometern Höhe so abzuwerfen, dass sie präzise trifft. Dazu muss man die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit sehr exakt kennen. Es gab war analoge Computer, die hier den Bombenschützen unterstützen, aber die Trefferrate war lausig.

Da die Verteidiger mit Flugabwehrkanonen (Flak) schossen, mussten sich die anfliegenden Bomber etwas einfallen lassen, um das Flak-Feuer in der Wirkung zu mindern. Wenn ein Flakgeschoss ca. 30 Sekunden braucht, um seine Höhe zum Ziel zu erreichen, dann muss der Flak-Kommandant seine Geschütze dorthin schießen lassen, wo die Bomber in 30 Sekunden sein werden. Nachdem das klar war, änderten die Bomber alle 25 Sekunden Kurs und Höhe. Das machte einen gezielten Bombenabwurf noch schwieriger.

Schon recht früh ging man dann dazu über, ganze Städte (oder zumindest Stadtteile) anzugreifen statt eben nur eine Fabrik in der Stadt oder dem Stadtteil. Damals wurde das Flächenbombardierung genannt und es gab sogar eine Anweisung darüber, seitdem bombardierte die Royal Air Force dann eben ganze Städte. Selbst Tagangriffe auf Punktziele erforderten viele Wiederholungen, bis eine Kugellagerfabrik (oder anderes kriegswichtiges Ziel) zerstört war. Die RAK bombardierte nachts Städte, die USAAF bombardierte tagsüber Industrieziele.

Genug der Erklärungen: Der Bombenkrieg erreichte Japan und die USAAF griff tagsüber Industrieziele an. Und war dabei nicht erfolgreich. Das hatte Gründe. Zum einen war die japanische Industrie viel dezentralisierter als die deutsche. Riesige Industriezentren a la Ruhrgebiet gab es in Japan nicht. Und dann gab es über Japan äußerst starke Winde, den sogenannten Jetstream. Auch er machte präzise Bombardierungen praktisch unmöglich. Zumal die japanische Flak sehr gut war, japanische Jagdflugzeuge spielten kaum eine Rolle, es fehlte an Piloten und Flugbenzin. Die Erfolge der USAAF waren gering, die Verluste hoch. Und die japanische Behandlung von Kriegsgefangenen entsprach nicht der Genfer Konvention, da Japan der Konvention nicht beigetreten war.

Kurzum, die USAAF musste schnell erfolgreich werden. Aus mehreren Gründen. Es war dem amerikanischen Bürger nicht zu vermitteln, warum er viele Milliarden US-Dollar (nach der Währung von 1944) für ein Flugzeug ausgegeben hatte, das den Krieg gegen Japan nicht so schnell erfolgreich beenden konnte, wie gewünscht. Die USAAF ging also dazu über die Flugzeuge zu vereinfachen. Die analogen Bordcomputer, die die (fernbedienten) MG-Stände des Flugzeuge steuerten, mit denen japanische Jagdflugzeuge bekämpfen sollten, wurden ausgebaut, ebenso die MGs selbst. Das machte die Flugzeuge viel leichter, die Belastung der Triebwerke beim Start war geringer, es kam zu weniger Triebwerksbränden überlasteter Triebwerke. Stattdessen konnte mehr Benzin mitgeführt werden. Dadurch verminderten sich Notlandungen wegen Benzinmangels. Vor allem änderte man die Art der Einsätze: Statt tagsüber mit Sprengbomben Präzisionsangriffe auf Punktziele zu fliegen, flog man nun nachts, griff aus viel geringerer Höhe an und verwendete Brandbomben. Die eigenen Verluste gingen dramatisch zurück, die Verluste des Feindes stiegen dramatisch an.

In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 wurde mit Brandbomben ein Feuersturm erzeugt, ein Gebiet von 30 Quadratkilometern wurde praktisch eingeäschert. Es starben nach Nachkriegsschätzungen zwischen 80.000 und 180.000 Menschen. Über diese dramatischen Opferzahlen redet heute niemand mehr.

Stattdessen denkt man die die Opfer von Hiroshima. Gut, das waren Opfer des Ersten Atombombenangriffs der Geschichte. Und jedes Jahr fügt man der Liste der Opfer die Menschen hinzu, die verstorben sind. Auch wenn sie altersbedingt gestorben sind.

Und da beginnt für mich die — fast hätte ich Heuchelei geschrieben — unverständliche Seite des Geschichte. Wenn ein Mensch 70 Jahre nach dem Atombombenabwurf stirbt, wo ist da der Zusammenhang? Warum jedes Jahr die Liste der Verstorgenen erweitern und die Zahl der Ofer erhöhen?

Warum nicht bei aller Betroffenheit anerkennen, dass der asiatische Teil des Zweiten Weltkriegs von Japan ausging? Warum nicht die Atombombe (und auch die Opfer der vorherigen konventionellen Bombenangriffe) als Folge des begonnenen Krieges sehen? Warum nicht die eigene Führung für die Fortführung eines schon lange aussichtslos gewordenen Krieges verantwortlich machen? Warum diese „Wir armen Opfer“-Haltung?

Und versetzen wir uns noch einmal in die Lage der USA: Für das Manhatten-Projekt wurde sehr viel Geld ausgegeben. Wie vermittelt man dem amerikanischem Steuerzahler, dass man Milliarden (ebenfalls nach der Währung von 1945) US-Dollar ausgegeben hat, nun die Mittel hat, Japan in die Kapitulation zu zwingen und stattdessen dann eine äußerst blutige und teure Landungsoperation durchführt, die nicht nur viel Geld sondern auch viele US-Soldaten Leben und Gesundheit kosten wird? An die vielen japanischen Opfer, die auch eine konventionelle Eroberung der japanischen Inseln gebracht haben dürfte, wird man wohl eher weniger gedacht haben.

Also war klar, die USA taten, was sie tun mussten, um den Krieg zu beenden, so schnell wie möglich. Japan bekam auf der Konferenz von Potsdam ein Ultimatum, wollte es nicht annehmen und danach wurde der Krieg eben anders beendet.

Der 6. August ist ein Tag, darüber nachzudenken, dass Kriege sich nicht lohnen, erst recht keine Atomkriege. Aber der ewige Opfer-Kult könnte einer etwas realistischen Sicht der Dinge weichen. Auch in Japan.

An dieser Stelle möchte ich noch auf das (inzwischen eingestellte) Blog von Scot Stevenson verweisen. Er hat eine sehr lesenswerte Artikelserie über den Krieg der USA gegen Japan.

Wehrpflicht? Dienstpflicht? Oder alles freiwillig?

Ein schwieriges Thema, ganz ohne Frage. Aber lassen wir mal ein paar Aspekte auf uns wirken.

Die derzeitige Lage (und wie es dazu kam)
Es gibt tatsächlich eine Wehrpflicht, auch wenn deren Vollzug seit 2011 ausgesetzt ist bzw. es keine Einberufungen zum Antritt des Wehrdienstes erfolgen. Das ist einerseits gut, denn die politische Lage hat sich verändert. War Deutschland zur Zeit meines Wehrdienstes noch vom Warschauer Pakt bedroht (wenn diese Bedrohung eher theoretischer Natur war), hat sich die Lage seitdem verändert. Die „DDR“ ist der Bundesrepublik beigetreten, östliche Nachbarn wie Polen und die CSSR (seit ein paar Jahren in Tschechei und Slowakei zerfallen) sind ebenfalls in der NATO. Wozu also noch ein großes stehendes Heer (mit entsprechenden Kosten) unterhalten?

Das sagten sich dann auch Militärs und Verteidigungsminister und verkleinerten die Streitkräfte immer weiter. Immer kleinere Streitkräfte bedeutet bei (einigermaßen) gleichbleibend starken Jahrgängen, dass man Dienstzeit dann entsprechend verkürzen muss. Das ist doof, denn Ausbildung braucht Zeit. Einen Soldaten zu entlasten, kaum dass die Stiefel eingetragen sind, ist wenig sinnvoll, die Technik wird immer anspruchsvoller. Oder aber man belässt die Wehrpflicht bei einer sinnvollen Mindestdauer von 9 Monaten, dann kann (und braucht) man aber nicht mehr alle Menschen eines Jahrgangs einzuziehen. Das ist ungerecht. Also wurde die Wehrpflicht ausgesetzt.

Die Folgen
Die Wehrpflicht war ein Garant dafür, dass Menschen aus (fast) allen sozialen Schichten zum Bund gingen, die Armee sollte ein Spiegel durch die Gesellschaft sein, das Leitbild sollte der (durchschnittliche) Staatsbürger in Uniform sein. Die Realität sah etwas anders aus: Zusätzlich zu denen, die aus Gewissensgründen den Kriegsdienst (und damit auch den Wehrdienst) aus Gewissensgründen verweigerten, gab es auch viele Menschen die statt Gewissensgründe eher gewisse Gründe hatten. Das korrelierte mit der Höhe des Schulabschlusses, so dass tatsächlich weniger Abiturienten eines Jahrgangs zum Bund gingen als statistisch zu erwarten wären; es kam aber einigermaßen hin.

Wer nicht zum Bund wollte, der stellte einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer, berief sich dabei auf sein gewissen, wurde geprüft und machte dann Zivildienst. Das war gut, sorgte es dafür, dass kirchliche oder soziale Einrichtungen auch einen großen Zustrom junger Männer bekamen. Und wer auch das nicht machen wollte, der verpflichtete sich dann gemäß. Katastrophenschutzgesetz zum Dienst bei den Freiwilligen Feuerwehren, beim THW, bei med. Hilfsorganisationen wie DRK, JUH, MHD, ASB und wie sie alle hießen.

Und genau hier wird es spannend: Während die med. Organisationen einen Teil einer Rettungswagen mit (gekauftem) Personal bemannen können, haben die Freiwilligen Feuerwehren ein Problem. In vielen Feuerwehren fehlt der Nachwuchs. Die Motivation, lieber für 10 (später wurden es mit kürzerer Dauer des Wehrdienstes weniger) Jahre zur Feuerwehr auf dem Dorf zu gehen, ist deutlich gesunken bis komplett verschwunden. Und nun geht den Freiwilligen Feuerwehren der Nachwuchs aus. Das ist keine hypothetische Gefahr, einige Feuerwehren haben sich aufgelöst und ihr Gerät abgegeben. Im Notfall, wenn es brennt, bei Verkehrsunfällen, bei technischen Hilfeleistungen, kommen dann eben die Kameraden ein paar Dörfer weiter her. Das dauert dann eben etwas länger. Solange harrt man dann bitteschön im brennenden Haus, im verunfallten Auto oder sonst wo aus.

Gedankenspiel Dienstpflicht (für alle)
Derzeit geht eine Idee um: Ein Jahr (oder eine andere Dauer) Dienstpflicht für alle, also auch für Frauen. Verzicht auf die (aus meiner Sicht peinliche?) „Gewissensprüfung“. Freies Wahlrecht, wo der Dienst angetreten werden soll. Ob als bei den Streitkräften, im Krankenhaus bzw. Altenheim, im sozialen Bereich, in den Bereichen Kultur, Umweltschutz und und und. Denkbar ist ein voller Präsenzdienst, also das Ableisten des Gesamten Dienstzeit in einem Rutsch. Oder eben als Teilpräsenzdienst, bei dem die Grundausbildung als Präsenzdienst gemacht wird, die restliche Dienstzeit dann auf regelmäßige Wehrübungen (in den Semesterferien) oder auf x Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei den Einheiten des KatSchutztes abgeleistet werden. Nach 3 Monaten Grundausbildung kann man den Freiwilligen Feuerwehrmann dann schon sinnvoll einsetzen. Und wer 3 Monate militärische Grundausbildung macht und dann die nächsten Jahre immer wieder Auffrischungsübungen, der wird in seinem beruflichen Fortkommen nicht nennenswert gehindert. Andere Staaten, zum Beispiel die Schweiz, machen es vor. Auch in den USA konnte man lange der Wehrpflicht entgehen, in dem man bei der Nationalgarde diente. Nach der Grundausbildung diente man 2 Tage pro Monat (meistens am Wochenende) und 2 Wochen im Jahr.

Viele Organisationen beklagen sich über Personalmangel. Wieviel besser könnten — sagen wir mal — Altenheime sein, gäbe es mehr Personal. Ja, jemand, der nur 3 Monate Ausbildung bekommt, kann keine ausgebildeten Kräfte ersetzen. Aber unterstützen.

Ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen
Das stimmt. aber als die Wehrpflicht noch vollzogen wurde, hat diesen Eingriff in die Freiheit genau niemanden gestört. Es hab einen parteiübergreifenden Konsens, dass Wehrpflicht sinnvoll und notwendig ist. Jeder Mensch leistet ein kleines Opfer für die Gesellschaft. Steuern sind auch ein Eingriff in meine Freiheit. Trotzdem unterliege ich der Steuerpflicht. Man kann das Ganze „Eingriff in die Freiheit des Einzelnen“ nennen. Mann kann es auch „Solidarischen Dienst an der Gesellschaft“ nennen.

Warum verteufeln wir Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen? Schulpflicht ist auch in Eingriff in die Freiheit von Schülern und Eltern.

Meine Meinung dazu
Auch wenn Politiker und Verfassungsrechtler noch uneins sind, ob und wie sich das Ganze durchsetzen lassen könnte, halte ich es für einen interessanten Ansatz. Nicht nur, weil ich 15 Monate gedient habe. Sondern auch, weil ich Vorteile für Freiwillige Feuerwehren sehe. Übrigens: Die Aufstellung einer Feuerwehr ist Aufgabe der Kommunen. Wo sich keine Berufsfeuerwehr lohnt (in Schleswig-Holstein haben nur 4 Städte Berufsfeuerwehren), übernehmen die Freiwilligen Feuerwehren die Aufgaben. Können (oder im Ausnahmefall) wollen sie das nicht mehr, so kann eine Kommune eine Zwangsfeuerwehr aufstellen und dafür geeignetes Personal zwangsverpflichten. Das kommt in der Praxis nicht vor, ist aber ein Druckmittel, falls eine Freiwillige Feuerwehr (aus politischen Gründen) mit Selbstauflösung droht.

Also lassen wir die alberne Gewissensprüfung weg, führen ein Dienstjahr (auch wenn es nicht 12 Monate dauern muss) für alle ein und sehen dann mal, welche Erfahrungen wir damit machen. So ähnlich haben wir das ja auch mit der (Defakto-) Abschaffung des Wehrpflicht gemacht. Hier kennen wir die Folgen: Die Bundeswehr findet kaum noch geeignete Bewerber. Denken wir mal über eine Alternative nach.

Und sollten wir feststellen, dass die Allgemeine Dienstpflicht deutlich mehr Personal bringt, als sinnvoll eingesetzt werden kann, kann man über eine Lotterie nachdenken. Dann wird im Rathaus ausgelost, wer von den Dienstpflichtigen die Allgemeine Dienstpflicht antreten kann/soll/muss und wer nicht. Das ist dann wenigstens ein faires Verfahren, bei dem jeder die gleichen Chancen hat. Andere Staaten sind auch so verfahren und haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Vorschriftsmäßige Kennzeichnung

Deutschland, so sagt man, ist auch deswegen ein Land, in dem keine Revolutionen stattfinden, weil die Revolutionäre für ihr Vorhaben erst einen Verein gründen und ihn dann beim Amtsgericht eintragen lassen.

Spaß beiseite, manchmal sagt man uns Deutschen ja nach, bestimmte Dinge nur dann zu erkennen oder zu beachten, wenn sie orrrdnungsgemäß gekennzeichnet sind. Zum Beispiel wenn eine Terrororganisation namens NSU die Fluchtfahrräder ordnungsgemäß kennzeichnet. Zum Beispiel so:

Hat nichts mit Terrororganisationen zu tun: Rücklicht mit Zeichen des Fahrradherstellers NSU

Dieses Fundstück hat natürlich nichts mit Terrorismus zu tun. Ich staunte nicht schlecht, als ich recherchierte, dass NSU auch Fahrräder herstellte. Als Automobilhersteller (des legendären R080) kannte ich NSU.

 

Stallkatzen

Stallkatzen sagt man viele Eigenschaften und Fähigkeiten nach. Sie fangen Mäuse (und manchmal auch Ratten) im Stall. Dann becircen sie durch ihre Niedlichkeitsstrahlen die Menschen, ihnen das eine oder andere Leckerlie mitzubringen. Oder wie einfach nur zu streicheln. Manchmal interagieren die Stallkatzen auch mit den Pferden und kuscheln mit ihnen. Manche Stallkatzen sind eher scheu, manche sind auch einfach „coole Socken“ und lassen sich durch nichts und niemanden aus ihrer Ruhe bringen.

So auch diese Katze:

Irgendwas los hier? Nein?

Sie sah sich kurz um und dann…

Nichts los hier? Dann leg ich mich wieder entspann hin.

Aber den Vogel schoss diese Stallkatze ab, die ich in der Spanischen Hofreitschule in Wien entdeckte:

Die coolste Katze von allen. Spanische Hofreitschule, Wien, Österreich

Sie blieb einfach liegen, obwohl die Besuchergruppe nur wenige Schritte an ihr vorbeiging. Offenbar kennt die Katze die Wege der Besucher ganz genau und weiß, wo wie liegenbleiben kann.

Die „Nordsee“ von Wien aus gesehen

Bei meinem Besuch in Wien war ich auch auf dem Kahlenberg. Von dort aus sieht man über ganz Wien und in die nähere Umgebung, was das nahe Ausland (Slowakei) einschließt. Etwas vorwitzig habe ich meiner Wiener Begleitung gesagt, dann man von dort auch die Nordsee sehen könne. Wollte sie mir nicht glauben.

Tage später konnte ich sie dann überzeugen, dass die Nordsee auch in Wien zu sehen ist:

Doch vom Wiener Kahlenberg aus zu sehen: Die Nordsee

Ich wollte ihr dann noch ein Stück Land hinter dem Deich bei Ebbe verkaufen, aber darauf fiel sie dann nicht mehr herein 🙂

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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