Archiv für Mai 2020

„Ortung“ mit den Chips in Personalausweisen

Einer guten Freundin sollte ein Bär aufgebunden werden. Aber vielleicht glaubte auch jemand selbst den Mist, den er ihr da erzählte. Ich hatte ihm dann am Telefon die Dinge erklärt, aber auch versprochen, hier das Ganze etwas ausführlicher zu erklären.

Worum ging es? Der eigentliche Vorwurf lautete

Mit den Chips in unseren Personalausweisen kann uns die Regierung jederzeit per GPS orten und herausfinden, wo wir sind, denn die Ausweise senden unseren Aufenthaltsort

Ja. Hat offenbar jemand sehr ernst gemeint. Hier also ein paar Grundlagen zum Thema Ortung und Positionsbestimmung.

Wie findet man heraus, wo man ist?

Machen wir es uns mal etwas einfacher und denken uns die Erde als eine Scheibe. Nein, ich habe mit der Flach-Erde-Theorie nix am Hut, aber im Nahbereich kann man die Erdkrümmung vernachlässigen.

Wir brauchen dazu „Landmarken„, also prägnante Objekte, deren (genaue) Position wir wissen. Oder aus einer Karte ablesen können. Und wir brauchen einen Kompass, mit dem wir eine Landmarke anpeilen können und so den Winkel zwischen Norden und der Landmarke bestimmen können.

Nun kommt etwas Mathematik ins Spiel. Wir rechnen den Gegenwinkel aus. Dazu nehmen wir den gepeilten Winkel unseres Kompass und addieren (subtrahieren) 180° und erhalten dann den Winkel, in dem mal von der Landmarke zu uns sehen kann. Das tragen wir mit einem Strich in die Karte ein. Wir wissen nun also, dass wir uns irgendwo auf dieser Linie befinden. Aber wo?

Nun kommt eine weitere Landmarke ins Spiel, die wir nach dem selben Prinzip anpeilen, wieder den Gegenwinkel berechnen und dann in die Karte einzeichnen. Dort, wo sich die Striche kreuzen, da sind wir. Und wer Lust hat, peilt weitere Landmarken an, um Messfehler auszugleichen und eine höhere Genauigkeit zu erreichen,

Nun ist die Erde aber keine Scheibe sondern (einigermaßen) kugelförmig. Und Anpeilen von Landmarken funktioniert nur dort, wo ich sie noch sehe. Für eine (genaue) Positionsbestimmung, beispielsweise in der Wüste oder auf See, braucht man etwas anderes.

Und hier kommen Satelliten ins Spiel. Sie umkreisen die Erde und festgelegten Bahnen und haben präzise Uhren an Bord. Wozu das? Die Satelliten senden zwei Signale: Einmal ihre (präzisen) Bahndaten und die (genaue) Uhrzeit.

Ein Empfänger am Boden empfängt einen Satelliten und bekommt die Uhrzeit. Da das Funksignal sehr schnell ist (300.000 Km/s), können wir die Laufzeit des Signals vom Satelliten zu uns vernachlässigen.

Empfängt der Empfänger zwei Satelliten, dann kann er daraus mehr Daten gewinnen. Der Empfänger muss die Bahndaten auswerten und aus der gemessenen Zeitdifferenz der Signale Position berechnen. Empfängt der Empfänger drei oder mehrere Satelliten, so kann auch die Höhe über Normal Null berechnet werden.

Soweit die Theorie. Nun zur Praxis. Kann man solche Empfänger in „klein“ bauen? Ja, kann man. Was früher noch mehrere mannhohe Schaltschränke füllte, ist heute ein winziger Chip, der in jedem (modernen) Handy steckt. Klein genug, um so etwas in einem Personalausweis zu verstecken? Ja, sehr wahrscheinlich.

Aber? Empfang des reinen Signals kostet Strom und das Ausrechnen der Bahndaten und die Ermittlung der genauen Position kostet Rechenleistung, also auch wieder Strom. Nicht ganz so wenig.

Jeder kann man einen Test machen. Handy voll laden und auf dem Tisch liegen lassen und nicht telefonieren. Einmal den Test mit eingeschaltetem GPS und Ortungsdiensten und einmal mit ausgeschaltetem GPS. Der Unterschied in der Laufzeit ist deutlich messbar. Positionsbestimmung braucht also Strom.

Und wie sendet man seine Position zurück?

Natürlich kann man (s)eine bekannte Position mit den genauen Koordinaten senden, damit man gefunden werden kann. Dazu braucht man entsprechende Funktechnik. Und Sendeleistung. Und je weiter das Ortungssignal reichen soll, desto größer muss die Funktechnik und die Sendeleistung sein. Und beides braucht Strom. im Zweifel viel Strom.

Und woher soll der Strom kommen?

Wie oft müssen wir unsere Handy aufladen? Jeden (zweiten) Tag. Und wie lange dauert das? Viele Minuten bis wenige Stunden. Und woher kommt nun bei einem Personalausweis, der eine Gültigkeit von 10 Jahren hat der Strom? Ohne Aufladen?

Aber bei meinem Funkwecker funktioniert das ja auch… Da hält die Batterie auch jahrelang.

Wie groß (und schwer) ist die Batterie bei einem Funkwecker? Ganz schön, verglichen zu Größe und Gewicht eines Personalausweises. Entscheidend ist aber der Unterschied in den Funktionen. Ein Funkwecker hat einen Funkempfänger und eine Quarzuhr. Wird eine Batterie eingelegt, meldet die Quarzuhr, dass die nicht weiß, wie spät es ist. Daraufhin wird der Empfänger eingeschaltet. Er lauscht dann dem Funksignal, bis er Uhrzeit (und Datum) empfangen hat, übergibt die Daten dann der Quarzuhr und wird abgeschaltet, um Strom zu sparen. Ab und zu wird der Empfänger eingeschaltet, um die Uhrzeit der Quarzuhr zu überprüfen und sie nachzustellen. Eine Sendefunktion findet nicht statt. Deswegen kann eine Batterie im Funkwecker jahrelang halten.

Ein Personalausweis hat keine Batterie, keinen Strom, kann kein GPS-Signal empfangen und keinen Standort senden.

Wozu dann der Chip im Personalausweis?

Damit werden Eure Gedanken kontrolliert, wacht bloß nicht auf, ihr Schlafschafe 😉

Viel bessere Möglichkeiten der Ortung…

Was könnte man nehmen, um Menschen wirklich fast immer und überall orten zu können? Was braucht man dazu? Einen eingebauten GPS-Empfänger, so wie in einem Handy. Und eine Möglichkeit, Daten über den eigenen Standort an ein Netz zu senden, so wie beim Handy. Und man müsste dafür sorgen, dass sich die Menschen „nackt“ fühlen, wenn sie das Ortungsgerät nicht dabei haben, so wie beim Handy. Und wegen des relativ hohen Energiebedarfs, müssten die Menschen das Ortungsding dauernd laden, so wie ein Handy.

Hmmm, was könnte man den Menschen nur unterjubeln, damit man sie immer orten könnte? Ich komme einfach nicht drauf… Moment, mein Handy klingelt gerade…

Wenn Langeweile zu Aufregungen führt

Viele Menschen sitzen derzeit freiwillig oder unfreiwillig zu Hause. Manchmal auch in zwangsweiser Quarantäne. Und haben dann Langeweile. Und sehen das Internet leer, sehen Youtube, sehen Instagram.

Und manchmal fallen einem dazu Sachen ein. So auch Oliver Pocher. Der machte sich über Influencer lustig. Was die Betroffenen nun so überhaupt nicht lustig finden.

Kann man verstehen (wollen). Muss man aber nicht verstehen.

Was sind Influencer? Bei Wikipedia finden wir eine (wie ich finde) recht gelungene Definition. Es geht also darum, den eigenen „Ruhm“ oder eher die eigene Berühmtheit in sozialen Medien gewinnbringend zu vermarkten und andere Menschen zu beeinflussen.

Wenn Menschen, die im echten Leben echte Leistungen erbracht haben, (Ihren Ruhm und nun) Dinge vermarkten, dann kann ich das verstehen. Der ehemalige Sportler verkauft nun (in seinem Sportgeschäft) Sportartikel, an deren Entwicklung er (bestenfalls) mitgewirkt hat. Oder ein erfolgreicher (Fernseh-) Koch hat seine eigene Kollektion an Messern, Töpfen usw. Wenn Preis und Leistung nicht im krassen Mussverhältnis stehen, dann ist das wohl okay.

Wenn Menschen, deren „Ruhm“ nur aus (möglichst) vielen Beiträgen in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram besteht, dann eigene Produkte zu (stark) überhöhten Preisen, dafür aber manchmal mit abenteuerlichen „Rabatten“ anbieten oder „Gewinnspiele“ anbieten, mit denen man die Produkte bekommt, dann ruft das auch kritische Geister auf den Plan.

Und Oliver Pocher. Der machte sich dann über diese Influencer lustig und fand dann auch deutliche Worte. Das Influencer:innen dann bitterliche Tränen vor der Kamera verdrücken und sich so von Pocher „gemobbt“ fühlen, weil er so gemein zu ihnen ist, weil er nachweisen wollte (und konnte), dass die „Likes“ und die „Follower“ bei Instagram gekauft sind…

Das erinnert mich an einen ehemaligen Verteidigungsminister, der sich hinstellte und Kritik an seiner Doktorarbeit auch als „abstrus“ darstellte und alle Vorwürfe zurückwies. Wochen später musste er unter Schimpf und Schande das Amt verlassen.

Wer als Influencer:in weder Follower noch „Likes“ kauft und auch keine unseriösen „Gewinnspiele“ macht, gibt auch Kritikern und Oliver Pocher keinen Angriffspunkt. Wer sich aber in sozialen Medien prostituiert und alles für Aufmerksamkeit macht, dem ist wenig zu helfen.

Aber am Ende haben alle gewonnen. Oliver Pocher hat wieder ein „Opfer“ gefunden, auf dem er herumtrampeln kann. Und Influencer:innen können medienwirksam in die Kamera heulen und verkünden, das eigene Profil bei Instagram abzuschalten … um es wenige Stunden wieder online zu bringen. Und die Aktion hat dann allen mehr Follower gebracht.

Man kann über Pocher denken, was man will, genau wie Mario Barth hat er seit Jahren seine Masche gefunden und bedient die Erwartungen seines Publikums. Und das macht er durchaus gekonnt. Dass sein Programm nicht jedem gefällt, ist klar. Man muss sich aber auch nicht als Influencer:in in die Öffentlichkeit stellen und sich möglicher Kritik (oder Verarsche durch einen Oliver Pocher) aussetzen.

Liebe Eltern, bringt Euren Kinder bei, dass eine gute Schulbildung und ein ehrlicher Beruf verhindern, dass man auf dem Social-Media-Strich unter die Räder kommt.

Joko und Klaas und die Männerwelten

Joko und Klaas, zwei Moderatoren beim Fernsensender Pro7, haben gegen ihren Sender 15 Minuten Sendezeit erspielt und konnten senden, was sie wollten. Und haben dann die Sendezeit zur Verfügung gestellt. Gezeigt wurden dann „Männerwelten„, in denen die schlechte Behandlung von Frauen durch Männer gezeigt wurde.

Oh weh!

Was es dort zu sehen gab, war zum Teil sehr sehr beschämend. Männer, was ist los, wenn ihr Frauen ungefragt und ungebeten Bilder von Eurem Geschlechtsteil schickt?

Und wieso muss man Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, schreiben, ob und dann man sie für „fickbar“ (Ausdruck wurde so gebraucht) hält? Oder was man gerne mit den Frauen anstellen würde? Sorry, das geht ü-ber-haupt nicht! (Und das „Sorry“ nehme ich zurück)

Allerdings drängen sich ein paar Fragen auf…

Warum müssen sich Joko und Klaas sich für so ein wichtiges Anliegen überhaupt Sendezeit bei einem Spiel gegen Pro7 erspielen? So ein wichtiges Thema hätte Pro7 auch so mal bringen können.

Und dann eine ganz andere Frage: Wieso bringt das Pro7-Tochterunnetnehmen „Joyn“ dann eine Serie, die „MILF oder Missy“ heißt? Für die, die mit dem Begriff „MILF“ nichts anfangen können, findet sich hier eine Erklärung. Bei „MILF“ geht es also um die „Fickbarkeit“ oder „Fickwürdigkeit“ eine Frau im fortgeschrittenen Alter. Ganz. Große. Klasse!

Genau solche Kategorien wie „Fickbarkeit“ brauchen wir unbedingt im Umgang von Menschen im Allgemeinen oder zwischen Männern und Frauen.

Und wenn wir schon dabei sind. Wieso läuft abends auf Pro7 Werbung für Sexdienstleistungen am Telefon oder per Internet? Natürlich hat die „Studentin“ immer Spaß am Sex und liegt es, als dauergeiles Fickstück dargestellt zu werden.

Nenenene, Pro7, auch 15 Minuten „Männerwelten“ können Euch nicht sauberwaschen. Euch geht es um Geld. Und wenn ihr dabei Sexismus verkauft, dann ist das Eure Entscheidung. Aber dann fühlt Euch nicht auf einmal ganz prima, weil ihr mal 15 Minuten auf sexistisches Verhalten vieler Männer gegenüber Frauen hingewiesen habt.

Und Männer: Überdenkt mal Euer Verhalten. Vielleicht hilft folgender Vergleich:

Stell Dir vor, Du triffst Dich mit einem Kumpel in einer ganz normalen Bar. Ihr unterhaltet Euch ganz normal über ganz normale Themen. Dann betreten ein paar Männer die Bar. Große Männer. Mindestens einen Kopf größer als ihr selbst. Sehr stark aussehend. Sehr muskulös. Sehr böses Gesichtsausdruck, mit dem die Männer Euch ansehen. Und diese Männer unterhalten sich deutlich hörbar darüber, wie geil es wäre, Euch mal anständig durchzuficken. Sie beschreiben in ihren Unterhaltungen sehr präzise, mit welcher Eurer Körperöffnung sie genau was anstellen würden. Fühlt sich das gut an? Fühlt sich das witzig an? Nein?

Aber es setzt vielleicht Denkprozesse in Gang!

Gastronomie in der Krise — Wirklich?

In den Zeiten von Corona und des derzeitigen „Lockdowns“ sind viele Branchen betroffen. Manche davon stecken ein paar Monate Umsatzausfall eher locker weg, andere jammern ganz fürchterlich. Das ist je nach Branche ganz unterschiedlich.

Der Friseur, der ein paar Wochen, eher knappe zwei Monate, Zwangspause hatte, wird die ausgefallenen Haarbehandlungen (Achtung Wortwitz) nicht mal so eben nachholen. Ob mir mein Friseur nun einen oder zwei Zentimeter Haarlänge abschneidet, ist für mich kein Unterschied. Dass ich in den letzten zwei Monaten nicht zum Friseur konnte und mein Geld nicht dort ausgeben konnte, ist für den Friseur schon merkbar. Wenn laufende Kosten für Miete und Personal laufen ja weiter.

Aber zurück zu einer anderen Branche. Derzeit leidet ja auch die Gastronomie. Ein berühmter Fernsehkoch erklärt es sinngemäß so:

Das Steak, das ich in den letzten Monaten nicht verkaufen konnte, werde ich nach Corona nicht doppelt verkaufen können.

Das leuchtet ein. Andererseits bedeutet Corona und der Lockdown eben auch, dass Menschen zuhause sitzen und kaum eine Chance haben, Geld auszugeben. Also nach Corona sitzt bei denen, die nicht von Kurzarbeit betroffen waren, der sprichwörtliche Groschen entsprechend lockerer.

Und dann ist da noch etwas. Gerade in der Gastronomie soll es vorkommen, dass nicht jedes Essen ganz sauber durch die Kasse läuft. Ich erinnere mich da an den einen oder anderen Fall:

Ich war zum Essen eingeladen. Das Restaurant war klein und fein, bot tolle Speisen mit hohem Anteil an Handarbeit, entsprechend waren auch die Preise. Das ist aber okay, denn Qualität kostet. Und der Gastgeber, jahrelanger Hobbykoch, wusste nicht nur Qualität selbst zu schätzen, nein, er hat davon einiges an mich weitergegeben. Wirklich gutes Essen darf nicht nur einiges kosten, es muss sogar einiges kosten, sonst kann die Kalkulation nicht aufgeben. Gute Zutaten und viel Handarbeit bekommt man nicht mal eben so.

Aperitif, Vorspeise, Hauptgang, jeweils mit unterschiedlichem Getränk, dann Nachspeise und dazu noch Kaffee oder Espresso, da kam für drei Personen dann knappe 200 Euro zusammen. War es aber auch absolut wert.

Wie in feinen Restaurants üblich, kam die Rechnung nicht einfach so. Das Restaurant machte es so: Serviert wurde ein Teller, darauf eine Mappe, darin dann die Rechnung. Nein, keine Rechnung. Auf dem Beleg, von der elektronischen Kasse ausgespuckt, stand in fetten Buchstaben KEINE RECHNUNG.

Keine Rechnung? Aber diesen Zettel dann als echte Rechnung präsentieren? Meine Reaktion wäre klar gewesen: Ich hätte den Teller mit der Mappe und keinem Geld zurückgehen lassen. Vielleicht auf den Zettel geschrieben „Keine Rechnung, kein Geld“.

Das Restaurant hätte seinen Fehler (falsche Taste auf der Kasse gedrückt) bestimmt korrigiert und mir eine richtige Rechnung gegeben. Leider war ich nicht der Einladende und er bezahlte dann den Betrag. Ich habe da eine Vermutung, was dann passiert ist:

Das Restaurant hat die Schein-Rechnung ganz sicher nicht in eine echte Rechnung umgebucht, stattdessen wurde die Aufstellung in der Kasse storniert und das Geld schwarz kassiert.

Das Restaurant könnte sich dann demnächst auf eine Betriebsprüfung einstellen, denn der Zettel fand seinen Weg zu befreundeten Finanzbeamten, die sich über solche Hinweise sehr freuen. Wenn Steuerhinterziehung zum Geschäftsmodell gehört, dann sollte man das eigene Geschäftsmodell überdenken…

Oder das Schwarzgeld für schlechte Zeiten bunkern. Dann braucht man auch nicht in Krisenzeiten zu jammern, wie schlecht es einem doch gehe.

Ein anderes Beispiel: Ein amerikanisches Restaurant. Nein, nicht das Bermuda-Dreieck aus McD, BK und KFC, bei denen sich das Kassenpersonal gerne bei „Inhouse“ und „zum Mitnehmen“ an der Kasse verdrückt hatte.

Ich war in einem anderen amerikanischem Restaurant. Die Burger dort sind klasse, die Preise vernünftig, meine Begleitung Finanzbeamtin. Und — Berufskrankheit — achtete sie auf den Bon. Auch dort wieder nur eine unverbindliche Aufstellung. Die Bedienung redete sich damit raus, dass sie ja noch nicht wissen könne, ob wir nicht irgendwelche Rabattgutscheine hätten. Ja, ne, ist klar!

Auch dieser Laden könnte demnächst mal Besuch bekommen, der nicht unbedingt am Essen interessiert ist…

Also liebe Gastronomen, wenn ihr jetzt nach staatlichen Hilfen fragt, dann sollten die so ausfallen, dass auch dabei dann ein gewisser Anteil Schwarzarbeit abgezogen wird. Oder ihr könnt wirklich glaubhaft machen, dass bei Euch niemals auch nur ein Gericht oder Getränk nicht durch die Bücher lief.

Gender-Gaga und Gender-Pay-Gap

Dass ich als Mensch, der (im Lateinunterricht) den Unterschied zwischen Sexus und Genus, also zwischen biologischem und grammatikalischem Geschlecht, gelernt habe, hatte ich mal durchblicken lassen. An er einen oder anderen Stelle.

Nun unterhalte ich mich neulich mit einer Frau:innen/außen, die der Meinung ist, es wäre ja unheimlich richtig, in jedem Bereich gleich viele Frauen wie Männer einzustellen. Das sei ja auch wichtig, weil es immer noch einen Gender-Pay-Gap gebe. Und sowas sei ja schließlich ungerecht.

Die übliche Gegenfrage, ob sie für eine Quote auch damals bei der Wehrpflicht gewesen wäre, weil es ja auch total ungerecht war, dass ich zum Bund musste, meine Schwester jedoch nicht, schien sie zu überfordern. Es kam keine Antwort…

Nun, zum Thema Gleichheit und Gerechtigkeit hat wohl jede:r Mensch:in eine eigene Meinung. Dass die durchschnittliche Frau weniger verdient als der durchschnittliche Mann, ist bekannt. Ist das gerecht?

Eine der möglichen Ursachen liegt darin, dass Frauen gerne in Berufen arbeiten, die mehr Erfüllung, aber weniger Einkommen bringen. Als klassisches Beispiel sei hier die Friseurin genannt. Nichts gegen diesen Beruf, ich mag und achte meine Friseurin sehr. Aber für viele Friseure war die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eine deutliche Gehaltssteigerung.

Wenn man sich ansieht, wie die Geschlechterquote bei Friseuren aussieht, in einer Klasse Friseur-Azubis sind manchmal nur wenige Jungs, manchmal auch kein einziger. Ist das gerecht?

Wenn man sich ansieht, dass Jungs eher zu anderen Berufen tendieren (verdammte sexistische Erziehung) , die dann auch besser bezahlt werden, dann erklärt sich auch ein Pay-Gap. Manche Jungs, die später dann richtig viel verdienen, haben aber auch dafür richtig viel getan:

Sie haben nicht nur Abitur gemacht, weil sie für den Studiengang einen Numerus Clausus bestehen mussten, musste es am besten ein Abitur mit einer 1 vor dem Komma sein. Dann kam vielleicht noch Wehr- (oder Zivi-) Dienst dazu; okay, beides ist heute ausgesetzt…

Vielleicht wurde vor dem Studium noch ein Beruf gelernt. Und dann eben das Studium. Kann bei Medizin schon ein paar Jahre dauern. Und dann ist man Assistenzarzt und schlägt sich im Krankenhaus viele Dienste zu unangenehmen Zeiten um die Ohren. Irgendwann ist man als Oberarzt (oder gar Chefarzt) in einer angenehmen Gehaltsklasse angelangt. Und sitzt in einer eigenen Praxis.

Dass der Chefarzt viel mehr Geld als die Friseurin verdient, leuchtet ein. Er hat dafür auch ein paar Jahre mehr Schule, Studium und Fortbildungen im Beruf machen müssen.

Natürlich kann man daraus nun ein Gender-Pay-Gap machen. Aber auch die Chefärztin verdient mehr als der männliche Friseur. Ist das auch das ein Fall von ungerechtem Gender-Pay-Gap? Nein? Komisch!

Stellen wir uns auch die Frage, ob Gleichheit immer Gerechtigkeit bedeutet. Denken wir uns dazu zwei Personen A und B. Und denken wir uns feste Gehaltsgruppen, so wie im öffentlichen Dienst. Also bekommen beide gleiches Gehalt. Ist doch voll gerecht. Könnte man meinen. Sehen wir uns A und B genauer an. A kommt pünktlich, hat Freude daran, viel zu schaffen. A raucht nicht, ist selten krank. Schafft richtig viel.

B ist eher der lässige Typ, raucht, dehnt dabei seine Raucherpausen gerne auf eine Viertelstunde aus, drückt sich dann in der Kaffeeküche rum, trifft sich zum Tratschen mit Kollegen (und hält diese von der Arbeit ab). B schafft deutlich weniger als A, verdient aber genau soviel. Ist das gerecht?

Denken wir uns nun ein Unternehmen der Wirtschaft und einen Chef, der mit jedem Mitarbeiter ein individuelles Gehalt aushandelt. Denken wir uns wieder A und B. A kennt das Programm, mit dem die Firma arbeitet, A kennt auch viele Kunden, was gut für die Auftragslage ist. A ist selten krank, raucht nicht, trinkt keinen Kaffee. A hat Freude bei der Arbeit, ist ehrgeizig und schafft viel.

B kennt die Programme, die die Firma nutzt, nicht so gut, kennt kaum einen der Kunden, macht gerne (lange) Raucherpausen, ist dafür gerne mal krank oder „krank“. Er arbeitet weder gerne noch gerne in diesem Job oder bei dieser Firma.

Und das alles weiß unser Chef. Und da es keine festen Eingruppierungen gibt, zahlt der Chef A dann auch zehn- oder zwanzigtausend Euro mehr pro Jahr und findet das ganz okay. Immerhin rechnet der Chef aus, welchen Gegenwert er für das Gehalt bekommt. Und der ist bei A eben deutlich höher als bei B. Der Chef findet das gerecht. A auch. Und wenn B wüsste, dass A mehr Gehalt bekommt, dann fände er das wahrscheinlich ganz furchtbar ungerecht.

Nun ändern wir etwas. Gingen wir bislang von Herrn A und Herrn B aus, denken wir und Herrn A und Frau C. Beide sind Nichtraucher, drücken sich nicht lange in der Kaffeeküche rum, haben vergleichbare Erfahrung mit dem Programm und den Kunden. Trotzdem bietet der Chef Frau C weniger Gehalt als Herrn A an. Was könnten seine Beweggründe sein?

Er ist ein „alter, weißer Mann“ und ein sexistisches Arschloch. Ja, könnte sein. Könnte aber auch sein, dass er im Laufe des Jahre gelernt hat, dass Frauen auch dann fehlen, wenn die Kinder krank sind und sie krankheitsbedingt nicht in Kindergarten oder Kita dürfen und Mamas Betreuung nicht zu ersetzen ist. Also rechnet der Chef diese zusätzlichen Fehltage in seine Gehaltsvorstellung ein und hat so ein gutes Gewissen, dass er Herrn A mehr Jahresgehalt als Frau C zahlt. Ist das gerecht? Der Chef findet das schon.

Gut, das waren nun sehr plakative Beispiele. Menschen sind nicht gleich, sie unterscheiden sich in vielen Punkten. Sie auf genau eine Eigenschaft zu reduzieren und daraus dann Schlüsse abzuleiten oder Unterschiede an genau einer Eigenschaft festzumachen, ist einfach, wird aber der komplexen Datenlage nicht gerecht.

Auch wenn es sich am Frauen:innenstammtisch so herrlich darüber reden lässt…

Übrigens: Es gibt nicht nur einen Männer-Frauen-Pay-Gap. Es gibt auch einen Gay-Pay-Gap. Und nein, der schwule Ingenieur verdient nicht weniger als sein heterosexueller Kollege, weil er schwul ist. Er verdient wahrscheinlich genau soviel. Aber der schwule Friseur (Achtung: Klischeefalle) oder der schwule Krankenpfleger (Achtung, erneutes Auftreten der Klischeefalle) sorgen dafür, dass Schwule im statistischen Durchschnitt weniger verdienen als Heteros.

Und auch darüber kann man sich herrlich aufregen. Oder eben Abitur machen, Ingenieur werden und gut verdienen. Wenn man denn will.

Warum wir verloren sind und alle sterben werden…

Manchmal denke ich mir, dass die Menschheit verloren ist und wir alle an (vermeidbarer) Dummheit sterben werden. Klingt nach einer steilen These? Beispiele gefällig? Bitte sehr!

Eine Freundin nutzt (braucht wohl) eine App, die sie daran erinnert, zu trinken. Während eines Telefonats mit ihr bimmelte ihr Handy und sie unterbrach unsere Unterhaltung mit den Worten „Meine App hat mir gesagt, dass ich was trinken muss … kleinen Moment bitte.“

Sie trank dann etwas und wir konnten weiter telefonieren. Aha.

Eine Andere Freundin trägt immer eine (Designer-) Wasserflasche in ihrer Handtasche mit sich herum. Okay, bei einem längeren Spaziergang oder gar einem Marsch durch die Wüste, ist das bestimmt sinnvoll oder gar lebenswichtig. Aber alle 250 Meter in der Fußgängerzone anhalten, an der Wasserflasche nuckeln, einen winzigen Schluck nehmen und dann weitergehen?

Ernsthaft?

Denkt man an die Generation Eurer (Ur-) Großmütter. Die haben morgens getrunken, gingen dann zur Feldarbeit, tranken in der Pause Wasser (aus dem Brunnen). Alle paar Minuten einen Schluck trinken, weil „ich dehydriere sonst…“? Eure Großmütter haben auch bei Sonne Feldarbeit geleistet und konnten sich den Luxus, alle paar Meter oder Minuten einen Schluck zu nehmen nicht leisten.

Und damals trank man, wenn man Durst hatte und nicht wenn einen das Handy — okay, war damals noch nicht erfunden — oder der Wecker daran erinnerte oder erinnern „musste“.

Neulich stand ich in der Schlange an einer Eisdiele an. eine Schlange von ungefähr 100 Metern sieht zunächst sehr lang aus. Aber wenn man bedankt, dass man zwei Meter Abstand zu den Menschen vor sich einhalten sollte, dann relativiert sich die Länge der Warteschlange. Der Eintritt in die Eisdiele war dann immer nur einer Person gestattet.

Direkt hinter mir in das Schlange waren zwei junge Damen. Sie hielten so wenig Abstand, dass sie mich an ihrem Gespräch teilhaben ließen, ob ich wollte oder nicht. Freundliche Hinweise, den gebührenden Abstand zu wahren, überforderten sie offenbar. Sie unterhielten sich darüber, wie es in der Schule nun weitergehen werde.

Ihrem Gespräch war auch zu entnehmen, auf welches Gymnasium sie gingen, also welchen Bildungsabschluss sie anstreben.

Kurze Zeit später kamen dann ein paar andere junge Damen. Man kannte sich aus der Schule, man ging in eine Klasse. Entsprechend herzlich fiel die Begrüßung aus. Maske ab, Küsschen links, Küsschen rechts. Und das jede mir jeder anderen. Dann wieder Masken auf.

Und dass „Immer nur eine Person eintreten“ auch wirklich nur eine Person bedeutet und nicht eine (auf inzwischen vier Personen angewachsene) Gruppe, war offenbar auch zu schwierig für die angehenden Abiturienten.

Den Hinweis des Personals, nur alleine einzutreten und zu bestellen, entgegneten sie mit einem „dann ist mein Eis ja schmolzen, bis die anderen ihr Eis haben…“ ab.

Offenbar war es auch zu kompliziert, dass eine Person für die anderen mitbestellt. Andere Gruppen haben das geschafft. Wie nur?

Also wenn ihr mich fragt, ich glaube, wir sind als Menschheit verloren, wenn sich Dummheit und geistige Fehlleistungen in diesem Maß verbreiten. Aber vielleicht ist das dann kein so großer Verlust?

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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