Der Name der Hose … oder der des Verkäufers

Es gibt ja so Anlässe, zu denen man eingeladen ist, bei denen man vielleicht nicht etwas feiner angezogen sein sollte, aber zumindest anständig angezogen sein sollte. Das leuchtet ein. Zu so einem Anlass war ich auch eingeladen. Die (frischgewaschene) Hose hatte schon bessere Zeiten gesehen. War auch schon das eine oder andere Mal zur Reparatur. Aber sie tat noch, auch wenn der Stoff an vielen Stellen vom langen Tragen und vielen Waschen schon recht dünn war.

Beim Anziehen passierte ein kleines Missgeschick, was zu einem Riss über dem Knie im Hosenbein führte. Kein Drama, mit entsprechenden Rissen läuft heute fast jeder rum. Und manche Menschen kaufen ihre Hosen schon „vorgealtert“ und mit solchen „Schäden“. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, die Hose trotz des Schadens anzuziehen.

Allerdings sorgte das für etwas „Gemecker“. Naja, kennt man ja. Und als guter Sohn, der ich nunmal bin (oder es manchmal sein möchte), ließ ich mich überreden breitschlagen, mit zum „Jeans-Franz“ zu kommen. Meine Vorstellungen waren recht klar: Jeans in einem (Dunkel)Blau, breite Gürtelschlaufen (damit mein jetziger Gürtel weiterhin passt), Material Baumwolle und ein „normaler“ Schnitt.

Ich weiß nicht, was daran so schwierig sein sollte. Die Verkäuferin präsentierte mir alles mögliche, nur nicht das, wonach ich verlangte. Skinny-Jeans sehen bei (jungen) Frauen gut aus. Bei Männern bis Anfang, maximal Mitte 20. Und auch nur bei knackiger durchtrainierter Figur. Und das Anfang 20 ist bei ein paar Tage her.

Mit jeder Jeans, die ich mal anprobieren sollte, wurde es schlimmer und meine Laune sank. Mein Hinweis auf die breiten Gürtelschlaufen wurde mit einem

So etwas gibt es nicht, die Breite der Gürtelschlaufen ist genormt!

abgetan. Wenn es angeblich keine so breiten Gürtelschlaufen gibt, was ZUM HENKER habe ich dann an? EINE HOSE MIT BREITEN GÜRTELSCHLAUFEN!

Es war klar, beim „Jeans-Franz“ würde ich keine Hose bekommen. Nicht das zu haben, was den Vorstellungen eines potentiellen Kunden entspricht, ist kein absolut in Ordnung, zu unterschiedlich können die jeweiligen Vorstellungen sein. Dann sollte man aber auch gleich ein ehrliches „Führen wir nicht“ sagen. Meinetwegen mit dem Zusatz „Tut und leid“. Mich dann mit dem indirekt an Muttern addressierten Vorwurf

Der wollte wohl keine Hose kaufen…

zu verabschieden, das war schon echt peinlich. Glücklicherweise kamen wir einen Steinwurf entfernt an einem richtigen Jeansladen vorbei. Ich versuchte mein Glück auch dort, sagte mein Sprüchlein auf. Der Verkäufer taxierte mich, legte mir dann ein paar Levi’s 501 in der passenden Größe heraus. Rasch war die passende Farbe ausgesucht, die Hose anprobiert, für perfekt befunden und bezahlt. Dauerte dann keine fünf Minuten. Geht also. Nur eben nicht beim „Jeans-Franz“.

Und wenn ich das nächste mal eine Hose brauche, dann werde ich sie wahrscheinlich wieder dort kaufen…

Kommentieren

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2020 (25)
  • 2019 (19)
  • 2018 (48)
  • 2017 (38)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien