Die Regel(n) nicht verstanden…

Es war einmal … So fangen oft Märchen an. Und nicht jedes Märchen geht so gut aus, wie zunächst gedacht. Vor einiger Zeit ist einigen Frauen aufgefallen, dass sie für Tampons und Binden den vollen Mehrwertsteuersatz von 19% bezahlen. Das fanden sie ungerecht. Schließlich menstruieren sie nicht freiwillig. Und die Kosten für Tampons und Binden kosten pro Monat schon den einen oder anderen Euro.

Kann man da nicht was machen? Klar, kann man, also eher „frau“. Flugs wurde eine Kampagne ins Leben gerufen, griffige Slogans, die sich mit einem Hashtag gut in sozialen Medien machten, entworfen. So kam es dann zu #NoTamponTax oder #KeineTamponSteuer.

Kann man gut finden. Und sofort unterstützen, ohne mal kurz darüber nachzudenken. Welche Regeln?

  • Der ermäßigte Steuersatz gilt für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs. Die Menstruation wird gerne auch als „Tage“ bezeichnet, aber solange Frauen nicht jeden Tag menstruieren, stellt sich die Frage, ob Tampons wirklich steuerlich begünstigt werden sollen.
  • Andere Dinge, die täglich gebraucht werden, denken wir mal an Arzneimittel, die täglich genommen werden (müssen), unterliegen dem vollen Mehrwertsteuersatz. Warum?

Nun kann man argumentieren, dass Frauen ja nicht freiwillig menstruieren. Aber das gilt auch für Männer, denen der Bart nicht freiwillig wächst und sich jeden Tag rasieren müssen. Sich einen Bart stehen zu lassen ist in vielen Berufen nicht akzeptabel.

Kurzum, mit genügend sozialem Druck auf die Politik erreichte man eine Einstufung von Tampons in die Gruppe für den ermäßigten Steuersatz. Und der Jubel war groß.

Leider haben die Befürworter einer ermäßigten Steuer ein paar grundsätzliche Regeln nicht verstanden. Nicht der Staat gibt den Preis vor. Hersteller und Handel stehen als Anbieter den Verbraucherinnen als Nachfragern auf dem Markt gegenüber. Und nun greifen die bekannten Prozesse: Der Preis eines Produktes bildet sich aus den Preisvorstellungen von Anbietern und Nachfragern, wobei jede Seite den eigenen Nutzen mehren möchte.

Nun wird also der Steuersatz gesenkt, Hersteller und Handel denken sich, dann die Anbieter bisher bereit waren, einen bestimmten Preis für die Produkte zu bezahlen. Warum sollten sie das nun nicht mehr sein?

Also wird der Preis erhöht, bis das Produkt im Laden wieder den ursprünglichen Preis hat. Nur machen Hersteller und Handel mehr Profit und freuen sich entsprechend. Und der Staat hat weniger Steuereinnahmen.

Die Mechanismen von Angebot und Nachfrage sind seit langer Zeit bekannt, auch die Folge einer Mehrwertsteuersenkung.

Aber wenn man die Regel(n) nicht versteht, dann bietet man Herstellern und Handel eben eine Steilvorlage. Wenn uns das nur vorher jemand gesagt hätte…

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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