Archiv für Februar 2020

Geniales Gender-Gaga

Als Mensch, der in der Schule (in Latein) den Unterschied zwischen Genus und Sexus gelernt hat, halte ich wenig von gegenderter Sprache. Ich habe gelernt, dass ein generisches Maskulinum auch Frauen (und andere Menschen) beinhaltet. Ich muss (und möchte) auch nicht jeder meiner Wörter:innen mit sprachlichen Verhunzungen_innen verschlimmbessern.

Wenn ich „Der Mensch“ sage, dann meine ich alle Menschen. Ob nun Männlein, Weiblein, die Menschen dazwischen, die sich nicht so ganz in diesen Schubladen festlegen können oder wollen. Soweit, so klar. Nur leider nicht allen Menschen:innen.

Das erinnert mich an eine Geschichte, die lange genug her ist, um verjährt zu sein: Irgendwann ruft mich jemand an, die Verzweiflung ist deutlich in der Stimme zu hören. Da soll eine Arbeit für die Uni abgegeben werden. Abgabeschluss ist Montag 12:00 Uhr. Also der Folgetag.

Du kennst Dich doch auch mit der Materie aus, kannst Du da etwas beisteuern? Ich komme einfach nicht auf die geforderte Seitenzahl. Ich habe schon mit der maximal erlaubten Schriftgröße und Formatierung getrickst, aber…

Ich las mir die Arbeit durch. Er hatte alle relevanten Punkte behandelt. Nur eben maximal knapp und oberflächlich. Mit genügend Aufwand und hätte man da viel mehr erreichen können. Aber manchmal hat der Student einfach keinen Bock mehr, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Kennt jeder, der mal eine Arbeit zu einem ungeliebten Thema schreiben musste.

Gib mir eine Stunde, dann kommst Du auf die geforderte Seitenzahl…

Am Telefon war zu hören, wie jemand ein Stein vom Herzen fiel. Da ich in der Materie nicht genug drin war, um in der Sache etwas zu schreiben, musste eben getrickst werden. Da an der Formatierung nichts mehr zu machen war, mussten eben andere schmutzige Tricks her.

Immer wenn ein generisches Maskulinum verwendet wurde, wurde es durch beide Geschlechter ersetzt. Damals waren weder Gender-Sternchen noch Gender-Doppelpunkt noch Binnen-I bekannt. Stattdessen gab es die volle Nennung, liebe Leserinnen und Leser. Also wurde aus „Der Benutzer“ dann „Der Benutzer oder die Benutzerin“. Und das konsequent durch die ganze Arbeit. Globales Suchen und ersetzen blähte die Arbeit im Handumdrehen auf. Inhaltlich blieb es beim Status Quo, aber die geforderte Seitenzahl wurde nicht nur erreicht, sie wurde auch noch übertroffen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Genossen und Genossinnen, liebe Freunde und Freundinnen.

Irgendwann später bekam ich eine Rückmeldung, dass die Arbeit nicht nur bestanden wurde, es hab auch eine lobende Erwähnung der Sprache. Sic Transit Gloria Mundi…

Tierisches Understatement

Wieder mal kam ich in ihr Büro. Ich war sicher, dass sie mich diesmal nicht auf den Arm nehmen könnte. Und es auch nicht versuchen wollte. Ich stand an ihrem Schreibtisch, als mich etwas sanft anstubste. Ich sah an meinem Bein herunter. Die Kollegin bemerkte es und an sah von ihrem Bildschirm auf und sah zur mir. Als sie erkannte, dass mir die Situation nicht unangenehm war, schenkte sie mir ein Lächeln und klärte mich auf:

Ich musste heute mal meine Hündin mitnehmen, ich wollte eh nicht lange im Büro bleiben, sie stört ja nicht und so haben wir wenigstens eine intelligente Blondine hier im Büro…

Ich schenkte der Golden Retriever-Hündin dann ein Lächeln…

Die Kollegin hat Abitur, eine Ausbildung gemacht, dann erfolgreich studiert, wurde dann promoviert… Und sie beherrscht die Kunst des tierischen Understatements…

Ungeahnte Talente

Eine Bekannte meldete sich bei mir. Sie komme demnächst dienstlich nach Hamburg und suche jemanden, der sich mit ihr treffen möchte und ihr etwas von Hamburg zeigen wolle.

Bekanntlich hat Hamburg als eine der beiden Deutschen Weltstädte viel zu bieten. Je nach Dem, wonach einem so der Sinn steht, von Kunst und Kultur, Geschichte und und und, egal, was es sein soll, man findet es in Hamburg. Also fragte ich, welche Richtung es denn so sein sollte.

Und — natürlich — stand auf ein Besuch auf dem Kiez, der Reeperbahn und des angrenzenden Vergnügungsviertels auf der Wunschliste. Bekanntlich gibt es auf dem Kiez allerlei interessante Angebote, je nach eigenen Vorlieben. Entsprechend waren meine Rückfragen, welche Blume aus dem bunten Strauß denn interessant sei und welche eher nicht. Manche Frauen wollen zum Beispiel in einen Table-Dance-Laden, manche eher nicht, also fragt man besser vorher.

Und schnell entwickelte sich folgende Unterhaltung:

Ich: „Möchtest Du Dir auch einen Table-Dance-Laden ansehen?“

Sie: „Da sehe ich nichts, was ich nicht schon kenne… Wenn ich einer Frau beim Ausziehen zusehen möchte, kann ich mich auch zu hause vor dem Spiegel stellen…“

Ich: „Aber die kann das besser und erotischer…“

Sie: „Hast Du eine Ahnung… Vielleicht habe ich ein paar Talente, von denen Du nur noch nichts weißt…“

Mir fehlten dir Worte…

Nachtrag zu Smartmetern / Intelligenten Stromzählern

Ich wurde gebeten, das mit den Stromzählern genauer auszuführen und warum ich nicht so begeistert davon bin, etwas. Dieser Bitte komme ich gerne nach. Hier ist der Link zum alten Artikel.

Eine kurze Zusammenfassung: Herkömmliche Stromzähler, oft als Ferraris-Zähler ausgeführt, zählen den Stromverbrauch. Und am Ende einer Abrechnungsperiode kommt ein Ableser und liest den Zählerstand ab. Manchmal lesen wir den Zählerstand auch selbst ab und übermitteln ihn an den Stromanbieter.

So weit, so gut, so idioten- und missbrauchssicher.

Mit intelligenten Zählern ist viel mehr denk- und auch machbar: Denkbar ist, dass der Zähler nicht nur (den aufsummierten) Stromverbrauch aufzeichnet, es ist auch möglich, den aktuellen Verbrauch zu übermitteln. Dieses kann in festgelegten Intervallen, zum Beispiel alle Viertelstunde, passieren. Oder auch immer dann, wenn sich der Verbrauch ändert.

Und wo ist da nun das Problem?

Der Stromanbieter versichert uns doch, uns nicht zu überwachen und die Daten zu schützen nicht zu missbrauchen. Ganz genau. Und genau wie wir uns darauf verlassen konnten, dass der Automobilhersteller keine illegale Abschalteinrichtung in die Abgasreinigung unseres Autos einbaute, können wir uns auch darauf verlassen, dass…

Wer garantiert uns, dass unsere Daten nicht im Sekundentakt ausgelesen werden? Wer garantiert uns, dass die Daten nicht an Dritte gelangen? Also nicht nur als fluffiges Werbeversprechen? So richtig als harte Garantie, bei der es richtig wehtut. Es muss ja nicht gleich um Leib und Leben des Geschäftsführers gehen. Eine deutliche(!) Geldbuße reicht ja durchaus.

Niemand! Das wird uns niemand garantieren.

Und was wäre daran so schlimm? Hier möchte ich etwas ausholen. Unser Stromverbrauch sagt sehr viel über uns und unser Leben aus. Sehen wir uns an, was für Verbraucher wir haben und wie und wann sie Strom verbrauchen.

Wir haben Verbraucher, die immer(!) Strom verbrauchen. Das sind „Kästchen“ wie Radiowecker, DSL-Router, TV-Box und andere Geräte, die wir nie ausschalten. Die Uhr im Herd, die Steuerung der Heizung und und und. Nennen wir sie Verbraucher der Kategorie 1. Der Stromanbieter weiß, dass wir einen gewissen Grundverbrauch haben.

Dann haben wir Verbraucher, die immer wieder anspringen, für eine gewisse kurze Zeit laufen, wieder Pause machen, dann wieder laufen. Typische Vertreter sind (Tief-) Kühlschrank und Heizung. Es ist wenig Aufwand, diese Geräte recht schnell aus den gemessenen Daten herausfinden. Je nach Jahreszeit und Temperatur springt ein Kühlschrank nachts alle x Minuten an. Als lokaler Stromanbieter weiß ich, wie warm es in meinem Versorgungsgebiet ist und kann so den Kühlschrank an seinem periodischem Verhalten erkennen. Ähnliches gilt auch für die Heizung. Und andere periodisch anspringende Geräte. Nennen wir diese Geräte Verbraucher der Kategorie 2.Hier erfährt der Stromanbieter, dass wir solche Geräte haben und nicht so sehr viel mehr.

Dann haben wir Geräte, die sehr präzise verraten, was wir gerade machen. Wenn morgens der Wecker klingelt, stehen wir auf. Machen Licht an, kochen Kaffee, duschen uns, putzen Zähne, benutzen den Toaster. Der Stromanbieter erfährt also, wann wir aufstehen. Und mit etwas Magie und viel Big Data kann man auch herauslesen, wie viele Personen geduscht und Zähne geputzt haben. Und auch wie viel Kaffee gekocht wurde.

Wird dann kein Strom mehr verbraucht bzw. nur noch der Strom aus den Kategorien 1 und 2, dann kann der Stromanbieter erkennen, dass niemand mehr im Haus ist.
Was geht den Stromanbieter das an?

Ebenso kann der Stromanbieter auch erkennen, wann wir wieder nach Hause kommen. Jeder Bewohner der Wohnung, de nach Hause kommt, wird den Stromverbrauch etwas erhöhen, weil Fernseher, Computer, Spielekonsole oder Licht eingeschaltet sind.
Was geht den Stromanbieter das an?

Gehen wir schlafen, schalten wir PC, Fernseher, Licht und sonstige Geräte aus, das kann der Stromanbieter das auch erkennen. Was geht den Stromanbieter das an?

Übrigens: Ist die Messung des Stromverbrauchs nur genau genug, dann kann der Stromanbieter auch herausfinden, welches Programm wir im TV sehen, der Stromverbrauch hängt von der Helligkeit des Bildes ab, dementsprechend schwankt der Stromverbrauch unseres Fernsehers. Etwas mehr Magie und Big Data und die Kenntnis ein paar TV-Programme als Vergleich und unser Stromanbieter kennt unseren TV-Konsum.
Was geht den Stromanbieter das an?

Angeblich sind unsere Daten sicher.
Angeblich wird mit den Daten kein Missbrauch getrieben.
Angeblich waren aber auch unsere Diesel sauber.

Kann man alles glauben.

Warum also nun eine Infrastruktur schaffen, die erst (unnötige) Daten erhebt, die dann missbraucht werden können?

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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