Archiv für 2019

Erleuchtung kann man auch an ungewöhnlichen Orten finden

Der gute Autofahrer kennt sein Auto so genau, dass er jeden Schalter ohne hinzusehen findet. Jedenfalls sollte es so sein.

Kleiner Einschub am Rande: Ich kenne/kannte da einen alten Ingenieur, der sich bei jedem seiner Autos mit der Gebrauchsanweisung vertraut gemacht hat. Zur Belustigung der eigenen Gattin saß er bei jedem neuen Auto stundenlang mit dem Handbuch im Auto, las aufmerksam Seite um Seite, probierte jeden Schalter aus. Und das nicht nur einmal. Er probierte jeden Schalter so oft, bis er ihn blind fand. Und auch genau wusste, wie sich der Schalter anfühlte und welche Art von „Klick“ er bei der Betätigung macht.

Aber bei seiner Ingenieursehre war es ihm wichtig, Dinge nicht nur oberflächlich zu wissen. Er wollte es immer genau wissen. Ganz genau. Ingenieursehre eben.

Bei selten gebrauchten Schaltern erst (lange) suchen müssen, wäre für ihn undenkbar gewesen. Das überließ er lieber seiner Frau. Die fuhr auch bei Nebel ohne Nebelscheinwerfer. Das Suchen nach dem Schalter war ihr zu umständlich. Und bei viel Nebel fuhr sie eben nicht und ließ lieber den Gatten fahren.

So ist das auch bei mir, ich finde die Schalter in meinem Auto auch ohne hinzusehen, so wie das sein sollte. Nun passierte es aber, dass die Schalterbeleuchtung der Heizung/Lüftung nicht funktionierte. Zunächst trat diese Störung nur sporadisch auf. Später reichte es, einmal mit dem Fingerknöchel leicht an den Schalter zu klopfen und die fehlende Beleuchtung funktionierte wieder.

Irgendwann half das nichts mehr. Ein Schönheitsfehler, nicht mehr. Aber es gibt Menschen, die sich daran stören. Ich gehöre zu diesen Menschen. Also habe ich mal in die Gebrauchsanweisung des Autos gesehen. Der Wechsel der Schalterbeleuchtung wird dort nicht erwähnt. Eine kurze Google-Suche später hatte ich in einem Reparaturforum gefunden, wonach ich suchte. Eine didaktisch gutgemachte Anleitung. Nun brauchte ich nur noch die entsprechenden Birnchen.

Der kluge Autofahrer hat ein Kästchen mit Ersatzbirnchen im Auto. Leider sind dort nur die typischen Birnchen enthalten. Also führte mich mein Weg zum Autoteilehändler. Dort kannte man den Typ Birnchen. Und hatte ihn auch. Und verkaufte mir den Zweierpack davon für kleines Geld.

Mit der Reparaturanleitung bewaffnet dauerte es keine Minute, um das Birnchen zu wechseln. Und ich war wieder glücklich. Jedenfalls war mein kleines „Unglück“ — sofern man es als solches bezeichnen mag — wieder etwas kleiner geworden.

Tage später führt mich mein Weg in den „familiären“ Supermarkt der Nachbarschaft. Mehr aus Langeweile suche ich im Gang mit Autoersatzteilen auch nach Autobirnchen. Mich trifft fast der Schlag, dass es dort auch Glassockelbirnchen 12V in der Stärke 1,2W und der richtigen mechanischen Bauform gibt. Und das zu einem interessanten Preis.

Manchmal findet man „Erleuchtung“ eben auch dort, wo man sie niemals gesucht und auch nicht vermutet hätte.

Gehört der Islam zu Deutschland? Versuch einer Antwort.

Vor einiger Zeit wurde ich in eine Diskussion verwickelt. Es ging um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre. Oder eben nicht. Ein Bekannter stellte mir damals Fragen. Ich will sie hier einfließen lassen.

Bevor Du aus dem Bauch antwortest, möchte ich Dir Fragen stellen. Und auch ein paar Anmerkungen machen. Ich will Dir keine Antwort vorgeben. Du sollst sie selbst finden…

Ich fand den Ansatz interessant und ließ mich gerne auf das Gespräch ein.

Gibt es den Islam?

Ich überlegte. Ich bin kein Moslem und kenne mich im Islam kaum aus. Ich bin getauft, konfirmiert, kenne das Christentum auch gerade gut genug, um mich ansatzweise auf religiöse Diskussionen einzulassen. Aber ich weiß, dass es auch im Christentum eine Reite von Gruppierungen gibt. Katholiken, Protestanten, Calvinisten, Mormonen, um nur einige zu nennen. Und ich weiß, dass sich die Untergruppen teilweise alles andere als grün sind. Die Frontlinie des Bürgerkriegs in Nordirland führte nicht zufällig entlang der Grenzen zwischen Katholiken und Protestanten. Und immer, wenn die einen durch das Wohngebiet der anderen marschieren, fliegen Steine. Bis heute…

Jemand merkte an:

Ich komme ursprünglich aus einer katholisch-protestantischen Mischgegend. Einige Dörfer waren da ganz strikt getrennt und hatten zwei Fußballvereine, je nach Glaubenszugehörigkeit trat man in den einen oder in den anderen ein. Und bei Spielen der beiden Vereine gegeneinander war sich auf beiden Seiten fast schon sicher, dass „Du sollst nicht töten“ nicht unbedingt für Angehörige der jeweils anderen Mannschaft galt. Es gab zwar schon Freundschaften untereinander, aber Verlobungen oder Heirat gab’s praktisch nur innerhalb der eigenen Konfession. Und das im Deutschland der 1960er Jahre.

Ich bin in einer protestantischen Gegend aufgewachsen und in meinem Elternhaus war Religion auch nie eine große Sache. Aber ich dachte nach. Und mir fiel ein, dass auch im Islam unterschiedliche Gruppierungen gibt: Sunniten, Schiiten, Wahabiten, Charidschiten, Sufismus und bestimmt noch ein paar andere mehr. Und auch diese Gruppen sind sich untereinander nicht unbedingt grün. Und auch hier reicht es, dass man sich wegen unterschiedlicher religiöser Ansichten bekriegt. Teilweise militärisch. Wenn ich den Krieg Iran-Irak denke, dann ging es auch dort darum, wer den wahren Islam bewahren wolle und wer ein Fein des wahren Islam sei. Der Iran und Saudi-Arabien führen derzeit in Syrien Stellvertreterkriege. Beide Seiten sind der Auffassung, den einzig wahren Islam zu vertreten.

Wenn also der Islam zu Deutschland gehört (oder auch nicht, das lassen wir mal offen), welchen Islam meinen wir dann? Und welche mit ihm verknüpften Wertvorstellungen?

Puh, nun wird es schwierig. Es gibt muslimische Strömungen / Gesellschaften / Staaten, die sehr liberal sind. Es gibt keine offizielle Staatreligion, es gibt Religionsfreiheit, keinen Zwang für Mädchen und Frauen, sich zu verschleiern. Keine arrangierten Kinderehen und auch keine Mädchen, die gegen ihren Willen verheiratet werden.

Und dann gibt es muslimische Strömungen / Gesellschaften / Staaten, die eben alles andere als liberal sind. Da müssen sich Mädchen und Frauen verhüllen, da gibt es eine strikte Trennung der Geschlechter, da dürfen Frauen nur in Begleitung von Ehemann / Bruder / Vater / Cousin aus dem Haus und dann auch nur verschleiert. Treffen sich Männer und Frauen privat, dann ist das schnell „Ehebruch“ und wird mit Steinigung geahndet. Und in einigen arabisch-muslimischen Staaten dürfen Frauen nicht mal Auto fahren, oder durften es bis vor kurzer Zeit. Und Religionsfreiheit gibt es auch nicht. Wer einer anderen Religion als dem Islam anhängt, der begeht „Ketzerei“ oder „Gotteslästerung“ und wird bestraft, gerne auch mit dem Tode.

Wenn also von dem Islam die Rede ist, der zu Deutschland gehört (oder nicht gehört), welchen Islam meinen wir dann? Wieviel „Islam“ welcher Ausprägung wollen wir? Oder andersherum gefragt? Welche Dosis verträgt unsere Gesellschaft? Ab welchem Maß ist unsere Toleranz (über)-strapaziert?

Was finden wir „normal“? Was ist uns zuviel? Gibt es da eine Grenze? Wo könnte sie liegen? Und wieso genau dort und nicht woanders?

Die Freiheit der Religion und ihrer Ausübung wird von unserer Verfassung garantiert. Und niemand — von ein paar braunen Dumpfbacken — möchte die Zeiten von Judenverfolgung wie im Dritten Reich zurück. Geht es aber um den Islam — ja um welchen denn nun? — tun wir uns schwer. Wir finden Mädchen mit Kopftüchern als problematisch, Frauen mit Nikab befremden uns. Und die Anwendung der Scharia mit ihren teilweise drakonischen Strafen widerspricht auch unserer Rechtsauffassung und dem staatlichen Gewaltmonopol.

Ebenso verbieten hiesige Gesetze Kinderehen oder Vielehen. Diesen Teil des Islams (oder genauer: eines Islams) wollen wir nicht, weil er gegen geltendes Recht verstößt. Und andere Aspekte? Widerspricht ein getragenes Kopftuch als Zeichen des Islam einem staatlichen Neutralitätsgebot bei Polizisten, Richtern oder anderen Beamten? Trägt jemand eine Kette mit einem kleinen Kreuz, dann haben wir damit in der Regel kein Problem. Also dann mit dem Kopftuch? Stört uns eine getragene jüdische Kippa mehr (oder weniger) als ein Kopftuch? Wieviel oder wie wenig sichtbare Religion wollen wir?

Ab wann wird oder ist eine Religion politisch? Und wie weit verträgt sich diese Politik mit unserem Staat, unserem, Grundgesetzt, unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung? Und unserem Strafgesetzt?

Wieder schwierige Fragen. Klar, der Islam, genauer, so manche Form des Islam, ist nicht unpolitisch zu sehen. Wie auch andere Heilige Schriften, ist der Koran ein „Gemischtwarenladen“, im dem alle Inhalte zu finden ist, die gerade opportun erscheinen. „Liebe Deine Nächsten“, „Sei barmherzig zu Deinen Gegnern“ aber auch „Töte die Andersdenkenden“. Auch in der Bibel finden sich solche Aussagen. Gerade das Alte Testament ist voller Grausamkeiten, was gerne vergessen wird.

Das Christentum hat hierzulande ungefähr tausend Jahre Tradition und Einfluss… Und der Islam?

Ich hielt kurz inne. Sicherlich gibt es in Europa christliche Wurzeln, die sogar noch älter sind, aber nehmen wir mal ungefähr tausend Jahre als groben Richtwert. In dieser Zeit gab es einen erheblichen christlichen Einfluss, um guten wie im bösen, von Klöstern als Hort des Wissens und der Bildung bis hin zu Inquisition und Hexenverbrennung. Ich erinnerte mich an unsere gesetzlichen Feiertage. Neujahr, 1. Mai und der Nationalfeiertag am 3. Oktober sind säkulare Feiertage, alle andern gesetzlichen Feiertage sind christlichen Ursprungs.

Bist Du (D)einer Antwort ein wenig nähergekommen?

Ich könnte es mir einfach machen: Da es den (einen) Islam nicht gibt, kann der (eine) Islam auch nicht zu Deutschland gehören. Aber diese Antwort wäre zu einfach, wenn auch formal schwierig angreifbar. Es gibt viele Menschen muslemischen Glaubens in Deutschland. Und mit jedem Menschen wohl auch seine eigene Ausprägung des Islams. Insofern gehört ein Teil des Islams ganz sicher zu Deutschland. Andere Teile des Islams gehören ganz klar nicht zu Deutschland.

Gehört der Islam nun zu Deutschland oder nicht? Ich weiß es nicht. Aber die Diskussion darüber hat mich zum Nachdenken gebracht. Und das ist oftmals viel wichtiger als eine Antwort auf die eigentliche Frage zu finden.

Das Netz weiß alles … oder nichts?

Das Internet, so heißt es, weiß alles über Dich. Die Großen wissen dank ausgeklügelter Technik, wonach Du suchst, welche Videos Du gesehen hast (und welche davon bis zum Schluss), nach welchen Reisezielen Du gesucht hast, welche Reise Du dann gebucht hast. Wo Deine Selfies aufgenommen sind, was Du im Netz bestellst und und und.

Und alle diese Daten werden dann aufbereitet zu wertvollen Informationen. Und entscheiden, welche Werbung Dir beim Besuch von anderen Seiten eingeblendet werden. Wer sich also gewundert hat, warum er ausgerechnet die Werbung sieht, die er sieht… sollte sich also nicht wundern.

Ich wundere mich. Nicht über Werbung im allgemeinen. Ich wundere mich über die Inhalte der Werbung. Denn ein Großteil, um nicht zu sagen fast alles an Werbung, ist kompletter Blödsinn. Jedenfalls für mich. Ich nenne ein paar Beispiele.

Ich buche ein Hotel in einer Stadt. Da wäre dann Werbung für Sehenswürdigkeiten in der Stadt eine gute Idee. Idealerweise für genau die Dinge, die mich interessieren. Was bekomme ich? Werbung für ähnliche Hotels in der Stadt.

Ich kaufe im Netz ein Produkt. Und schon bekomme ich Werbung für genau das Produkt. Nicht etwa für ähnliche Produkte. Oder für Zubehör für das gekaufte Produkt. Nein, für das Produkt. Nicht sehr schlau. Jedenfalls in meinen Augen.

Und oftmals denke ich, das Netz weiß sehr wenig über mich. Eine Zeit lang bekam ich sehr viel Werbung für Frauenklamotten (in Übergrößen). Und auch für Hidschābs. Wer mich kennt, weiß, dass ich keine (sehr) dicke moslemische Frau bin. Und ich interessiere mich auch nicht für religiöse Mode für übergewichtige Frauen. Und ich habe solche Kleidungsstücke auch für Freundinnen bestellt.

Was weiß also das Netz über mich? Alles? Oder doch eher nichts? Oder sind das nur raffinierte Versuche, mich von der Allwissenheit abzulenken?

Fridays for (No) Future

Es fing irgendwann letztes Jahr an, dass junge Menschen freitags demonstrierten, um auf den Klimawandel und seine Auswirkung für die menschliche Zukunft aufmerksam zu machen. Eine gute Idee, wie ich finde. Allerdings ist nicht jede gute Idee auch gut umgesetzt. Schnell gibt es Kritik. Manche Kritik ist dumm und unsachlich, manche Kritik durchaus berechtigt und nicht so einfach zu entkräften. Sehen wir uns ein paar Kritikpunkte mal an.

Ihr demonstriert doch nur, damit Ihr die Schule schwänzen könnt…

Nun, dieser Punkt ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Bereitschaft von Schülern, innerhalb der Unterrichtszeit zu demonstrieren und nicht außerhalb war schon höher, als man noch gegen Notstandsgesetze auf die Straße ging. Natürlich könnten sich die Schüler auch nach Unterrichtsschluss zur Demo versammeln und so diesen Kritikpunkt aushebeln, aber wäre ihr Anliegen dann noch mit soviel medialer Aufmerksamkeit gesegnet? Wohl kaum.

Eure Kritik ist verlogen, denn auch Euer Verhalten zerstört die Umwelt mehr als nötig… Ihr wollt auf Klassenfahrt nach Malle fliegen, Ihr wollt jedes Jahr ein neues Smartphone, immer die neuesten stylischen Klamotten…

Auch dieser Punkt ist nicht unberechtigt. Wer sich für etwas einsetzt und von anderen Menschen fordert, das jeweils eigene Verhalten zu ändern und sich unter Umständen erheblich einzuschränken, der wird auch daran gemessen, wie sich eigenes Verhalten und eigene Ansprüche verhalten. Die Klassenfahrt kann auch mit dem Fahrrad von Zeltplatz zu Zeltplatz führen. Kunst und Kultur gibt es auch hierzulande. Na klar, wer sich Pompeji ansehen will, kann das eben nur in Pompeji machen. Und die Nachmittage zur „Selbsterkundung lokaler Kultur“ werden dann meistens irgendwo am Strand oder mit Party verbracht…
Und natürlich ist ein Smartphone ein tolles Gerät, um sich mal eben und auch von unterwegs aus zu informieren. Muss es aber unbedingt immer das neueste und schickste Gerät sein? Bei guter Behandlung hält ein Gerät deutlich länger als die Zeit, bis der Provider zum Vertrag ein neues Gerät rausrückt. Wie wäre es da mit Verzicht? Immerhin wird eben jener Verzicht von den „Erwachsenen“ eingefordert.
Muss man immer den besten, schnellsten und geilsten Laptop haben? Reichte nicht auch ein PC der nur in der mittleren Leistungsklasse spielt und der gebraucht erworben wurde?
Und auch was die eigene Kleidung angeht, wird oft lieber auf Konsum statt auf Nachhaltigkeit gesetzt. Dass wir in einer Gesellschaft leben, die einen Menschen abwertend ansieht (und behandelt), wenn die Jacke offenbar beschädigt und wieder instandgesetzt ist, ist nicht die Schuld junger Menschen. Große Ausnahme sind die Klamotten, die (für einen erheblichen Aufpreis) schon mit „Schäden“ wie aufgerissenen Knien geliefert werden.

Ihr habt doch (noch) keine Ahnung davon, wie die Welt, die Wirtschaft, die Wissenschaft funktionieren.

Natürlich haben die jungen Menschen das nicht. Aber dieser Punkt ist billig. Woher sollen Menschen, die noch keinen Schulabschluss haben, keine Berufsausbildung, keine Lehre, kein Studium, keine jahrelange Erfahrung in (großen) Firmen, denn wissen, wie die Dinge laufen? Sie sehen nur, dass die Dinge eben nicht gut laufen. Und weisen darauf hin, dass die Dinge nicht gut laufen. In der Sprache, die sie sprechen. Und das ist eben nicht die Sprache eines Nobelpreisträgers.
Auch Nobelpreisträger weisen auf Dinge wie Klimaveränderung hin. Hört man denen zu?

Euer Schulschwänzen wird noch Konsequenzen haben…

Dieser Kritikpunkt ist nicht unberechtigt. Wer die Schule schwänzt, um an einer Demonstration teilzunehmen, der bekommt Fehlstunden angerechnet. Und ab einer gewissen Anzahl Fehlstunden gilt ein Kurs dann eben als nicht bestanden. Das kann zu einer „Ehrenrunde“ (also Sitzenbleiben) führen. Oder dazu, dass es den gewünschten Schulabschluss eben nicht geben wird.

Ihr verbaut Euch Eure eigene Zukunft…

Diesem Kritikpunkt kann man entgegnen, dass dieses die Generation der jetzigen Politiker und Unternehmensbosse tun. Touché!

Bier auf Hawaii? Senf aus Bornholm!

Als mir ein lieber Kollege erzählte, dass ihn sein Urlaub in die Dänische Südsee führen werde, kam ich nicht umhin, ihn um ein kleines Reisemitbringsel zu bitten.

Heute ist er aus dem Urlaub zurück, fing mich schon vor dem Betreten meines Büros ab und drückte mir die Beute in die Hand. Noch während der Dienst-PC hochfuhr, musste ich den Senf probieren.

Typisch skandinavisch, leicht süße Note, etwas körnig und sehr lecker.


Sehr lecker: Der ächte Bornholmer Senf.

Vielen Dank, lieber Kollege!

Pflicht zur Organspende? Pflicht zur Entscheidung!

Alle paar Jahre wieder gibt es Diskussionen über das Thema Organspende. Ich hatte in diesem Blog auch schon darüber geschrieben. An den Tatsachen an sich hat sich kaum etwas geändert: Immer noch erklären sich zu wenige Menschen bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Immer noch gibt es viel mehr Menschen, die dringend auf ein Spender warten, als Menschen, die spenden wollen.

Jeder will im Fall des ein Spenderorgan bekommen, wenn es um das eigene Leben und die eigene Gesundheit geht.

Kaum jemand, möchte Organspender sein.

Viele Menschen möchte nicht mal über das Thema nachdenken. Das ist schade. Nun gibt es einen neuen Versuch, die Diskussion um das Thema Organspende und die Spendebereitschaft neu zu beleben: Man möchte die Menschen (mit sanftem) Druck zu einer Entscheidung bewegen.

Ganz klar: Niemand soll gegen seinen Willen zu einer Spende gezwungen werden. Erreicht werden soll, dass sich Menschen Gedanken machen, ob sie nach dem eigenen Tod Spender sein wollen. Und falls ja, welche Organe bzw. welche Organe nicht. Und diese Entscheidung soll dann (an zentraler Stelle) gespeichert, so dass die Information schnell zur Verfügung steht.

Nicht mehr, nicht weniger!

Sollte sich im Lauf des Lebens die Einstellung zum Thema Organspende ändern, so kann der Mensch seine geänderte Entscheidung eintragen lassen. So einfach.

Ich lehne eine Pflicht zur Organspende ab.
Ich begrüße jedoch eine Pflicht, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden!

DAS ist ein …

Der Traum eines Technikers ist es, dass Technik- und Serverräume groß sind, angenehm belüftet, anständig temperiert und ausreichend beleuchtet sind. Und natürlich, dass alle Komponenten gut zugänglich sind. Vor dem Schaltschrank ist Platz, auf der Rückseite ebenfalls. Ob man nun auf die Vorder- oder Rückseite der Technik muss, man kommt gut ran. Soweit der Traum.

Die Realität sieht meistens anders aus: Die Technik und die dazugehörigen Schränke sind in ‚Besenkammern‘ verbaut, die Schaltschränke stehen dicht an den Wänden, wer auf die Rückseite muss, der kann sich zwischen Schränken und Wand im „Serverschrank-Limbo“ üben. Und wird der Raum dann nur durchlüftet statt mit Klimaanlagen gekühlt, sammelt sich jede Menge Staub an und alles ist mit einem dezenten Grauschleier bedeckt.

Kommt dann noch dazu, dass der Raum schlecht beleuchtet ist, weil sich Menschen Glühlampe (oder andere Leuchtmittel) ‚ausgeliehen‘ haben, steht man als Techie zwar nicht total im dunkeln, aber alles sieht schon sehr düster aus. Wie man dann das graue vom dunkelblauen Kabel unterscheidet, bleibt dem geneigten Leser zum Selbststudium überlassen 😉

Wohl dem, der dann eine (ausreichend) helle Taschenlampe dabei hat. Und damit man sie immer am Mann hat, wenn man sie braucht, trägt der Techie sie am besten immer am Gürtel. So wie einet die Jedi-Ritter auch immer ihr Laser-Schwert trugen.

Eines Tages war ich vor Ort, sollte einen etwas ‚versteckt‘ installierten PC demontieren und verschwand so halb hinter einem Schrank. Der Bürobewohner entdeckte, dass ich etwas am Gürtel trug und wollte wissen, was das denn sei.

Ich griff zur Taschenlampe (LED-Lenser), ließ sie kurz aufleuchten: „Das ist eine Taschenlampe, braucht man zum Arbeiten an dunklen und unzugänglichen Stellen…“

Er lächelte kurz, griff hinter sich in den Schrank, holte ein Monsterteil einer Taschenlampe heraus, sein Exemplar hatte nicht einen Leuchtkopf, so wie meine, sein Exemplar hatte viele solcher Leuchtköpfe. Auch er ließ sie kurz aufleuchten und sagte dann ganz trocken: „DAS ist eine Taschenlampe…“

Er hatte bewiesen, dass er Humor hatte. Und diese Szene aus Crocodile Dundee kannte…

Sommerzeit oder Winterzeit oder beides?

Derzeit läuft mal wieder eine Diskussion über die Abschaffung oder Beibehaltung der Zeitumstellung. Eigentlich gibt es diese Diskussion jedes Jahr, doch diesmal ist es anders.

Die EU hat eine „Abstimmung“ durchgeführt. Von den ~500 Millionen Einwohnern haben ~5 Millionen „abgestimmt“, also ein Prozent. Bei einer „Wahlbeteiligung“ von 1% kann man schwerlich von einem demokratisch legitimiertem Prozess reden.
Dazu kommt, dass diese „Abstimmung“ per Internet durchgeführt wurde und viele Menschen nicht die Möglichkeit hatten, an einer so durchgeführten „Wahl“ teilzunehmen.

Auswertungen der abgegebenen „Stimmen“ ergaben, dass von den ~5 Millionen abgegebenen „Stimmen“ gut 4 Millionen aus Deutschland stammten. Von einer breiten Zustimmung aus der gesamten EU kann also noch weniger die Rede sein.

Trotzdem wird man nicht müde, über Sinn und Unsinn nachzudenken. Hier ein paar von meinen Ansichten:

Früher, so vor 200 Jahren, war die Welt einfach. Der Tag hat insgesamt 24 Stunden, Tagesmitte, also 12:00 Uhr, war, wenn die Sonne (am Ort der Beobachtung“ am höchsten stand. Das war relativ einfach zu messen und entsprechend wurde die Uhr(en) des Ortes gestellt. Da damals kaum jemand eine eigene Uhr hatte, war es meistens nur die Kirchturmuhr. Ihre Aufgabe war es, die Menschen zur Gebet zu rufen und ansonsten die allgemeine Zeit anzuzeigen. Ging die Uhr nicht ganz genau, dann war das nicht so schlimm, denn was sind schon ein paar Minuten Abweichung, geht es um Gottes immerwährende Gnade und die Ewigkeit im Paradies? 🙂 Eben.

Im Nachbardorf, ein paar Kilometer weiter westlich oder östlich, passierte das gleiche, jedoch nicht zum selben Zeitpunkt. War es in A-Dorf genau 12:00 Uhr, war es in B-Dorf etwas später (oder früher), je nach dem, wie viel westlicher (oder östlicher) B-Dorf lag.
Für das tägliche Leben spielte das keine Rolle.

Dann passierten zwei Dinge, und alles änderte sich: Die Eisenbahn und der Telegraph wurden eingeführt. Erstere erlaubte Reisen über (relativ) weite Entfernungen in (relativ) kurzer Zeit. Und da war es für die Betreiber von Eisenbahnen einfacher, in den Fahrplänen eine Zentralzeit und nicht die lokale Zeit der jeweiligen Orte zu verwenden. Der Telegraph machte die Übermittlung einer Zentralzeit möglich. Nun wurde an einer zentralen Stelle im Fürstentum die Zeit bestimmt und dann in alle Orte verteilt. Dass die Sonne in A-Dorf nun nicht mehr um genau 12:00 Uhr den höchsten Stand erreichte, war zu vernachlässigen, denn die Ort-West-Ausdehnung des Fürstentums war gering, damit auch der Unterschied zwischen den lokalen Zeiten und der Zentralzeit. Die Menschen konnten damit leben, den allermeisten ist es wahrscheinlich nie aufgefallen.

Später wurde aus vielen Fürstentümern dann ein Königreich, die Eisenbahn fuhr durch das ganze Königreich, der Telegraph verteilte die Zentralzeit durch das ganze Königreich und die Unterschiede in den lokalen Uhrzeiten zwischen Orten ganz im Osten und ganz im Westen wurden größer. Auch damit konnten die Menschen leben, den allermeisten ist es wahrscheinlich nie aufgefallen.

Noch später wurde ein den einzelnen Königreichen ein großes Reich mit einer recht großen Ausdehnung und der Unterschied zwischen den einzelnen lokalen Zeiten und der Zentralzeit wurde schon erheblich, aber man ‚einigte‘ sich — eher: es wurde staatlicherseits festgelegt — auf die Zentralzeit.

An dieser Stelle sei mir etwas Geografie erlaubt: Die Erde ist (annähernd) eine Kugel und die ist ein 360° aufgeteilt. In Nord-Süd-Richtung beginnt die Zählung beim Äquator mit dem 0° Breitengrad, steigt dann bis zu den Polen (90° Nord bzw. Süd), auf der anderen Seite des Kugel das selbe. In Ost-West-Richtung haben wir einmal den Null-Meridian und von dort aus geht es 180° nach Osten bzw. nach Westen.
Ein Tag hat 24 Stunden, in denen sich die 360° der Erdkugel unter der Sonne hindurchdrehen, also legt man für alle 15° eine Zeitzone fest, die sich (meistens) um eine glatte Stunde von der Zeitzone 15° weiter östlich oder westlich unterscheidet.
Man kann es auch anders sehen (oder rechnen): 1° bedeutet einen Unterschied der lokalen Zeit von 4 Minuten.

Als Deutschland noch eine größere Ost-West-Ausdehnung hatte, betrug der Unterschied zwischen Königsberg (20°E) und Aachen (6°E) ziemlich genau 14°, also 56 Minuten. Inzwischen ist Deutschland kleiner geworden, die östlichste Stadt ist Görlitz (15°E), ihr Unterschied zu Aachen beträgt 36 Minuten.
Telefoniert ein Mensch aus Görlitz mit einem aus Aachen, dann ist es beim einen morgens schon deutlich heller oder abends schon deutlich. Gut, bei 36 Minuten kann man auch noch darüber hinwegsehen.

Denken wir jetzt mal weniger national und mehr europäisch: Europa, genauer die EU. Die Ost-West-Ausdehnung ist erheblich von (Ost-) Griechenland (26°E) bis (West-) Portugal (9°W) sind es 35 Breitengrade, also etwas mehr als 2 Stunden unterschied in den lokalen Ortszeiten. Und genau jetzt wird es spannend. Bleibt man bei einer Zentralzeit, dann hat einer der beiden Orte immer die Arschkarte gezogen. Ist die Zeit richtig für den einen Ort angepasst, dann stimmt sie für den anderen Ort nicht.

Oder aber, man wechselt zweimal im Jahr die Zentralzeit und nutzt es aus, dass es im Sommer früher hell wird. Dann stellt man die Uhr im Frühling eine Stunde vor. Und im Herbst eben wieder zurück. So kann man sowohl den Belangen von Menschen tief im Osten und tief im Westen Rechnung tragen.

Ich habe nichts davon, dass es im Hochsommer schon um 4:00 Uhr hell wird, da schlafe ich noch. Dafür wäre abends eine Stunde mehr Sonnenlicht klasse.

Und was das Gemaule von Menschen angeht, die nach jeder Zeitumstellung immer „Monate“ brauchen… Meistens frage ich sie, wo sie Sommerurlaub machen. Schnell geht es mit dem Flugzeug in ferne Länder. Meine Frage, ob die Zeitumstellung da nichts ausmache, wird meistens abgetan. Aber wenn hier die Zeit umgestellt wird, dann soll es so ein Problem sein? Mimimimi!

Eine Freundin ist Landwirtin, da sie weiß, wann die Zeit umgestellt wird, kann sie ein paar Tage vorher anfangen, ihre Tiere daran zu gewöhnen und die Fütterung etc. 5 Minuten anpassen. Nach eigener Aussage ist das für die Tiere kein Problem. Sie reagieren eher auf den Menschen mit dem Futtereimer als auf die exakte Uhrzeit, 5 Minuten eher ist da absolut kein Problem.

Und was das Umstellen der Uhren angeht: Die allermeisten Geräte stellen sich automatisch um: Der Computer bezieht seine Zeit aus dem Internet oder weiß die Umstelldaten und stellt sich bei Offline-Betrieb selbst um. Mobilgeräte wie Smartphones etc. beziehen die Uhrzeit vom Netzbetreiber. Auch unser Funkwecker stellt sich um.
Nach jeder Umstellung gehe ich einmal durch meine Wohnung und kontrolliere die Uhren, die Uhren, die einen kleinen Schubs brauchen, bekommen ihn. Dauert keine 5 Minuten. Dafür habe ich — gerade im Hochsommer — deutlich mehr Lebensqualität, für die ich dankbar bin.

Und Menschen, die mit so wenig Veränderung so große Probleme haben, sollten auch nie den Kalender um einen Tag weiterstellen. Oder sich beerdigen lassen. Da gibt es dann Ewige Ruhe und keine Zeitumstellung mehr.

Meine Erfahrungen mit Fiensmecker „Hot Peach“

Ich mag es ja gerne scharf. Und ich bin neugierig. Als ich vor ein paar Tagen im großen Einkaufsparadies war, entdeckte ich „Hot Peach“ aus der „Black Edition“ von Fiensmecker. Das klang vielversprechend um es trotz des hohen Preises von 4,99 Euro mitzunehmen.

„Hot Peach“ aus der „Black-Edition“ von „Fiensmecker“

Zuhause dann ein erstes Verkosten: Wow, die Sauce beginnt pfirsich-süß, um dann nach wenigen Sekunden in eine interessante Schärfe überzugehen. Schmeckt wunderbar zu Fleisch, Kochschinken, aber auch zu Käse.

Nach wenigen Tagen jedoch eine unangenehme Überraschung: Die Sauce ist mir verschimmelt, obwohl ich sie im Kühlschrank aufbewahrt hatte. Eklige Schimmelbilder erspare ich meinen Lesern.

Das finde ich etwas sehr ungewöhnlich und nehme Kontakt zum Hersteller auf. Nach einem Tag bekomme ich eine Antwort. Das erfreut mich. Der Inhalt der Antwort erfreut mich weniger, teilt man mir doch mit, dass die Pfirsich-Sauce nach dem Öffnen sehr schnell reagiere. Generell gelte, dass die Sauce nach dem Öffnen im Kühlschrank zu lagern sei und binnen 3 Tagen zu verbrauchen sei.

Ich sehe mir die Verpackung genauer an:

Dass man die Sauce nach dem Öffnen kühl (also im Kühlschrank) lagern soll, ist deutlich zu lesen. Dass die auch dann nur sehr kurz haltbar ist und binnen 3 Tagen zu verbrauchen sei, steht dort leider nicht.

Mein Fazit:
Ist die Sauce lecker? Oh ja, sogar sehr!

Werde ich die Sauce erneut kaufen? Definitiv nicht!

Kann ich die Sauce empfehlen? Nein, es sei denn, man weiß vorher, dass man sie binnen 3 Tagen verbraucht.

Smartmeter und warum sie keine so gute Idee sind

Pünktlich zum Jahreswechsel, meistens ein paar Tage oder Wochen vorher, werden die Zähler für Gas, Wasser und Strom abgelesen. Da kommt dann ein Ablesemensch vorbei, erwischt einen nicht, weil man ja tagsüber arbeiten ist und wirft einem dann einen Zettel in den Briefkasten, auf dem man dann bitte die Zählerstände selbst erfassen und den Wisch dann zurücksenden möge.

Ach, wie praktisch wäre es, passierte das automatisch. Wirklich?

Nun, so praktisch es einem erscheinen mag, wenn sich der Zähler selbst abliest und das Ergebnis nach Hause „telefoniert“, er ergeben sich durch den Einsatz von sogenannten Smartmeter auch viele Risiken. Welche genau, wollen wir am Beispiel eines intelligenten Stromzählers diskutieren.

Klassische Stromzähler sind funktionierende Low-Tech.
Konstruktionsbedingt zählen sie den Strom, den (m)ein Haushalt verbraucht. Dafür brauchen sie keine extra Energie. Ein Smartmeter ist jedoch ein kleiner Computer, der meinen Strom misst. Und ein Smartmeter braucht Strom. Nicht viel, aber er braucht. Und in Zeiten, in denen sich Haushalte wie meiner überlegen, wie und wo sie noch ein paar Watt einsparen können. Und wenn wir mal überlegen, wieviele Stromzähler es in Deutschland gibt und das dann mit der Leistungsaufnehme multiplizieren, dann kommt da doch eine ganze Menge heraus. Wofür? 

Smartmeter erfassen Daten.
Ach! Ich meine nicht die Daten über den gesamten Stromverbrauch eines Jahres. Sie erfassen den Stromverbrauch sehr viel genauer. Theoretisch sollen sie den Verbrauch alle 15 Minuten erfassen und melden. Theoretisch. In der Praxis lässt sich sehr genau erfassen, was der Mensch so macht. Recht schnell lässt sich der Kühlschrank als Stromverbraucher erkennen. Und dann lassen andere Verbraucher Rückschlüsse auf mein Verhalten zu. Läuft die Heizung? Läuft der Fernseher? Misst man genau genug, dann lässt sich sogar das eingestellte Programm erkennen. Entsprechende Demonstrationen, dass anhand des momentanen Stromverbrauchs das aktuell gesehene Programm erkannt werden kann, fanden bereits statt. Möchte ich meinem Stromanbieter mitteilen, welches TV-Programm ich gerade konsumiere?

Ein altes Sprichwort sagt: „Wo der Trog ist, kommen die Schweine…“, wo viele — es sind dann mehr als genug — Daten anfallen, wecken diese Daten Begierlichkeiten. Plötzlich wollen allerlei Behörden genaue Daten haben, wenn wer wieviel Strom verbraucht. Und wieder ein stück Überwachung mehr.

Smartmeter übermitteln Daten.
Sicher ist, dass man Smartmeter einsetzt, um den Verbrauch zentral auswerten zu können. Der Stromanbieter will genau wissen, wann wieviel Strom verbraucht wird.
Nun, das geht schon heute. Der Stromanbieter weiß ja, wieviel Strom gerade abgenommen wird.
Mit Smartmetern werden Daten pro Kunde in häufigen Abständen an den Stromanbietern übermitteln. Nun sind Stromnetze (damals) dafür konzipiert worden, Strom zu übertragen und nicht mehr. Dass Daten von einer Verbrauchsstelle zurück zum Stromanbieter übertragen werden sollten, war nicht vorgesehen worden.
Nun kann man — moderne Technik macht’s möglich — Daten vom Stromzähler auch wieder zurück zum Anbieter zurück übertragen. Allerdings muss man dazu einigen Aufwand betreiben. Entweder jeder Smartmeter hat ein Mobilfunk-Modul eingebaut und „telefoniert“ die Ergebnisse nach Hause oder die Daten werden als Signale in das allgemeine Stromnetz eingespeist und dann an zentraler Stelle abgegriffen und ausgewertet.
Das klingt nicht nur kompliziert, das ist es auch. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Daten über meinen Stromverbrauch nicht in fremde Hände geraten sollten, denn die Details meines Stromverbrauchs geben Dritten sehr genaue Auskünfte, was ich gerade zu Hause mache und ob ich gerade zu Hause bin.
Ich kann mich natürlich darauf verlassen, dass mir der Stromanbieter versichert, dass das System sicher gegen Missbrauch ist. Doch verhaftet im Fall des Falles? Der Stromanbieter wohl kaum.

Smartmeter ermöglichen dynamische und damit intransparente Preismodelle.
Mit „dummen“ Stromzählern ist die Stromrechnung recht einfach: Kunden zahlen einen Fixpreis für den Anschluss samt Stromzähler und dann zahlen sie den Verbrauch. Wer will, kann den Verbrauch quartalsweise, monatlich, wöchentlich oder täglich von seinem Stromzähler ablesen und dann selbst ausrechnen, wie hoch die Stromrechnung wohl ausfallen wird. Haben Kunden nicht einen Preis pro Kilowattstunde „verkauften“ Strom, so gibt es für jeden Tarif (zum Beispiel für verbilligten Nachtspeicherstrom) einen einzelnen Zähler und der Kunde kann durch Ablesen der Zähler seinen Verbrauch und den Preis der (einzelnen Teil-)Rechnung(en) genau abschätzen.
Mit Smartmetern lassen sich sehr dynamische Preismodelle umsetzen: Ist die Nachfrage nach Strom groß, ist der Preis hoch, ist die Nachfrage niedrieg, sinkt auch der Preis. So kann ein Stromanbieter Anreize schaffen, energieintensive Verbraucher nicht gerade zu Spitzenzeiten laufen zu lassen. Das klingt doch erstmal nach einem intelligenten Ansatz, oder?
Nun, wenn der Stromzähler nur noch ein Smartmeter ist und den aktuellen Verbrauch an den Stromanbieter meldet, der aus momentanem Preis und momentanen Verbrauch den Gesamtpreis berechnet, wie kann der Verbraucher sicher sein, dass da keine „Fehler“ zu seinen Lasten passieren?
Den „dummen“ Stromzähler kann der Stromanbieter nicht mal eben von manipulieren, wollen wir uns darauf verlassen, dass dem Stromanbieter keine „Fehler“ passieren oder dass keine bösen Hacker die Daten auf dem Weg vom Smartmeter zum Stromanbieter manipulieren?

Smartmeter ermöglichen zusätzliche Funktionen, auch zu Lasten des Kunden.
Die Welt ist manchmal böse. Es gibt Kunden, die „vergessen“, ihre Stromrechnung zu bezahlen. Oder können nicht bezahlen. Oder wollen nicht bezahlen. Kommt alles vor. Als Ultima Ratio kann der Stromanbieter dann den Stromabstellen. Dazu kommt dann ein Mensch zu uns und klemmt uns dem Strom physisch ab und versiegelt dann den Strom- bzw. Sicherungskasten. Strom gibt es dann erst wieder, wenn sich der Kunde mit dem Stromanbieter geeinigt hat und zahlt. Oder zumindest Ratenzahlung vereinbart. Das ist für alle Beteiligten doof:
Der „Sperrkassierer“, so heißen diese Menschen im Deutsch der Stromanbieter, muss zu Kunden fahren und den Strom abstellen. Das ist Aufwand und erzeugt Kosten. Kosten die der Kunde zu zahlen hat.
Wenn der Strom wieder angeschaltet werden soll, muss wieder der Sperrkassierer anrücken. Wieder Aufwand, wieder Kosten.

Wäre es da nicht schön, könnte das Smartmeter diese Funktionen gleich miterledigen?
Klingt zunächst nach einer tollen Lösung, die Aufwand und Kosten erspart. Und nun stellen wir uns mal vor, dass es bösen Hackern gelingt, gefälschte Abschaltsignale in das Stromnetz einzuspielen und einzelne Kunden vom Netz zu nehmen. Oder gleich ein paar Kunden mehr. Oder (fast) alle Kunden. Nach wenigen Stunden ohne Strom ist der Inhalt des Tiefkühlschranks unbrauchbar. Wer haftet dann für diesen Schaden? Der Stromanbieter wird jede Schuld von sich weisen, denn er hat ja kein Anschaltsignal gesendet.

So alles in allem bin ich mit meinem alten Stromzähler ganz zufrieden und möchte mich nicht auf das Abenteuer Smartmeter einlassen.
In der Theorie mag das alles ganz toll klingen, aber aus meiner Sicht überwiegen die Nachteile und der mögliche Missbrauch.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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