Archiv für Juli 2018

Wien, Wien, nur Du allein…

Der Text verrät es, der Urlaub führte mich (auch) nach Wien. Hier meine (natürlich sehr subjektiven) Erlebnisse:

Freitag, 1. Tag
Die Fahrt aus dem Reiturlaub nach Wien klappt hervorragend, Autofahren auf Österreichs Autobahnen ist wirklich sehr angenehm, da bezahle ich gerne den „Eintritt“ in Form der Mautplakette. Ich bin in Wien mit einer Freundin verabredet, wir treffen uns an einer Einfallstraße, sie geleitet mich durch den Straßendschungel sicher gen Hotel (IBIS Styles Wien). Dort gibt es einen Kurzhalteparkplatz für das Be- und Entladen, alle meine sieben Sachen in  immerhin fünf Taschen (ich hatte ja noch meine Reitsachen dabei) aufs Zimmer bringen, kurz verschnaufen und dann geht es weiter auf den Kahlenberg.

Dort fand nicht nur 1683 die entscheidende Schlacht gegen die türkischen Belagerer Wiens statt, von dort aus hat man einen beeindruckenden Blick über Wien und das Umland und angrenzende Ausland. Wien liegt ca. 25km von der Grenze zur Slowakei entfernt. (Und bis zur „Nordsee“ kann man auch sehen, aber das ist eine andere Geschichte.) Die Straße von Wien auf den Kahlenberg solltet ihr mit dem Auto fahren, Freunde von Serpentinen und kurvigen Straßen werden ihre Freude haben. Außerdem: Teil des Pflichtprogramms für Touristen…

Abends dann in einen Heurigen, in ein Lokal, bei dem man unter Bäumen sitzt und Wein und kleine Mahlzeiten der regionalen Küche angeboten werden. Wenn man schon in Wien ist: Pflichtprogramm für Touristen…

Meine Begleitung hatte ein günstiges und günstig gelegenes Park&Ride-Parkhaus für mich gefunden. 17,10 Euro pro Woche statt 25 Euro pro Nacht in der Hotelgarage. Und nur eine U-Bahn-Station (oder 7 Minuten zu Fuß) vom Hotel entfernt. Und meistens ist man in Wien eh mit den „Öffis“ (Bus, Straßenbahn, U-Bahn und Stadtbahn) unterwegs.

Der Tag war anstrengend (und heiß), also Hotel, Dusche etwas Fernseh-Chillen…

Samstag, 2. Tag
Besuch der Veranstaltung „Montur und Pulverdampf“ im Heeresgeschichtlichen Museum. Dort gibt es dann im Museumsgarten viel zu sehen, von der Zeit des 30-Jährigrn Krieges bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg sieht man Uniformen, Ausrüstungen, Handwaffen und Kanonen. Und man hört die Kanonen auch. Und das ist LAUT! Aber sehr interessant. Auch der Besuch des Museums ist interessant. Und die Weisheit „Kriege gehören ins Museum“ kann man nicht oft genug wiederholen.

Danach dann zur nächsten Station des Pflichtprogramms für Touristen: Wiener Prater und dem Wurstelprater. Das eine ist die riesige parkähnliche Landschaft, das andere ist ein Vergnügungsviertel, so ähnlich wieder Hamburger Dom, nur ganzjährig in Betrieb. Natürlich mit Fahrt mit dem Riesenrad. Und Fahrt mit der Liliput-Eisenbahn. Wer Glück hat, erwischt auch einen dampfbespannten Zug. Ideal für den Lokomotivführer in uns allen.

Abends gibt es dann Essen bei einer typisch wienerischen Institution: Eine Würstelbude, da gibt es dann Bratwürste aller Art und Getränke. Stilsicher trinkt man dazu dann ein 16er-Blech, eine HaLiDo (HalbLiterDose) Bier der Ottakringer Brauerei aus dem 16. Wiener Stadtbezierk. (Wurstel-)Prater und Wurstelbude sind Pflichtprogramm für Touristen…

Sonntag, 3. Tag
„Vienna Calling“ oder „Ganz Wien…“. Es geht auf den Zentralfriedhof zu Falcos Grab. Es ist ein Doppelgrab, das einerseits den Menschen Johann (genannt Hans) Hölzel und den Superstar Falco zeigt. Der Friedhof ist so dermaßen groß, man kann ihn mit dem Auto befahren.

Weiter nach Petronell-Carnuntum. Dort befinden sich Überreste einer Zivilstadt und eines Militärlagers der Römer. Ein Teil davon wurde im originalen Stil wieder aufgebaut. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, welche kulturellen Annehmlichkeiten die Römer im Jahr 200 hatten. Häuser mit Zentralheizung, fließend kaltes und warmes Wasser, Toiletten mit Wasserspülung und und und. Auch das ist Pflichtprogramm für Touristen, wenn man schon mal in Wien oder der Nähe davon ist.

Natürlich muss man auch ein Echtes Wiener Schnitzel, natürlich vom Kalb, essen, wenn man in Wien ist. Also führt es uns nach dem Besuch der alten Römerstadt zum Abendessen ins Blaustern, ein Restaurant unweit des Hotels. Nach dem Wiener Schnitzel musste ich natürlich noch Palatschinken mit Marillen probieren. Wenn schon das Pflichtprogramm für Touristen, dann bitte auch nichts auslassen.

Montag, 4. Tag
Als Pferdeverrückter muss ich natürlich auch die Spanische Hofreitschule besichtigen. „Nur“ die Stallungen (samt Pferden) und die Anlage. Reitbetrieb gibt es selten zu sehen. Aber Menschen auf Pferden kann ich auch woanders sehen 🙂 Alleine die Reithalle ist beeindruckend, da braucht es keine Pferde darin.

Später geht es dann Andenken kaufen, später dann zum Bummeln durch den Wiener Augarten. Landschaftlich sehr schön anzusehen. Wären da nicht ein paar Schandflecke aus der Kriegszeit, die sich hartnäckig einem Abriss verweigern: Einige der Flaktürme stehen auch im Augarten.

Wenn man schon Wiener Schnitzel essen möchte, dann ist es besser, zweimal essen zu gehen. Je größer der Umfang der Stichprobe, desto höher ihr Aussagewert 🙂 Also waren wir wieder essen, danach noch etwas bummeln.

Dienstag, 5. Tag
Sachen packen, Auto aus dem Parkhaus holen, wieder zum Hotel, Auto beladen, dann ab nach Krems an der Donau. Dort noch einmal Spezialitäten essen, Marillen-Spezialitäten für die Lieben daheim einkaufen, dann zurück in den süd-dänischen Teil des Habsburger Reiches und dabei „a bisserl brav sein…

Wenn es im Auto nicht kalt wird…

Moderne Autos haben Klimaanlagen. Die Zeiten, in denen derlei Annehmlichkeiten nur der automobilen Ober- oder Luxusklasse vorbehalten blieben, sind lange vorbei. Heute kommt (praktisch) kein Auto mehr ohne Klimaanlage. Warum auch nicht? Im Sommer hilft sie, die Innenraumtemperatur abzusenken und damit die hitzebedinge Ermüdung der Innensassen zu vermeiden. Im Herbst und Winter trocknet die Klimaanlage die Luft und verhindert so beschlagene Scheiben.

Neulich war es wieder mal warm, ich hatte die Klimaanlage eingeschaltet, wundere mich aber, warum es nicht kalt wird. Ich hatte die Klimaanlage doch eingeschaltet, oder? Ein Blick sagt mir, dass das Lämpchen leuchtet. Ist die Klimaanlage etwa kaputt?

Dann wurde mir klar, warum es nicht kalt wurde… Wer entdeckt den Fehler?

Warum wurde es im Auto nicht kalt?

Des Rätsels Lösung: Die letzte Fahrt fand bei nächtlich kühlen Temperaturen statt und der Fahrer hatte wohl vergessen, den Temperaturregler wieder auf sommerliche Einstellung zurückzustellen…

Autofahren in Österreich

Der Urlaub führte mich auch durch Österreich. Soweit so gut. Was ist mir an den österreichischen Autobahnen aufgefallen:

Das Tempolimit macht das Fahren auf der Autobahn sehr angenehm. In Österreich herrscht ein Tempolimit von 130km/h. Überhole ich auf einer dreispurigen Autobahn einen Lkw, der einen Lkw überholt, bemerke dabei im Rückspiegel ein anderes Fahrzeug in ausreichend großer Entfernung, fühle ich mich nicht bedrängt, weil ich nicht weiß, ob da gerade ein gaskranker Drängler mit 230km/h angeschossen kommt. Wer von hinten kommt, darf auch nur 130km/h schnell sein…

Recht häufig wird die Geschwindigkeit kontrolliert. Tempolimits werden von einigen Autofahrern als eher unverbindliche Empfehlung angesehen und mit entsprechendem Spielraum interpretiert. Keine gute Idee in Österreich. Dort wird man übrigens von hinten geblitzt, so werden auch zu schnelle Motorradfahrer erwischt.

Belangt wird der Halter des Fahrzeuges. Kann (oder will) er den Fahrer nicht nennen, so gehen Bußgeld und Punkte an ihn. Praktische Sache, das!

Die Rettungsgasse funktioniert. In Österreich ist man deutlich weiter als in Deutschland, was die Rettungsgasse angeht. Sie wird schon bei zähfließendem Verkehr gebildet. Und wer sich nicht daran hält, bekommt eine sehr teure Lektion. Gefällt mir. Denn eine Rettungsgasse funktioniert nur, falls sich alle Verkehrsteilnehmer daran halten.

Schuster, bleib bei Deinen Leisten

Ein altes Sprichwort empfiehlt dem Schuster, er solle bei seinen Leisten bleiben. Also bei Dingen, bei denen er sich auskennt und von denen er Ahnung hat.

Eigentlich ein sehr guter Rat. Denn wenn Menschen sich auf andere Felder wagen, gar auf ein anderes Spielfeld, dessen Regeln sie nicht verstehen und erst recht nicht beherrschen, dann passieren Fehler. Vermeidbare Fehler. Dumme Fehler. Peinliche Fehler.

Gut, ein Fehler ist bekanntlich ein Fehler und noch keine Katastrophe, aber man kann durch (eigene) Ungeschicklichkeit dann eine Katastrophe daraus machen, zumindest eine PR-Katastrophe.

Da trifft sich ein Spieler mit türkischen Migrationshintergrund mit einem ausländischen Staats- / Regierungschef, der nicht gerade durch demokratisches Handeln und Nähe zu Menschenrechten bekannt ist. Nicht irgendein Spieler. Ein sehr bekannter Fußballspieler, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft. Und dann macht ein Foto die Runde, das mit „Mein Präsident“ beschrieben wird.

Oha! Bekanntlich hat „mein“ im Deutschen mehrere Bedeutungen:

„Mein“ -> Eigentum
Mein Auto. Ich habe es gekauft, es ist mein Eigentum, ich habe den entsprechenden Eigentumsnachweis.

„Mein“ -> Besitz
Ich übe in diesem Moment die tatsächliche Sachherrschaft darüber aus, auch wenn ich nicht Eigentümer bin. Meine Wohnung ist Eigentums des Vermieters, aber ich habe die Schlüssel und bestimme, wer reinkommt und wer nicht.

Mein -> Zugehörigkeit
Meine alte Schule, meine Freunde, mein Pferd… Ich ging dort mal zur Schule, habe da mein Abitur gemacht und fühle mich der Schule ein wenig verbunden, weil sie Teil meines Lebens war (und ist). Meine Freunde habe ich auch nicht gekauft, ich fühle mich ihnen zugehörig (und sie sich mir). Mein Pferd, wenn ich draufsitze, dann übe ich die „Sach“herrschaft aus (vor dem Gesetz sind Pferde Sachen). Aber in Wirklichkeit gehört mein Herz dem Pferd, also auch wieder Zugehörigkeit.

Und dann spricht ein Spieler von „Meinem Präsidenten“? Tauschen wir mal ein paar Begriffe aus:

Ein Spieler des FC Bayern München lässt sich mit dem Präsidenten eines anderen Fußballvereins ablichten, überreicht mit den Worten „Für meinen Präsidenten“ sein Trikot.

Später wird er sich herausreden dann sagen, dass seine Vorfahren ja mal bei eben jenem Verein gespielt hätten und dass deshalb…

Wir merken schnell, dass es Verhaltensweisen gibt, die — drücken wir es etwas banal aus — einfach nicht gehen. Auf keinen Fall. Absolutes No-Go! Wer schlau ist, weiß das vorher.

Als Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft ist man eben nicht mehr irgendeine banale Privatperson, die machen kann, was sie will. Da ist man dann schon ein Stück Deutschland und vertritt dann auch Deutschland. Oder sollte es vertreten. Wenn man das nicht kann, oder nicht will, macht eben keine solchen Fotos und trifft sich ganz still mit jemandem.

Sieht man sich dann (un)berechtigter Kritik ausgesetzt, kann man sich klug oder weniger klug verhalten. Oder man kann dann gleich die ganz große Keule schwingen und von „Rassismus“ sprechen. (Selbst-)Kritik am eigenen Verhalten? Bloß nicht! Schuld sind bekanntlich nur alle anderen.

So mancher Fußballspieler erweist sich dann leider doch als nahezu inselbegabter Bälletreter. Wer hat nun gewonnen? Niemand. Wer hat verloren? So ziemlich alle.

Nein, einen Gewinner gibt es doch. All jene Kräfte am sehr rechten Rand der Gesellschaft, die dieses Beispiel als Beleg dafür nehmen, dass Integration eben doch nicht funktionieren könne.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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