Der Name der Dose

Heulich beim Einkaufen im Supermarkt viel mir wieder auf, daß sich das Angebot an Getränken verändert hat. Es gibt ja nicht nur seit — Mein Gott, wie die Zeit vergeht — knapp 20 Jahren Red Bull. Mit den sogenannten „Energy Drinks“ hat sich auch noch etwas mehr verändert: Die Verpackung der Getränke.

Die Dose, früher als Umweltverschmutzung gebrandmarkt, ist heute dank Einwegpfand viel zu schade, um sie einfach in den Müll (oder gar die Umwelt) zu werfen. Sie landet im Leergutautomaten und bringt uns die 25 Cent zurück, die wir beim Kauf zunächst bezahlen mußten.

Immer mehr Getränke sind auch in PET-Flaschen verpackt. Die Flaschen sind leicht, wiederverschließbar und damit praktischer als Dosen, die Reste kleckern beim Transport der leeren Verpackung nicht heraus. Gut, das sind Einwegflaschen, aber der Rohstoff läßt sich wiederverwerten oder thermisch verwerten. Klingt schöner als „verbrennen“, bedeutet aber genau das.

Aber zurück zu dem Gedanken, der mich veranlaßt, genau diesen Artikel zu schreiben: Als damals Red Bull aufkam, gab es eine gefühlte Neuerung: Die Dose mit 250ml Inhalt. Die war so groß wie die herkömmlichen Dosen zu 330ml, die wir alle noch kennen, nur eben schlanker. Inzwischen hat sich diese Dosenform offenbar durchgesetzt und immer Getränkehersteller verwenden die schlankere Form. „Ja und?“ könnte man jetzt meinen.

Machen wir einen Kleinen Ausflug in die Mathematik, dann wird klar, worauf ich hinaus will. Keine Angst, ich werde niemanden mit Formeln quälen, versprochen: Wir wollen einen bestimmten Inhalt in eine Blechdose verpacken, soweit so einfach. Damit es einfach bleibt, gehen wir immer von der gleichen Menge Inhalt aus, okay? Welche Form sollte eine Dose haben? Einer kugelrunde Dose bräuchte am wenigstens Blech, ist aber unpraktisch, weil sie immer wegrollt und in der Herstellung ziemlich doof.

Wie gestalten wir unsere Dosenform denn dann? Machen wir ein kleines gedankliches Experiment: Beginnen wir mit einer sehr flachen Dose, damit die unseren Inhalt aufnehmen kann, muß sie dann sehr breit sein. Wir brauchen also viel Blech für Boden und Deckel und einen langen Streifen Blech für den Rand, also ganz schön viel Bleck. Denken wir uns nun eine ganz dünne Dose. Wir sparen viel an Boden und Deckel, brauchen aber viel Rand.

Wenn wir nun ein paar Zwischenformen ausprobieren und dabei immer den Blechverbrauch berücksichtigen, dann kommen wir darauf, daß wir am wenigstens Blech verbrauchen, wenn sie Dose genauso hoch wie breit ist. Diese Form finden wir in der Praxis nie in den Läden, weil sich diese Form mit der Hand schlecht greißen läßt, also macht man die Form etwas schlanker. So finden wir sie dann bei vielen Konservendosen.

Noch etwas schlanker waren dann die klassischen Getränkedosen mit 330ml Inhalt. Bei dieser Form wurde ein guter Kompromiss zwischen Handhabbarkeit und sparsamen Materialeinsatz gefunden. Bedenken wir: Jedes Gramm Blech mehr muß hergestellt werden, sei es aus Altmetall oder aus Erz, es muß transportiert werden.

Nun sehen wir in den Geschäften immer mehr Dosen mit 330ml Inhalt und der schlankeren Form der 250ml Dosen. Und jede Dose verbraucht unnötig viel Blech und Energie bei der Herstellung und beim Transport. Wenn also mal wieder jemand den Cola-Test machen möchte, dann muß nicht nur der Geschmack entscheiden.

Zwei Dosen mit 330ml Inhalt, aber unterschiedlich viel Blech- und Energieverbrauch

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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