Archiv für Juni 2019

Fridays for (No) Future

Es fing irgendwann letztes Jahr an, dass junge Menschen freitags demonstrierten, um auf den Klimawandel und seine Auswirkung für die menschliche Zukunft aufmerksam zu machen. Eine gute Idee, wie ich finde. Allerdings ist nicht jede gute Idee auch gut umgesetzt. Schnell gibt es Kritik. Manche Kritik ist dumm und unsachlich, manche Kritik durchaus berechtigt und nicht so einfach zu entkräften. Sehen wir uns ein paar Kritikpunkte mal an.

Ihr demonstriert doch nur, damit Ihr die Schule schwänzen könnt…

Nun, dieser Punkt ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Bereitschaft von Schülern, innerhalb der Unterrichtszeit zu demonstrieren und nicht außerhalb war schon höher, als man noch gegen Notstandsgesetze auf die Straße ging. Natürlich könnten sich die Schüler auch nach Unterrichtsschluss zur Demo versammeln und so diesen Kritikpunkt aushebeln, aber wäre ihr Anliegen dann noch mit soviel medialer Aufmerksamkeit gesegnet? Wohl kaum.

Eure Kritik ist verlogen, denn auch Euer Verhalten zerstört die Umwelt mehr als nötig… Ihr wollt auf Klassenfahrt nach Malle fliegen, Ihr wollt jedes Jahr ein neues Smartphone, immer die neuesten stylischen Klamotten…

Auch dieser Punkt ist nicht unberechtigt. Wer sich für etwas einsetzt und von anderen Menschen fordert, das jeweils eigene Verhalten zu ändern und sich unter Umständen erheblich einzuschränken, der wird auch daran gemessen, wie sich eigenes Verhalten und eigene Ansprüche verhalten. Die Klassenfahrt kann auch mit dem Fahrrad von Zeltplatz zu Zeltplatz führen. Kunst und Kultur gibt es auch hierzulande. Na klar, wer sich Pompeji ansehen will, kann das eben nur in Pompeji machen. Und die Nachmittage zur „Selbsterkundung lokaler Kultur“ werden dann meistens irgendwo am Strand oder mit Party verbracht…
Und natürlich ist ein Smartphone ein tolles Gerät, um sich mal eben und auch von unterwegs aus zu informieren. Muss es aber unbedingt immer das neueste und schickste Gerät sein? Bei guter Behandlung hält ein Gerät deutlich länger als die Zeit, bis der Provider zum Vertrag ein neues Gerät rausrückt. Wie wäre es da mit Verzicht? Immerhin wird eben jener Verzicht von den „Erwachsenen“ eingefordert.
Muss man immer den besten, schnellsten und geilsten Laptop haben? Reichte nicht auch ein PC der nur in der mittleren Leistungsklasse spielt und der gebraucht erworben wurde?
Und auch was die eigene Kleidung angeht, wird oft lieber auf Konsum statt auf Nachhaltigkeit gesetzt. Dass wir in einer Gesellschaft leben, die einen Menschen abwertend ansieht (und behandelt), wenn die Jacke offenbar beschädigt und wieder instandgesetzt ist, ist nicht die Schuld junger Menschen. Große Ausnahme sind die Klamotten, die (für einen erheblichen Aufpreis) schon mit „Schäden“ wie aufgerissenen Knien geliefert werden.

Ihr habt doch (noch) keine Ahnung davon, wie die Welt, die Wirtschaft, die Wissenschaft funktionieren.

Natürlich haben die jungen Menschen das nicht. Aber dieser Punkt ist billig. Woher sollen Menschen, die noch keinen Schulabschluss haben, keine Berufsausbildung, keine Lehre, kein Studium, keine jahrelange Erfahrung in (großen) Firmen, denn wissen, wie die Dinge laufen? Sie sehen nur, dass die Dinge eben nicht gut laufen. Und weisen darauf hin, dass die Dinge nicht gut laufen. In der Sprache, die sie sprechen. Und das ist eben nicht die Sprache eines Nobelpreisträgers.
Auch Nobelpreisträger weisen auf Dinge wie Klimaveränderung hin. Hört man denen zu?

Euer Schulschwänzen wird noch Konsequenzen haben…

Dieser Kritikpunkt ist nicht unberechtigt. Wer die Schule schwänzt, um an einer Demonstration teilzunehmen, der bekommt Fehlstunden angerechnet. Und ab einer gewissen Anzahl Fehlstunden gilt ein Kurs dann eben als nicht bestanden. Das kann zu einer „Ehrenrunde“ (also Sitzenbleiben) führen. Oder dazu, dass es den gewünschten Schulabschluss eben nicht geben wird.

Ihr verbaut Euch Eure eigene Zukunft…

Diesem Kritikpunkt kann man entgegnen, dass dieses die Generation der jetzigen Politiker und Unternehmensbosse tun. Touché!

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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