Dr. Seltsam – oder warum die Mullahs die Bombe lieben

Der Iran arbeitet offensichtlich intensiv an eigener Atomtechnik, angeblich nur zu zivilen Zwecken. Nun kann man sich fragen, warum ein Staat, der über reichliche Ölreserven verfügt, sich den Luxus eigener, teurer Atomanlagen leisten muß. Leicht könnte man denken, da können und müssen noch andere Dinge im Busch sein. Zum Beispiel eine Atombombe.

Nun sind Atombomben nicht irgendwelche Waffen sondern ganz besondere. Eigentlich sogar besonders nutzlose Waffen, denn man kann sie nicht einsetzen, jedenfalls nicht ungestraft. Man kann mit ihrem Besitz Eindruck schinden, auch ihren Einsatz androhen, doch beides ist sehr gefährlich.

Gegen wen könnte ein Staat seine Atomwaffen einsetzen? Die klassischen Gegenspieler NATO und Warschauer Pakt bedrohten sich gegenseitig. Indien und Pakistan streiten sich seit Ewigkeiten um Kaschmir und bedrohen einander mit Atomwaffen.

Jeder, die die atomare Schwelle in einem Konflikt überschreitet, muß wissen, daß es danach kaum ein Zurück mehr gibt und daß der Gegner oder dessen Verbündete dann ebenfalls solche Waffen einsetzen könnten. Ein Spiel, bei dem kaum etwas zu gewinnen, aber viel zu verlieren ist. Wozu dann also Atomwaffen? Wozu viel Geld ausgeben für Waffen, die ziemlich nutzlos sind, es sei denn, man möchte den eigenen Untergang einläuten.

Viele andere Staaten haben Atomwaffen, um sich gegen reale oder vermeintliche Bedrohungen zu schützen, der Club der offiziellen Atommächte wird immer größer, daneben gibt es Staaten, die solche Waffen im Arsenal haben, es aber offiziell nicht zugeben.

Nun will auch der Iran die Bombe haben, andere Schlüsse läßt sein Verhalten nicht zu. Doch gegen wen könnte oder wollte der Iran seine Bomben einsetzen? Der Erzfeind von damals, der Irak, ist entmachtet und von US-Truppen besetzt. Israel hat A-Waffen und Träger, die bis in den Iran reichen, doch würde ihr Einsatz höchstwahrscheinlich das Ende jeglicher Sympathie bedeuten, die Israel weltweit genießt. Und damit auch das Ende von politischer oder militärischer Unterstützung durch die USA.

Wer braucht die nukleare Option denn so dringend? Und wozu?

Das Beispiel Irak hat gezeigt, daß man, wenn man eben keine Massenvernichtungswaffen (MVW) hat, leicht zum Opfer fremder Angriffe werden könnte. Hätte Saddam mit dem Besitz oder Einsatz von (atomaren) MVW drohen können, wäre er vermutlich heute noch in Amt und Würden. In ähnlicher Lage sehen sich offenbar auch die Mullahs im Iran. Sie brauchen die Bombe, um vor Übergriffen Dritter sicher zu sein.

Sollten sie die Bombe haben dürfen? Oder wäre das für die Stabilität in der Region verhängnisvoll? Der Iran ist kein Staat wie alle anderen, Menschen- und Bürgerrechte werden sehr eigenwillig ausgelegt, zumindest nach unseren Maßstäben. Erst kürzlich wurden 17jährige hingerichtet, deren Verbrechen darin bestand, homosexuell zu sein und das auszuleben. Und ein Regime, das solche Grausamkeiten nicht nur duldet sondern quasi anordnet, möchte sich atomar bewaffnen. Kein schöner Gedanke.

Normalerweise handeln Staaten recht vernünftig, besonders Demokratien. Zu groß ist die Gefahr, auf einen (Atom)Schlag hin alle Wähler zu verlieren. Selbst in den heißesten Phasen des Kalten Krieges verhielten sich die USA und UdSSR rational genug, um nicht aus der Kuba-Krise einen Dritten Weltkrieg zu machen. Gilt das auch für totalitäre Staaten, deren Regenten sich von der Vorhersehung oder Allah auserwählt fühlen? Wer nichts mehr zu verlieren hat und bereit ist, das eigene Volk mit in den Untergang zu ziehen, dem wird auch das das Nachbarvolk nicht mehr viel ausmachen. Insofern können die Deutschen glücklich sein, die Bombe damals nicht gehabt zu haben.

Ob die Bombe Fluch oder Segen für den Iran wird, ist ebenso offen, wie die Frage, wie weit der Iran noch von der Bombe entfernt ist.

Ich bin jedoch sicher, das Geld für ein Atomprogramm ist besser in Lebensmitteln, oder einem funktionierenden Gesundheitswesen angelegt. In Nordkorea hat die Regierung zwar die Bombe, dafür hat das Volk viel Hunger.

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